CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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06.07. - 15.07.1938

Internationale Politik

Flüchtlingskonferenz in Evian (Frankreich). Beteiligt sind 32 Staaten - davon 21 aus Amerika - sowie mehrere internationale jüdische Hilfsorganisationen, u.a. das Joint Distribution Committee und die zionistische Jewish Agency. Aus dem Deutschen Reich sind mit offizieller Erlaubnis die Jüdische Gemeinde Wien und die Reichsvertretung der Juden in Deutschland vertreten.

Die Teilnehmerstaaten weigern sich fast ausnahmslos, weitere jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Nur Trujillo, der Diktator der Dominikanischen Republik, kündigt seine Bereitschaft an, bis zu 100.000 Einwanderer aufzunehmen, doch erweist sich das als reiner Propagandabluff.

Als einziges praktisches Ergebnis der Konferenz wird das Intergovernmental Refugee Committee mit Sitz in London gebildet. Vorsitzender ist der Konferenzpräsident von Evian, Taylor; Direktor ist George Rublee, der dann auch die Verhandlungen mit den deutschen Stellen führt.

08.07.1938

Rundschreiben des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, von Weizsäcker, an die deutschen Vertretungen in London, Paris, Washington u.a.:

Großbritannien habe anläßlich der Konferenz in Evian durch seinen Botschafter in Berlin angefragt, ob Deutschland bereit sei, "bei der Lösung der Emigrantenfrage, insbesondere bei der Förderung der Auswanderung von Juden deutscher Staatsangehörigkeit, mit den übrigen interessierten Staaten zusammenzuarbeiten". Kein Land sei bereit, die auswandernden deutschen Juden aufzunehmen, zumal wenn sie mittellos seien. Es stelle sich daher die Frage, ob die Reichsregierung bereit sei, bei der Transferierung von Kapital in jüdischen Händen mitzuwirken.

Außenminister Ribbentrop habe geantwortet, "daß er eine Zusammenarbeit mit anderen Staaten in der deutschen Judenfrage grundsätzlich ablehnen müsse. Es handele sich um ein innerdeutsches Problem, das außer jeder Diskussion stehe. Die Frage, ob Deutschland die Transferierung von Kapital in jüdischen Händen erleichtern könne, müsse verneint werden, da ein Transfer des von den Juden - vor allem nach dem Kriege - angesammelten Kapitals Deutschland nicht zugemutet werden könne. Eine Zusammenarbeit mit den zurzeit in Evian tagenden Mächten käme daher für Deutschland nicht in Frage." (ADAP, Serie D, Bd. V, Nr. 640)

09.07.1938

Zerstörung der Großen Synagoge in München auf Befehl Hitlers.