CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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16.08.1941

Rumänien

Der deutsche Gesandte Killinger an das Auswärtige Amt.

"General Antonescu beschwerte sich heute darüber, daß von den Sowjettruppen mitgenommene, bessarabische Juden nunmehr durch deutsche Kommandostellen aus der Ukraine nach Bessarabien zurückgeschoben würden. Es handelt sich zunächst um 11.000 Juden, die in der Gegend von Soroca an der bessarabischen Grenze auf Einreiseerlaubnis warten. Der General bittet dringend, die Rückkehr dieser Juden nach Bessarabien, die mit den ihm vom Führer in München über die Behandlung der Ostjuden gegebenen Richtlinien im Widerspruch stehe, zu verhindern und die deutschen Stellen anzuweisen, den Abschub der Juden in anderer Richtung zu veranlassen. Hierzu bemerke ich, daß auch innenpolitisch die Rückkehr von Juden nach Bessarabien eine unerwünschte Belastung für Rumänien darstellen würde."

Das Oberkommando der Wehrmacht teilt daraufhin mit, es habe die zuständigen militärischen Stellen angewiesen, auf solche Abschiebungen künftig zu verzichten. (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 207 und Fußnote)

17.08.1941

Besetztes sowjetisches Gebiet

Die deutschen Behörden in Krasnodar (Rußland), ordnen an, daß die Juden sich registrieren lassen müssen. - Wenige Wochen später wird den Juden befohlen, sich an einer Sammelstelle einzufinden. Von dort werden sie abtransportiert und außerhalb der Stadt ermordet, einige mit Hilfe von Gaswagen. Insgesamt werden in Krasnodar 7.000 Menschen, überwiegend Juden, vom Sonderkommando 10a ermordet.

08.- 09.08.1941 und 18.- 19.08.1941

Ostland

In mehreren "Aktionen" werden tausende Juden aus Dwinsk (Lettland) im Wald von Pogulanka ermordet; darunter 400 Kinder aus dem Ghetto-Waisenheim. Nach offiziellen deutschen Zählungen wurden zwischen 13. Juli und 21. August 9.012 Juden ermordet. Ende August leben noch 7.000 jüdische Menschen im Ghetto, zumeist Arbeiter, die für die Wehrmacht eingesetzt sind, oder Angehörige der jüdischen Polizei und ihre Familienmitglieder.

19.08.1941

Generalgouvernement

Nachdem Kolomyja (Westukraine) aus zunächst ungarischer unter deutsche Verwaltung gekommen ist, wird den Juden der Stadt die Zahlung eines hohen Geldbetrags und die Ablieferung ihrer Wertsachen auferlegt.

Ebenfalls im August wird ein Judenrat eingesetzt.

Tagebuchaufzeichnung von Goebbels nach einem Gespräch mit Hitler

"Wir reden auch über das Judenproblem. Der Führer ist der Überzeugung, daß seine damalige Prophezeiung im Reichstag, daß, wenn es dem Judentum gelänge, noch einmal einen Weltkrieg zu provozieren, er mit der Vernichtung der Juden enden würde, sich bestätigt. Sie bewahrheitet sich in diesen Wochen und Monaten mit einer fast unheimlich anmutenden Sicherheit. Im Osten müssen die Juden die Zeche bezahlen; in Deutschland haben sie sie zum Teil schon bezahlt und werden sie in Zukunft noch mehr bezahlen müssen. Ihre letzte Zuflucht bleibt Nordamerika; und dort werden sie über kurz oder lang auch einmal bezahlen müssen. Das Judentum ist ein Fremdkörper unter den Kulturnationen, und seine Tätigkeit in den drei letzten Jahrzehnten ist eine so verheerende gewesen, daß die Reaktion der Völker absolut verständlich, notwendig, ja man möchte fast sagen in der Natur zwingend ist. Jedenfalls werden die Juden in einer kommenden Welt nicht viel Grund zum Lachen haben. Heute schon gibt es in Europa eine ziemliche Einheitsfront dem Judentum gegenüber."

