CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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17.09.1939

Polen

Beginn des sowjetischen Einmarsches nach Ostpolen.

Auf Grund einer Zusatzvereinbarung zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag wurde Polen zwischen Deutschland und der UdSSR entlang einer festgelegten Linie aufgeteilt. Die Sowjetunion gewann auf diese Weise Gebiete mit überwiegend ukrainischer und weißrussischer Bevölkerung zurück, die Polen 1920/21 besetzt hatte. In dem von der UdSSR besetzten Teil Polens lebten etwa 1,2 Millionen Juden. Einige zehntausend jüdische Flüchtlinge und gewaltsam Vertriebene, nach Schätzungen sogar bis zu 300.000 Menschen, aus dem von den Deutschen besetzten Gebiet kamen hinzu. Gelegentlich schickten sowjetische Stellen  Abgeschobene oder Flüchtlinge über die 'grüne Grenze' zurück. Da die UdSSR auch mit diplomatischen Protesten reagierte, wurden die gewaltsamen Massenabschiebungen durch die Deutschen ungefähr im Januar 1940 auf Intervention des Auswärtigen Amts eingestellt.

20.09.1939

Juden deutscher Staatsangehörigkeit und staatenlosen Juden wird der Besitz von Rundfunkempfängern verboten. Das Verbot gilt auch für Nichtjuden, die in mehrheitlich von Juden bewohnten Häusern leben, und für "Mischlinge". Für "Mischehen" gelten besondere Anweisungen. Die Betroffenen sind verpflichtet, ihre Geräte entschädigungslos abzuliefern. (Walk, S. 307)

21.09.1939

Polen

Richtlinienerlaß Heydrichs an die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei zur Behandlung der "Judenfrage in den besetzten Gebieten"

"Ich weise noch einmal darauf hin, daß die geplanten Gesamtmaßnahmen (also das Endziel) streng geheim zu halten sind.

Es ist zu unterscheiden zwischen 1.) dem Endziel (welches längere Fristen beansprucht) und 2.) den Abschnitten der Erfüllung dieses Endziels, (welche kurzfristig durchgeführt werden.)

Die geplanten Maßnahmen erfordern gründlichste Vorbereitung sowohl in technischer, als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. (...)

I. Als erste Vorausnahme für das Endziel gilt zunächst die Konzentrierung der Juden vom Lande in die größeren Städte. Es ist zu unterscheiden:
1. Zwischen den Gebieten Danzig und Westpreußen, Posen, Ostoberschlesien und
2. den übrigen besetzten Gebieten.

Nach Möglichkeit soll das unter Ziffer 1) erwähnte Gebiet (die von Deutschland unmittelbar annektierten polnischen Westgebiete) von Juden freigemacht werden, zum mindesten aber dahin gezielt werden, nur wenige Konzentrierungsstädte zu bilden. In den unter Ziffer 2) erwähnten Gebieten (wenig später als "Generalgouvernement" bezeichnet) sind möglichst wenig Konzentrierungspunkte festzulegen, sodaß die späteren Maßnahmen erleichtert werden. Dabei ist zu beachten, daß nur solche Städte als Konzentrierungspunkte bestimmt werden, die entweder Eisenbahnknotenpunkte sind oder zumindest an Eisenbahnstrecken liegen. Es gilt grundsätzlich, daß jüdische Gemeinden mit unter 500 Köpfen aufzulösen und der zunächst liegenden Konzentrierungsstadt zuzuführen sind."

In jeder jüdischen Gemeinde muß ein "Ältestenrat" (später "Judenrat" genannt) gebildet werden, dessen Zusammensetzung deutscher Zustimmung bedarf. Die Ältestenräte sollen für die exakte und termingemäße Durchführung der von den Deutschen gegebenen Befehle verantwortlich sein. "Im Falle der Sabotage solcher Weisungen sind den Räten die schärfsten Maßnahmen anzukündigen." (IMT, PS-3363)