CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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16.12.1941

Generalgouvernement

Regierungssitzung über Gesundheitsfragen und "Judenpolitik".

Generalgouverneur Frank: "Eine der Hauptgefahren (für die Ausbreitung von Typhus und anderen ansteckenden Krankheiten) sei in dem Herumvagabundieren der Bevölkerung zu erblicken. Gegen das Verlassen des Ghettos durch Juden müsse und werde mit aller Schärfe vorgegangen werden. Die aus diesem Grunde gegen Juden verhängte Todesstrafe müsse fürderhin schnellstens vollstreckt werden. Seine Verordnung, nach welcher jeder Jude, der außerhalb des Ghettos angetroffen werden, hinzurichten sei, müsse unbedingt durchgeführt werden. Notfalls müsse eben eine Vereinfachung des Verfahrens vor dem Sondergericht eintreten." (...)

Gouverneur Kundt, Bezirk Radom: Zu einer energischen Bekämpfung des Fleckfiebers gehöre ein rücksichtsloses Vorgehen gegen jene Juden, die die ihnen zugewiesenen Wohnviertel ohne Erlaubnis verließen, und eine verstärkte Disziplin der Deutschen in ihrem privaten Geschäftsverkehr mit den Juden. (...) Der andere wichtige Punkt sei die Verkürzung des Verfahrens gegen Juden, die ohne Erlaubnis ihre Wohnbezirke verließen. Die Todesstrafe, die heute bei unbefugtem Verlassen der jüdischen Wohnbezirke verhängt werde, sei zwar schnell ausgesprochen, jedoch bestehe ein langer Dienstweg bis zur Genehmigung der Durchführung. Er mache daher den Vorschlag, das Verfahren dadurch zu verkürzen, daß man den Gouverneuren (d.h. den deutschen Distriktchefs) die Ermächtigung zur Vollstreckung der Todesurteile übergebe.

Frank: Durch den Angriff auf die UdSSR und die Bildung der Reichskommissariate Ostland und Ukraine sei klar geworden, daß das Generalgouvernement schon in absehbarer Zeit stärkstens in das deutsche Siedlungsprogramm einbezogen werden soll. Er werde in nächster Zeit gegenüber den Polen härter vorgehen, um jeden Widerstand im Keim zu ersticken.

"Mit den Juden - das will ich Ihnen auch ganz offen sagen - muß so oder so Schluß gemacht werden. (...)

Ich muß auch als alter Nationalsozialist sagen: Wenn die Judensippschaft in Europa den Krieg überleben würde, wir aber unser bestes Blut für die Erhaltung Europas geopfert hätten, dann würde dieser Krieg doch nur einen Teilerfolg darstellen. Ich werde daher den Juden gegenüber grundsätzlich nur von der Erwartung ausgehen, daß sie verschwinden. Sie müssen weg. Ich habe Verhandlungen zu dem Zwecke angeknüpft, sie nach dem Osten abzuschieben. Im Januar findet über diese Frage eine große Besprechung in Berlin statt. (...) Jedenfalls wird eine große jüdische Wanderung einsetzen.

Aber was soll mit den Juden geschehen? Glauben Sie, man wird sie im Ostland in Siedlungsdörfern unterbringen? Man hat uns in Berlin gesagt: weshalb macht man diese Scherereien; wir können im Ostland oder im Reichskommissariat auch nichts mit ihnen anfangen, liquidiert sie selber!

Meine Herren, ich muß Sie bitten, sich gegen alle Mitleidserwägungen zu wappnen. Wir müssen die Juden vernichten, wo immer wir sie treffen und wo es irgend möglich ist, um das Gesamtgefüge des Reiches hier aufrecht zu erhalten. (...)

Die Juden sind auch für uns außergewöhnlich schädliche Fresser. Wir haben im Generalgouvernement schätzungsweise 2,5, vielleicht mit den jüdisch Versippten und dem, was alles daran hängt, jetzt 3,5 Millionen Juden. Diese 3,5 Millionen Juden können wir nicht erschiessen, wir können sie nicht vergiften, werden aber doch Eingriffe vornehmen müssen, die irgendwie zu einem Vernichtungserfolg führen, und zwar im Zusammenhang mit den vom Reich her zu besprechenden großen Maßnahmen. Das Generalgouvernement muß genau judenfrei werden, wie es das Reich ist. Wo und wie das geschieht, ist eine Sache der Instanzen, die wir hier einsetzen und schaffen müssen, und deren Wirksamkeit ich Ihnen rechtzeitig bekanntgeben werde." (IMT, PS-2233; Präg, S. 452ff.)

18.12.1941

Schwerkriegsbeschädigte Juden erhalten keinen entsprechenden Ausweis mehr. (Walk, S. 360)

RK Ostland

Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete an den Reichskommissar Ostland.

"Betrifft Judenfrage. Auf das Schreiben vom 15.11.1941. In der Judenfrage dürfte inzwischen durch mündliche Besprechungen Klarheit geschaffen sein. Wirtschaftliche Belange sollen bei der Regelung des Problems grundsätzlich unberücksichtigt bleiben. Im übrigen wird gebeten, auftauchende Fragen unmittelbar mit dem höheren SS- und Polizeiführer zu regeln." (IMT PS-3666)

Generalgouvernement

1.200 Juden aus Bereshany (Ukraine) werden außerhalb der Stadt von Deutschen und Ukrainern erschossen.

Frankreich

Aktennotiz Rosenbergs für Hitler, betr. Jüdisches Eigentum in Frankreich.

