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24.01.1939

Göring beauftragt Heydrich, "die Judenfrage einer den Zeitumständen entsprechend möglichst günstigen Lösung zuzuführen." - Die Auswanderung der Juden aus Deutschland solle mit allen Mitteln gefördert werden.

Im Reichsinnenministerium wird aus Vertreter der beteiligten Dienststellen eine von Heydrich geleitete Reichszentrale für die jüdische Auswanderung gebildet. Vor grundsätzlichen Maßnahmen soll die Entscheidung Görings eingeholt werden. Die Zentrale hat die Aufgabe, für das gesamte Reichsgebiet einheitlich

  1. alle Maßnahmen zur Vorbereitung einer verstärkten Auswanderung der Juden zu treffen;
  2. die Auswanderung zu lenken, u.a. für eine bevorzugte Auswanderung der ärmeren Juden zu sorgen;
  3. die Durchführung der Auswanderung im Einzelfall zu beschleunigen, indem sie durch zentrale Bearbeitung der Anträge die erforderlichen Papiere  schnell und reibungslos beschafft und den Vollzug der Auswanderung überwacht. (IMT PS-710)

Eine vorläufige deutsch-polnische Verständigung über die Beilegung des Abschiebestreits vom Herbst 1938 ist erreicht. Die polnische Regierung erklärt sich bereit, die Frauen und Kinder der im Oktober gewaltsam aus Deutschland abgeschobenen Juden aufzunehmen. Es handelt sich dabei um  etwa 5-6.000 Menschen. Keine Einigung besteht hinsichtlich der im Reich noch verbliebenen 7-8.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit.

Die damals nach Polen Abgeschobenen sollen das Recht erhalten, bis zum 31. Juli vorübergehend und befristet nach Deutschland zurückzukehren, um ihre persönlichen und geschäftlichen Verhältnisse zu regeln. Die polnische Regierung verpflichtet sich, jederzeit ihre Wiedereinreise zuzulassen. Die Betroffenen sollen Wohnungseinrichtungen, persönliche Gebrauchsgegenstände und zur Ausübung ihres Berufs erforderliche Sachen gebühren- und abgabenfrei aus Deutschland ausführen dürfen. Erlöse aus Vermögensauflösungen sollen auf ein besonderes Konto bei einer deutschen Devisenbank eingezahlt werden; über die weitere Behandlung dieses Kontos, insbesondere über Verrechnungsmöglichkeiten, müssen sich die beiden Regierungen noch verständigen.

Auf deutschen Wunsch wird die Vereinbarung nicht öffentlich bekannt gegeben. (Adler, S. 98-100)

25.01.1939

Runderlaß des Auswärtigen Amtes

"Die Judenfrage als Faktor der Außenpolitik im Jahre 1938"

"Das letzte Ziel der deutschen Judenpolitik ist die Auswanderung aller im Reichsgebiet lebenden Juden." - Zwar sei zu erwarten, daß die einschneidenden Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet den Auswanderungwillen der Juden fördern, aber die bisherigen antijüdischen Maßnahmen hätten nicht wesentlich zur Abwanderung der deutschen Juden beigetragen.

Offen sei bisher die Frage: 1."wie diese Auswanderung zu organisieren und zu finanzieren sei", und 2."wohin die Auswanderung zu lenken sei".- Zu 1.: Es sei "selbstverständlich, daß der Transfer auch nur eines Bruchteils jüdischen Vermögens devisentechnisch unmöglich wäre." - Zu 2.: Kein Land sei aufnahmewillig, wie sich zuletzt auf der Flüchtlingskonferenz von Evian gezeigt habe. Inzwischen hätten "fast alle Staaten der Welt ihre Grenzen gegen die lästigen jüdischen Eindringlinge hermetisch verschlossen. Das Problem der jüdischen Massenauswanderung ist damit zunächst praktisch festgefahren. (...)

Bereits die Wanderungsbewegung von nur etwa 100.000 Juden hat ausgereicht, um das Interesse, wenn nicht das Verständnis vieler Länder für die jüdische Gefahr zu wecken. Wir können ermessen, daß sich die Judenfrage zu einem Problem der internationalen Politik ausweiten wird, wenn große Massen der Juden aus Deutschland, aus Polen, Ungarn und Rumänien durch den zunehmenden Druck ihrer Gastvölker in Bewegung gesetzt werden. Auch für Deutschland wird die Judenfrage nicht ihre Erledigung gefunden haben, wenn der letzte Jude deutschen Boden verlassen hat.

Es ist bereits heute für die deutsche Politik eine wichtige Aufgabe, den Strom der jüdischen Wanderung zu kontrollieren und nach Möglichkeit zu lenken. Allerdings besteht keine Veranlassung, mit anderen Staaten wie Polen, Ungarn und Rumänien, die selbst die Abwanderung ihrer jüdischen Bevölkerung anstreben, an der Lösung dieses Problems zusammenzuarbeiten. Erfahrungsgemäß konkurrieren bei dieser Prozedur die gleichgerichteten Interessen und hemmen die Verwirklichung des vordringlichen deutschen Anspruchs auf Aufnahme der deutschen Juden in andere Zielländer." - "Deutschland wird daher selbst die Initiative ergreifen, um zunächst für die Abwanderung der Juden aus Deutschland Mittel, Wege und Ziel zu finden."

