CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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16.11.1941

Aus Brünn (Protektorat Böhmen und Mähren) werden 1.000 Juden nach Minsk deportiert.

17. - 18.11.1941

Kroatien

Dritte und abschließende Deportation der Juden aus Sarajevo. Etwa 3.000 Menschen werden abtransportiert und bis zum Januar 1942 im Konzentrationslager Jasenovac ermordet.

18.11.1941

Goebbels Tagebuch

"Heydrich berichtet mir über seine Absichten bezüglich der Abschiebung der Juden aus dem Reichsgebiet. Die Frage läßt sich doch schwieriger an, als wir zuerst vermutet hatten. 15.000 Juden müssen sowieso in Berlin bleiben, da sie bei kriegswichtigen und lebensgefährlichen Arbeiten beschäftigt sind. Auch eine Reihe von alten Juden können nicht mehr nach dem Osten abgeschoben werden; für sie soll ein Judenghetto in einer kleinen Stadt im Protektorat eingerichtet werden. Bei der dritten Rate, die Anfang des nächsten Jahres fällig wird, soll dann nach dem von mir vorgeschlagenen Verfahren vorgegangen werden, nämlich städteweise zu räumen, so daß, wenn in einer Stadt die Evakuierung beginnt, sie auch möglichst bald beendet ist und die dadurch hervorgerufene Belastung der öffentlichen Meinung sich nicht allzu lange und allzu schädlich auswirkt. Heydrich geht auch in dieser Frage sehr konsequent vor." (Fröhlich, II.2, S. 309)

18.-19.11.1941

408 Juden aus Hamburg und 500 aus Bremen werden nach Minsk deportiert.

19.11.1941

RK Ostland

In Riga (Lettland) trennen die Deutschen die für sie arbeitenden Juden - insgesamt rd. 5.000 Menschen - vom Rest der Ghetto-Bewohner und bringen sie zu einem umzäunten Gebiet in der Nordostecke des Ghettos, das drei Tage vorher von seinen Bewohnern geräumt worden war. Dies Gebiet wird als "kleines Ghetto" bezeichnet. (EdH, S. 1230)

Frankreich

Die Pariser SD-Stelle bittet das RSHA um "baldige Stellungnahme" in folgender Angelegenheit:

"An der spanischen Grenze sind Juden aus dem Reichsgebiet angehalten worden, die zwar die deutschen Ausreisepapiere, aber nicht die nötigen überseeischen Einreisedevisen besitzen. Aus diesem Grunde wird ihnen die Durchreise durch Spanien und Portugal verweigert. Da sich die Juden im besetzten Küstengebiet ebenfalls nicht aufhalten dürfen, habe ich ihre Internierung angeordnet. Ich bitte in Zukunft solche Transporte zu unterbinden, da sie den hier getroffenen Anordnungen widersprechen."

Am 24.11.41 fragt daraufhin Eichmann an, "aus welchen Orten des Reichsgebietes die angehaltenen Juden stammen, bzw. wo sie sich zuletzt aufgehalten haben, damit ich in der Lage bin, die zuständigen Stapostellen zu unterrichten und die entsprechende Behandlung bzw. Zurücknahme dieser Juden zu veranlassen." (Adler, S. 30-31)

20.11.1941

Verfügung des Reichsjustizministers

Alle jüdischen Gefangenen sind sechs Wochen vor ihrer Entlassung aus der Vollzugsanstalt der Geheimen Staatspolizei zu melden, damit über ihre weitere Behandlung entschieden werden kann. (Walk, S. 356)

Ab März 1943 bedeutet das "lebenslange" Einweisung nach Auschwitz oder Majdanek.

RK Ostland

7.000 jüdische Menschen aus Minsk werden in der Nähe der Stadt ermordet.

Befehl des Feldmarschalls von Manstein, Kommandant der 11. Armee der Armeegruppe Süd in der UdSSR.