  1. Nach der Festnahme oder Entfernung der jüdischen Besitzer oder Mieter seien viele Wohnungen unbewacht geblieben. Auf diese Weise seien viele Einrichtungsgegenstände im Laufe der Zeit verschwunden. Andererseits hätten die deutschen Besatzungsbehörden im Osten überall furchtbare Wohnungszustände vorgefunden. "Ich bitte deshalb den Führer, zu genehmigen, daß die gesamten jüdischen Wohnungseinrichtungen der geflohenen oder noch abreisenden Juden in Paris, wie überhaupt in den besetzten westlichen Gebieten, nach Möglichkeit zur Unterstützung der Einrichtungen für die Verwaltung im Osten beschlagnahmt werden."
  2. Rosenberg schlägt vor, als "Vergeltung" für Angriffe auf  Wehrmachtsangehörige in Frankreich künftig jeweils "100 oder mehr jüdische Bankiers, Rechtsanwälte usw." erschießen zu lassen. "Die Juden in London und New York sind es, welche französische Kommunisten aufstacheln, Attentate zu verüben, und es erscheint recht und billig, wenn die Rassenangehörigen in Frankreich dafür büßen. Es wären nicht die kleinen Juden, sondern ganz systematisch alle führenden Juden in Frankreich zur Verantwortung zu ziehen. Das könnte zum Erwachen des Antijudaismus beitragen." (IMT, PS-001)

Rumänien

Durch ein Dekret von Staatschef Antonescu wird an Stelle des Verbandes der jüdischen Gemeinden als Zwangsvereinigung eine Judenzentrale errichtet, der alle Gemeinden und die sonstigen jüdischen Vereinigungen unterstellt sind. Alle jüdischen Einwohner des Landes, ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit, werden verpflichtet, sich beim Büro der Judenzentrale in der nächsten Bezirkshauptstadt registrieren zu lassen.

Goebbels Tagebuch

"Ich bespreche mit dem Führer die Judenfrage. Der Führer ist entschlossen, hier weiterhin konsequent vorzugehen und sich nicht durch bürgerliche Sentimentalitäten aufhalten zu lassen. Die Juden müssen vor allem aus dem Reichsgebiet heraus. Wir beraten über Möglichkeiten, vor allem Berlin möglichst schnell zu räumen. Es werden zwar hier Einsprüche erhoben - vom Vierjahresplan, vom Wirtschaftsministerium -, weil etwa 13.000 Juden in der Kriegsindustrie in Berlin beschäftigt sind; aber die kann man mit einigem guten Willen ja durch bolschewistische Kriegsgefangene ersetzen. Jedenfalls werden wir diesem Problem so bald wie eben möglich, vor allem wenn wir den nötigen Transportraum haben, auf den Leib rücken. Berlin kann so lange nicht als absolut konsolidiert gelten, so lange noch Juden in der Reichshauptstadt leben und wohnen.
    Im übrigen haben die bürgerlichen Schlappmeier immer neue Entschuldigungen, um die Juden zu schonen. Früher war es das jüdische Geld und der jüdische Einfluß, jetzt ist es der jüdische Facharbeiter. Der deutsche Intellektualismus und die deutsche Gesellschaft sind dem Juden gegenüber völlig instinktlos. Ihre Wachsamkeit ist nicht geschärft. Es ist also notwendig, daß wir dieses Problem lösen, da es wahrscheinlich, wenn es ungelöst bleibt, nach unserem Tode die verheerendsten Folgen nach sich ziehen wird. Die Juden sollen alle nach dem Osten abgeschoben werden. Was dort aus ihnen wird, kann uns nicht sehr interessieren. Sie haben sich dies Schicksal gewünscht, sie haben dafür den Krieg angefangen, sie müssen jetzt auch die Zeche bezahlen." (Fröhlich, II.2, S. 533-534)

19.12.1941

Der Reichsarbeitsminister an die Präsidenten der Landesarbeitsämter

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD, Heydrich, hat angeordnet, daß im geschlossenen Arbeitseinsatz befindliche Juden, deren Tätigkeit von wehrwirtschaftlicher Bedeutung ist, zunächst von den Deportationen ausgenommen werden sollen. Das gilt auch für ihre Familienangehörigen. (IMT, L-061)

21. - 31.12.1941

Rumänien/Transnistrien

Nach dem Auftreten einiger Typhusfälle im Konzentrationslager Bogdanowka (im von den Rumänen besetzten Teil der Sowjetunion) beschließt der rumänische Bezirkskommissar nach Verhandlung mit seinem deutschen "Berater", die im Lager internierten Juden (vor allem Deportierte aus Odessa) töten zu lassen. Insgesamt werden etwa 30.000 Menschen im Verlauf mehrtägiger Massaker ermordet - erschossen oder, eingesperrt in Baracken, lebend verbrannt. Die Täter sind rumänische Truppen und Gendarmerie, ukrainische Hilfspolizisten sowie einheimische Volksdeutsche und Ukrainer. (EdH, S. 227-228)

23.12.1941

Generalgouvernement

Alle in Kolomyja (Ukraine) lebenden Juden mit einem ausländischen Paß werden aufgefordert, sich bei der Gestapo zu melden. 1.200 folgen dieser Anordnung. Sie werden in ein nahegelegenes Waldgebiet gebracht und dort erschossen. (EdH, S. 781)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

21.12.1941

Es wird bekannt gegeben, daß Hitler sich am 19. Dezember entschlossen habe, "unter voller Würdigung der Verdienste" des angeblich aus Gesundheitsgründen verabschiedeten bisherigen Oberbefehlshabers von Brauchitsch, das Oberkommando des Heeres selbst direkt zu übernehmen.