CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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24.08.1941

Die Massenmorde an deutschen Geisteskranken werden eingeschränkt - aber nicht völlig eingestellt -, nachdem es zu Beunruhigung in Teilen der Bevölkerung - besonders in der näheren Umgebung der Tötungsanstalten und bei Angehörigen der Opfer - und zu Protesten der Kirchen gekommen war.

Aus (vermutlich unvollständigen) Aufstellungen eines Statistikers der "Euthanasie"-Zentrale T4 ergibt sich, daß 1940 rd. 35.200 und 1941 rd. 35.050 Menschen getötet wurden, davon 18.300 in Hartheim, 13.700 in Sonnenstein, 10.070 in Hadamar und jeweils rund 9.800 in Grafeneck und Brandenburg (beide 1941 nicht mehr "in Betrieb") sowie 8.600 in Bernburg.

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Dnjepropetrowsk (Ukraine). Vor dem Krieg lebten dort 80.000 jüdische Menschen, etwa 16% der Bevölkerung. Beim Näherkommen der Wehrmacht waren 60.000 Juden von den sowjetischen Behörden aus der Stadt evakuiert worden oder geflüchtet.

In den ersten Tagen nach dem deutschen Einmarsch kommt es zu Plünderungen der ukrainischen Bevölkerung gegen die Juden. Die Kennzeichnungspflicht wird eingeführt; Hauswarte werden eingesetzt, um der Besatzungsbehörde eine Liste der jüdischen Bewohnern zu liefern; die Militärverwaltung trifft Vorbereitungen zur Bildung eines Ghettos.

RK Ukraine

Im ärmsten Stadtteil von Berditschew wird ein Ghetto für die noch etwa 20.000 Juden eingerichtet.

Telegramm von Gestapochef Müller an die Einsatzgruppen A und B

"Wie gemeldet wird, sind mehrfach die neu eingesetzten Gebietskommissare im Gebiet Ostland an die zuständigen Einsatzkommandos herangetreten, um Einstellung der Kommunisten- und Juden-Aktionen zu erreichen. Auf Befehl des Chefs der Sipo und des SD (= Heydrich) sind diese Ersuche abzulehnen und sofort nach hier zu berichten." (Ogorreck, S. 167-168)

26.08.1941

Goebbels Tagebuch

"Die Judenfrage wird von mir unentwegt weitergetrieben. Zwar sind fast in allen Ämtern große Widerstände festzustellen, aber ich lasse da nicht locker. Es kommt nicht in Frage, daß wir auf halbem Wege stehen bleiben. Die Juden sollen nicht in einer Zeit, in der das deutsche Volk um seine Zukunft und um sein Leben kämpft, sogar als Gäste unseres Volks noch die Nutznießer dieses Kampfes sein. Im übrigen hoffe ich, daß, wenn wir in den nächsten Wochen die Broschüre des amerikanischen Juden Kaufman (s. 24.7.41) in einer Millionenauflage im deutschen Volk herausbringen und außerdem die Juden dann sichtbar ihre Judenabzeichen tragen müssen, die Stimmung des deutschen Volkes den Juden gegenüber eine wesentlich andere sein wird." (Fröhlich, II.1, S. 311-312)

27. - 28.08.1941

Ungarn/RK Ukraine

23.600 jüdische Menschen werden bei einer von SS-Obergruppenführer Jeckeln geleiteten "Aktion" in der Nähe von Kamenets-Podolski (Ukraine) ermordet. 14.-18.000 von ihnen waren aus Ungarn deportiert worden; die übrigen stammten aus der Gegend.

29.08.1941

Belgien

Juden wird der Zuzug nach anderen Orten als Brüssel, Antwerpen, Lüttich und Charleroi verboten. Für die jüdische Bevölkerung wird eine Sperrstunde in der Zeit von 20 bis 7 Uhr eingeführt.

31.08.1941

Im "Altreich" (in den Grenzen von 1937) leben nach Angaben der Reichsvereinigung der Juden 164.407 jüdische Menschen, dazu 1.660 im Sudetengau und 231 in Danzig. In Berlin gibt es 73.153, in Frankfurt/M. knapp 11.000, in Hamburg annähernd 10.000, in Breslau rund 8.000, in Köln 6.000 Juden. (Adler, S. 201)

31.08. - 03.09.1941

RK Ostland

Rund 8.000 jüdische Einwohner Wilnas werden in Ponary, etwa 12 km von der Stadt entfernt, erschossen, darunter die meisten Mitglieder des Judenrats. Die Aktion wird als Vergeltung für einen Angriff auf deutsche Soldaten bezeichnet.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

26.08.41

In einer von Hitler gebilligten Denkschrift des OKW wird eingeschätzt, daß der Krieg gegen die UdSSR im laufenden Jahr nicht mehr zu beenden sei, sodaß geplante Anschlußoperationen (Nordafrika, Nahost) auf 1942 verschoben werden müßten.