CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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08.- 09.08.1941 und 18.- 19.08.1941

Ostland

In mehreren "Aktionen" werden tausende Juden aus Dwinsk (Lettland) im Wald von Pogulanka ermordet; darunter 400 Kinder aus dem Ghetto-Waisenheim. Nach offiziellen deutschen Zählungen wurden zwischen 13. Juli und 21. August 9.012 Juden ermordet. Ende August leben noch 7.000 jüdische Menschen im Ghetto, zumeist Arbeiter, die für die Wehrmacht eingesetzt sind, oder Angehörige der jüdischen Polizei und ihre Familienmitglieder.

09.08.1941

UdSSR

Die Wehrmacht besetzt Krasnodar im Nordkaukasus. In der Stadt leben ungefähr 2.000 Juden, sowie tausende jüdische und nichtjüdische Flüchtlinge aus dem Südteil der Ukraine und von der Krim.

Serbien/Kroatien

Der bevollmächtigte deutsche General in Zagreb, von Horstenau, teilt dem Oberkommando der Wehrmacht mit, die "Judenfrage" sei in Belgrad einigermaßen vollständig gelöst, nicht so jedoch in Sarajevo und kleineren Zentren. (Steinberg, S. 46)

11.08.1941

Goebbels Tagebuch

"In den großen Städten (der baltischen Länder) wird ein Strafgericht an den Juden vollzogen. Sie werden von den Selbstschutzorganisationen der baltischen Völker massenweise auf den Straßen totgeschlagen. Das, was der Führer prophezeite, tritt ein: daß, wenn es dem Judentum gelingen würde, wieder einen Krieg zu provozieren, es damit seine Existenz verlieren würde" (Fröhlich, II.1, S. 213)

12.08.1941

Goebbels Tagebuch

"Die Judenfrage ist vor allem wieder in der Reichshauptstadt akut geworden. Wir verzeichnen in Berlin augenblicklich noch 70.000 Juden, von denen noch nicht einmal 30.000 im Arbeitsprozeß sind; die anderen leben als Parasiten von der Arbeit ihres Gastvolkes. Das ist ein unerträglicher Zustand. Die verschiedensten Dienststellen in den obersten Reichsbehörden sperren sich noch gegen eine radikale Lösung dieses Problems. Ich lasse da aber nicht locker. Ich möchte es nicht wieder erleben, daß wie im Jahre 1938 die Judenfrage vom Pöbel gelöst wird. Das aber ist auf die Dauer nur zu verhindern, wenn man rechtzeitig die entsprechenden durchgreifenden Maßnahmen trifft. (...)
Auch halte ich es für notwendig, daß die Juden mit einem Abzeichen versehen werden. Sie betätigen sich in den Schlangen, in den Verkehrsmitteln und sonstwo in der Öffentlichkeit als Miesmacher und Stimmungsverderber. Es ist deshalb unbedingt notwendig, daß sie gleich, wenn sie das Wort ergreifen, auch als Juden erkannt werden. Man darf nicht zulassen, daß sie im Namen des deutschen Volkes sprechen. Sie haben mit dem deutschen Volk nichts zu tun, sondern müssen aus dem deutschen Volk ausgeschieden werden." (Fröhlich, II.1, S. 218)

13.08.1941

RK Ostland

Der Reichskommissar Ostland, Lohse, schickt  Reichsminister Rosenberg den Entwurf seiner "vorläufigen Richtlinien für die Behandlung der Juden im Reichskommissariat Ostland".    

Die Juden sollen karteimäßig erfaßt werden, in erster Linie auf Grundlage der Verzeichnisse der jüdischen Gemeinden sowie Angaben "vertrauenswürdiger Einheimischer".

Die Juden sollen durch einen gelben Stern gekennzeichnet werden. Es soll ihnen verboten werden:

  1. Wohnungswechsel ohne Genehmigung.
  2. Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Autos.
  3. Benutzung öffentlicher Einrichtungen wie Bäder, Parks, Spiel- und Sportplätze.
  4. Besuch von Theatern, Kinos, Büchereien, Museen.
  5. Jeglicher Schulbesuch.
  6. Besitz von Autos und Radios.
  7. Das Schächten.

Folgende Berufe dürfen von Juden nicht mehr ausgeübt werden: Rechtsanwalt, Notar oder Rechtskonsolent; das Betreiben von Bank-, Geldwechsel- und Pfandleihgeschäften; Vertreter, Agent und Vermittler; Handel mit Grundstücken. Auch aus dem gesamten Handel sollen Juden vollständig entfernt werden. Jüdische Ärzte dürfen nur noch jüdische Patienten behandeln. "Jüdischen Apothekern ist die Berufsausübung nach Bedarf nur in Ghettos oder Lagern zu erlauben."

