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Oktober 1939
Leitartikel des Schriftleiters Karl Holz im "Stürmer"
"Was der Jude dem deutschen Volke bisher ankündigte, ging nicht in Erfüllung. Was aber der Führer prophezeite, ist immer eingetroffen. Der Führer aber hat am Anfang dieses Jahres im Reichstag verkündet: 'Sollte infolge der unablässigen jüdischen Kriegshetze ein Krieg ausbrechen, so prophezeie ich als Ende dieses Krieges die Ausrottung der jüdischen Rasse in Europa.' " (IMT, Streicher-6)
05.10.1939
Polen
Der deutsche Polen-Feldzug ist abgeschlossen. Rund 400.000 polnische Kriegsgefangene befinden sich in deutscher Hand, darunter mehr als 60.000 Juden. Sie werden sofort von den anderen getrennt und einer besonders schlechten Behandlung ausgesetzt. 20.-25.000 von ihnen sterben in den Gefangenenlagern.
Unter über 16.000 polnischen Zivilisten, die während des Krieges von den Deutschen ermordet wurden, waren mindestens 5.000 Juden. In vielen Städten und Orten kam es zu ersten antijüdischen Gewalttaten durch die Einsatzgruppen der SS und Wehrmachtseinheiten. In Przemysl (Galizien) wurden zwischen dem 14. und 28. September, bevor die Deutschen die Stadt den sowjetischen Truppen übergaben, etwa 500 Juden ermordet. Von den 1.800 jüdischen Menschen aus Chelm, die im Dezember 1939 über die Demarkationslinie auf sowjetisches Gebiet getrieben wurden, wurden ungefähr 1.400 auf dem Marsch von den Deutschen ermordet. In Bedzin wurden am 9. September 500 jüdische Einwohner von den Deutschen ermordet.
06.10.1939
Polen
Eichmann verfaßt nach Rücksprache mit Gestapochef Müller einen Vermerk über geplante Zwangsumsiedlungen in Oberschlesien.
70.-80.000 Juden sollen aus dem Bezirk Kattowitz in "östliche Richtung über die Weichsel"
deportiert werden, wobei das Ziel noch ungenannt bleibt. Zugleich sollen auch Juden aus dem angrenzenden tschechischen Gebiet, aus Mährisch-Ostrau, zusammen mit jüdischen Flüchtlingen aus Polen, "abgeschoben"
werden.
"Diese Tätigkeit soll in erster Linie dazu dienen, Erfahrungen zu sammeln, um auf Grund dieser derart gesammelten Erfahrungen die Evakuierung größerer Massen durchführen zu können."
(Adler, S. 127-128)
07.10.1939
Erlaß Hitlers "zur Festigung deutschen Volkstums"
Himmler wird zum "Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums"
ernannt, mit dem Auftrag, die beabsichtigten umfangreichen Umsiedlungen in den besetzten und annektierten polnischen Gebieten zu planen und zu organisieren.
In dem Erlaß Hitlers heißt es: Nach der Zerschlagung Polens habe das Großdeutsche Reich jetzt "die Möglichkeit, deutsche Menschen, die bisher in der Fremde leben mußten, in seinem Raum aufzunehmen und anzusiedeln und innerhalb seiner Interessengrenzen die Siedlung der Volksgruppen so zu gestalten, daß bessere Trennungslinien zwischen ihnen erreicht werden."
Die Aufgaben Himmlers in diesem Zusammenhang seien:"1. Die Zurückführung der für die endgültige Heimkehr in das Reich in Betracht kommenden Reichs- und Volksdeutschen im Ausland,
2. die Ausschaltung des schädigenden Einflusses von solchen volksfremden Bevölkerungsteilen, die eine Gefahr für das Reich und die deutsche Volksgemeinschaft bedeuten,
3. die Gestaltung neuer deutscher Siedlungsgebiete durch Umsiedlung, im besonderen durch Seßhaftmachung der aus dem Ausland heimkehrenden Reichs- und Volksdeutschen."
"Der Reichsführer SS ist ermächtigt, alle zur Durchführung dieser Obliegenheiten notwendigen allgemeinen Anordnungen und Verwaltungsmaßnahmen zu treffen."
. (IMT, PS-686)
Zur Erfüllung seiner Aufgaben kann er "den in Frage stehenden Bevölkerungsteilen bestimmte Wohngebiete zuweisen"
Westpolen - im deutschen Sprachgebrauch Ostoberschlesien, Wartheland, Südostpreußen und Westpreußen - wird Teil des Großdeutschen Reichs. In diesen Gebieten lebten vor dem deutschen Einmarsch etwa 650.000 jüdische Menschen.