CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Juli 1941

Niederlande

Personalausweise von Juden müssen mit einem großen J gekennzeichnet werden.

Bulgarien

Finanzminister Bozilov fordert von der jüdischen Gemeinde als "Ausgleich für über 60 Jahre Ausbeutung Bulgariens" eine Sondersteuer.

01.07.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Riga (Lettland). 1935 hatte  Riga 43.000 jüdische Einwohner, 11% der Stadtbevölkerung und ungefähr die Hälfte aller Juden Lettlands. Vor dem deutschen Einmarsch gelang mehreren tausend Juden die Flucht; andererseits befanden sich viele Juden aus anderen Orten als Flüchtlinge in der Stadt.

Sofort nach dem deutschen Einmarsch nahmen lettische Faschisten und andere einheimische freiwillige Helfer der Deutschen mehrere tausend jüdische Männer fest, die in die Gefängnisse und in das Hauptquartier der Faschisten gebracht wurden. Nach mehrtägigen Foltern wurden 2.700 Gefangene in einem Wald in der Nähe Rigas ermordet. 2.000 andere blieben zunächst in Haft, aber wurden später - mit Ausnahme von Ärzten und Handwerkern - ebenfalls ermordet.

UdSSR

Das Einsatzkommando 8 der Einsatzgruppe B kommt in Bialystok an. Es wirkt in den ersten Julitagen an zwei Erschießungsaktionen mit, bei denen eine nicht mehr genau feststellbare Zahl von männlichen Juden im Alter von 18 bis 65 Jahren, mindestens einmal 800 und einmal 100, getötet werden.

UdSSR

Deutsche Truppen besetzten Brody (Ukraine). Vor dem Krieg lebten dort etwa 9.000 Juden. - Die deutschen Stellen ordnen sofort die Kennzeichnung der Juden und "Strafzahlungen" an; Juden werden zur Zwangsarbeit eingezogen.

01.07. - 31.08.1941

UdSSR/Rumänien

Eine rumänische Spezialeinheit, Angehörige der deutschen Einsatzgruppe D und Wehrmachtssoldaten ermorden in Bessarabien, dem heutigen Moldova, zwischen 150.000 und 160.000 Juden.

02.07.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Tarnopol (Ukraine). Vor dem Krieg lebten dort 18.000 Juden.
Etwa 1.000 Menschen werden Opfer einer sofort angeordneten Festnahmeaktion gegen die jüdische Intelligenz. Zwischen 4. und 7. Juli werden von ukrainischen Nationalisten, unter Anstiftung und Beteilung der Wehrmacht und des Sonderkommandos 4 b der Einsatzgruppe C, etwa 700 Juden getötet.

UdSSR

Das Einsatzkommando 9 der Einsatzgruppe B trifft in  Wilna ein.
Der aus rechtextremen Freiwilligen bestehende litauische "Ordnungsdienst" wird beauftragt, Namenslisten der jüdischen Einwohner - zuerst der Intelligenzschicht, der politischen Aktivisten und der Wohlhabenden - aufzustellen. Anschließend ermorden die Angehörigen des "Ordnungsdienstes" unter Aufsicht des deuschen Einsatzkommandos an mehreren Tagen hintereinander jeweils etwa 4-500 "Juden und andere Saboteure" im nahegelegenen Wald von Ponari - insgesamt mindestens 1.600 männliche Juden.

UdSSR

In Luzk (Ukraine) erschießt das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C 1.160 männliche Juden zwischen 16 und 60 Jahren. -  Schon Ende Juni war es in Luzk zu einem von den Deutschen ermutigten Pogrom ukrainischer Nationalisten gekommen.

03.07.1941

UdSSR

Auf Anordnung der deutschen Behörden muß in Wilna ein Judenrat gebildet werden. Während des Juli nimmt das Einsatzkommando 9, unterstützt von rechtsextremen litauischen Freiwilligen, 5.000 männliche Juden fest und ermordet sie im Wald von Ponari, etwa 12 km von Wilna entfernt.

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Nowogrudok (Weißrußland). Wenige Tage nach dem Einmarsch ermordet das Einsatzkommando 8 der Einsatzgruppe B 60-70, nach anderen Angaben etwa 150 jüdische Männer.

UdSSR

Ungarische Truppen besetzen Kolomyja (Ukraine). Vor dem Krieg gab es in der Stadt etwa 15.000 jüdische Einwohner, wozu noch einige tausend Flüchtlinge aus dem deutsch-besetzten Teil Polens kamen.

In den drei Tagen zwischen dem Rückzug der sowjetischen Armee aus der Stadt und dem Einmarsch der Ungarn gibt es ein Pogrom ukrainischer Nationalisten. In der ersten Juli-Hälfte werden zahlreiche antijüdische Maßnahmen eingeführt; so das Tragen eines Kennzeichens mit dem Davidstern, Vermögensenteignung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit, Zwangsarbeit. Am 1. August kommt Kolomyja unter deutsche Verwaltung.

04.07.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Pinsk (Weißrußland). Vor dem Krieg lebten dort 30.000 jüdische Menschen, 70% der Gesamtbevölkerung.

In der zweiten Julihälfte wird auf Befehl der Deutschen ein Judenrat gebildet.

04.- 31.07.1941

Rumänien/UdSSR

Tausende jüdische Bewohner der Nordbukowina werden von den einrückenden rumänischen Truppen ermordet. Noch vor dem Einmarsch deutscher und rumänänischen Truppen kommt es zu Pogrom-Aktionen, an denen sich besonders die ukrainische Landbevölkerung beteiligt. Die Überlebenden werden zunächst in mehreren Lagern interniert und später in regionale Ghettos gezwungen.

