CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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März 1941

Frankreich

Alle längs der Kanalküste lebenden Juden werden in andere Teile des besetzten Frankreich umgesiedelt.

Generalgouvernement

Die Errichtung eines Ghettos in Radom wird angeordnet. Bis zum 7. April 1941 ist die Internierung der jüdischen Bevölkerung in zwei getrennten Ghettos - einem großen im Stadtzentrum und einem kleinen im Vorort Glinice - abgeschlossen. - In Radom lebten vor dem Krieg 30.000 Juden, rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung.

In Lublin wird ebenfalls ein Ghetto, mit über 34.000 Einwohnern, gebildet. Nach einer Verordnung vom 24. April 1941 dürfen die Bewohner den Ghettobereich nicht mehr verlassen, außer sie besitzen einen Passierschein oder gehören zu den außerhalb des Ghettos eingesetzten Arbeitskolonnen. In Lublin lebten vor dem Krieg 40.000 Juden, rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung.

01.03.1941

Auschwitz

Himmler besucht erstmals das KL Auschwitz; in seiner Begleitung sind u.a. Vertreter des IG-Farben-Konzerns und Funktionäre der SS-Reichsführung. Himmler ordnet an:

  1. das KL so auszubauen, daß es 30.000 Häftlinge fassen kann;
  2.  auf dem Gebiet des benachbarten Dorfes Birkenau ein Lager für 100.000 Kriegsgefangene zu errichten;
  3. dem IG-Farben-Konzern 10.000 Häftlinge für den Bau der geplanten Werksanlagen in Dwory bei Auschwitz zur Verfügung zu stellen. (Czech, S. 79)

Wartheland

In Belchatow, südwestlich von Lodz, wird ein Ghetto eingerichtet. In der Stadt lebten vor dem Krieg 6.000 Juden, etwa 60% der Einwohner. Im Herbst 1941 werden auch die Juden benachbarter Städte  und umliegender Dörfer in das Ghetto von Belchatow geschafft, das entsprechend unter den Folgen der Überfüllung und unzureichender sanitärer Verhältnisse leidet.

Zwischen August 1941 und April 1942 wurden aus Belchatow etwa 1.950 Männer in Zwangsarbeitslager im Gebiet von Posen deportiert. Im August 1942 wurde das Ghetto aufgelöst, die Bewohner deportiert und die meisten ermordet.

Aufzeichnung des Leiters der Politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Woermann

Das Auswärtige Amt habe bisher stets den Standpunkt vertreten, daß das Vorgehen gegen ausländische Juden in Deutschland nur nach vorherigem Einvernehmen mit dem AA erfolgen sollte. Dabei sei bisher immer vertreten worden, daß Maßnahmen gegen jüdische Staatsangehörige der USA nicht vorgenommen werden sollten, "weil es sich dabei um verhältnismäßig wenig Fälle handelt und den Amerikanern nicht die Chance gegeben werden soll, sich auf diese Weise zum Wortführer in der Frage des Vorgehens gegen ausländische Juden in Deutschland zu machen. (...) Das Gleiche würde sinngemäß auch für die Amerikaner in den besetzten Gebieten gelten."

"Für nicht-amerikanische Juden wäre gleichfalls fallweise zu entscheiden, wobei von vornherein gesagt werden kann, daß gegen ein Vorgehen gegen ungarische Juden und Juden der Balkanländer keine politischen Bedenken bestehen."

Gegen die Einbeziehung von Juden sowjetischer Staatsangehörigkeit im Generalgouvernement in die antijüdischen Maßnahmen habe das Ausw. Amt ebenfalls keine Bedenken. Es bestehe auch kein Anlaß, schwedischen Juden eine Sonderstellung einzuräumen. (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 116)

Niederlande

Aufzeichnung des Leiters der Handelspolit. Abteilung, Wiehl.

Im Oktober 1940 wurde die Registrierung aller jüdischen Firmen in den Niederlanden angeordnet. Es gingen etwa 20.000 Anmeldungen ein, darunter 1.600 industrielle Unternehmungen; "davon sind bisher nur 10 für uns besonders wichtige unter treuhänderische Verwaltung gestellt worden. Weitere Maßnahmen wurden bisher nicht ergriffen.
Der Reichskommissar (Chef der Besatzungsverwaltung) will nunmehr eine weitere Verordnung erlassen, nach der mit der Arisierung weiter vorangeschritten werden kann (Einsetzung von Treuhändern, Entfernung der Juden aus der Leitung, Liquidierung des Judenvermögens). Ich habe im Hinblick auf die möglichen außenpolitischen, insbesondere auf dem Gebiet der Hetzpropaganda gegen Deutschland liegenden Rückwirkungen einer solchen Maßnahme die Zustimmung des Herrn Reichsaußenministers dazu vorbehalten. Der Reichskommissar hat nunmehr die neue Verordnung am 27. Februar unterzeichnet, ihre für Anfang nächster Woche in Aussicht genommene Veröffentlichung jedoch bis zur Zustimmung des Herrn Reichsaußenministers ausgesetzt. Er hält das Erscheinen der Verordnung im gegenwärtigen Zeitpunkt für nötig als Gegenmaßnahme auf den holländischen Generalstreik zugunsten der Juden. Gesandter Bene hat auf Rückfrage mitgeteilt, daß der Führer auf Vortrag des Reichskommissars schon vor etwa 3 Monaten grundsätzlich entschieden habe, daß die Arisierung durchgeführt werden könne."

