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25.07.1940
Generalgouvernement
Ansprache Franks vor Beamten und Angestellten des Distrikts Lublin.
"Der Führer hat weiter verfügt, daß Juden in das Generalgouvernement nicht mehr hereintransportiert werden. Im Gegenteil, auch die Juden, die im GG wohnen, werden sämtlich auf Grund eines besonderen Programms einheitlich behandelt, sodaß auch das GG in absehbarer Zeit judenfrei wird. Sobald der Überseeverkehr die Möglichkeit des Abtransportes der Juden zuläßt (Heiterkeit), werden die Juden Stück um Stück, Mann um Mann, Frau um Frau, Fräulein um Fräulein, abtransportiert werden. Ich nehme an, daß ich sie darum nicht zu sehr zu beklagen brauche (Heiterkeit). Ich glaube also, daß wir, wie man so sagt, durch den dicksten Dreck hindurch sind, und daß es nunmehr möglich ist, hier wirklich eine anständige, dienstliche, berufliche und auch menschliche Stadt für deutsche Volksgenossinnen und Volksgenossen zu errichten. (...) Dieser Raum wird in den kommenden Jahrzehnten in zunehmendem Maße mit Angehörigen des deutschen Volkes durchsetzt werden." (Präg, S. 258; IMT, PS-2233)
27.07.1940
Generalgouvernement
Unter dem Decknamen "Otto-Programm"
läuft im Zuge der Angriffsvorbereitungen gegen die UdSSR ein Programm zum Ausbau von Straßen und Eisenbahnlinien an. (Präg, S. 277)
28.07.1940
Slowakei
Hitler trifft in Salzburg mit der slowakischen Führung zusammen und fordert ein radikaleres Vorgehen in der "Judenfrage"
. Infolge dieses Treffens wird in der Slowakei eine umfassende antijüdische Gesetzgebung entwickelt. Anfang September 1940 wird Dieter Wisliceny vom RSHA als Berater für jüdische Angelegenheiten in die Slowakei geschickt.
31.07.1940
Generalgouvernement/Wartheland
Besprechung zwischen Generalgouverneur Frank und dem Gauleiter des Warthelands, Greiser.
Greiser: "Er halte zunächst eine Erörterung des Judenproblems für erforderlich. Hier hätten sich ja die Dinge insofern inzwischen etwas geändert, als man jetzt in der Frage der Judenevakuierung eine andere Stellung eingenommen habe. Er habe auf Grund einer Unterredung mit dem Reichsführer SS feststellen können, daß nunmehr die Absicht bestehe, die Juden über See in bestimmte Gebiete abzuschieben. Er habe in dieser Besprechung erklärt, daß er sich einer solchen Entscheidung selbstverständlich fügen müsse und werde, daß aber das Judenproblem, soweit es seinen Gau interessiere, irgendwie noch vor dem Winter geklärt werden müsse. Das hänge natürlich von der Dauer des Krieges ab. Sollte der Krieg noch länger dauern, dann werde man eine Zwischenlösung finden müssen. (...)
Reichsstatthalter Greiser geht dann auf das Judenproblem des näheren ein und hebt dabei hervor, daß man in Litzmannstadt (Lodz) und Umgebung eine gewisse Massierung von Juden festzustellen habe. In Litzmannstadt selber habe man die Juden in ein Ghetto gebracht. Die Aktion sei an sich abgeschlossen, habe aber lediglich provisorischen Charakter. In diesem Ghetto befänden sich ungefähr 250.000 Juden. (Tatsächlich nach amtlicher Zählung nur 160.-170.000) Diese 250.000 Juden, deren Zahl sich vielleicht auf 260.000 erhöhen werde, müßten einmal den Warthegau verlassen. Es sei vorgesehen gewesen, sie in einer zweckmäßigen Form in das GG zu transportieren, und man habe die Form dieser Übernahme heute gleichfalls klären wollen. Inzwischen sei nun die neue Entscheidung gekommen, und er lege größten Wert darauf, daß die Möglichkeit der Übernahme geklärt werde, weil es für den Warthegau sowohl aus ernährungspolitischen wie insbesondere auch aus seuchenpolizeilichen Gründen ein unmöglicher Zustand wäre, diese im Ghetto zusammengepferchten Juden noch über den Winter hinaus zu behalten. Man müsse deshalb unter allen Umständen eine Zwischenlösung finden, die die Möglichkeit biete, diese Juden in ein anderes Gebiet abzuschieben."
Der SS- und Polizeichef des Warthegaues, Köppe, weist darauf hin, "daß die Lage der Juden im Warthegau von Tag zu Tag schlimmer werde. Das Ghetto in Litzmannstadt sei eigentlich auch nur unter der Voraussetzung eingerichtet worden, daß die Abschiebung der Juden spätestens Mitte dieses Jahres beginnen werde."
Frank wendet ein, daß die "Eindeutschung"
von Lodz vielleicht noch 15 Jahre dauern könne. "Er müsse mit allem Nachdruck darauf hinweisen, daß sich das GG auch in der Judenfrage zweifellos in einer viel schwierigeren Lage befinde als der Warthegau."
Greiser zieht als Fazit, daß das Generalgouvernement offenbar nicht in der Lage sei, die 250.000 Juden aus Lodz auch nur vorübergehend aufzunehmen. Frank bestätigt; die Situation fange an, für beide Gebiete katastrophal zu werden. "Deshalb müsse die Frage auch einer grundsätzlichen Entscheidung zugeführt werden."
- Wenn das GG diese Menschenmassen aufnehmen soll, "dann müßte eben vollkommen auf Rechnung des Reiches für die notwendige Ernährung gesorgt werden."
(Präg, S. 261 ff)