05.07.1941

UdSSR

In Minsk (Weißrußland) werden vom Sonderkommando 7a der Einsatzgruppe B 50-70 männliche Juden als angebliche Brandstifter erschossen.

Rumänien

General Antonescu verurteilt offiziell das Massaker von Jassy, Ende Juni.

Es sei eine Schande, "wenn Soldaten, nur um zu plündern und zu mißhandeln, aus eigener Initiative die jüdische Bevölkerung angreifen und blindlings morden (...). - Das jüdische Volk hat den Armen das Brot weggegessen, hat spekuliert und einige Jahrhunderte lang die Entwicklung des rumänischen Volkes verhindert. Es steht außer Diskussion, daß wir uns von dieser Plage befreien müssen, aber allein der Regierung steht das Recht zu, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. (...) Es ist nicht zulässig, daß sich jeder Bürger oder jeder Soldat anmaßt, das jüdische Problem durch Plünderungen und Morde eigenhändig zu lösen." (Benz, Dimension, S. 398)

Protektorat

Das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. September 1935 wird auch für das Protektorat Böhmen und Mähren gültig. Bei Eheschließungen zwischen deutschen Staatsangehörigen und Protektoratsangehörigen sind diese hinsichtlich der Anwendung des gesetzlichen Eheverbots wie deutsche Staatsangehörige zu behandeln. (RGBl I, S. 384)

Goebbels in der Mitarbeiterbesprechung des Propagandaministeriums

"Durch die deutsche Abrechnung mit Moskau wird jetzt der größte Judenschwindel aller Zeiten aufgedeckt und entlarvt. Das 'Arbeiterparadies' entpuppt sich vor aller Welt als ein gigantisches Betrüger- und Ausbeutersystem, in dem die Schaffenden durch blutigsten Terror in menschenunwürdigen Zuständen ein unbeschreiblich erbärmliches Dasein fristen müssen. In diesem System, in dem Juden, Kapitalisten und Bolschewisten Hand in Hand arbeiten, herrscht ein geradezu unvollstellbarer Grad menschlicher Verkommenheit. Alles, was die Millionen deutscher Soldaten heute dort sehen, ist ein einziges Bild niedrigsten sozialen Lebensstandards (...). In diesen unsagbaren Zustand tiefsten menschlichen Elends hat der Jude durch sein teuflisches System des Bolschewismus die Völker der Sowjetunion gestoßen. Diesem größten Völkerbetrug aller Zeiten ist nun die Maske vom Gesicht gerissen. Der Kampf im Osten bedeutet die Befreiung der Menschheit von diesem Verbrechen." (Boelcke II, S. 183)

06.07.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Tutschin (Ukraine). Mit deutscher Hilfe verüben ukrainische Nationalisten ein Pogrom, bei dem 70 Juden getötet und viele weitere verletzt werden; jüdisches Eigentum wird geplündert. Im Lauf des Monats werden die Juden verpflichtet, ein Kennzeichen zu tragen, einen hohen Betrag in Gold zu zahlen und Zwangsarbeit in der Landwirtschaft u.a. zu leisten.

Goebbels Leitartikel "Der Schleier fällt" in der Zeitschrift "Das Reich".

"Der Marschbefehl des Führers an die deutsche Wehrmacht in der Nacht zum 22. Juni war eine welthistorische Tat. Sie wird wahrscheinlich als die entscheidende in die Geschichte dieses Krieges eingehen. Die Soldaten, die nach diesem Befehl marschieren, sind in Wahrheit die Erretter der europäischen Kultur und Zivilisation gegen die Bedrohung durch eine politische Unterwelt. Deutschlands Söhne sind wieder einmal angetreten, um mit dem Schutz des eigenen Landes zugleich den Schutz der gesitteten Welt zu übernehmen." (Boelcke II, S. 183)

Goebbels Tagebuch

"Der Bolschewismus ist eine Menschheitsgeißel, eine schlimme Erkrankung der Zeit, die ausgebrannt werden muß. Wir müssen alle dem Führer danken, daß er diese Gefahr angefaßt hat und beseitigt. Die Großkampagne gegen den Bolschewismus beginnt sofort. Alle Propagandamittel sind eingesetzt. (...)" (Fröhlich)

07.07.1941

UdSSR

Die Wehrmacht besetzt Berditschew (Ukraine). In der Stadt lebten vor dem Krieg über 30.000 jüdische Menschen, gut 45% der Gesamtbevölkerung. Beim Einmarsch der Wehrmacht befinden sich noch etwa 20.000 Juden dort. Am 10. Juli fordern die deutschen Besatzer von der jüdischen Bevölkerung eine kollektive "Buße" von 100.000 Rubeln in Bargeld und Wertsachen.

UdSSR

Deutsche Truppen besetzten Bereschany (Ukraine). Vor dem Krieg lebten dort  über 4.000 Juden.
Nach der Besetzung werden antijüdische Maßnahmen verhängt, wie: Kennzeichnungspflicht; Ausgangsperre nach Sonnenuntergang; Verbot, die Stadt zu verlassen. Anfang August 1941 wird ein Judenrat gebildet und gezwungen, in der Gemeinde eine hohe Abgabe einzutreiben, Männer zur Zwangsarbeit zu melden und den Deutschen Wertgegenstände, Waren und Möbel aus jüdischen Haushalten auszuliefern.