CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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02.03.1933

Alle Länderregierungen verbieten kommunistische Druckschriften und Versammlungen jeder Art. Weitere Verhaftungen im ganzen Reich.

05.03.1933

Reichstagswahl unter den Bedingungen weitgehender Entrechtung und Ausschaltung der Arbeiterparteien sowie eines Propagandamonopols der extremen Rechten. Die NSDAP verfehlt mit 288 von 647 Mandaten (44,1%) die absolute Mehrheit; zusammen mit ihren rechtskonservativen und nationalistischen Koalitionspartnern verfügt sie über 341 Mandate. Die SPD kommt auf 120 Mandate (von 20,4 auf 18,2%), die KPD auf 81 (von 16,9 auf 12,3%). Der Stimmenzuwachs der NSDAP beträgt 5,5 Mio., denen Verluste der KPD von 1,1 Mio., der SPD von 0,1 Mio. und der sog. rechten Mittelparteien von 0,4 Mio. sowie eine Zunahme der Wähler um rund 4 Mio. gegenüberstehen. Die NSDAP hat vor allem in Süddeutschland überdurchschnittlich hinzu gewonnen.

06.03.1933

Beginn von Angriffen der Nationalsozialisten gegen Juden auf dem Berliner Kurfürstendamm, mit einem ersten blutigen Höhepunkt am 9. März.

07.03.1933

Die "Neue Wiener Presse" veröffentlicht die Zusage des konservativen Vizekanzlers Papen, Juden würden in Deutschland behandelt wie alle anderen Staatsbürger.

08.03.1933

Das Karl-Liebknecht-Haus in Berlin, die Parteizentrale der KPD, wird von der Polizei besetzt. Es wird bekannt gegeben, daß die 81 gewählten Abgeordneten der KPD ihre Mandate im Reichstag nicht antreten dürfen. Der Reichsinnenminister erklärt dazu, daß die Kommunisten bei Reichstagszusammentritt durch dringende und nützlichere Arbeit an der Teilnahme verhindert sein würden. Man werde ihnen in Konzentrationslagern Gelegenheit geben, sich an fruchtbringende Arbeit zu gewöhnen. Wenn sie sich zu nützlichen Gliedern der Nation erziehen lassen, werde man sie wieder willkommen heißen, sonst aber sie auf die Dauer unschädlich zu machen wissen. (AdG, S. 736)

Durch die Aufhebung der kommunistischen Mandate verfügen die Nationalsozialisten über die absolute Mehrheit im Reichstag.

09.03.1933

In Berlin, Magdeburg und im Rheinland blockieren SA-Männer vereinzelt jüdische Warenhäuser und Geschäfte. In Chemnitz zwingen SA und Stahlhelm jüdische Beamte zum Verlassen des Amtsgerichts; ähnliches geschieht in mehreren schlesischen Städten.

Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens - die zahlenmäßig und politisch bedeutendste Organisation der deutschen Juden - veröffentlicht eine Meldung über ein Gespräch mit Minister Göring. Dieser habe zugesagt, daß die Sicherheit des Lebens und des Eigentums der jüdischen Staatsbürger, die sich der Regierung gegenüber loyal verhalten, gewährleistet werde. Anhaltspunkte für Zusammenhänge des Centralvereins mit kommunistischen und staatsfeindlichen Bestrebungen liegen lt. Göring nicht vor. (AdG, S. 736)

15.03.1933

Das Reichsinnenministeriums weist die Länderregierungen an,

  1. die Zuwanderung von Ostjuden abzuwehren
  2. Ostjuden, die sich ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland befinden, zu entfernen
  3. Ostjuden nicht mehr einzubürgern (Walk, S. 4)