Deutschland stehe in einem "Kampf auf Leben und Tod gegen das bolschewistische System". Dieser Kampf gehe auch hinter der Front weiter. "Das Judentum bildet den Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten Wehrmacht und der Roten Führung. Es hält stärker als in Europa alle Schlüsselpunkte der politischen Führung und Verwaltung, des Handels und des Handwerks besetzt und bildet weiter die Zelle für alle Unruhen und möglichen Erhebungen.

Das jüdisch-bolschewistische System muß ein für alllemal ausgerottet werden. Nie wieder darf es in unseren europäischen Lebensraum eingreifen.

Der deutsche Soldat hat daher nicht allein die Aufgabe, die militärischen Machtmittel dieses Systems zu zerschlagen. Er tritt auch als Träger einer völkischen Idee und Rächer für alle Grausamkeiten, die ihm und dem deutschen Volk zugefügt wurden, auf."

Der Kampf hinter der Front werde noch nicht ernst genug genommen. Es dürften keine Lebensmittel an die hungernde Bevölkerung und an Kriegsgefangene - "soweit sie nicht im Dienste der deutschen Wehrmacht stehen" - abgegeben werden.

"Für die Notwendigkeit der harten Sühne am Judentum, dem geistigen Träger des bolschewistischen Terrors, muß der Soldat Verständnis aufbringen. Sie ist auch notwendig, um alle Erhebungen, die meist von Juden angezettelt werden, im Keime zu ersticken." (IMT, PS-4064)

Von Manstein wurde 1949 von einem britischen Militärgericht zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, doch wurde er schon nach vier Jahren wieder freigelassen.

22.11.1941

Goebbels Tagebuch

"Auch bezüglich der Judenfrage stimmt der Führer völlig mit meinen Ansichten überein. Er will eine energische Politik gegen die Juden, die uns allerdings nicht unnötige Schwierigkeiten verursacht. Evakuierung der Juden soll stadtweise vorgenommen werden. Es ist also noch unbestimmt, wann Berlin an die Reihe kommt; aber wenn es an die Reihe kommt, dann soll die Evakuierung auch möglichst schnell zu Ende geführt werden. Bezüglich der jüdischen Mischehen, vor allem in Künstlerkreisen, empfiehlt der Führer mir etwas reserviertes Vorgehen, da er der Meinung ist, daß diese Ehen sowieso nach und nach aussterben und man sich darüber keine grauen Haare wachsen lassen soll." (Fröhlich, II.2, S. 340-341)

23.11.1941

Aus Wien geht ein Deportationszug mit etwa 1.000 Menschen nach Kaunas/Kowno (Litauen) ab.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

16.11.1941 Weltkrieg/

UdSSR

Die Besetzung der Krim durch die deutsche Wehrmacht ist - mit Ausnahme der Festung Sewastopol - abgeschlossen. Auf der Krim lebten vor dem Krieg mehr als 45.000 Juden. Soweit sie nicht rechtzeitig flüchten konnten, wurden die meisten in den ersten Wochen nach dem Eintreffen der Deutschen von der Einsatzgruppe D ermordet.

In der Zeitschrift "Das Reich" (Nr. 46) erscheint Goebbels Leitartikel "Die Juden sind schuld!".

"Die historische Schuld des Weltjudentums am Ausbruch und an der Ausweitung dieses Krieges ist so hinreichend erwiesen, daß darüber keine Worte mehr zu verlieren sind. Die Juden wollten ihren Krieg, und sie haben ihn nun. Aber es bewahrheitet sich an ihnen auch die Prophezeiung, die der Führer am 30. Januar 1939 im Deutschen Reichstag aussprach, daß, wenn es dem internationalen Finanzjudentum gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein werde, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.

