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16.01.1939

Jüdischen Auswanderern wird grundsätzlich verboten, Schmuck und Wertsachen mitzunehmen. Erlaubt ist nur die Mitnahme von einem Besteck Tafelsilber pro Person, des Eherings und einer Uhr im Anschaffungswert bis 100 RM. (Walk, S. 274)

Gespräch Hitlers mit dem ungarischen Außenminister Csaky

Csaky fragt, ob man "das Judenproblem" nicht international lösen könne. Rumänien habe sich wegen einer gemeinsamen Lösung an ihn gewandt. Hitler berichtet von dem Plan, für Deutschland dieses Problem durch ein internationales Finanzierungsprojekt zu lösen. Es stehe jedenfalls fest, daß die Juden bis zum letzten aus Deutschland verschwinden müßten. Außerdem bestehe das Judenproblem nicht nur für Deutschland. Er würde jeden Staat unterstützen, der diesen Kampf aufnimmt. (ADAP, Serie D, Bd. IV, Nr. 272)

Aufzeichnung des Reichsbankpräsidenten Schacht über seine Besprechungen mit dem Beauftragten des Evian-Komitees, Rublee

Der zugrundeliegende Plan sei etwa folgender:
"Es sollen zunächst diejenigen Juden auswandern, die ihrem Alter und Gesundheitszustand nach im Ausland noch Erwerbsmöglichkeiten haben (15-45 Jahre). Es wird davon ausgegangen, daß es sich um etwa 150.000 Juden handelt, die einen Anhang (Frauen und Kinder pp.) von weiteren 250.000 haben, so daß auf diese Weise etwa 400.000 Juden im Laufe von drei Jahren, höchstens aber von fünf Jahren, aus Deutschland herausgebracht werden können. Das Evian-Komitee will alle Anstrengungen machen, um diese 150.000 Juden und ihre Angehörigen unterzubringen.

Das jüdische Vermögen in Deutschland wird zusammengefaßt. Etwa 25% dieses Vermögens sollen in einen Treuhandfonds eingebracht werden. Die Vermögenswerte des Treuhandfonds sollen nach und nach in bare Kasse verwandelt und nur dann transferiert werden, wenn es die Devisensituation Deutschlands erlauben sollte, bzw. schon vorher, wenn zusätzliche Exporte gemacht werden können. Die restlichen 75% des jüdischen Vermögens stehen Deutschland zur Verfügung insoweit, als sie nicht zum Unterhalt der Juden bis zur Auswanderung bzw. zum Unterhalt der alten oder für die Auswanderung nicht geeigneten Juden bis zu ihrem Aussterben benötigt werden. (...)

II. Es haben sich bei der Diskussion dieses Planes folgende Fragen ergeben:
1. Die auswandernden Juden werden von den aufnehmenden Ländern in Übereinstimmung mit deren Einwanderungsgesetzen und -praxis ausgewählt. An den wichtigen Plätzen in Deutschland sollen von den jüdischen Gemeinden Auswanderungsbüros unter der Kontrolle eines Reichskommissars eröffnet werden, die ungehindert arbeiten und die sich frei mit den auszuwandernden Juden beraten und die notwendige technische Arbeit leisten können. Mr. Rublee hat den Wunsch, daß diesen Büros - falls notwendig - auswärtige Emigrationsexperten beigegeben werden können (...).

2. Besteht die Möglichkeit, den auszuwandernden Juden zwischen 15 und 45 Jahren bis zur vollendeten Auswanderung Ausbildungserleichterungen in Deutschland zu gewähren? Gedacht ist dabei insbesondere an eine Ausbildung in landwirtschaftlichen Musterfarmen usw.

3. Es wird gewünscht, daß die in Konzentrationslagern befindlichen Juden, bezüglich deren Anzahl um Mitteilung gebeten wird - soweit es sich nicht um Verbrecher handelt -, einen Vorrang bei der Auswanderung haben sollen, wobei daran gedacht ist, daß im Ausland ein Lager aufgemacht wird, in welchem diese Juden zunächst untergebracht werden.

4. Es wird angenommen, daß die deutsche Regierung bei der Hergabe von Pässen für Auswanderer keine Schwierigkeiten macht, und daß die Lage der staatenlosen Juden geregelt wird einschließlich derer, die Deutschland bereits verlassen haben.

5. Soweit die Juden nicht unter die Kategorie fallen, die für die Auswanderung in Frage kommen, sollen ihnen befriedigende Lebensbedingungen zugesichert werden, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht (Wohnung, Ernährung usw.), sondern auch dahingehend, daß ihnen erlaubt werden soll, ein normales Leben, frei von Belästigungen zu führen. (...)

6. Die zur Auswanderung kommenden Juden sollen bis zur vollendeten Auswanderung nach Möglichkeit irgendwie beschäftigt werden, sei es in Muster- oder anderen Farmen, sei es in Fabriken und zwar abgesondert von den arischen Volksgenossen. (...)

