CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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08.09.1941

Rumänien

Das Auswärtige Amt an die deutsche Gesandtschaft in Bukarest.

Zur "Rückschiebung" von Juden nach Bessarabien (s. 2. 9. 41) hat das Oberkommando der Wehrmacht folgenden Befehl erlassen: "Soweit es sich um Verschiebung von Juden zwischen dem rumänischen Staatsgebiet und dem demnächst in rumänische Verwaltung übergehenden Gebiete zwischen Bug und Dnjestr (Transnistrien) handelt, hat ein Eingreifen deutscher Dienststellen zu unterbleiben. Verschiebungen aus diesen Gebieten in die der deutschen Verwaltung unterliegenden besetzten Gebiete und umgekehrt müssen für die Zukunft unterbunden werden." (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 288)

Serbien

Der Bevollmächtigte des Auswärtigen Amtes in Serbien an das Auswärtige Amt.

"Nachweislich haben sich bei zahlreichen Sabotage- und Aufruhrakten Juden als Mittäter herausgestellt. Es ist daher dringend geboten, nunmehr beschleunigt für Sicherstellung und Entfernung zum mindesten aller männlichen Juden zu sorgen. Die hierfür in Frage kommende Zahl dürfte etwa 8.000 betragen. Es befindet sich z.Zt. ein Konzentrationslager im Bau, doch erscheint es im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung ratsam, diese Juden so rasch wie möglich außer Landes zu bringen, d.h. mit Leerfrachtkähnen die Donau abwärts, um sie auf rumänischem Gebiet (Insel im Donaudelta) abzusetzen. Ich bitte um Schaffung der entsprechend nötigen Voraussetzungen bezüglich der Duldung durch Rumänien."

Durch Telegramm vom 10. September teilte Unterstaatssekretär Luther der Dienststelle mit: "Einem Abschieben von Juden auf fremdes Staatsgebiet kann nicht zugestimmt werden. Auf diese Weise wird eine Lösung der Judenfrage nicht erreicht. Es wird anheimgestellt, die Juden in Arbeitslagern sicherzustellen und für notwendige öffentliche Arbeiten heranzuziehen." (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 288 und Fußnote)

09.09.1941

UdSSR

Die Wehrmacht besetzt Krementschug (Ukraine). In der Stadt lebten vor dem Krieg 40.000 Juden, etwa 45% der Gesamtbevölkerung. Viele Juden waren vor dem deutschen Einmarsch aus der Stadt geflohen oder von den sowjetischen Behörden evakuiert worden; nur noch 9.000 waren zurückgeblieben. Die Juden müssen ein Kennzeichen tragen, stehen nach 5 Uhr nachmittags unter Ausgangssperre und werden zur Straßenreinigung zwangsverpflichtet.

Slowakien

Verkündigung des Zidovsky´ Kodex, der - in enger Anlehnung an die deutschen Rassengesetze - die Entrechtung der Juden gesetzlich regelt.

In dem Kodex werden in 270 Paragraphen die Bestimmungen der bis dahin erlassenen antijüdischen Gesetze und Verordnungen zusammengefaßt und erweitert.
§ 255 erlaubt dem Präsidenten der Republik, Personen von einzelnen Bestimmungen zu befreien. Ferner sind Schutzbestimmungen für sog. HZ-Personen, d.h. wirtschaftlich wichtige Juden, enthalten. Insgesamt waren 1943 mindestens rund 11.000 Personen geschützt; andere Angaben gingen bis zu 35.000.

10.09.1941

Rumänien

Die Leitung des Lagers Vertujeni (Bessarabien) erhält Anweisung, die jüdischen Gefangenen zu Fuß nach Transnistrien zu bringen, mit einer Tagesrate von 1.600 Menschen. Eine zusätzliche vertrauliche Anweisung fordert den Lagerkommandanten auf, die Juden während des Marsches zu erschiessen. Daraufhin werden von Vertujeni aus täglich zwei Kolonnen mit je 800 Menschen in Marsch gesetzt. Die letzte Gruppe verläßt Vertujeni am 6. Oktober 1941. Tausende Erschossene werden in einem Massengrab im Wald von Cosauti verscharrt.

