CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

Funktionen für die Darstellung

Schriftgröße:
Darstellung:

Seitenpfad

24.11.1941

Protektorat

In Theresienstadt werden 340 junge jüdische Männer zum Bau des geplanten Ghettos eingesetzt.

25.11.1941

Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz

  • § 1 Ein Jude, der seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, kann nicht deutscher Staatsangehöriger sein. Der gewöhnliche Aufenthalt im Ausland ist dann gegeben, wenn sich ein Jude im Ausland unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, daß er dort nicht nur vorübergehend verweilt. (Gemeint sind in erster Linie die "nach Osten" Deportierten)
  • § 2 Ein Jude verliert die deutsche Staatsangehörigkeit,
    a) wenn er beim Inkrafttreten dieser Verordnung seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, mit dem Inkrafttreten der Verordnung,
    b) wenn er seinen gewöhnlichen Aufenthalt später im Ausland nimmt, mit der Verlegung des gewöhnlichen Aufenthalts ins Ausland.
  • § 3: (1) Das Vermögen des Juden verfällt mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit dem Reich.
    (2) Das verfallene Vermögen soll zur Förderung aller mit der Lösung der Judenfrage im Zusammenhang stehenden Zwecke dienen. (RGBl I, S. 722ff)

Belgien

Gründung der Zwangsvereinigung Association de Juifs en Belgique als Trägerin der Wohlfahrtspflege und des Schulwesens sowie allgemein als "Ansprechpartnerin" der deutschen Besatzungsstellen. - Einige Tage später ordnen die Deutschen die Entfernung aller jüdischen Kinder aus den öffentlichen Schulen an.

Gespräch Görings mit dem italienischen Außenminister Ciano in Berlin

Als Ciano die Hungersnot in Griechenland erwähnt, empfiehlt Göring, diese Frage nicht so ernst zu nehmen. In Deutschland würde man sich auch nicht darüber aufregen, daß die sowjetischen Kriegsgefangenen verhungerten. "In diesem Jahre werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Rußland verhungern. Vielleicht ist das gut so, da bestimmte Völker dezimiert werden müssen." (Les Archives Secrètes du Comte Ciano 1936-1942, Paris 1948, S. 478)

25. und 29.11.1941

RK Ostland

In Kaunas/Kowno werden die Insassen von vier Deportationszügen aus München, Berlin, Frankfurt/M. und Breslau (insgesamt fast 3.940 Menschen) und eines Zuges aus Wien mit rd. 1.000 Menschen vom Einsatzkommando 3 der Einsatzgruppe A erschossen. (Benz, Dimension, S. 46-47)

26.11.1941

Bulgarien

Gespräch des bulgarischen Außenministers Popoff mit Ribbentrop in Berlin.

Popoff wünscht, die Frage der Behandlung von Juden ausländischer Staatsangehörigkeit gemeinsam zu regeln. Ribbentrop kündigt an, "daß am Ende des Krieges sämtliche Juden Europa würden verlassen müssen. Dies sei ein unabänderlicher Entschluß des Führers und auch der einzige Weg, dieser Frage Herr zu werden, da sie nur global einer umfassenden Lösung zugeführt werden könne und Einzelmaßnahmen wenig hülfen. Im übrigen solle man auf die Proteste wegen der Juden fremder Staatsangehörigkeit nicht allzu viel Wert legen. Wir ließen uns jedenfalls auf derartige Proteste von amerikanischer Seite nicht mehr ein." (ADAP, Serie D, Bd. XIII, Nr. 504)

Besetzte sowjetische Gebiete

In Charkow (Ukraine) trifft das Sonderkommando 4 a unter Paul Blobel ein und beginnt mit der systematischen Ermorderung der jüdischen Einwohner.

27.11.1941

Anordnung des RSHA

Juden wird verboten, über ihr bewegliches Vermögen zu verfügen. Sie haben von Verfügungen Mitteilung zu machen, die nach dem 15. Oktober 1941 stattfanden. In Ausnahmefällen können Verfügungen besonders genehmigt werden. Zuwiderhandlungen werden schwer bestraft.
Das Verbot gilt nicht für Juden, die in Mischehen leben, und solche ausländischer Staatsangehörigkeit. (Walk, S. 357)

Aus den Stimmungsberichten des SD

"Die Meinungsäußerungen zu den Aufnahmen jüdischer (sowjetischer) Gefangener (in der Wochenschau) lassen, wie aus dem ganzen Reichsgebiet berichtet wird, die eindeutig ablehnende Haltung der Bevölkerung gegen das Judentum erkennen. Verschiedentlich seien, wie öfters berichtet wird, Äußerungen gefallen, wie 'diese Kerle sollte man doch lieber gleich erschießen' ". (Meldungen aus dem Reich, S. 3035)

27.11.41 - 25.01.1942

Vier Deportationszüge aus Berlin mit zusammen rund 5.000 Menschen fahren nach Riga.

