CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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17.03.1941

Generalgouvernement

Besuch Franks bei Hitler in Berlin.

Hitler überträgt Frank Vollmacht, wonach ihm abgesehen von der Wehrmacht sämtliche Dienststellen des Generalgouvernements unterstellt sind; er verspricht ihm, daß das GG "als erstes Gebiet judenfrei gemacht werde". (IMT, PS-2233)

Frank hatte Hitlers Entscheidung in seinem permanenten Kompetenzstreit mit Himmler und der SS angestrebt. Mit der von Hitler bestätigten Vollmacht hoffte er, sein Weisungsrecht gegenüber Polizeichef Krüger und den "Sicherheitsheitsorganen" durchsetzen zu können. Diese Erwartung erfüllte sich nicht.

Auschwitz

Der Arbeitseinsatzführer des KL Auschwitz, SS-Untersturmführer Heinrich Schwarz, teilt in einem Monatsbericht dem Amt des Chefs der Polizei und der SS mit, daß wegen der für die Erweiterung des KL Auschwitz durchgeführten Aussiedlungen die Einwohner zahlreicher Ortschaften der Umgebung nach Nationalität getrennt registriert worden seien. Bisher seien zwei Transporte von je 800 Polen und 250 Juden abgeschickt worden. Da die Aussiedlungsaktionen in das GG derzeit eingestellt worden sind, sei eine neue Situation entstanden. Im Interesse des Ausbaus, der Trockenlegung und der Bewirtschaftung des gesamten Geländes um das Lager sollen Umsiedlungen innerhalb der Region erfolgen. (Czech, S. 82)

18.03.1941

Goebbels Tagebuch

"Wien wird nun bald ganz judenrein. Und jetzt soll Berlin an die Reihe kommen. Ich spreche das schon mit dem Führer und Dr. Frank ab. Der stellt die Juden zur Arbeit an, und sie sind auch fügsam. Später müssen sie mal ganz aus Europa heraus." (Fröhlich, I.4, S. 543)

20.03.1941

Frankreich

Meldung Rosenbergs an Hitler.

Der Haupttransport der in Paris von seinem Einsatzstab "sichergestellten", d.h. geraubten Kunstgüter aus jüdischem Besitz sei am15. März in Neuschwanstein eingetroffen. Es handele sich um "25 D-Zug-Packwagen mit wertvollsten Gemälden, Möbeln, Gobelins, Kunsthandwerk und Schmuckgegenständen". Darüber hinaus werde weiteres "herrenloses jüdisches Kulturgut" zum Transport nach Deutschland vorbereitet; die entsprechenden Arbeiten in den besetzten westlichen Ländern würden voraussichtlich in zwei bis drei Monaten restlos beendet sein. (IMT, Dok. 014-PS)

Generalgouvernement

Besprechung im Propagandaministerium. Beteiligt sind u.a. Eichmann für das RSHA und ein Vertreter des für die Rüstungsproduktion zuständigen Generalbaurats Speer.

Staatssekretär Gutterer berichtet, "daß Dr. Goebbels bei einer Unterhaltung an der Mittagstafel des Führers auf die in Berlin noch ansässigen 60-70.000 Juden aufmerksam gemacht habe. Man habe bei diesem Gespräch festgestellt, daß es nicht weiter anginge, daß die Hauptstadt des nationalsozialistischen Reiches auch heute noch eine derartig hohe Zahl Juden beherberge. Ein gewisser Teil der Juden pflege regen Verkehr mit ausländischen diplomatischen Kreisen in Berlin und vermiete Zimmer an ausländische Studenten, Journalisten, Diplomaten und hätte so Gelegenheit, staatsabträgliche Gerüchte zu verbreiten und stimmungsmäßig Schaden anzurichten.
Der Führer habe bei diesem Gespräch zwar nicht selbst entschieden, daß Berlin sofort judenfrei gemacht werden müsse, aber Dr. Goebbels sei der Überzeugung, daß ein geeigneter Evakuierungsvorschlag sicher die Zustimmung des Führers finden werden."

