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08.10.1941
Besetzte sowjetische Gebiete
Die "Liquidierung"
des Ghettos von Witebsk (Weißrußland) beginnt. Vorwand ist, daß es ein Seuchenherd sei. Bei dem dreitägigen Massaker werden mehr als 16.000 Menschen erschossen.
Die deutsche Militärverwaltung fordert von den Juden der Stadt Dnjepropetrowsk (Ukraine) eine "Kontribution"
von 30 Millionen Rubel. Am 13. Oktober, noch bevor die Summe eingesammelt ist, beginnt das Einsatzkommando 6 der Einsatzgruppe C, die Juden in einem improvisierten Lager zusammenzutreiben. Von dort werden sie in Gruppen weggebracht und in einer nahegelegenen Schlucht erschossen. Insgesamt werden 15.000 Menschen ermordet; später noch einmal 5.000.
08.- 09.10.1941
Auschwitz
In das Lager werden annähernd 4.200 sowjetische Kriegsgefangene eingeliefert.
10.10.1941
Konferenz in Prag unter Vorsitz Heydrichs
Es wird u.a. darüber gesprochen, 50.000 Juden aus dem Reich und dem Protektorat nach Riga und Minsk zu deportieren. Ein weiteres Thema ist die Auswahl Theresienstadts als "vorübergehendes Sammellager"
für bestimmte Gruppen von Juden.
Aus einer Presseerklärung Heydrichs anläßlich der Konferenz: "Ziel des Reiches wird und muß sein, das Judentum nicht nur aus dem Einfluß der Völker Europas auszuschalten, sondern nach Möglichkeit sie außerhalb Europas zur Ansiedlung zu bringen. Alle anderen Maßnahmen sind (...) Etappen zu diesem Endziel. Ich habe mich entschlossen, diese Etappen auch im Protektorat folgerichtig und möglichst schnell zu gehen. Das Erste wird in nächster Zukunft die Zusammenfassung des Judentums sein, in einer Stadt oder einem Stadtteil (getrennt für Böhmen und Mähren) als Sammelstelle und Übergangslösung für die eingeleitete Aussiedlung. Die ersten 5.000 Juden werden voraussichtlich bereits im Laufe der nächsten Woche das Protektorat verlassen."
(Benz, Dimension, S. 361)
Erlaß des Reichswirtschaftsministers
Juden erhalten nur in Ausnahmefällen Bezugsscheine für Kleidung, Wäsche, Schuhe und Besohlungsleder. Nähmaterial können sie nur vierteljährlich bis zu einem Betrag von 20 Rpf beziehen. (Walk, S. 352)
Serbien
Der deutsche Militärkommandant Böhme ordnet an, "alle Kommunisten"
, "sämtliche Juden"
sowie eine bestimmte Anzahl nationalistisch und demokratisch eingestellter Einwohner als Geiseln festzunehmen und einzusperren, um sie bei Angriffen auf deutsche Soldaten erschießen zu können. (Benz, Dimension, S. 315; IMT NOKW-557)
Rumänien
Geheimbefehl aus Bukarest, alle Juden der Bukowina aufs andere Ufer des Dnjestr zu vertreiben. Am 11. Oktober wird in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, ein Ghetto eingerichtet; am 12. Oktober beginnen die Deportationen. Einige Juden werden nach Transnistrien gebracht, die Mehrheit jedoch nach Nordbessarabien in schnell improvisierte Lager getrieben.
Innerhalb weniger Tage wurden 57.000 Juden aus der Bukowina deportiert. Im Ghetto von Czernowitz blieben nur 20.000 Menschen zurück.
Befehl des Oberbefehlshabers der 6. Armee, Generalfeldmarschall von Reichenau; als Rundschreiben verschickt mit der Empfehlung, Hitler habe diesen Befehl als "ausgezeichnet"
gelobt.
"Hinsichtlich des Verhaltens der Truppe gegenüber dem bolschewistischen System bestehen vielfach noch unklare Vorstellungen.
Das wesentlichste Ziel des Feldzuges gegen das jüdisch-bolschewistische System ist die völlige Zerschlagung der Machtmittel und die Ausrottung des asiatischen Einflusses im europäischen Kulturkreis.
Hierdurch entstehen auch für die Truppe Aufgaben, die über das hergebrachte einseitige Soldatentum hinausgehen. Der Soldat ist im Ostraum nicht nur ein Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch Träger einer unerbittlichen völkischen Idee und der Rächer für alle Bestialitäten, die deutschem und artverwandtem Volkstum zugefügt wurden.
Deshalb muss der Soldat für die Notwendigkeit der harten, aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben. Sie hat den weiteren Zweck, Erhebungen im Rücken der Wehrmacht, die erfahrungsgemäß stets von Juden angezettelt wurden, im Keime zu ersticken."
