CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Anfang Dezember 1941

Anordnung des RSHA

Eingaben und Anträge an Behörden dürfen von Juden erst eingereicht werden, nachdem ihre Zulässigkeit durch die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland oder deren Zweigstellen geprüft worden ist. (Walk, S. 358)

Dezember 1941

Protektorat

Das Ghetto Theresienstadt wird "in Betrieb genommen", zunächst als Durchgangslager für tschechische Juden.

Slowakien

Die slowakische Regierung verhängt gegen die Juden ein generelles Versammlungsverbot und Ausgangssperren.

RK Ostland

In Slonim (Weißrußland) wird ein Ghetto errichtet. Von Januar bis März 1942 werden dorthin tausende Juden aus den Städten der Umgebung gebracht.

01.12.1941

RK Ostland

"Gesamtaufstellung" des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A.

Seit dem 4. Juli hat das Kommando 133.346 Menschen getötet, darunter nur 2.055 Nichtjuden. (Adler, S. 184) "Operationsgebiet" der Einsatzgruppe A waren die baltischen Länder.

Ein Deportationszug mit 980 jüdischen Menschen geht aus Stuttgart nach Riga ab.

Wartheland

Mit 163.623 Einwohnern wird im Ghetto von Lodz der Höchststand erreicht.

01.- 03.12.1941

Besetzte sowjetische Gebiete

In Kertsch (Krim) werden 7.000 Juden und Krimtschaken von der Einsatzgruppe D ermordet.

03.12.1941

Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen nach Riga.

Richtlinienerlaß des RSHA

Jeder Jude, der zur Abschiebung bestimmt ist, hat an die Reichsvereinigung mindestens 25% seines liquiden Vermögens zu zahlen; diese Beträge werden auf Sonderkonten deponiert und dienen der Finanzierung der durch Abschiebung und Transport entstehenden Kosten. (Walk, S. 358)

04.12.1941

Verordnung über die Strafrechtspflege gegen Polen und Juden in den eingegliederten Ostgebieten

  • Polen und Juden werden mit dem Tode bestraft, wenn sie gegen einen Deutschen wegen seiner Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum eine Gewalttat begehen.
  • Sie werden mit dem Tode, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe, bestraft, wenn sie durch gehässige oder hetzerische Betätigung eine deutschfeindliche Gesinnung bekunden, insbesondere deutschfeindliche Äußerungen machen oder öffentliche Anschläge deutscher Behörden oder Dienststellen abreißen oder beschädigen oder wenn sie durch ihr sonstiges Verhalten das Ansehen oder das Wohl des Deutschen Reiches oder des deutschen Volkes herabsetzen oder schädigen.    

Außerdem:

  1. bei Gewalttaten gegen Angehörige und Angestellte der Wehrmacht, der Polizei, des Reichsarbeitsdienstes, einer deutschen Behörde oder einer Dienststelle oder Gliederung der NSDAP;
  2. bei vorsätzlicher Beschädigung von Einrichtungen deutscher Behörden und Dienststellen;
  3. bei Aufforderung oder Anreizung zum Ungehorsam gegen eine von den deutschen Behörden erlassene Verordnung oder Anordnung;
  4. wenn sie sich zu einer der genannten strafbaren Handlungen verabreden, in eine ernsthafte Verhandlung darüber eintreten, sich zu ihrer Begehung anbieten oder ein solches Anerbieten annehmen, oder wenn sie von einer solchen Tat oder einem Tatvorhaben Kenntnis haben und es unterlassen, der Behörde oder dem Bedrohten rechtzeitig Anzeige zu erstatten;
  5. wegen unerlaubtem Besitz von Waffen, Sprengstoff, Munition oder sonstigem Kriegsgerät, oder wenn sie Kenntnis haben, daß ein Pole oder Jude unerlaubt solche Gegenstände besitzt und dies nicht unverzüglich anzeigen.
  • Auch da, wo das Gesetz Todesstrafe nicht vorsieht, wird sie verhängt, wenn die Tat von besonders niedriger Gesinnung zeugt oder aus anderen Gründen besonders schwer ist; in diesen Fällen ist Todesstrafe auch gegen jugendliche Schwerverbrecher zulässig.
  • Polen und Juden können gegen ein Urteil weder Berufung noch Beschwere einlegen. Sie können keine Befangenheitsanträge gegen deutsche Richter stellen. Sie werden in Strafverfahren nicht als Zeugen vereidigt, was zur Folge hat, daß ihre Aussagen nur geringen Wert haben. Andererseits drohen ihnen aber die allgemeinen Strafen gegen Meineid. Polen und Juden können weder Privatklage noch Nebenklage erheben. Gericht und Staatsanwalt können von den üblichen Verfahrensvorschriften abweichen, wo dies zur schnellen und nachdrücklichen Durchführung des Verfahrens zweckmäßig ist.
  • In den eingegliederten Ostgebieten (ehem. Westpolen, Anm. d. Red.) können Polen und Juden wegen schwerer Ausschreitungen gegen Deutsche sowie wegen anderer Straftaten, die das deutsche Aufbauwerk ernstlich gefährden, auch von Standgerichten abgeurteilt werden. Die Urteile der Standgerichte lauten auf Todesstrafe oder Auslieferung an die Gestapo. (RGBl I, S. 759ff)

Aus Hamburg werden 808 jüdische Menschen nach Riga abtransportiert.

Slowakien

Die Deutsche Gesandtschaft in Bratislawa teilt dem Auswärtigen Amt mit, daß die slowakische Regierung mit der Deportation ihrer im deutschen Reichsgebiet lebenden jüdischen Staatsangehörigen einverstanden ist, aber Anspruch auf deren Vermögen erhebt. (ADAP, Serie E, Bd. I, Nr. 108 Fußnote)

05.12.1941

Belgien

Unter dem Vorwand der Repatriierung transportieren die Deutschen 83 polnisch-jüdische Familien aus Antwerpen ab. Eine weit größere Zahl folgte im Februar und März 1942. Die Deportierten werden zunächst in der Textilindustrie von Lodz als Zwangsarbeiter eingesetzt. (Benz, Dimension, S. 129)

06.12.1941

Aus Hamburg werden 765 und aus Köln rd. 1.000 Juden nach Riga deportiert.

07.12.1941

Durchführungsverordnung zur Einkommenssteuer

Eine Steuerermäßigung wegen einer außergewöhnlichen Belastung durch Aufwendungen für Personen, die Juden sind, wird nicht gewährt. (Walk, S. 359)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

01.12.1941

Die deutsche Wehrmacht verlor seit Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion 162.000 Tote und 572.000 Verwundete - weitaus mehr als an allen anderen Fronten seit Kriegsbeginn.

05.12.1941

Die sowjetische Kalinin-Front (nordwestlich von Moskau) beginnt ihre Gegenoffensive. Die Heeresgruppe Mitte geht zur Defensive über.

07.12.1941

Japanischer Überfall auf Pearl Harbour (Hawai), um die dort liegende amerikanische Pazifik-Flotte zu zerstören.

Einmarsch der japanischen Armee nach Thailand.