28.11.1941

Transport aus Wien mit etwa 1.000 jüdischen Menschen nach Minsk.

Besprechung im Reichsarbeitsministerium über den jüdischen Arbeitseinsatz. Mit Ausnahme der Arbeitseinsatzfähigen sollen alle 300.000 Jüdinnen und Juden aus dem Warthegau bis Ende März 1942 "abgeschoben" werden. (Aly, Vordenker, S. 511)

Hitler empfängt den Großmufti von Jerusalem

Der Mufti drängt auf eine öffentliche Erklärung der deutschen Regierung, daß sie die Unabhängigkeits- und Freiheitsbestrebungen der Araber unterstütze und für die "Beseitigung der national-jüdischen Heimat" in Palästina eintrete.

Hitler: "Deutschland trete für einen kompromißlosen Kampf gegen die Juden ein. Dazu gehöre selbstverständlich auch der Kampf gegen die jüdische Heimstätte in Palästina, die nichts anderes sei als ein staatlicher Mittelpunkt für den destruktiven Einfluß der jüdischen Interessen. (...)

Deutschland sei entschlossen, Zug um Zug eine europäische Nation nach der anderen zur Lösung des Judenproblems aufzufordern und sich im gegebenen Augenblick mit einem gleichen Appell auch an außereuropäische Völker zu wenden."

Mit der Bitte, dies "in seinem tiefsten Herzen zu verschließen", erklärt Hitler dem Mufti: 

  1. "Er werde den den Kampf bis zur völligen Zerstörung des jüdisch-kommunistischen europäischen Reiches fortführen."
  2. "Im Zuge dieses Kampfes würde zu einem heute noch nicht genau nennbaren, aber jedenfalls nicht fernen Zeitpunkt von den deutschen Armeen der Südausgang Kaukasiens erreicht werden."
  3. "Sobald dieser Fall eingetreten sei, würde der Führer von sich aus der arabischen Welt die Versicherung abgeben, daß die Stunde der Befreiung für sie gekommen sei. Das deutsche Ziel würde dann lediglich die Vernichtung des im arabischen Raum unter der Protektion der britischen Macht lebenden Judentums sein." (ADAP, Serie D, Bd. XIII.2, Nr. 515)

29.11.1941

Aus Nürnberg geht ein Deportationszug mit 820 Menschen  (darunter 202 aus Würzburg) nach Riga ab.

Frankreich

Gründung der Zwangsvereinigung Union Générale des Israélites de France, die dem Generalkommissar Vallat unterstellt ist. Alle jüdischen Organisationen werden aufgelöst und ihr Besitz wird der Union übertragen.

30.11.1941

Ostland

Massenerschiessungen von rund 15.000 Juden, u.a. aus Berlin, im Wald von Rumbula, 8 km von Riga (Lettland) entfernt. Die Mordaktion wird am 8. und 9. Dezember fortgesetzt. Insgesamt werden 38.000 Menschen ermordet - 28.000 aus dem Rigaer Ghetto und 10.000 Deportierte aus dem Reichsgebiet.

November 1941

Wartheland

In Chelmno (umbenannt in Kulmhof) trifft das "Sonderkommando Lange" ein und beginnt mit der Einrichtung einer provisorischen Vernichtungsanlage, die unter Einsatz von Gaswagen ab Anfang Dezember 1941 zur Tötung von Juden vor allem aus dem Ghetto Lodz betrieben wird.

Bis zum Sommer 1942 wurden dort etwa 100.000 Juden, vor allem aus dem Ghetto Lodz und anderen Orten des Warthelands, ermordet. Im März 1943 wurde das Vernichtungslager aufgelöst und die Spuren der Massenmorde beseitigt. Im Frühjahr 1944 wurde Chelmno noch einmal für Mordaktionen benutzt. Nach polnischen Schätzungen wurden dort insgesamt über 300.000 Menschen ermordet. (EdH, S. 280ff)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

28.11.1941

Kapitulation der letzten ialienischen Streitkräfte in Ostafrika.