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Mitte Juli 1941
Erschiessungsaktionen des Sonderkommandos 7b der Einsatzgruppe B in Borissow. Ein Ghetto mit etwa 2.000 Menschen wird gebildet.
16.07.1941
Hitler referiert bei einer Besprechung in seinem Hauptquartier über die Kriegsziele im Osten
Teilnahmer der Runde sind u.a. Rosenberg, Bormann, Lammers, Göring und Keitel.
"(...) Wesentlich sei es nun, daß wir unsere Zielsetzung nicht vor der ganzen Welt bekanntgäben; dies sei auch nicht notwendig, sondern die Hauptsache sei, daß wir selber wüßten, was wir wollten. Keinesfalls solle durch überflüssige Erklärungen unser eigener Weg erschwert werden. (...) Die Motivierung unserer Schritte vor der Welt müsse sich also nach taktischen Gesichtspunkten richten. Wir müßten hier genau so vorgehen wie in den Fällen Norwegen, Holland, Dänemark und Belgien. Auch in diesen Fällen hätten wir nichts über unsere Absichten gesagt, und wir würden dies auch weiterhin klugerweise nicht tun. Wir werden also wieder betonen, daß wir gezwungen waren, ein Gebiet zu besetzen, zu ordnen und zu sichern; im Interesse der Landeseinwohner müßten wir für Ruhe, Ernährung, Verkehr usw., usw. sorgen; deshalb unsere Regelung. Es soll also nicht erkennbar sein, daß sich damit eine endgültige Regelung anbahnt! Alle notwendigen Maßnahmen - Erschießen, Aussiedeln etc. - tun wir trotzdem und können wir trotzdem tun. Wir wollen uns aber nicht irgendwelche Leute vorzeitig und unnötig zu Feinden machen. Wir tun also lediglich so, als ob wir ein Mandat ausüben wollten. Uns muß dabei aber klar sein, daß wir aus diesen Gebieten nie wieder herauskommen."
Hitler wiederholt seine Absicht, Leningrad "dem Erdboden gleichmachen zu lassen"
. Der Partisanenkrieg im besetzten Hinterland gebe Deutschland die vorteilhafte Möglichkeit, "auszurotten, was sich gegen uns stellt"
. (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 114)
Wartheland
Aktenvermerk von SS-Sturmbannführer Höppner, Posen, an das RSHA, z.H. Eichmann. "Betr. Lösung der Judenfrage"
.
"Bei Besprechungen in der Reichsstatthalterei wurde von verschiedenen Stellen die Lösung der Judenfrage im Reichsgau Wartheland angeschnitten. Man schlägt folgende Lösung vor:
- Sämtliche Juden des Warthegaues werden in ein Lager für 300.000 Juden genommen, das in möglichster Nähe der Kohlenmagistrale in Barackenform errichtet wird, und in dem barackenmäßige Einrichtungen für Wirtschaftsbetriebe, Schneidereien, Schustereien usw. enthalten sind.
- In dieses Lager werden sämtliche Juden des Warthegaues verbracht. Arbeitsfähige Juden können nach Bedarf zu Arbeitskommandos zusammengestellt und aus dem Lager herausgezogen werden.
- Ein derartiges Lager läßt sich nach Meinung von SS-Brigadeführer Albert mit bedeutend weniger Polizeikräften bewachen, als dies jetzt der Fall ist. Außerdem ist die Seuchengefahr, die in Litzmannstadt (Lodz) und in anderen Ghettos für die umliegende Bevölkerung immer wieder besteht, auf ein Mindestmaß beschränkt.
- Es besteht in diesem Winter die Gefahr, daß die Juden nicht mehr sämtlich ernährt werden können. Es ist ernsthaft zu erwägen, ob es nicht die humanste Lösung ist, die Juden, soweit sie nicht arbeitseinsatzfähig sind, durch irgendein schnellwirkendes Mittel zu erledigen. Auf jeden Fall wäre dies angenehmer, als sie verhungern zu lassen.
- Im übrigen wurde der Vorschlag gemacht, in diesem Lager sämtliche Jüdinnen, von denen noch Kinder zu erwarten sind, zu sterilisieren, damit mit dieser Generation tatsächlich das Judenproblem restlos gelöst wird.
- Der Reichstatthalter (Greiser) hat sich zu dieser Angelegenheit noch nicht geäußert. Es besteht der Eindruck, daß Regierungspräsident Uebelhoer nicht wünscht, daß das Ghetto in Litzmannstadt (Lodz) verschwindet, da er mit ihm ganz gut zu verdienen scheint. Als Beispiel, wie man an Juden verdienen kann, wurde mir mitgeteilt, daß das Reichsarbeitsministerium aus einem Sonderfonds für jeden in der Arbeit eingesetzten Juden RM 6.- bezahlt, der Jude aber nur 80 Pfg. kostet. (Adler, S. 120)
UdSSR
Deutsche Truppen erobern den größten Teil von Smolensk (Rußland). In der Stadt lebten vor dem Krieg mehr als 13.000 jüdische Menschen, etwa 8% der Bevölkerung. Vor dem deutschen Einmarsch war der größte Teil der Bevölkerung, einschließlich der Mehrheit der Juden, evakuiert worden oder geflüchtet.
Deutsche und rumänische Truppen besetzen Kischinew, Hauptstadt der (überwiegend rumänischsprachigen) Moldawischen SSR. Die Stadt hatte um 1930 rund 41.500 jüdische Einwohner, über 36% der Gesamtbevölkerung. Unter sowjetischer Herrschaft, von Juli 1940 bis Juli 1941, wuchs ihre Zahl, u.a. durch Flüchtlinge aus Polen, auf 60.000.