Serbien

Der Bevollmächtigte des Auswärtigen Amtes beim Militärbefehlshaber in Serbien an das AA.

"Rasche und drakonische Erledigung serbischer Judenfrage ist dringendstes und zweckmäßigstes Gebot. Erbitte von Herrn RAM (Ribbentrop) entsprechende Weisung, um beim Militärbefehlshaber Serbien mit äußerstem Nachdruck wirken zu können. Seitens Serbischer Regierung und Bevölkerung ist keinerlei Widerstand zu erwarten." (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 297)

Goebbels Tagebuch

"Im übrigen geben wir uns auch weiterhin keinerlei Mühe, die Stadt Leningrad zur Kapitulation aufzufordern. Sie muß nach einer fast wissenschaftlich anmutenden Methode vernichtet werden. Es ist nicht angängig, daß der Bolschewismus noch Millionenstädte aufrechterhält, die für alle Zukunft Brutstätten dieser völkervernichtenden Theorien sind. Der Bolschewismus muß aus Europa herausgetrieben werden. Er hat in einem Erdteil, der die älteste Kultur der Geschichte der Menschheit zu verteidigen hat, keinen Platz." (Fröhlich, II.1, S. 389)

11.09.1941

Verfügung des Reichsjustizministers

Die Reichskriminalstatistik weist zur Zeit nur die Kriminalität der Glaubensjuden aus. Ab 1.10.41 soll statt dieser die Kriminalität der Rassejuden festgestellt werden. Ist der Angeklagte Jude, so soll bei der Religionszugehörigkeit "Rassejude" angegeben werden. (Walk, S. 349)

12.09.1941

Serbien

Telegramm des Gesandten in Belgrad, Benzler, an das Auswärtige Amt.

Die Unterbringung der internierten Juden in Serbien selbst sei bei den jetzigen inneren Zustände - zunehmender bewaffneter Widerstand durch Partisanen - nicht möglich, da die Sicherung nicht gewährleistet sei. "Judenlager behindern und gefährden sogar unsere Truppen. So ist sofortige Räumung Lagers von 1.200 Juden in Sabac nötig." - Benzler bittet noch einmal dringend, die serbischen Juden nach dem Generalgouvernement oder auf besetztes sowjetisches Gebiet "abzuschieben". (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 313 Fußnote)

Goebbels Tagebuch

"In der Slowakei werden neue Judengesetze veröffentlicht. Sie gehen zum Teil weiter als die bei uns geltenden. Ich sehe mich nunmehr veranlaßt, auch unsere Polizeiverordnung, daß die Juden einen Judenstern sichtbar in der Öffentlichkeit tragen müssen, zu veröffentlichen. Das wird zwar einigen Lärm in der englischen und USA-Presse geben; aber von dort haben wir doch nichts mehr zu erwarten; und daß wir Antisemiten sind, das wird sich auch in England und USA mittlerweile hinreichend herumgesprochen haben." (Fröhlich, II.1, S. 404)

13.09.1941

Serbien

Schreiben Rademachers, Auswärtiges Amt.

Rademacher widerspricht der Forderung, 1.200 männliche Juden aus Serbien nach Rumänien, dem Generalgouvernement oder in besetztes sowjetisches Gebiet abzuschieben. "Rußland ist als Operationsgebiet zur Aufnahme dieser Juden völlig ungeeignet. Wenn sie schon in Serbien eine Gefahr sind, sind sie in Rußland eine noch viel größere. Das Generalgouvernement ist bereits mit Juden übersättigt.
M.E. müßte es bei der nötigen Härte und Entschlossenheit möglich sein, die Juden auch in Serbien in Lagern zu halten. Wenn die Juden dort nach wie vor Unruhe schüren, muß gegen sie mit verschärftem Standrecht vorgegangen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Juden weiter konspirieren, wenn erst eine größere Anzahl von Geiseln erschossen ist."