Der gesamte Besitz der jüdischen Bevölkerung soll beschlagnahmt werden, mit Ausnahme existentieller Haushaltsgegenstände und eines Tageseinkommens von 0.20 RM pro Kopf.

"Juden sind tunlichst in Städten oder in Stadtteilen größerer Städte zu konzentrieren, die bereits eine überwiegende jüdische Bevölkerung besitzen. Dort sind Ghettos zu errichten. Den Juden ist das Verlassen der Ghettos zu verbieten."
Sie sollen nur soviel Nahrungsmittel erhalten, wie zur "notdürftigen Ernährung" ausreicht. "Das gleiche gilt für die Versorgung mit anderen lebenswichtigen Gütern."
"Die arbeitsfähigen Juden sind nach Maßgabe des Arbeitsbedarfs zu Zwangsarbeit heranzuziehen. (...) Die Vergütung hat nicht der Arbeitsleistung zu entsprechen, sondern nur der Bestreitung des notdürftigen Lebensunterhalts für den Zwangsarbeiter und seine nichtarbeitsfähigen Familienmitglieder unter Berücksichtigung seiner anderen Barmittel zu dienen." (IMT, PS-1138-PS)

14.08.1941

Erlaß des Reichserziehungsministers

Unterricht in Hebräisch oder Aramäisch an höheren Schulen soll nicht gestattet werden. Schulräume für solchen Unterricht dürfen nicht zur Verfügung gestellt werden, selbst wenn sie frei sind und von kirchlichen Autoritäten zur Verfügung gestellt werden. (Walk, S. 346)

Goebbels Tagebuch

"Aus Rumänien kommt leider eine unerfreuliche Nachricht: Antonescu ist in der Judenfrage wieder etwas weich geworden. Die Juden sollen Kriegsanleihen zeichnen, und deshalb gibt er ihnen eine Reihe von Vergünstigungen. Das ist unklug. Er könnte den Juden ja einfach das Geld abnehmen und es für seine Kriegführung verwenden. Aber Antonescu ist am Ende doch nur ein General und kein Politiker." (Fröhlich, II.1, S. 231)

Mitte August 1941

RK Ostland

In Riga (Lettland) wird in einem überwiegend von Juden und armen Russen bewohnten Vorort ein Ghetto gebildet. Zu dieser Zeit leben in Riga ungefähr 30.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder. Das Ghetto wird mit einem hohen Zaun umgeben und von lettischen Posten bewacht. Das etwa 9.000 qm große Gebiet ist völlig überbevölkert, die sanitären Bedingungen sind unzureichend.

15.08.1941

Ungarn

Ungarn schiebt Juden aus der annektierten Batschka (ehem. Jugoslawien) in das von den Deutschen besetzte Serbien ab, wo sie später ermordet werden.

Im Propagandaministerium findet eine Sitzung verschiedener beteiligter Stellen zur "Judenfrage" statt, an der u.a. Eichmann teilnimmt. Eichmann berichtet, daß Hitler "Evakuierungen" der jüdischen Bevölkerung des Reichs  während des Krieges abgelehnt habe. Heydrich lasse jetzt einen Vorschlag ausarbeiten, der auf Teilevakuierung der größeren Städte ziele.

Der Staatssekretär im Propagandaministerium, Gutterer, trägt die Forderung von Goebbels nach einer Kennzeichnungspflicht für die Juden vor. Eichmann teilt mit, daß diese Frage zur Entscheidung bei Hitler liege. (Adler, S. 87)

Goebbels Tagebuch

"Ich muß dem Führer die Frage vorlegen, ob er im Augenblick in der Öffentlichkeit eine Debatte über das Euthanasie-Problem wünscht. Wir könnten diese Debatte evtl. an den neuen Liebeneiner-Film 'Ich klage an' anschließen. Ich bin selbst wenigstens für den gegenwärtigen Zeitpunkt dagegen. Mit einer solchen Debatte würde man nur die Gemüter aufs neue erhitzen. Das ist in einer kritischen Periode des Krieges außerordentlich unzweckmäßig. Man soll alle Zündstoffe aus dem Volke im Augenblick fernhalten. Das Volk ist so mit den Problemen des Krieges beschäftigt, daß es sich an anderen Problemen nur erhitzt und reibt. Auch verliert dabei die Konzentration des Volkes auf das eigentliche Problem des Krieges, nämlich auf die Erringung des Sieges, an Durchschlagskraft." (Fröhlich, II.1, S. 239)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

08.08.1941

Abschluß der Kesselschlacht bei Uman. 103.000 sowjetische Soldaten geraten in deutsche Gefangenschaft.

09.08. - 12.08.1941

Atlantic-Conference zwischen Roosevelt und Churchill zur Vorbereitung eines eventuellen amerikanischen Kriegseintritts. Die US-Flotte übernimmt die Sicherung der Dänemark-Straße und der britischen Geleittransporte im Nordatlantik.