CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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17.01.1941

Generalgouvernement

Franks Staatssekretär Bühler gibt einen Erlaß über die "Evakuierung von Polen und Juden ab dem 1.2.1941" heraus. Demnach ist "mit der Ankunft von täglich zwei Zügen mit je 1.000 Personen im GG zu rechnen". "Evakuierte Juden" seien "getrennt von den Polen zu halten und gesondert zu behandeln". (Aly, Endlösung, S. 217)

20.01.1941

Generalgouvernement

Im sog. jüdischen Wohnbezirk (Ghetto) von Warschau leben nach Angaben des Judenrats etwa 410.000, nach deutschen Schätzungen zwischen 470.000 und 590.000 Menschen. Es gibt in diesem Gebiet ungefähr 27.000 Wohnungen mit einem Durchschnitt von 2,5 Zimmern. Demnach müssen sich, wenn man nur die vom Judenrat angegebene niedrigere Bevölkerungszahl zugrunde legt, im Durchschnitt sechs Menschen ein Zimmer teilen. Die deutschen Behörden beabsichtigen, zusätzlich 60.- 70.000 Juden aus dem Westteil des Distrikts Warschau uin das Ghetto zu zwingen.

Der SD meldet über die Reaktionen auf den neu angelaufenen antisemitischen Propagandafilm "Der ewige Jude": Der Film sei aufgrund der ausführlichen Vorankündigungen in Presse und Rundfunk "von der Bevölkerung mit großer Spannung erwartet worden". Von den Besuchern sei immer wieder hervorgehoben worden, daß der Film den hochgespannten Erwartungen durchaus entsprochen habe und "daß der Film aufklärender, überzeugender und einprägsamer gewirkt habe als viele antijüdische Schriften".

"Geradezu befreit und begeistert sei - nach einer Meldung aus München - während des Filmes applaudiert worden, als der Führer bei der Stelle einer seiner Reden gezeigt wurde, mit der er voraussagte, daß ein neuer Krieg nur das Ende und die Vernichtung des Judentums zur Folge haben könne." (Meldungen aus dem Reich, Nr. 155, S. 1917-1919)

21.01.1941

Generalgouvernement

Der Leitung der Abteilung Umsiedlung (in Warschau), Schön, erklärt: "Wir wollen der Welt zeigen, daß wir im Rahmen unserer kolonisatorischen Arbeit mit dem Judenproblem, auch wenn es als Massenproblem auftritt, fertig zu werden in der Lage sind. (...) Der jüdische Wohnbezirk in Warschau stellt in seiner Entwicklung praktisch eine Vorstufe der vom Führer geplanten Ausnützung der jüdischen Arbeitskräfte in Madagaskar dar."

Von den infolge der "Ghettobildung zunächst arbeitslos gewordenen Juden" könnten bald 200.000 außerhalb des Ghettos "kolonnenweise zum Einsatz gebracht werden". Bereits in naher Zukunft sollte damit "eine 100prozentige Ausnutzung dieser Arbeitskräfte" gewährleistet sein. (Aly, Endlösung, S. 218; Okkupationspolitik/Polen, S. 194)

Bulgarien

Das bulgarische Parlament verabschiedet das innenpolitisch umstrittene antijüdische "Gesetz zum Schutz der Nation", das vom König am selben Tag ratifiziert wird. Die Definition der Juden folgt im wesentlichen den deutschen Rassengesetzen.

  1. In Bulgarien wird jede Sektion einer internationalen Organisation verboten. Das betrifft zunächst den B'nai B'rith und ein Jahr später die zionistischen Organisationen.
  2. Juden dürfen nicht in öffentliche Ämter gewählt werden und haben auch kein aktives Wahlrecht mehr. Jüdische Staatsbedienstete müssen innerhalb eines Monats zurücktreten. An den Universitäten wird ein antijüdischer Numerus Clausus eingeführt. Ehen zwischen Juden und Nichtjuden werden verboten. Juden werden auf ihren gegenwärtigen Wohnort beschränkt, und ihre Wirtschaftsaktivitäten werden erheblich eingeschränkt. In vielen Berufen und im Handel werden Höchstquoten für den jüdischen Anteil festgesetzt. Im Februar 1941 werden Ausführungsbestimmungen erlassen, die die Beschränkungen noch verschärfen.