Eichmann berichtet, daß Heydrich schon vor 8-10 Wochen Hitler einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt habe, der nur deshalb nicht  ausgeführt worden sei, weil das Generalgouvernement zur Zeit keine Juden oder Polen aus dem Altreich aufnehmen könne. "Es läge zwar ein schriftlicher Befehl des Führers über die Evakuierung  von 60.000 Juden aus Wien vor, die also das GG noch aufnehmen müsse. In Wien seien jedoch vorerst nur 45.000 Juden greifbar, so daß man die restlichen 15.000 Juden möglicherweise aus Berlin entfernen könne.Man müsse ferner bedenken, daß die Produktion heute jeden arbeitsfähigen Juden brauche, daß arbeitsfähige Juden, deren Zahl infolge Vergreisung des Judentums an sich schon nicht groß sei, zurzeit kaum noch aufzutreiben wären. Man beabsichtige sogar, aus dem Warthegau zeitweilig 42.000 männliche und 30.000 weibliche Arbeitskräfte ins Reich zu überführen. (...)

Der Vertreter des Generalbaurats Speer gab bekannt, daß zurzeit in Berlin 20.000 Wohnungen von Juden benützt werden. Diese Wohnungen benötige Speer als Reserve für Freimachungen bei evtl. größeren Fliegerschäden und später bei Freimachungen von Wohnungen, die bei der Neugestaltung Berlins abgerissen werden müssen. In Berlin besteht zurzeit ein Mangel von 160-180.000 Wohnungen."

Eichmann übernimmt es, für Goebbels einen Vorschlag zur "Evakuierung" der Juden aus Berlin auszuarbeiten. (Adler, S. 153-153)

22.03.1941

Generalgouvernement

Dienstbesprechung in Krakau.

Ministerialdirigent Dr. Emmerich übergibt Frank eine Denkschrift über das Ghetto in Warschau. Darin wird ausgeführt, daß dort möglichst bald organisatorische und allgemeine Änderungen stattfinden müßten, da das Ghetto nach Ansicht  Emmerichs wirtschaftspolitisch in der bisherigen Weise nicht gehalten werden könnte. Frank gibt Emmerich die Denkschrift zurück und fordert ihn auf, sie zunächst dem Gouverneur von Warschau, Fischer, zur Stellungnahme zu übermitteln. Anschließend werde er eine Sitzung zur Ghettosituation in Warschau ansetzen. (IMT, PS-2233)

Frankreich

Bericht der deutschen Botschaft in Paris an das Ausw. Amt.

In den letzten Wochen hat die französische Regierung Verwalter für die meisten jüdischen Geschäfte eingesetzt. Die Bildung eines zentralen Judenamts, "das insbesondere eine Bestandsaufnahme aller in Frankreich lebenden Juden durchführen soll", steht unmittelbar bevor. Die französische Regierung hat im unbesetzten Gebiet begonnen, ausländische Juden in Konzentrationslagern zu sammeln; französische Juden sollen später folgen. Bisher sind etwa 45.000 ausländische Juden, die durchweg ärmeren Schichten angehören, festgesetzt worden; weitere Internierungen erfolgen fortlaufend. Analoge Maßnahmen im besetzten Gebiet sind beabsichtigt, sobald Lager fertiggestellt sind.

"Bei Verbreitung von Nachrichten über französische antijüdische Maßnahmen in amerikanischer Presse wird zu berücksichtigen sein, daß amerikanische Kampagne Vichy-Regierung zum Nachgeben in Judenfrage veranlassen könnte. Empfehle daher, jedenfalls nur Meldungen über vollzogene Maßnahmen, nicht aber über Zukunftspläne zu bringen." (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 198)

Italien

Bericht des deutschen Botschafters beim Vatikan, Bergen, an das Auswärtige Amt.

Von einflußreichen italienischen Freunden werde er auf von Radio London verbreitete Gerüchte aufmerksam gemacht, daß in Deutschland Insassen von Irrenanstalten und Altersheimen getötet würden und daß Kampfgase zu Versuchszwecken an ihnen "ausprobiert" würden. Er habe dies schon im November 1940 "sofort als Phantasieprodukte der Feindpropaganda zurückgewiesen". Bei seinem Protest gegen eine Rundfunksendung des Vatikan sei ihm gesagt worden, "es lägen weit schwerwiegendere Nachrichten vor, die mit Rücksicht auf Deutschland weder in der vatikanischen Presse noch im vatikanischen Rundfunk bekanntgegeben worden wären." (ADAP, Serie D, Bd. XII.1, Nr. 199)