Nach der Besetzung werden tausende Juden bei Pogromen durch einheimische rumänische Bauern und Soldaten der rumänischen Armee ermordet.
17.07.1941
UdSSR
Rosenberg wird von Hitler zum Reichsminister für die besetzten Ostgebiete ernannt. Die Reichskommissariate Ukraine unter Erich Koch und Ostland unter Lohse werden gebildet.
Heydrich ordnet erneut an, alle russischen Kriegsgefangenen, die für den Nationalsozialismus gefährlich seien oder werden könnten, zu erschießen. "Das betrifft alle bedeutenden Partei- und Staatsfunktionäre und besonders sog. Berufsrevolutionäre, alle Volkskommissare der Roten Armee, führende Persönlichkeiten des Staatslebens, alle Angehörigen der russischen Intelligenz, alle Juden und alle Personen, die als Agitatoren oder fanatische Kommunisten bezeichnet werden."
(IMT, PS-078 und PS-502)
Generalgouvernement
Frank teilt in einer Dienstbesprechung mit, er wünsche "keine weitere Ghettobildung mehr, da nach einer ausdrücklichen Erklärung des Führers vom 19. Juni d. J. die Juden in absehbarer Zeit aus dem Generalgouvernement entfernt würden und dieses nur noch gewissermaßen Durchgangslager sein solle."
(Präg, S. 386)
18.07.1941
Auschwitz
Mehrere hundert sowjetische Kriegsgefangene werden in Auschwitz eingeliefert und innerhalb weniger Tagen erschossen oder erschlagen. (Czech, S. 104)
19.07.1941
RK Ostland
Der deutsche Kommandant befiehlt die Bildung eines Ghettos in Minsk. Das Gebiet soll nach Abschluß der Zwangsumsiedlung der Juden durch Mauern abgeriegelt werden. Die Juden sollen in Kolonnen zur Zwangsarbeit herangezogen werden. Zur Finanzierung der "Verwaltungsmaßnahmen"
für die Anlage des Ghettos wird der Judenrat zur Eintreibung einer "Zwangsanleihe"
verpflichtet.
UdSSR
Deutsche Truppen besetzen Winnitsa (Ukraine). In der Stadt lebten vor dem Krieg etwa 25.000 jüdische Menschen, ein Viertel der Gesamtbevölkerung. In den ersten Tagen nach dem deutschen Überfall flüchteten 17.500 Juden aus der Stadt, so daß die Deutschen bei ihrem Einmarsch noch 7.500 vorfinden. Einige Tage später werden mehrere hunderte junge Juden zusammengeholt, unter dem Vorwand, sie sollten nach Palästina geschickt werden. Tatsächlich werden sie zum jüdischen Friedhof geführt und dort erschossen. Die Überlebenden werden in ein Ghetto gesperrt.
Deutsche und rumänische Truppen besetzen Mogilew-Podolski (Ukraine). In der Stadt lebten vor dem Krieg ungefähr 11.000 jüdische Menschen. Nach dem Einmarsch werden mehrere tausend Juden vom Einsatzkommando 10 b und von deutschen und rumänischen Soldaten ermordet.
20.07.1941
Juden erhalten keine Entschädigung auf Grund der Kriegssachschädenverordnung. Dieser Grundsatz gilt auch für staatenlose Juden und ausländische Juden, nicht aber für in "privilegierter Mischehe"
lebende Juden. (RGBl I, S. 437f)
21.07.1941
Generalgouvernement
Bei einer Dienstbesprechung gibt Frank seine Absicht bekannt, "bei der kommenden Räumung des Generalgouvernements durch die Juden, die angesichts der Gefahren, die sie als Bazillenträger des Fleckfiebers für die Bevölkerung darstellten, notwendig sei, als erste Aufgabe die Auflösung des Warschauer Ghettos in Angriff zu nehmen."
(Präg, S. 389)
22.07.1941
Gespräch Hitlers mit dem kroatischen Marschall Kvaternik im FHQ
"Die Juden seien die Geißel der Menschheit. Sowohl die Litauer als auch die Esten und Letten nähmen nun blutige Rache an ihnen. (...) Wenn die Juden freien Weg hätten wie im Sowjetparadies, so würden sie die wahnsinnigsten Pläne verwirklichen. So sei Rußland zu einem Pestherd für die Menschheit geworden."
"Wenn auch nur ein Staat aus irgendwelchen Gründen eine jüdische Familie bei sich dulde, so würde das ein Bazillenherd für eine neue Zersetzung werden. Gäbe es keine Juden mehr in Europa, so würde die Einigkeit der europäischen Staaten nicht mehr gestört werden. Wohin man die Juden schicke, nach Sibirien oder Madagaskar, sei gleichgültig. Er werde an jeden Staat mit dieser Forderung herantreten. Der letzte Staat, in dem die Juden sich noch halten würden, werde Ungarn sein. Man müsse diesem Staat dann eine allgemeine intereuropäische Aufforderung schicken, damit er sich diesem eisernen Willen Europas fügt." (ADAP, Serie D, Bd. XIII.2, Anhang III)
Frankreich
"Arisierungs"
gesetz zur Enteignung der jüdischen Vermögen und Unternehmen durch den französischen Staat. Am 21.11.41 werden diese Maßnahmen auch in Algerien eingeführt.