CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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01.11.1941

Bezirk Bialystok

In Grodno (Weißrußland) werden zwei Ghettos errichtet - "A" für (ausgebildete) Arbeiter und "B" für "Nichtproduktive", d.h. nicht nur für nicht arbeitsfähige, sondern auch für arbeitsmäßig nicht benötigte Menschen.

02.11.1941

Aus Wien werden rund 1.000 Menschen in das Ghetto von  Lodz deportiert.

Tagebuchaufzeichnung von Goebbels nach einem Besuch in Wilna (Litauen)

"Die Stadt Wilna hat eine Viertelmillion Einwohner, davon fast ein Viertel Juden. Allerdings sind die Reihen der Juden von den Litauern nach dem Einmarsch der deutschen Truppen sehr stark gelichtet worden. Die Juden haben sich in der Hauptsache als Spitzel und Angeber der GPU betätigt, und ungezählte nationale und intellektuelle Litauer haben ihnen den Tod zu verdanken. Das  Rachegericht, das die Litauer und auch die Polen, die vorläufig noch die Mehrheit in dieser Stadt ausmachen, an ihnen vollzogen haben, ist grauenhaft gewesen. Zu Tausenden sind sie niedergeschossen worden und werden jetzt noch zu Hunderten füsiliert. Sie sind mittlerweile in ihre Ghettos zusammengetrieben worden. Daß man sie noch nicht alle niedergemacht hat, liegt nur daran, daß ausschließlich sie das ganze Wilnaer Handwerk beherrschen, die Litauer selbst sich zu handwerklichen Arbeiten nicht eignen und man geradezu auf die Juden angewiesen ist. (...)
Die Juden sind die Läuse der zivilisierten Menschheit. Man muß sie irgendwie ausrotten, sonst werden sie immer wieder ihre peinigende und lästige Rolle spielen. Nur wenn man mit der nötigen Brutalität gegen sie vorgeht, wird man mit ihnen fertig. Wo man sie schont, wird man später ihr Opfer sein." (Fröhlich, II.2, S. 221-222)

Der Leiter der Parteikanzlei, Bormann, an Schirach, Gauleiter in Wien

Schirach hatte Hitler am 31. Oktober über Gegensätze zwischen einheimischen Wiener und zugezogenen Deutschen aus dem Altreich berichtet, die insbesondere auf die Wohnungsnot zurückzuführen seien. Hitler wolle, so Bormann, daß die Erörterung solcher Gegensätze rücksichtslos unterbunden werde. "Sie sollten, betonte der Führer, Ihre Aufgabe in Wien nicht in der Schaffung neuer Wohnviertel sehen, sondern in der Bereinigung der bestehenden Verhältnisse. Zunächst seien baldigst in Verbindung mit Reichsführer SS Himmler alle Juden abzuschieben, anschließend alle Tschechen und sonstigen Fremdvölkischen, die eine einheitliche politische Ausrichtung und Meinungsbildung der Wiener Bevölkerung ungemein erschwerten. Wenn Sie durch derartige Maßnahmen die Einwohnerzahl Wiens auf 1,5 bis 1,4 Millionen herabdrückten, so würde dadurch am besten und am leichtesten und am raschesten die Wohnungsnot in Wien behoben." (Bundesarchiv Koblenz, R 43 II/598 (Reichskanzlei), Bl. 70)

03.11.1941

RK Ukraine

In Berditschew werden weitere 2.000 Juden ermordet; nur noch 150 Handwerker bleiben am Leben.

04.11.1941

Warthegau

Vom 6. Oktober bis 4. November wurden 19.827 Juden, in der Mehrzahl ältere Menschen, in das Ghetto von Lodz eingeliefert. Insgesamt kamen 20 Sonderzüge mit durchschnittlich 1.000 Personen an. Im einzelnen handelte es sich um 5.000 Menschen aus Wien, 5.000 aus Prag, 4.187 aus Berlin, 2.007 aus Köln, 512 aus Luxemburg, 1.113 aus Frankfurt, 1.034 aus Hamburg und 984 aus Düsseldorf.