7. Die Verwandten der auszuwandernden Juden wie auch die nicht mehr zur Auswanderung gelangenden Juden sollen - dies ist der Wunsch Mr. Rublees - nach Möglichkeit an den Plätzen belassen werden, wo sie sich befinden, also nicht abgesondert werden. Mit anderen Worten, Mr. Rublee möchte, daß der Druck auf diese Juden, ihre jetzigen Wohnungen und Häuser zu verlassen, erleichtert wird. Dort, wo Absonderung unbedingt nötig ist, soll ein System von Altersheimen und Pensionskolonien in Erwägung gezogen werden. (...)

8. In bezug auf Wohnung, Ernährung und allgemeine Lebensbedingungen sollen sowohl den Juden, die im Laufe der nächsten drei Jahre auswandern, wie auch den hier verbleibenden älteren Juden decent conditions of existence gewährt werden, worunter der Unterhalt in einem Konzentrationslager nicht verstanden wird. (...)

11. Rublee wünscht, daß die auswandernden Juden ihre Haushaltseinrichtungen, persönliche Gegenstände - mit Ausnahmen von Juwelen und teuren Kunstgegenständen - sowie die für die Ausübung ihres Berufs erforderlichen Gegenstände unbehindert und frei von Steuern und Abgaben mitnehmen können." (ADAP, Serie D, Bd. V, Nr. 661)

17.01.1939

Die Zulassungen der letzten noch arbeitenden jüdischen Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker erlöschen am 31. Januar 1939. Ausnahmen für die ausschließliche Behandlung von Juden sind möglich. Juden, die zu den Hilfskräften in der Gesundheitspflege gehören, dürfen ihre Berufstätigkeit nur noch an Juden und in jüdischen Anstalten ausüben. (RGBl I, S. 47f)

18.01.1939

Der Reichsinnenminister ordnet die Anlage einer Bevölkerungskartei an. Sie soll alle Einwohner im Alter von 5 bis 70 Jahren umfassen; außerdem sollen die Schulen eine Schülerkartei anlegen. Die Karten von Juden werden mit dem Buchstaben "J" gekennzeichnet. (Walk, S. 275)

Aufzeichnung des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Weizsäcker

Minister Ribbentrop habe entschieden, daß eine Unterzeichnung der bisherigen Vereinbarungen zwischen Rublee und Schacht nicht in Frage kommt. Jede Zusage über die künftige Behandlung der Juden in Deutschland gegenüber  Rublee müsse unterbleiben. In der Behandlung der Sache müsse das Auswärtige Amt die führende Stelle sein, ohne jedoch als solche gegenüber dem Ausland hervorzutreten. (ADAP, Serie D, Bd. V, Nr. 662)

20.01.1939

Entlassung Schachts als Präsident der Reichsbank

Anlaß ist ein von ihm und anderen - jetzt ebenfalls entlassenen - Reichsbankdirektoren unterzeichnetes Memorandum vom 7. Januar, in dem vor einer finanziellen Überbeanspruchung der deutschen Wirtschaft durch die Rüstung gewarnt wurde.

Zugleich wird Schacht die Verhandlungsführung mit dem Evian-Komitee  entzogen. An seiner Stelle setzt Helmuth Wolthat vom Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan im Auftrag Görings die Gespräche fort.

21.01.1939

Die im Zusammenhang mit dem 9. November 1938 in "Schutzhaft" genommenen jüdischen Jugendlichen, die noch keine 18 Jahre alt sind, werden auf Anweisung der Gestapo freigelassen. (Walk, S. 276)

Gespräch Hitlers mit dem tschechoslowakischen Außenminister Chvalkovsky in Berlin

Hitler beklagt sich, daß in der Tschechoslowakei nicht scharf genug gegen die Juden vorgegangen werde, und erklärt, "die Juden würden bei uns vernichtet. Den 9. November (1918) hätten die Juden nicht umsonst gemacht, dieser Tag würde gerächt werden. Aber in der Tschechoslowakei vergifteten die Juden heute noch das Volk."

Chvalkovsky behauptet, die Juden hätten in der Tschechoslowakei "den Nachwuchs nicht aufkommen lassen, und so habe man heute nicht genug Menschen, um die Juden zu ersetzen, die man hinauswerfen wolle". Seine Regierung werde jetzt daran gehen, "die Judenfrage zu lösen", aber das könne nicht innerhalb von drei Monaten geschehen. Das Problem sei äußerst schwierig, " denn freiwillig gingen die Juden nicht".

Hitler: "Die Judenfrage" könne nur mit Hilfe derjenigen Länder gelöst werden, die - wie z.B. England und Amerika - unbegrenzte Gebiete hätten, die sie den Juden zur Verfügung stellen könnten. Die daran interessierten Staaten sollten irgendeinen Fleck in der Welt nehmen, dort die Juden hinsetzen und dann den angelsächsischen Staaten sagen: "Hier sind sie; entweder verhungern sie oder ihr setzt eure vielen Reden in die Praxis um." (ADAP, Serie D, Bd. IV, Nr. 158)