Die Regelungen wurden, soweit es die Berufstätigkeit von Juden anging, in der Praxis relativ "großzügig" gehandhabt, da die bulgarische Wirtschaft und Gesellschaft in vielen Bereichen überhaupt nicht auf die Juden verzichten konnte.

Frankreich

Vermerk von Eichmanns Mitarbeiter Dannecker über die Errichtung eines "Zentralen Judenamtes" in Frankreich.

"Gemäß dem Willen des Führers soll nach dem Kriege die Judenfrage innerhalb des von Deutschland beherrschten oder kontrollierten Teils Europas einer endgültigen Lösung zugeführt werden." - Deshalb habe Heydrich den "Auftrag zur Vorlage eines Endlösungsprojektes erhalten".

"Fest steht, daß es sich bei der Ausführung um eine Riesenarbeit handelt, deren Erfolg nur durch sorgfältigste Vorbereitungen gewährleistet werden kann. Diese müssen sich sowohl auf die einer Gesamtabschiebung der Juden vorausgehenden Arbeiten als auch auf die Planung einer bis ins einzelne festgelegten Ansiedlungsaktion in dem noch zu bestimmenden Territorium erstrecken." (Klarsfeld, S. 361f.)

21.01.- 23.01.1941

Rumänien

Eine bewaffnete Revolte der faschistischen "Eisernen Garde" wird von heftigen antijüdischen Gewalttaten begleitet. Allein in Bukarest sollen bis zu 700 Juden getötet worden sein. Der Putsch wird - mit deutscher Zustimmung - durch die rumänische Armee niedergeworfen.

22.01.1941

Generalgouvernement

Rede Franks auf einer NSDAP-Kundgebung in Lublin.

"Von den Juden rede ich nicht; sie sind nicht mehr interessant genug. Ob sie nach Madagaskar kommen oder sonstwohin, das alles interessiert uns nicht. Wir sind uns klar, daß dieser Mischmasch asiatischer Abkömmlinge am besten wieder nach Asien zurücklatschen soll, wo er hergekommen ist. (Heiterkeit)

Solange die Juden hier sind, sollen sie arbeiten, freilich nicht in dem Sinne, wie die Juden es früher getan haben. Hier appelliere ich an Ihre Entschlossenheit. Wir haben immer noch Reste von Humanitätsphantasten und solchen, die aus lauter echt deutscher Gutmütigkeit die Weltgeschichte zu verschlafen pflegen. Das kann man von uns nicht verlangen, die wir mit dem Führer seit 20 Jahren in diesem Kampfe stehen, daß wir noch irgendwelche Rücksicht auf die Juden nehmen." (Präg, S. 330-331)

23.01.1941

Wartheland

Beamte des Reichsrechnungshofs beginnen mit einer 14tägigen Wirtschaftsprüfung der Ghettoverwaltung in Lodz. Den Auftrag hatte der Reichsfinanzminister im November 1941 erteilt, da er befürchtete, der Augenblick rücke näher, "in dem der Unterhalt der Juden der öffentlichen Hand zur Last fällt".

In ihrem Abschlußbericht stellen die Prüfungsbeamten im Februar 1941 fest: "Die zuständigen örtlichen deutschen Behörden waren sich darüber im klaren, daß das Problem der Befriedung und Eindeutschung sowie des Aufbaus des Wirtschaftslebens der Stadt nur im Zusammenhang mit der restlosen Aussiedlung oder vorübergehend auch mit der Isolierung des Judentums gelöst werden konnte. (...) Darüber, wie sich die Verhältnisse in Zukunft gestalten werden, kann Endgültiges nicht gesagt werden."

Die Vertreter des Rechnungshofs gehen von der Annahme aus, "daß ein größerer Teil arbeitsunfähiger Ghettobewohner im Frühjahr 1941 in das Generalgouvernement evakuiert wird". (Aly, Endlösung, S. 265-266)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

19.01.1941

Beginn der britischen Offensive gegen Italiens Positionen in Ostafrika (Eritrea, Äthiopien, Somali-Kolonie) von Sudan und Kenia aus. Am 6. April fällt Addis Abeba; am 18. Mai kapitulieren die italienischen Hauptkräfte. Insgesamt gehen 185.000 italienische Soldaten in Gefangenschaft.

21.01.1941

Weltkrieg: In Nordafrika beginnen die britischen Streitkräfte den Angriff auf das eingeschlossene Tobruk. Die Festung wird am folgenden Tag eingenommen; 25.000 italienische Soldaten werden gefangen genommen.