Palästina sei als Ziel der jüdischen Auswanderung von Deutschland im Rahmen des Haavara-Abkommens zunächst gefördert worden. Der Transfer jüdischen Vermögens nach Palästina habe dort "nicht unwesentlich zum Ausbau eines Judenstaates" beigetragen. "Deutschland muß aber in der Bildung eines Judenstaates (...) eine Gefahr sehen. Die Erkenntnis, daß das Judentum in der Welt stets der unversöhnliche Gegner des Dritten Reiches sein wird, zwingt zu dem Entschluß, jede Stärkung der jüdischen Position zu verhindern. Ein jüdischer Staat würde aber dem Weltjudentum einen völkerrechtlichen Machtzuwachs bringen."

"Es besteht deutscherseits ein größeres Interesse daran, die Zersplitterung des Judentums aufrecht zu erhalten." - Absicht dabei sei, "daß der Zustrom der Juden in allen Teilen der Welt den Widerstand der eingesessenen Bevölkerung hervorruft und damit die beste Propaganda für die deutsche Judenpolitik darstellt. (...) Je ärmer und damit belastender für das Einwanderungsland der einwandernde Jude ist, desto stärker wird das Gastland reagieren und desto erwünschter ist die Wirkung im deutschen propagandistischen Interesse. Das Ziel dieses deutschen Vorgehens soll eine in der Zukunft liegende internationale Lösung der Judenfrage sein." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 664)

28.01.1939

Das Reichswirtschaftsministerium verbietet den Juden, auf Märkten zu verkaufen. (Walk, S. 277)

30.01.1939

Rede Hitlers im Reichstag

Die Juden seien die Feinde Deutschlands, und nicht nur Deutschlands. Der Westen sollte die Juden in den riesigen Gebieten ansiedeln, über die er verfüge. "Ich glaube, daß dieses Problem je eher um so besser gelöst wird. Denn Europa kann nicht zur Ruhe kommen, bevor nicht die jüdische Frage ausgeräumt ist. Es kann sehr wohl möglich sein, daß über diesem Problem früher oder später die Einigung Europas selbst zwischen solchen Nationen stattfindet, die sonst nicht so leicht den Weg zueinander finden würden."

"Und eines möchte ich an diesem vielleicht nicht nur für uns Deutsche denkwürdigen Tage (dem Jahrestag der NS-"Machtergreifung" - Anm. der Red.) nun aussprechen: Ich bin in meinem Leben sehr oft Prophet gewesen und wurde meistens ausgelacht. In der Zeit meines Kampfes um die Macht war es in erster Linie das jüdische Volk, das nur mit Gelächter meine Prophezeiungen hinnahm, ich würde einmal in Deutschland die Führung des Staates und damit des ganzen Volkes übernehmen und dann unter vielen anderen auch das jüdische Problem zur Lösung bringen. Ich glaube, daß dieses damalige schallende Gelächter dem Judentum in Deutschland unterdes wohl schon in der Kehle erstickt ist. Ich will heute wieder ein Prophet sein: Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.

Denn die Zeit der propagandistischen Wehrlosigkeit der nicht-jüdischen Völker ist zu Ende. Das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien besitzen jene Einrichtungen, die es gestatten, wenn notwendig, die Welt über das Wesen einer Frage aufzuklären, die vielen Völkern instinktiv bewußt und nur wissenschaftlich unklar ist. Augenblicklich mag das Judentum in gewissen Staaten seine Hetze betreiben unter dem Schutz einer dort in seinen Händen befindlichen Presse, des Films, der Rundfunkpropaganda, der Theater, der Literatur usw. Wenn es diesem Volk aber noch einmal gelingen sollte, die Millionenmassen der Völker in einen für diese gänzlich sinnlosen und nur jüdischen Interessen dienenden Kampf zu hetzen, dann wird sich die Wirksamkeit einer Aufklärung äußern, der in Deutschland allein schon in wenigen Jahren das Judentum restlos erlegen ist. Die Völker wollen nicht mehr auf den Schlachtfeldern sterben, damit diese wurzellose internationale Rasse an den Geschäften des Krieges verdient und ihre alttestamentarische Rachsucht befriedigt." (Domarus, S. 1658ff; AdG, S. 3920)

An den Kernsatz dieser Rede - ein künftiger Krieg werde mit der "Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa"enden - erinnerten Hitler, Goebbels u.a. während des Krieges bei vielen Gelegenheiten. Hitler selbst behauptete am 30.1.41 erstmals fälschlich oder irrtümlich, diesen Satz in seiner Reichstagsrede am 1. September 1939 (nach dem Überfall auf Polen) gesprochen zu haben, und bei dieser Version blieb es dann.