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15.09. - 21.10.1941
RK Ostland
In Wilna werden die jüdischen Familien, aus denen kein Elternteil für die Deutschen arbeitet, im Ghetto Nr. 2 zusammengefaßt. Die übrigen kommen in das Ghetto Nr. 1.
Das Ghetto Nr. 2 wird zwischen Anfang und Mitte Oktober aufgelöst, indem die Bewohner nach Ponary gebracht und dort ermordet werden. Im Ghetto Nr. 1 befinden sich zu dieser Zeit noch 27.-28.000 Überlebende.
16.10.1941
Wartheland
Aktennotiz über eine Gestapo-Besprechung betr. "Zigeuner-Einsiedlung"
nach Lodz.
Der erste Transport werde am 4. November eintreffen. "Der Gettoverwaltung ist es unmöglich, die Zigeuner mit den Juden zusammenleben zu lassen, denn es würde Unruhe, und vor allen Dingen Unsicherheit im Getto entstehen. Aus diesem Grunde soll für die in Aussicht stehenden 5.000 Zigeuner ausreichendes Gebiet aus dem Getto herausgelöst und zum Reservat für die Zigeuner gemacht werden."
(Lodz, S. 134)
Luxemburg/Warthegau
Aus Luxemburg werden 331 Juden nach Lodz deportiert; unterwegs werden noch 178 deutsche Juden angeschlossen.
Ein halbes Jahr später werden die Deportationen fortgesetzt: In sechs Transporten werden bis Mitte Juni 1943 insgesamt 352 Juden aus Luxemburg abtransportiert - 286 nach Theresienstadt und 59 direkt in die Vernichtungslager.
Protektorat/Wartheland
1.000 Juden werden aus Prag ins Ghetto von Lodz abtransportiert.
16.10. - 04.11.1941
Wartheland
Fast 20.000 Juden aus dem Altreich, Österreich und dem Protektorat werden nach Lodz deportiert.
17.10.1941
Erlaß des Reichsarbeitsministers
Die Beschäftigung von Juden in landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieben und in den Betrieben der Ernährungswirtschaft ist nicht tragbar. (Walk, S. 353)
Generalgouvernement
Regierungssitzung.
Bericht des Stadthauptmannes von Lublin, Saurmann: In der Stadt habe es Ende 1939 rund 40.000 Juden gegeben. "Es sind davon im Laufe der Zeit etwa 12.000 ausgesiedelt worden, aber fast dieselbe Anzahl ist bis heute wieder zugewandert. Zwar sind die Juden alle auf einen alten Stadtteil zusammengepfercht, dessen Grenze sie nicht ohne Genehmigung überschreiten dürfen, ein geschlossenen Ghetto gibt es bis heute jedoch nicht."
Eine Einzäunung des Ghettos mit Stacheldraht und vollkommene Abriegelung stehe aber kurz bevor.
"Eine Klärung der Judenfrage wird natürlich endgültig erst dann zu erreichen sein, wenn der vollkommene Abtransport aller Juden bewerkstelligt werden kann. Das wird auch für die Stadt Lublin erst der Zeitpunkt sein, wo sich eine wesentliche Entspannung der augenblicklichen Wohnungsnot bemerkbar machen könnte."
(Präg, S. 426ff; IMT, PS-2233)
Serbien
SS-Gruppenführer Turner, Chef des Verwaltungsstabes in Serbien, an SS-Gruppenführer Richard Hildebrandt (Danzig).
"Zwischendurch habe ich dann in den letzten 8 Tagen 2.000 Juden und 200 Zigeuner erschießen lassen nach der Quote 1:100 für bestialisch hingemordete deutsche Soldaten und weitere 2.200, ebenfalls fast nur Juden, werden in den nächsten Tagen erschossen. Eine schöne Arbeit ist das nicht! Aber immerhin muß es sein, um einmal den Leuten klarzumachen, was es heißt, einen deutschen Soldaten überhaupt nur anzugreifen, und zum anderen löst sich die Judenfrage auf diese Weise am schnellsten. Es ist ja eigentlich falsch, wenn man es genau nimmt, daß für ermordete Deutsche, bei denen ja das Verhältnis 1:100 zu Lasten der Serben gehen müßte, nun 100 Juden erschossen werden, aber die haben wir nun mal im Lager gehabt, - schließlich sind es auch serbische Staatsangehörige und sie müssen ja auch verschwinden." (Benz, Dimension, S. 318; IMT NO-5810)
18.10.1941
Beginn der vom RSHA organisierten Deportationen aus dem Deutschen Reich. 500 Juden werden aus Berlin abtransportiert.
Alle Anordnungen hinsichtlich der Aufnahme jüdischer Mischlinge in die HJ werden aufgehoben. Von nun an sollen Mischlinge zweiten Grades wie Deutschblütige dienen, dagegen Mischlinge ersten Grades nur in Sonderfällen und unter besonderen Bedingungen. (Walk, S. 353)
19.10.1941
Wartheland
Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen ins Ghetto von Lodz.