Von diesen rund 20.000 Menschen wurden bis Ende Mai fast 11.000 in das Vernichtungszentrum Chelmno (etwa 70 km von Lodz entfernt) gebracht und dort ermordet; mehr als 6.000 der Deportierten kamen im Ghetto von Lodz um. (Benz, Dimension, S. 44-45)

Mitteilung des Reichsfinanzministers an die 14 zuständigen Oberfinanzpräsidenten

"Juden, die nicht in volkswirtschaftlich wichtigen Betrieben beschäftigt sind, werden in den nächsten Monaten in eine Stadt in den Ostgebieten abgeschoben. Das Vermögen der abzuschiebenden Juden wird zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen." (Adler, S. 183)

05.11.1941

Warthegau

Bis zum 9. November werden etwa 5.000 Sinti und Roma ins Ghetto von Lodz eingeliefert und in einen abgeriegelten Häuserblock des Ghettogebietes, das sogenannte 'Zigeunerlager', gesperrt. Mehr als die Hälfte sind Kinder. Innerhalb von nicht einmal zwei Monaten sterben über 600 von ihnen an Hunger und Typhus oder werden ermordet. (Lodz, S. 279)

06.11.1941

Generalgouvernement

In Kolomyja (Ukraine) werden mehrere hundert Juden festgenommen und außerhalb der Stadt erschossen.

Goebbels Tagebuch

Man werde im Laufe des Winters wohl zu "rigorosen Maßnahmen" gegen die sowjetischen Kriegsgefangenen greifen. "Ernähren können wir die in unserer Hand befindlichen etwa 3 1/2 Millionen Gefangenen ja doch nicht. Die Bevölkerung ist für ein radikales Vorgehen gegen sie durchaus zu haben; denn wenn die Deutschen auch sentimental sind, so glaube ich doch nicht, daß sie bereit wären, auf ihr Fleisch und auf ihr Fett zu verzichten, um 3 1/2 Millionen sowjetische Brandschatzer, Straßendiebe und Wegelagerer zu ernähren." (Fröhlich, II.2, S. 241)

07.11.1941

RK Ostland

In Minsk holt die SS 12.000 jüdische Menschen aus ihren Häusern und erschießt sie außerhalb der Stadt. Die Mordaktion dient unmittelbar dazu, im Ghetto Platz für die bevorstehenden Deportationen aus Deutschland zu schaffen.

07. - 08.11.1941

RK Ukraine

In Rowno werden 21.000 jüdische Menschen zusammengetrieben und in einem 6 km von der Stadt entfernten Wald erschossen. Der zuständige deutsche Kommissar hatte dem Judenrat drei Tage vorher mitgeteilt, die Juden ohne "Arbeitsschein" sollten zur Arbeit in andere Orte gebracht werden.

Die etwa 5.000 Menschen, die das Massaker überlebten, wurden in ein enges Ghetto gesperrt, in dem sich bis zu sieben Familien eine Wohnung teilen mußten. (EdH, S. 1246-1247)

07.- 09.11.1941

RK Ostland

Zwischen 3.000 und 5.000 Juden aus Dwinsk (Lettland) werden im Wald von Pogulanka, 8 km von der Stadt entfernt, erschossen.

Die Mordaktion richtete sich in erster Linie gegen die verschiedenen Gruppen von "Nichtarbeitsfähigen", Arbeitslosen oder nicht "kriegswichtig" Beschäftigten. Auch die Familienmitglieder der noch für die Deutschen Arbeitenden wurden ermordet.

Ende November wurde das Ghetto wegen einer Typhus-Epidemie von der Außenwelt völlig abgeschnitten. Als die Quarantäne im Frühjahr 1942 nach vier Monaten aufgehoben wurde, hatten noch etwa 1.000 Juden überlebt. (EdH, S. 375)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

01.11.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Simferopol auf der Krim.

Vor dem Krieg lebten dort über 20.000 Juden, etwa ein Siebtel der Gesamtbevölkerung. Die meisten hatten Simferopol vor dem Einmarsch der Deutschen verlassen oder waren evakuiert worden, aber zugleich waren zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus Kherson, Dnjepropetrovsk und den jüdischen Kolchosen in der Umgebung in die Stadt gekommen, so daß dort etwa 13.000 Juden sowie 1.500 Krimtschaken - eine Volksgruppe, die von den Deutschen als Juden behandelt wurde - lebten.

Am 2. November wurden die Juden aufgefordert, einen Judenrat zu bilden und sich zur Zwangsarbeit zu melden. In den folgenden Tagen wurde angeordnet, daß die Juden sich registrieren lassen und ein gelbes Kennzeichen in Form eines Davidsterns tragen mußten. (EdH, S, 1317-1318)

03.11.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Kursk (Rußland).