CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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16.06.1941

Goebbels Tagebuch

"Das bolschewistische Gift muß aus Europa heraus. (...) In Rußland wird nicht der Zarismus zurückgeholt, sondern entgegen dem jüdischen Bolschewismus der echte Sozialismus durchgeführt. Es bereitet jedem alten Nazi eine tiefe Genugtuung, daß wir das noch erleben. Das Zusammengehen mit Rußland war eigentlich ein Flecken auf unserem Ehrenschild. Der wird nun abgewaschen. Wogegen wir unser ganzes Leben gekämpft haben, das vernichten wir nun auch. Ich sage das dem Führer und er stimmt mir vollkommen zu. (...) Der Führer sagt: ob recht oder unrecht, wir müssen siegen. Das ist der einzige Weg. Und er ist recht, moralisch und notwendig. Und haben wir gesiegt, wer fragt uns nach der Methode. Wir haben sowieso soviel auf dem Kerbholz, daß wir siegen müssen, weil sonst unser ganzes Volk, wir an der Spitze mit allem, was uns lieb ist, ausradiert werden. Also ans Werk! (...) Diese Pest wird aus Europa ausgetrieben. Die Zeit ist reif dazu." (Fröhlich, I.4, S. 696)

17.06.1941

Heydrich informiert bei einem Treffen in Berlin die Leiter der Einsatzgruppen über ihre Aufgaben im bevorstehenden Krieg gegen die UdSSR. Er spricht von der "Vernichtung des Ostjudentums" und erwähnt einen Führerbefehl, daß beim Vormarsch in der Sowjetunion alle Juden in Partei- und Staatsstellungen, alle höheren und mittleren kommunistischen Funktionäre, sowie "sonstige radikale Elemente" erschossen werden sollen. Pogrome und Lynchjustiz durch antikommunistische oder antijüdische Kreise der einheimischen Bevölkerung sollen nicht behindert, sondern gefördert werden, aber so, daß sich die deutschen Stellen dabei nicht selbst kompromittieren.

20.06.1941

Tagebuchaufzeichnung von Goebbels über eine Besprechung bei Hitler

"Dr. Frank erzählt vom Generalgouvernement. Dort freut man sich schon darauf, die Juden abschieben zu können. Das Judentum in Polen verkommt allmählich. Eine gerechte Strafe für die Verhetzung der Völker und die Anzettelung des Krieges. Der Führer hat das ja auch den Juden prophezeit." (Fröhlich, I.4, S. 705)

Rede Rosenbergs vor den Mitarbeitern des späteren Ostministeriums

"Die deutsche Volksernährung steht in diesen Jahren zweifellos an der Spitze der deutschen Forderungen im Osten, und hier werden die Südgebiete und Nordkaukasien einen Ausgleich für die deutsche Volksernährung zu schaffen haben. Wir sehen durchaus nicht die Verpflichtung ein, aus diesen Überschußgebieten das russische Volk mit zu ernähren. Wir wissen, daß das eine harte Notwendigkeit ist, die außerhalb jeden Gefühls steht. Zweifellos wird eine sehr umfangreiche Evakuierung notwendig sein, und dem Russentum werden sicher sehr schwere Jahre bevorstehen." (IMT, Bd.26, S.610ff.)

21.06.1941

Rumänien

Antonescu ordnet die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus der Südbukowina an. Die meisten werden zunächst in Lager im Südwestens Rumäniens gebracht und von dort im Herbst 1941 nach Transnistrien, d.h. in das Gebiet der Ukraine zwischen den Flüssen Dnjestr und Bug, deportiert.

23.06.1941

UdSSR

Brest-Litowsk wird  von der Wehrmacht besetzt. Es lebten dort 1931 rund 21.500 Juden, 44% der Gesamtbevölkerung.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

22.06.1941

Beginn des deutschen Eroberungskrieges gegen die Sowjetunion.

In der Proklamation Hitlers zu diesem Anlaß heißt es, daß die Stunde  gekommen sei, "in der es notwendig wird, diesem Komplott der jüdisch-angelsächsischen Kriegsbrandstifter und der ebenso jüdischen Machthaber der bolschewistischen Moskauer Zentrale entgegenzutreten." (Domarus, S. 1726)

UdSSR

Grodno (Weißrußland) wird von deutschen Truppen besetzt. Vor dem Krieg lebten dort 25.000 jüdische Menschen. Alle Juden zwischen 16 und 60 Jahren werden zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Propagandaminister Goebbels führt in seiner Mitarbeiterbesprechung aus: "Das verbrecherische bolschewistische Doppelspiel", das den deutschen Angriff auf die UdSSR "herausgefordert" habe, "ist im Laufe der nächsten Tage zum Gegenstand eines umfassenden publizistischen Wirkens der deutschen Presse zu machen".

U.a. sei "klarzumachen, daß es sich nicht einfach um eine einfache Schwenkung handelt. Der Nationalsozialismus ist als Bewegung im Kampf gegen den Bolschewismus angetreten. Er hat unter diesem Zeichen das Reich erobert und neu gegründet. Nach Erfüllung dieser Aufgaben des Reiches ist der Kampf gegen den Bolschewismus durch einen scheinbaren Burgfrieden fast zwei Jahre zurückgestellt worden. Durch den jetzt vom Führer aufgedeckten Verrat der bolschewistischen Machthaber kehrt der Nationalsozialismus und damit das deutsche Volk jetzt zu dem Gesetz zurück, nach dem es angetreten ist, zum Kampf gegen Plutokratie und Bolschewismus." (Boelcke II, S. 182)