CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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08.02.1940

Wartheland

Die Errichtung eines Ghettos in Lodz wird angeordnet.
Alle noch in der Stadt lebenden Juden (über 160.000 Menschen) müssen innerhalb weniger Tage unter Zurücklassung des größten Teils ihres Besitzes in das ihnen zugewiesene Gebiet umziehen, aus dem zugleich die dort wohnenden Polen und Deutschen ausgesiedelt werden. Das Ghetto ist nur 4,13 qkm groß und hat lediglich 31.000 Wohnungen - größtenteils ohne Kanalisation und fließendes Wasser. - Beim Versuch, sich der Zwangsumsiedlung ins Ghetto zu entziehen, wird sofortiger Schußwaffengebrauch angedroht.

"Juden, die in lebenswichtigen Industriezweigen beschäftigt sind und deren Ersatz durch andere Personen nicht möglich ist, können auf Antrag der Arbeitgeber weiter beschäftigt werden, wenn diese sich für die Verpflegung und sichere Unterbringung dieser Juden in einer geschlossenen Unterkunft verpflichten und überhaupt bereit sind, für sie in jeder Weise zu sorgen." (Adler, S. 170-171)

09.02.1940

Jüdische Krankenbehandler und Konsulenten (ehemalige Ärzte oder Anwälte, die nur noch für Juden arbeiten dürfen) dürfen über ihre Einnahmen nicht frei verfügen. Die nach amtlicher Ansicht nicht zur Ausübung der Praxis erforderlichen Mittel müssen auf "Sicherungskonten" eingezahlt werden, auf die die Betroffenen nur sehr eingeschränkt zugreifen können.

12.02.1940

Unter Vorsitz Görings findet eine Konferenz über "Ostfragen" statt

Teilnehmer sind u.a. Himmler, Frank und die Gauleiter der annektierten Ostgebiete.
Göring: "Oberstes Ziel aller im Osten zu treffenden Maßnahmen" müsse die Stärkung des deutschen Kriegspotentials sein. Das Generalgouvernement werde zwar die "geordnete Judenauswanderung" aus Deutschland und den annektierten Gebieten aufnehmen müssen. "Es darf aber nicht mehr vorkommen, daß Transportzüge ohne ordnungsmäßige und fristgerechte Anmeldung bei dem Generalgouverneur in das Generalgouvernement geschickt werden."

Gauleiter Forster (Danzig-Westpreußen): Die Bevölkerung seines Gebiets zähle 1,5 Millionen, davon Deutsche 240.000, alteingesessene Polen 850.000, "zugewanderte Polen, Juden und Asoziale 300.000". Er wolle auch "die zahlreichen arbeitsscheuen Elemente, die jetzt der Fürsorge anheimfallen", durch Abtransport ins Generalgouvernement loswerden. Für das laufende Jahr sei noch mit der "Evakuierung" von 20.000 Personen zu rechnen.

Gauleiter Greiser (Wartheland): Sein Gebiet habe etwa 4,5 Mio. Einwohner. Darunter seien 400.000 Deutsche und 400.000 Juden. Bisher seien 87.000 Personen "evakuiert" worden.

Gauleiter Wagner (Schlesien): Aus seinem Gebiet habe es bisher keine "Evakuierungen" gegeben. "Für die Zukunft ist allerdings die Abschiebung von 100 - 120.000 Juden und 100.000 unzuverlässigen zugewanderten Polen in Aussicht genommen."

Generalgouverneur Frank: "Die Bevölkerung des Generalgouvernements wird zurzeit auf etwa 14 Millionen geschätzt, von denen 1,7 - 3 Millionen Juden sein düften." - Die Fortsetzung der bisherigen Umsiedlungspraxis würde die Wiedererrichtung einer geordneten Verwaltung unmöglich machen. Selbst der inzwischen stark reduzierte bzw. zeitlich gestreckte Umsiedlungsplan setze eine Lösung der Ernährungsfrage voraus.

Himmler schätzt, daß bisher insgesamt höchstens 300.000 Menschen aus den "neuen Ostgauen" ins GG abgeschoben wurden. "Zugunsten der Wolhyniendeutschen werden in diesem Jahre noch polnische Bauern in Posen, Westpreussen und Südostpreussen, und zwar in dem Streifen längs der Gouvernementsgrenze, ausgesiedelt werden." - Mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten der Umsiedlung und die Kriegsnotwendigkeiten sei aber die geplante Übernahme von insgesamt etwa 250.000 "Volksdeutschen" aus Litauen, der Bukowina und Bessarabien zurückgestellt worden. Über das Verfahren bei künftigen Zwangsumsiedlungen werde er sich mit Frank verständigen. (IMT, EC-305)

15.02.1940

Ohne Vorankündigung werden in Stettin über 1.000 jüdische Menschen jeden Alters mitten in der Nacht von der Polizei aus ihren Wohnungen getrieben und zum Bahnhof gebracht. Sie werden nach Lublin im Osten des Generalgouvernements abtransportiert und von dort weiter zu drei Dörfern in 25-30 km Entfernung getrieben, wo zu ihrer Unterbringung und Versorgung keinerlei Voraussetzungen bestehen. Viele sterben schon während der Gewaltmärsche auf den tiefverschneiten Landstraßen und Wegen im Zielgebiet bei Temperaturen um minus 20 Grad.

Es handelte sich um die erste Deportation jüdischer Menschen aus dem "Altreich" ins Generalgouvernement, und sie wurde in der internationalen Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit und Entsetzen wahrgenommen. Am 17. Februar beantwortete das RSHA eine Anfrage des Auswärtigen Amtes in diesem Zusammenhang: Es habe sich in Stettin lediglich um eine Einzelmaßnahme gehandelt, um für baltendeutsche Umsiedler vorübergehend Platz zu schaffen. Eine ähnliche "Abschiebung" von etwa 160 jüdischen Menschen aus der pommerschen Stadt Schneidemühl fand am 12. März 1940 statt.