Der rumänische Diktator Antonescu gehe gegen die Juden sehr viel radikaler vor, als es die deutschen Nationalsozialisten bisher getan hätten. "Aber ich werde nicht ruhen und nicht rasten, bis auch wir dem Judentum gegenüber die letzten Konsequenzen gezogen haben." (Fröhlich)

20.08.1941

Goebbels Tagebuch

"In der Judenfrage fange ich nun sofort an aktiv zu werden. Da der Führer mir erlaubt hat, ein Abzeichen für die Juden einzuführen, glaube ich es aufgrund dieser Kennzeichnung der Juden sehr schnell fertig zu bringen, ohne gesetzliche Unterlagen die nach Lage der Dinge gegebenen Reformen durchzuführen. (...)

Ich beauftrage Gutterer (Staatssekretär im Propagandaministerium), die Führung der jüdischen Gemeinde in Berlin zu sich zu bestellen und ihr für die gesamten Berliner Juden strenge Vorschriften zu übermitteln. Vor allem müssen die Juden jetzt in Arbeit gebracht werden. Ich werde ihnen nun die ultimative Forderung stellen, entweder sich schleunigst in den Arbeitsprozeß einzugliedern oder in Kauf zu nehmen, daß für die 78.000 Juden nur für 23.000 arbeitende Juden Lebensmittelrationen zur Verfügung gestellt werden. (...)

Wenn es im Augenblick auch noch nicht möglich ist, aus Berlin eine judenfreie Stadt zu machen, so dürfen die Juden wenigstens öffentlich nicht mehr in Erscheinung treten. Darüber hinaus aber hat der Führer mir zugesagt, daß ich die Juden aus Berlin unmittelbar nach Beendigung des Ostfeldzuges in den Osten abschieben kann. Berlin muß eine judenfreie Stadt werden. (...) Ich habe den Kampf gegen das Judentum in Berlin im Jahre 1926 aufgenommen, und es wird mein Ehrgeiz sein, nicht zu ruhen und nicht zu rasten, bis der letzte Jude Berlin verlassen hat." (Fröhlich, II.1, S. 278)

21.08.1941

Tagesparole des Reichspressechefs

Es besteht ein Interesse darin, daß alle jüdischen Äußerungen gegen Deutschland oder die autoritären Staaten gut verzeichnet werden. Dieser Wunsch findet seine Begründung in evtl. zu erwartenden innenpolitischen Maßnahmen. (Walk, S. 346)

23.08.1941

Generalgouvernement

Das Ghetto von Czestochowa/Tschenstochau (Südwestpolen) wird abgeriegelt.

Etwa 20.000 Menschen aus anderen Städten und Dörfern wurden in dieses Ghetto gebracht, in dem schließlich über 48.000 Menschen lebten. Wichtigste Stätte der Zwangsarbeit im Ghetto waren die Deutschen Metallurgischen Rüstungsfabriken.

Goebbels Tagebuch

Nachdem der Bischof von Münster, Galen, in scharfer Form die "Euthanasie"-Morde kritisiert hat, notiert Goebbels in seinem Tagebuch, er halte es im Augenblick nicht für zweckmäßig, daraus einen Konflikt zu machen. "Die Kirchenfrage ist nach dem Kriege mit einem Federstrich zu lösen. Während des Krieges läßt man besser die Finger davon; da kann sie nur als heißes Eisen wirken. (...) Ob es überhaupt richtig gewesen ist, die Frage der Euthanasie in so großem Umfang, wie das in den letzten Monaten geschehen ist, aufzurollen, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls können wir alle froh sein, wenn die daran angeknüpfte Aktion zu Ende ist. Notwendig war sie. Es ist unerträglich, daß während eines Krieges hunderttausende für das praktische Leben gänzlich ungeeignete Menschen, die vollkommen verblödet sind und niemals mehr geheilt werden können, mitgeschleppt werden und den Sozialetat eines Landes dermaßen belasten, daß für eine aufbauende soziale Tätigkeit kaum noch Mittel und Möglichkeiten übrig bleiben. Trotzdem aber vertrete ich den Standpunkt, daß man nach Möglichkeit den offenen Konflikt vermeiden soll. Wir haben jetzt auch nicht genügend Zeit und Nerven, um ihn bis zur letzten Konsequenz durchzusetzen. Das wollen wir uns lieber für bessere Zeiten aufsparen." (Fröhlich, II.1, S. 298-299)