Wir erleben eben den Vollzug dieser Prophezeiung, und es erfüllt sich damit am Judentum ein Schicksal, das zwar hart, aber mehr als verdient ist. Mitleid oder gar Bedauern ist da gänzlich unangebracht. Das Weltjudentum hat in der Anzettelung dieses Krieges die ihm zur Verfügung stehenden Kräfte vollkommen falsch eingeschätzt, und es erleidet nun einen allmählichen Vernichtungsprozeß, den es uns zugedacht hatte und auch bedenkenlos an uns vollstrecken ließe, wenn es dazu die Macht besäße. Es geht jetzt nach seinem eigenen Gesetz: 'Auge um Auge, Zahn um Zahn!' zugrunde.

In dieser geschichtlichen Auseinandersetzung ist jeder Jude unser Feind, gleichgültig, ob er in einem polnischen Ghetto vegetiert oder in Berlin oder in Hamburg noch sein parasitäres Dasein fristet oder in New York oder Washington in die Kriegstrompete bläst. Alle Juden gehören aufgrund ihrer Geburt und Rasse einer internationalen Verschwörung gegen das nationalsozialistische Deutschland an. Sie wünschen seine Niederlage und Vernichtung und tun, was in ihren Kräften steht, um daran mitzuhelfen. (...)

Schon ihretwegen müssen wir den Krieg gewinnen. Verlören wir ihn, so würden sich die harmlos tuenden jüdischen Biedermänner plötzlich in reißende Wölfe verwandeln. Sie würden sich auf unser Volk, auf unsere Frauen und Kinder stürzen, um an ihnen ein Rachewerk zu vollziehen, für das es in der Geschichte kein Beispiel gibt. (...) Wir können ins unserem Kampf gegen das Judentum nicht mehr zurück - ganz abgesehen davon, daß wir das auch gar nicht wollen. Die Juden müssen von der deutschen Volksgemeinschaft abgesondert werden, denn sie gefährden unsere nationale Geschlossenheit."

"Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und Juden. Jeder Jude ist ein geschworener Feind des deutschen Volkes, Wenn er seine Feindschaft gegen uns nicht zeigt, so nur aus Feigheit und Schlauheit, nicht aber, weil er sie nicht im Herzen trüge. (...)

Wenn einer den Judenstern trägt, so ist er damit als Volksfeind gekennzeichnet. Wer mit ihm noch privaten Umgang pflegt, gehört zu ihm und muß gleich wie ein Jude gewertet und behandelt werden. Er verdient die Verachtung des ganzen Volkes, das er in seiner schwersten Zeit feige und gemein im Stich läßt, um sich auf die Seite seiner Hasser zu stellen. (...)

Die Juden sind Sendboten des Feindes unter uns. Wer sich zu ihnen stellt, läuft im Kriege zum Feinde über. Die Juden haben kein Recht, sich unter uns als gleichberechtigt aufzuspielen. Wo sie auf der Straße, in Schlangen vor den Läden, auf den Verkehrsmitteln das Wort ergreifen wollen, sind sie zum Schweigen zu veranlassen, nicht nur, weil sie grundsätzlich Unrecht haben, sondern weil sie Juden sind und keine Stimme in der Gemeinde besitzen."

"Mit ihnen endgültig fertig zu werden, ist Sache der Regierung. Keiner hat das Recht, auf eigene Faust zu handeln, aber jeder die Pflicht, die Maßnahmen des Staates gegen die Juden zu würdigen, sie jedermann gegenüber zu vertreten und sich durch keine Tricks und Winkelzüge der Juden in seiner klaren Erkenntnis über ihre Gefährlichkeit irremachen zu lassen..

Das verlangt die Sicherheit des Staates von uns allen."

18.11.1941

Beginn einer britischen Gegenoffensive in Nordafrika.

21.11.1941

UdSSR

Deutsche Truppen nehmen Rostow am Don, das "Tor zum Kaukasus", ein, müssen die Stadt jedoch fünf Tage später wieder räumen und werden rd. 80 km zurückgeworfen.