    Entsprechende Weisung des Auswärtigen Amtes wurde am 18. September  nach Belgrad geschickt. (ADAP, Serie D, Bd. XIII.1, Nr. 313 und Fußnote)

Goebbels Tagebuch

"Ich erkläre mein Einverständnis, daß nun eine kurze Presseverlautbarung über die Dekorierung der noch im Reich lebenden Juden mit dem gelben Judenstern herauskommt. Ich lasse dazu einen kurzen Kommentar schreiben, der vor allem darauf hinweist, daß nach den kriegstreiberischen Manipulationen der Juden in aller Welt und ihren furchtbaren Greueltaten in der Sowjetunion ein dringendes Bedürfnis besteht, daß der deutsche Bürger einen Juden auch an einem äußeren Zeichen schon gleich erkennen kann." (Fröhlich, II.1, S. 411)

15.09.1941

Rumänien/UdSSR

Nachdem in der ersten Phase des Krieges gegen die UdSSR in der Bukowina und Bessarabien etwa 160.000 Juden von deutschen und rumänischen Armee-Einheiten sowie Teilen der Einsatzgruppe D ermordet wurden, ordnet Staatschef Antonescu an, die überlebenden etwa 150.000 Juden nach Transnistrien zu vertreiben. Auf dem Weg dorthin kommen Zehntausende von Juden ums Leben: erschossen oder verhungert, verdurstet oder infolge von Krankheiten.

Richtlinie des Reichsinnenministers für die Durchführung der Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden

Legt fest, wie der Stern anzuheften ist und wo er getragen werden muß, sowie welche Strafen bei Übertretung der Vorschriften anzuwenden sind.
Anträge zum Verlassen des Wohnorts und zur Benutzung von Verkehrsmitteln sind an die Polizei zu stellen (nur in dringenden Fällen und außerhalb der Hauptverkehrszeiten). (Walk, S. 349-350)

Erlaß des Reichsfinanzministers

Die Sätze für die Erhebung der Sozialausgleichsabgabe bei Juden werden bestimmt. Juden, die in "Mischehen" leben oder ein niedriges Einkommen haben, sind von ihr befreit. (Walk, S. 349)

Niederlande

Juden werden per Gesetz von vielen öffentlichen Orten und Gebäuden verbannt.

RK Ukraine

Das Ghetto von Berditschew wird von deutschen und ukrainischen Polizeikräften abgeriegelt. 400 ausgebildete Handwerker und deren Familien, insgesamt etwa 2.000 Menschen, werden ausgesondert. Die übrigen 18.600 Menschen werden zu Gruben außerhalb der Stadt gebracht und dort erschossen.

15.09.1941 - 15.02.1942

Rumänien/Transnistrien

Seit Mitte September 1941 wurden mehrere zehntausend jüdische Menschen aus den von Rumänien kontrollierten Gebieten Bessarabien und Bukowina nach Mogiljow-Podolski in Transnistrien deportiert. Hunderte oder tausende wurden bereits auf dem Weg dorthin ermordet. Viele wurden, da die improvisierten Lager in der Stadt nicht ausreichten, von den Rumänen weiter in die Umgebung gejagt. Insgesamt wurden in der Zeit vom 15. September 1941 bis zum 15. Februar 1942 rund 56.000 Menschen nach Mogiljow-Podolski gebracht.

15.09. - 21.10.1941

RK Ostland

In Wilna werden die jüdischen Familien, aus denen kein Elternteil für die Deutschen arbeitet, im Ghetto Nr. 2 zusammengefaßt. Die übrigen kommen in das Ghetto Nr. 1.

Das Ghetto Nr. 2 wird zwischen Anfang und Mitte Oktober aufgelöst, indem die Bewohner nach Ponary gebracht und dort ermordet werden. Im Ghetto Nr. 1 befinden sich zu dieser Zeit noch 27.-28.000 Überlebende.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

08.09.1941

UdSSR

Deutsche Truppen besetzen Schlüsselburg; damit ist die Abschneidung Leningrads vollständig.

11.09.1941

Roosevelt verkündet die shoot-on-sight-Order gegen Schiffe der "Achse", die sich in Seegebieten aufhalten, "deren Schutz für die amerikanische Verteidigung erforderlich ist". Auf solche Schiffe soll künftig sofort das Feuer eröffnet werden.

13.09.1941

Eine von Hitler gebilligte Denkschrift des Oberkommandos der Wehrmacht stellt fest, daß der Krieg gegen die UdSSR im Jahre 1941 nicht mehr zu beenden ist.

14.09.1941

Deutsche Truppen schließen den Kessel östlich von Kiew.