CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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11.10.1938

Anweisung des Auswärtigen Amtes an die deutschen Vertretungen

Die Botschaften werden aufgefordert, die im Ausland lebenden deutschen Juden, soweit sie ihnen bekannt sind, einzeln aufzufordern, sich innerhalb einer möglichst kurz bemessenen Frist bei ihnen mit ihren Reisepässen einzufinden - und diese dann mit dem "J"-Stempel zu versehen. Juden, die dieser Aufforderung nicht nachkommen, sollen in Listen erfaßt werden, die nach etwa einem Monat dem Ausw. Amt vorzulegen sind. (ADAP, Serie D, Bd. V, Nr. 644)

12.10.1938

Nicht unterzeichneter Bericht für den Staatssekretär im Ausw. Amt:

Hitler habe in seinem Gespräch mit Außenminister Ribbentropp am 11. Oktober in Godesberg angeordnet: "Von dem zuständigen Ressort soll geprüft werden, ob eine Ausweisung der 27.000 Juden tschechischer Staatsangehörigkeit aus Wien möglich ist." (ADAP, Serie D, Bd. IV, Nr. 53)

14.10.1938

Interministerielle Konferenz unter Leitung Görings im Reichsluftfahrtministerium

Göring teilt mit, daß Hitler ihn beauftragt habe, "ein gigantisches Programm durchzuführen, gegen das die bisherigen Leistungen bedeutungslos seien". Die Rüstung sei "abnorm zu steigern"; die Luftwaffe  schnellstens zu verfünffachen; das Heer müsse große Mengen von Angriffswaffen erhalten, vor allem schwere Artillerie und schwere Panzer.

Damit stehe die Wirtschaft vor großen Schwierigkeiten. Die Kassen seien leer, die Produktionskapazitäten für Jahre hinaus mit Aufträgen belegt. "Er werde die Wirtschaft mit brutalen Mitteln umdrehen, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Er werde von seiner, ihm von Hitler erteilten, Generalvollmacht "barbarischen Gebrauch machen". Alle Wünsche und Pläne von Staat, Partei oder anderen Stellen, die nicht ganz in dieser Linie liegen, sind rücksichtslos zurückzustellen. Er warne dringend, den Arbeitern Versprechungen zu machen, die nicht gehalten werden könnten.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen kündigt Göring an, "die Judenfrage" werde jetzt mit allen Mitteln angefaßt. Die Juden müßten ganz aus der Wirtschaft raus. Unter allen Umständen zu unterbinden sei aber die wilde Kommissar-Wirtschaft, wie sie sich in Österreich ausgebildet habe. Die Erledigung der Judenfrage dürfe nicht als Versorgungssystem untüchtiger Parteigenossen angesehen werden. Die "Arisierung" sei allein Sache der Staatsorgane. Er könne aber Devisen für den Abschub der Juden nicht zur Verfügung stellen. Notfalls müsse man Ghettos in den Großstädten einrichten. (IMT, PS-1301)