Da die kürzlichen Unruhen in den Niederlanden und die Zwangsmaßnahmen gegen die Juden ohnehin schon "weitgehende" Kommentare im Ausland ausgelöst hätten, sei durch Veröffentlichung der Verordnung keine nennenswerte außenpolitische Belastung zu erwarten. Er schlage vor, gegen die Verordnung keine Einwände zu erheben, "unter der Voraussetzung, daß bei ihrer Durchführung, soweit es sich um Vermögen von Juden handelt, die neutrale Staatsangehörige sind, nur im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt vorgegangen wird, ebenso wie dies auch bei Arisierungsmaßnahmen in Deutschland geschieht."

Außenminister Ribbentrop ließ am 2. März sein Einverständnis mit diesem Vorgehen mitteilen. (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 115 und Fußnote)

03.03.1941

Generalgouvernement

Verordnung des Gouverneurs des Distrikts Krakau.

"Im Stadtgebiet Krakau wird mit sofortiger Wirkung ein in sich geschlossener jüdischer Wohnbezirk gebildet, in dem alle in der Stadt wohnenden Juden Wohnung zu nehmen haben. Außerhalb des jüdischen Wohnbezirks ist den Juden das Wohnen ausnahmslos verboten."

Das Ghetto wird in den ärmsten Straßen des Vororts Podgórze angelegt und umfaßt rund 300 Häuser. Am 20. März wird das Gelände mit Mauer und Stacheldraht abgeriegelt.

Erlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung

Jüdische Kinder haben ihre Schulpflicht grundsätzlich in den von der Reichsvereinigung unterhaltenen Schulen zu erfüllen. Die Reichsvereinigung ist angewiesen, die Schulerziehung in größeren Orten zu konzentrieren und alle Zwergschulen aufzulösen. Genehmigung für Privatunterricht soll nicht erteilt werden. Die Kosten für den Schulbesuch jüdischer Kinder außerhalb ihres Wohnsitzes sollen, soweit die Eltern dazu nicht in der Lage sind, von der Reichsvereinigung der Juden getragen werden. (Walk, S. 336)

05.03.1941

Generalgouvernement

Deportation von rund 1.000 jüdischen Menschen nach Modliborzyce.

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium

"Es ist festgestellt worden, daß etwa die Hälfte der ausländischen Studenten bei Juden wohnt. Der Minister (Goebbels) weist darauf hin, daß die Ausländer auf diesem Wege zu Gegenpropagandisten erzogen werden. Er verlangt, daß der bisherige Zustand sofort abgeschafft wird, wobei überlegt werden soll, ob dort, wo geeignete Räume auf anderem Wege nicht beschafft werden können, eine Anzahl bisheriger Judenwohnungen geräumt werden kann. Der Minister ordnet an, daß Herr Gutterer (Staatssekretär im Propagandaministerium) dafür sorgt, daß ab sofort Juden Zimmer nur noch an andere Juden vermieten dürfen." (Boelcke I, S. 633)

06.03.1941

Frankreich

Bericht des deutschen Botschafters in Paris, Abetz, an das Auswärtige Amt.

"In der Frage der Gründung eines zentralen Judenamtes für Frankreich hat (Premierminister) Darlan Bereitschaft gezeigt, die Französische Regierung Trägerin einer solchen Einrichtung sein zu lassen, jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß die Einstellung Marschall Pétains (Staatspräsident) zur Judenfrage große Schwankungen zeige. Der Marschall möchte den Eingesessenen und im Kriegsdienst für Frankreich ausgezeichneten französischen Juden nicht die gleiche Behandlung zuteil werden lassen wie den vom Ausland eingewanderten Juden.

Trotz dieser Einstellung Pétains, die kein sehr aktives Wirken eines von seiten der Französischen Regierung gegründeten zentralen Judenamtes erwarten läßt, ist es empfehlenswert, die Gründung durch die Französische Regierung vornehmen zu lassen. Das zentrale Judenamt erhält dadurch eine gesetzlich gültige Grundlage, und es kann durch deutschen Einfluß im besetzten Gebiet derart aktiviert werden, daß das unbesetzte Gebiet gezwungen ist, sich den getroffenen Maßnahmen anzuschließen." (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 127)

07.03.1941

Frankreich

Das Auswärtige Amtes fordert die deutsche Botschaft in Paris auf, regelmäßig über antijüdische Maßnahmen der Vichy-Regierung zu berichten, "um deutschfeindlicher Propaganda in Amerikastaaten, in denen heute noch große Sympathien für Judentum und auch für Frankreich bestehen, wirksam entgegenzutreten." (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 198 Fußnote)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

01.03.1941

Bulgarien tritt der "Achse" bei und stellt sein Territorium der deutschen Wehrmacht für den Aufmarsch gegen Jugoslawien und Griechenland zur Verfügung.

04. - 05.03.1941

Besuch des jugoslawischen Prinzregenten Paul bei Hitler. Dabei wird eine Erklärung der grundsätzlichen Bereitschaft Jugoslawiens, der "Achse" beizutreten, erreicht.

Beginn des Transports von insgesamt 58.000 britischen Soldaten nach Griechenland.