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08.03.1941
Rumänien
Im Gespräch mit Göring stellt der rumänische Diktator Antonescu fest, daß seine Regierung anstrebe, "die Wirtschaft des Landes zu rumänisieren, d.h. Ausländer und insbesondere Juden auszuschalten. Rumänien sei jedoch nicht in der Lage, die dadurch entstehenden Lücken kapitalsmäßig und technisch voll auszufüllen. Hier könne sich der deutsche Wirtschaftseinfluß betätigen."
(ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 126, S. 185)
09.03.1941
Auschwitz
Die Zwangsaussiedlung der jüdischen Bewohner der Stadt Auschwitz beginnt, um Gelände für den Ausbau des Konzentrationslagers zu gewinnen. (Czech, S. 81)
10.03.1941
Generalgouvernement
Beginn von Deportationen aus Lublin; 10.000 Menschen werden in den ersten Tagen abtransportiert, vermutlich in kleine Ortschaften des Kreises Lublin-Land.
Der letzte Transport mit etwa 2.000 Menschen aus Danzig und Westpreußen-Posen, dem auch die letzten überlebenden jüdischen Bewohner Königsbergs angeschlossen wurden, kommt im Warschauer Ghetto an.
11.03.1941
Generalgouvernement
Fernschreiben des Verwaltungsleiters im GG, Staatssekretär Bühler, an Heydrich.
Die militärischen Truppenverlegungen ins GG (zur Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion) ließen weitere "Umsiedlertransporte"
nicht mehr zu. Militärische Gründe hätten bereits dazu geführt, 10.000 Juden aus der Stadt Lublin in Orte des Distrikts zu "evakuieren"
. Aus dem Distrikt Radom liege eine Mitteilung vor, wonach die militärischen Dienststellen "aus der Zwangslage der militärischen Situation"
heraus ab dem 12. März alle weiteren Umsiedlertransporte aus dem Reich zurückleiten würden. Da mit weiteren Maßnahmen dieser Art zu rechnen sei, könne er die Verantwortung für die Fortführung der Transporte nicht mehr tragen und beantrage die sofortige Aussetzung für zunächst drei Monate. (Ogorreck, S. 173)
12.03.1941
Eichmann teilt dem Auswärtigen Amt mit, "daß im Hinblick auf die kommende Endlösung der Judenfrage derzeit an einer Weiterwanderung von Juden reichsdeutscher Staatsangehörigkeit, die sich in Jugoslawien befinden, kein Interesse besteht. Die Auswanderung von Juden aus dem Reichsgebiet über Lissabon nach USA hat in den letzten Wochen durch Lockerung der Bestimmungen für die Erteilung von USA-Visa erheblich zugenommen. Die Einschaltung der in Jugoslawien befindlichen Juden würde die Ausreisemöglichkeiten für Juden aus dem Reichsgebiet erheblich schmälern."
Göring wünsche "auch während der Krieges im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten eine verstärkte Judenabwanderung."
(Adler, S. 28)
Niederlande
Rede des deutschen Reichskommissars Seyss-Inquart in einer Parteiversammlung.
"Ich erkläre, daß mein Wort 'Wir wollen das niederländische Volk nicht bedrücken und ihm unsere Überzeugung nicht aufdrängen' nach wie vor gilt, aber es gilt nur für das niederländische Volk. Die Juden werden von uns nicht als ein Bestandteil des niederländischen Volkes angesehen. Die Juden sind für den Nationalsozialismus und das nationalsozialistische Reich der Feind. (...)Dies gilt hier (...) für die Zeit der Besetzung. Erwarten Sie von mir keine Verordnung, die dies festsetzt, außer Regelungen polizeilicher Natur. Wir werden die Juden schlagen, wo wir sie treffen, und wer mit ihnen geht, hat die Folgen zu tragen. Der Führer hat erklärt, daß die Juden in Europa ihre Rolle ausgespielt haben, und daher haben sie ihre Rolle ausgespielt. Das einzige, worüber wir reden können, ist die Schaffung eines erträglichen Übergangszustandes unter Wahrung des Standpunktes, daß die Juden Feinde sind, also unter Beobachtung aller Vorsichten, die man Feinden gegenüber anwendet." (IMT, PS-3430)
Generalgouvernement
Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen nach Lágow.
13.03.1941
"Richtlinien auf Sondergebieten"
zur Vorbereitung des Überfalls auf die UdSSR
"Im Operationsgebiet des Heeres erhält der Reichsführer SS (Himmler) zur Vorbereitung der politischen Verwaltung Sonderaufgaben im Auftrage des Führers, die sich aus dem endgültig auszutragenden Kampf zweier entgegengesetzter politischer Systeme ergeben. Im Rahmen dieser Aufgaben handelt der Reichsführer SS selbständig und in eigener Verantwortung." (IMT, PS-447)
Diese Richtlinien geben Himmler für den bevorstehenden Vernichtungskrieg gegen Juden, Kommunisten und große Teile der Bevölkerung der Sowjetunion einen sehr weitgehenden Handlungsspielraum gegenüber der Wehrmacht.