Besetzte sowjetische Gebiete
In Mogilew (Weißrußland) ermordet das Einsatzkommandos 8 der Einsatzgruppe B zusammen mit dem Polizeiregiment Mitte 3.726 Juden. Am 23. Oktober werden noch einmal 239 Juden erschossen, und bis Ende Oktober werden auch die letzten noch Überlebenden ermordet.
Goebbels Tagebuch
"Mauer berichtet über riesige Judenerschießungen in der Ukraine. Er fordert dringend Aufklärungsmaterial für die ukrainische Bevölkerung an, da sie zum Teil das scharfe Vorgehen gegen die Juden nicht versteht. Der Bolschewismus hat den antisemitischen Instinkt in den Völkern der Sowjetunion allmählich zum Erlahmen gebracht; wir müssen hier gewissermaßen wieder von vorn anfangen."
(Fröhlich)
21.10.1941
Generalgouvernement
Regierungssitzung.
Auf der TO steht u.a. das Verbot der Neubildung von Ghettos, "da die Hoffnung besteht, daß die Juden in naher Zukunft aus dem Generalgouvernement abgeschoben werden könnten"
. (Präg, S. 436-437)
Protektorat/Warthegau
Aus Prag werden 1.000 jüdische Menschen ins Ghetto von Lodz abtransportiert.
"Die offiziellen Verpflegungsrationen für sowjetische Kriegsgefangene werden weiter gesenkt. Durchschnittlich sterben in den ersten sechs Monaten des Krieges gegen die Sowjetunion täglich 6.000 sowjetische Kriegsgefangene in deutschen Lagern." (Aly, Vordenker, S. 510)
22.10.1941
Rumänien
In Wapnjarka (Ukraine/Transnistrien), in dem von ihnen besetzten Gebiet der UdSSR, beginnen die Rumänen mit der Errichtung eines Konzentrationslagers. Die 700 jüdischen Einwohner der Stadt waren vorher geflüchtet oder wurden in den ersten Kriegswochen von Deutschen und Rumänien getötet. Ende Oktober wird eine erste Gruppe von 1.000 Juden, zumeist aus Odessa, in das KL gebracht. Etwa 200 Menschen sterben an einer Typhus-Epidemie; die übrigen werden von rumänischer Gendarmerie erschossen.
23.10.1941
Anweisung des Gestapo-Chefs Müller an die Dienststellen der Sicherheitspolizei
Himmler habe angeordnet, "daß die Auswanderung von Juden mit sofortiger Wirkung zu verhindern ist"
. "Die Evakuierungsmaßnahmen bleiben hiervon unberührt"
. "Lediglich in ganz besonders gelagerten Einzelfällen, zum Beispiel bei Vorliegen eines positiven Reichsinteresses, kann nach vorheriger Herbeiführung der Entscheidung des Reichssicherheitshauptamtes der Auswanderung einzelner Juden stattgegeben werden."
(Adler, S. 29-30)
Warthegau
Transport aus Wien mit rund 1.000 Menschen ins Ghetto von Lodz.
Rumänien/Transnistrien
Nach einem Sprengstoffanschlag auf das rumänische Hauptquartier in Odessa (66 Tote) am 22. Oktober ordnet General Antonescu an, für jeden toten Offizier 200 und für jeden Soldaten 100 "Kommunisten"
hinzurichten. Alle Kommunisten sollen verhaftet und aus jeder jüdischen Familie soll ein Mitglied als Geisel genommen werden. Am 23. Oktober werden schätzungsweise 19.000 festgenommene Juden am Hafen erschossen; weitere 20.000 werden ins Stadtgefängnis gesperrt.
Viele von ihnen wurden am folgenden Tag ebenfalls erschossen oder in Lagerhäuser eingeschlossen, die dann in Brand gesteckt wurden. Die Übrigen wurden in Konzentrationslager gebracht oder übergangsweise in einem nahe bei Odessa errichteten Ghetto gefangen gehalten. Von dort wurden sie im Januar/Februar 1942 erneut deportiert.
WELTKRIEGSEREIGNISSE
02.- 20.10.1941
UdSSR
Doppelschlacht bei Wjasma und Brjansk, etwa 200 km westlich von Moskau. 673.000 sowjetische Soldaten geraten in deutsche Gefangenschaft.
16.10.1941
UdSSR
Deutsche und rumänische Truppen besetzen Odessa am Schwarzen Meer.
Odessa hatte 1939 etwa 180.000 jüdische Einwohner, gut ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Mindestens die Häfte konnte rechtzeitig fliehen, so daß beim Einmarsch der Deutschen noch 80.-90.000 Juden in Odessa lebten.
23. - 24.10.1941
UdSSR
Einnahme von Charkow (Ukraine) durch die deutsche Wehrmacht. In der Stadt hatten 1939 rund 130.000 jüdische Menschen gelebt, ein Sechstel der Gesamtbevölkerung. Beim Vormarsch der Deutschen auf Charkow flohen viele Einwohner, darunter der größte Teil der Juden.
Am 3. November 1941 gibt die deutsche Militärverwaltung bekannt, daß die jüdischen Bewohner nur 40% der ohnehin sehr niedrigen Lebensmittelrationen erhalten sollen. Täglich werden "Geiseln"
, überwiegend Juden, festgenommen und erschossen oder gehängt.