Der Kampf gegen den Feind hinter der Front werde immer noch nicht ernst genug genommen. Es sei unzulässig, Partisanen gefangen zu nehmen (statt sie zu erschießen), Einheimische und Kriegsgefangene zu verpflegen. Auf Gebäude dürfe weder aus geschichtlichen noch künstlerischen Gründen Rücksicht genommen werden. Strafaktionen sollen die gesamte männliche Bevölkerung treffen, "die in der Lage gewesen wäre, Anschläge zu verhindern oder zu melden." Die "abwartende Haltung" der Bevölkerung müsse "einer klaren Entscheidung zur aktiven Mitarbeit gegen den Bolschewismus weichen"
. (IMT, D-411)
Goebbels Tagebuch
"Wir drehen einige Filme zur Aufklärung der Völker der Sowjetunion über die Judenfrage. Es werden ständig neue Berichte an mich herangetragen, die dartun, daß der Bolschewismus das Gefühl für die Gefährlichkeit der jüdischen Rasse in den Völkern der Sowjetunion vollkommen abgestumpft habe. Man weiß kaum noch, was ein Jude ist oder daß er etwas Fremdvölkisches darstellt. Wir müssen also hier mit einer entsprechenden Propaganda nachgreifen, da sonst unsere antisemitische Propaganda vollkommen ins Leere geht." (Fröhlich)
12.10.1941
Generalgouvernement
3.000 Juden aus Kolomyja (Ukraine) werden festgenommen, zunächst ins Gefängnis gesperrt und am 15. Oktober bei dem Dorf Scheparowze, 8 km von Kolomyja entfernt, erschossen.
13.10.1941
Generalgouvernement
Besprechung zwischen Generalgouverneur Frank und Minister Rosenberg in Berlin.
"Der Generalgouverneur kam dann auf die Möglichkeit der Abschiebung der jüdischen Bevölkerung des Generalgouvernements in die besetzten Ostgebiete zu sprechen. Reichsminister Rosenberg bemerkte, daß ähnliche Wünsche bereits seitens der Militärverwaltung in Paris an ihn herangetragen worden seien. Im Augenblick sehe er jedoch für die Durchführung derartiger Umsiedlungspläne noch keine Möglichkeit. Für die Zukunft erklärte er sich jedoch bereit, die Judenemigration nach dem Osten zu fördern, zumal die Absicht bestehe, überhaupt die asozialen Elemente innerhalb des Reichsgebietes in die dünn besiedelten Ostgebiete zu verschicken." (Präg, S. 412-413)
15.10.1941
Warthegau
Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen nach Lodz.
(Undatierter) Gesamtbericht der Einsatzgruppe A bis zum 15. Oktober
Es wird die Tötung von 135.567 Menschen, fast ausschließlich Juden, gemeldet.
Sowjetunion
"Befehlsgemäß war die Sicherheitspolizei entschlossen, die Judenfrage mit allen Mitteln und aller Entschiedenheit zu lösen. Es war aber nicht unerwünscht, wenn sie zumindest nicht sofort bei den doch ungewöhnlich harten Maßnahmen, die auch in deutschen Kreisen Aufsehen erregen mußten, in Erscheinung trat. Es mußte nach außen gezeigt werden, daß die einheimische Bevölkerung selbst als natürliche Reaktion gegen jahrzehntelange Unterdrückung durch die Juden und gegen den Terror durch die Kommunisten in der vorausgegangenen Zeit die ersten Maßnahmen von sich aus getroffen hat."
"Es war überraschenderweise zunächst nicht einfach, dort ein Judenpogrom größeren Ausmaßes in Gang zu setzen. Dem Führer der oben bereits erwähnten Partisanengruppe, Klimatis, der hierbei in erster Linie herangezogen wurde, gelang es, auf Grund der ihm von dem in Kauen (Kowno) eingesetzten kleinen Vorkommando gegebenen Hinweise ein Pogrom einzuleiten, ohne daß nach außen irgendein deutscher Auftrag oder eine deutsche Anregung erkennbar wurde. Im Verlaufe des ersten Pogroms in der Nacht vom 25. zum 26. Juni wurden über 1.500 Juden von den litauischen Partisanen beseitigt, mehrere Synagogen angezündet oder anderweitig zerstört und ein jüdisches Wohnviertel mit rund 60 Häusern niedergebrannt. In den folgenden Nächten wurden in derselben Weise 2.300 Juden unschädlich gemacht."
Auch in Riga gelang es, "durch entsprechende Einwirkung auf die lettische Hilfspolizei ein Judenpogrom in Gang zu setzen, in dessen Verlauf sämtliche Synagogen zerstört und etwa 400 Juden getötet wurden."
(IMT, L-180)
WELTKRIEGSEREIGNISSE
02.- 20.10.1941
UdSSR
Doppelschlacht bei Wjasma und Brjansk, etwa 200 km westlich von Moskau. 673.000 sowjetische Soldaten geraten in deutsche Gefangenschaft.