14.03.1941
Wartheland
Mitteilung des Staatssekretärs im Reichsarbeitsministerium, Dr. Syrup, an die Landesarbeitsämter.
"Der Reichsstatthalter in Posen hat mir mitgeteilt, daß im Warthegau 42.187 männliche und 30.936 weibliche, insgesamt 73.123 Juden für den Arbeitseinsatz im Reichsgebiet zur Verfügung stehen. Da die gegenwärtige Einsatzlage dazu zwingt, alle vorhandenen Arbeitskraftreserven auszunutzen, kann auf den Einsatz dieser Juden nicht verzichtet werden. Deshalb müssen im gesamten Reichsgebiet sofort geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten bereitgestellt werden. Insbesondere müssen solche Beschäftigungsmöglichkeiten erschlossen werden, durch die andere Arbeitskräfte für den Einsatz bei dringlicheren Arbeiten freigemacht werden können. (...)
Ich bitte Sie, sich wegen Bereitstellung geeigneter Beschäftigungsmöglichkeiten für Juden sofort mit allen daran beteiligten und interessierten Stellen und größeren Betrieben in Verbindung zu setzen. (...) Auf den einzelnen Landesarbeitsamt-Bezirk entfallen zunächst etwa 2.000 Juden und 1.500 Jüdinnen. Die Anforderung dieser jüdischen Kräfte hat unmittelbar bei dem Reichsstatthalter in Posen zu erfolgen. (...) Um Berührungen mit der Bevölkerung auf ein Mindestmaß zu beschränken, sind die jüdischen Arbeitskräfte in Lager unterzubringen." (Adler, S. 211-212)
Dieses Rundschreiben wurde im April 1941 auf Befehl Hitlers widerrufen: Er lehnte die Hereinholung von jüdischen Zwangsarbeitern ins "Altreich"
unter allen Umständen ab.
Generalgouvernement
In Posen/Poznan (Wartheland) findet auf Initiative der Leitung der Heeresgruppe B eine Besprechung über "Umsiedlungsfragen"
statt. Beteiligt sind Vertreter des Reichssicherheitshauptamtes, der Wehrmacht, der Reichsbahn und des Reichsverkehrsministeriums sowie des Generalgouvernements. Ergebnis ist, daß mit Wirkung vom 16. März vorläufig keine Transporte von Juden und Polen in das Generalgouvernement stattfinden sollen. (Ogorreck, S. 174)
USA
Telegramm des deutschen Botschafters Thomsen an das Auswärtige Amt.
"Katholische Zeitung Register bringt Nachricht aus angeblich katholischer englischer Quelle unter Berufung auf Vatikan-Rundfunk, wonach Deutsche Regierung beabsichtigt, alle Geisteskranken zu töten. Bereits 100.000 seien an verschiedenen Orten, vor allem in Grafeneck, Württemberg, in Gaszellen getötet worden. Insassen von Altersheimen erwarten gleiches Schicksal." (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 199 Fußnote)
15.03.41
Generalgouvernement
Das RSHA teilt dem Leiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien mit, daß vom nächsten Tag an "bis auf weiteres"
keine Evakuierungstransporte aus Wien und den eingegliederten Ostgebieten uns GG möglich seien. (Adler, S. 151; Safrian, S. 97)
Letzter Zwangsumsiedlertransport im Rahmen des 3. Nahplans: Statt, wie vorgesehen, insgesamt 250.000 Menschen bis zum 1. Mai 1941 zu deportieren, sind, einschließlich dieses Transports, lediglich etwa 25.000 Menschen ins GG abgeschoben worden. (Aly, Endlösung, S. 225)
WELTKRIEGSEREIGNISSE
11.03.1941
USA
Endgültige Annahme der Lend-Lease Bill durch das amerikanische Parlament.
Das Gesetz gibt dem Präsidenten im Rahmen von vorerst 7 Mrd. Dollar die uneingeschränkte Vollmacht, alle für den beschleunigten Aufbau der amerikanischen Streitkräfte nötigen Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Verbrauchsgüter produzieren zu lassen und damit "auf (praktisch unbegrenzten) Kredit"
auch die Staaten zu beliefern, deren Verteidigung er als für die Sicherheit der USA lebensnotwendig erachtet, also in erster Linie Großbritannien, seit Oktober 1941 auch die UdSSR.