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September 1935
Der "Stürmer" polemisiert gegen "Dummheiten und Disziplinlosigkeiten"
.
"Unwissende und Unaufgeklärte glauben, eingeschlagene Schaufensterscheiben, das Beschmieren von Ladentüren oder die Nichtverabreichung von Lebensmitteln an Angehörige des jüdischen Volkes seien notwendig, um ihre deutsche Gesinnung unter Beweis zu stellen. In Wirklichkeit wissen sie nicht, was sie tun. Wer als Judengegner ernst genommen werden will, läßt seine Hand von Unternehmungen, die der Arbeit antisemitischer Aufklärung unwürdig sind. Die Judenfrage findet ihre endgültige Lösung nicht durch Handlungen, die aus dem Affekt eines Augenblickes entspringen. Die Judenfrage findet ihre zwangsläufige Lösung im Interesse der Nichtjuden und Juden durch eine diszipliniert und weit in die Zukunft schauende Aufklärungstätigkeit, wie sie der Stürmer seit vielen Jahren mit Erfolg betreibt." (Der Stürmer, Nr. 38/1935; IMT Dok. Streicher-12)
10.09.1935
Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Rust, kündigt an, daß vom Schuljahr 1936 an eine möglichst vollständige Rassentrennung an allen Schulen durchgeführt werden soll. Das gilt jedoch nicht für Schüler mit nur einem jüdischen Großelternteil. Für jüdische Schüler sollen, soweit möglich, gesonderte öffentliche Volksschulen eingerichtet werden.
In der Begründung heißt es, daß die gemeinsame Erziehung von "Ariern"
und Juden ein starkes Hindernis für die nationalsozialistische Jugenderziehung bilde und daß trotz Zulassungsbeschränkungen an einzelnen Orten noch unverhältnismäßig hohe Zahlen jüdischer Schüler festzustellen seien. (AdG, S. 2217)
Beginn des 7. Reichsparteitags der NSDAP in Nürnberg.
12.09.1935
Rede von Reichsärzteführer Dr. Wagner auf dem NSDAP-Parteitag
Deutschland habe die naturgegebene Ungleichheit der Menschen wieder erkannt.
"Der Versuch, Gesunde und Kranke gleichmäßig zu bewerten, führe in der Praxis zu einer bevorzugten Förderung des Schwächlichen und Untüchtigen und damit zur Degeneration des Volkes. Die Familienstärke der geistig Minderwertigen sei fast doppelt so hoch wie die der Gesunden. Die Zahl der Geisteskranken sei in deutschen Irrenhäusern in 70 Jahren um 450% gestiegen, die Bevölkerung nur um 50%. Die Gleichheitslehre habe auch die Rassengrenze geleugnet. Nach der Statistik seien die Juden sowohl unter den Geisteskranken, wie unter den Verbrechern, insbesondere bei Bankrott, Wucher und Sexualvergehen sowie Rauschgifthandel wesentlich stärker vertreten als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht." (AdG, S. 2222)
15.09.1935
Der Reichstag nimmt einstimmig die sog. Nürnberger Rassengesetze an:
Das Reichsbürgergesetz und das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre"
.
Im Reichsbürgergesetz wird unterschieden zwischen Staatsangehörigen und Reichsbürgern. Letzteres kann nur sein, wer "deutschen oder artverwandten Blutes"
ist. Nur die Reichsbürger sind "Träger der vollen politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze"
.
Das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre verbietet Eheschließungen zwischen Juden und Personen "deutschen oder artverwandten Blutes"
. Auch außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Personen "deutschen oder artverwandten Blutes"
ist verboten. Juden dürfen ab 1. Januar 1936 keine weiblichen Personen "deutschen oder artverwandten Blutes"
unter 45 Jahren in ihrem Haushalt beschäftigen. Juden dürfen die Reichs- und Nationalfahne nicht hissen und die Nationalfarben nicht tragen. (RGBl I, S. 1146ff).
Rede Hitlers im Reichstag aus Anlaß der Behandlung der Rassengesetze
"Leider erleben wir, daß, während die Völkerverständigung nötiger wäre als je, die bolschewistische Internationale von Moskau die Revolutionierung, d.h. die Völkerverhetzung, erneut offen und planmäßig betreibt. (...) Weiter müssen wir feststellen, daß es sich hier wie überall um fast ausschließlich jüdische Elemente handelt, die als Träger dieser Völkerverhetzung und Völkerzersetzung in Erscheinung treten."
"Sollte aber eine weitere Unterstreichung der Richtigkeit dieser unserer Auffassung erforderlich sein, dann wird diese reichlich gegeben durch die erneute Boykotthetze, die das jüdische Element gegen Deutschland soeben wieder in Gang setzt. Diese internationale Unruhe der Welt scheint leider auch im Judentum in Deutschland die Auffassung erweckt zu haben, daß nunmehr vielleicht die Zeit gekommen sei, den deutschen Nationalinteressen im Reiche die jüdischen bemerkbar entgegenzustellen. Aus zahllosen Orten wird auf das Heftigste geklagt über das provozierende Vorgehen einzelner Angehöriger dieses Volkes (...).
Soll dieses Vorgehen nicht zu sehr entschlossenen, im einzelnen nicht übersehbaren Abwehrreaktionen der empörten Bevölkerung führen, bleibt nur der Weg einer gesetzlichen Regelung des Problems übrig. Die deutsche Reichsregierung ist dabei beherrscht von dem Gedanken, durch eine einmalige säkuläre Lösung vielleicht doch eine Ebene schaffen zu können, auf der es dem deutschen Volke möglich wird, ein erträgliches Verhältnis zum jüdischen Volk finden zu können. Sollte sich diese Hoffnung nicht erfüllen, sollte die innerdeutsche und internationale jüdische Hetze ihren Fortgang nehmen, wird eine neue Überprüfung der Lage stattfinden."
Die Rassengesetze seien der "Versuch der gesetzlichen Regelung eines Problems, das im Falle des abermaligen Scheiterns dann zur endgültigen Lösung der Nationalsozialistischen Partei übertragen werden müßte"
. (AdG, S. 2224-2225)