CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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24.09.1941

Juden wird der Gebrauch von Schecks verboten; in ihren Händen befindliche Scheckhefte werden eingezogen. (Walk, S. 350)

Verfügung des Reichsjustizministers

Testamente von "Deutschblütigen" zugunsten von Juden sind nichtig. Solche Verfügungen stünden in scharfem Gegensatz zum gesunden deutschen Volksempfinden und sind daher auf Grund des Erbgesetzes vom 31.7.38 unwirksam. (Walk, S. 351)

Goebbels Tagebuch

"Auch in der Behandlung der Judenfrage habe ich mit Heydrich einige wichtige Dinge zu besprechen. Wir werden den Juden in Berlin die Lust vertreiben, ihre neuen Abzeichen zu verstecken; und im übrigen bin ich der Meinung, daß wir so schnell wie möglich die Juden aus Berlin evakuieren müssen. Das wird der Fall sein können, sobald wir im Osten zu einer Bereinigung der militärischen Fragen gekommen sind. (...)
Dann kann ich ausführlich mit dem Führer die Situation unter vier Augen besprechen. (...) Leningrad will der Führer weiterhin aussparen. Ein Sturm auf diese Stadt würde unnötig viel Blutopfer kosten und liegt auch gar nicht im Sinne seiner nach höheren Gesichtspunkten durchgeführten operativen Maßnahmen. Es erscheint notwendig, daß diese Stadt überhaupt verschwindet. Wir könnten auch, wenn wir diese Stadt eroberten, gar nicht die dort zusammengepferchte 5-Millionen-Masse überhaupt ernähren. Woher sollten wir die Lebens- und Transportmittel dazu nehmen? Von dieser Stadt ist der Bolschewismus ausgegangen, und in dieser Stadt wird der Bolschewismus endgültig zerschmettert werden. Es liegt also durchaus in unserem Sinne, wenn Leningrad noch einige Zeit Widerstand leistet. (...) Etwas ähnliches wird unter Umständen mit Moskau der Fall sein."

"Der Führer ist der Meinung, daß die Juden nach und nach aus ganz Deutschland herausgebracht werden müssen. Die ersten Städte, die nun judenfrei gemacht werden sollen, sind Berlin, Wien und Prag. Berlin kommt als erste an die Reihe, und ich habe die Hoffnung, daß es uns im Laufe dieses Jahres noch gelingt, einen wesentlichen Teil der Berliner Juden nach dem Osten abzutransportieren." (Fröhlich)

Warthegau

Der Oberbürgermeister von Lodz, protestiert gegen die von Himmler angekündigte Einweisung von 20.000 Juden aus dem "Altreich" und 5.000 Sinti und Roma. Er befürchte, daß die kriegswichtige Produktion gestört werden könnte, da man gezwungen sein würde, die neu ins Ghetto hereingebrachten Menschen in Fabriken einzuquartieren.
Es kommt zu einem umfangreichen Briefwechsel. Himmler setzt sich schließlich mit seiner Forderung nach der Aufnahme der 20.000 deutschen Juden in Lodz durch.

26.09.1941

Slowakien

Die Gründung einer Vertretung der Juden (Ústredna Zidov/UZ) wird angeordnet.

Das UZ sollte in erster Linie die Anordnungen der Regierung an die Juden weitergeben. Ursprünglich der deutschen Reichsvereinigung nachgebildet, hatte das UZ zunächst u.a. die Aufgabe, Juden für körperliche Arbeit umzuschulen, die Auswanderung von Juden zu fördern und jüdische Schulen und Wohltätigkeitseinrichtungen zu betreuen.

27.09.1941

Protektorat

Heydrich wird anstelle des angeblich erkrankten von Neurath "vertretungsweise" mit der Führung der Geschäfte des Reichsprotektors in  Böhmen und Mähren beauftragt. Als erste Terrormaßnahme läßt Heydrich 188 bekannte politische Häftlinge hinrichten.

RK Ukraine

Den Juden von Krementschug wird befohlen, sich in einem Barackenlager in einem Vorort zu versammeln. Am 28. September werden von dort die ersten 1.600 Menschen zu vorbereiteten Gruben gebracht und erschossen. Am 7. November ist die Mordaktion abgeschlossen. Etwa 5.500 jüdische Bewohner von Krementschug waren, z.T. in Verstecken, der deutschen Razzia zunächst entgangen. Die meisten von ihnen werden jedoch von einheimischen Ukrainern den Deutschen ausgeliefert und ebenfalls ermordet.

28.09.1941

Serbien

Gesandter Benzler, Belgrad, an Außenminister Ribbentrop.

Er habe wiederholt vergeblich um Hilfe des Auswärtigen Amtes bei der Abschiebung der Juden aus Serbien gebeten.  Ribbentrop habe ihm bei einem Treffen ausdrücklich seine Hilfe zugesagt, "die Juden und außerdem auch Freimaurer und endglandhörige Serben, sei es donauabwärts, sei es in Konzentrationslagern in Deutschland oder im Generalgouvernement unterzubringen. Sofortige Lösung der Judenfrage ist im Augenblick hier politisch wichtigste Aufgabe und Voraussetzung für Inangriffnahme der Beseitigung von Freimaurern und uns feindlicher Intelligenz. Im Gange befindliche militärische Aktion zur Aufstandsbekämpfung schafft jetzt geeigneten Zeitpunkt für Beginn der Aktion. Zudem hat mich General Böhme ebenso wie Militärbefehlshaber erneut nachdrücklichst gebeten, auch in Ihrem Namen möglichst sofortige Abschiebung Juden außer Landes zu erwirken.
Es handelt sich um zunächst achttausend männliche Juden, deren Unterbringung in eigenen Lagern unmöglich, da diese für Unterbringung von rund zwanzigtausend Serben aus Aufstandsgebieten in Anspruch genommen werden müssen. Unterbringung in neuen Lagern und außerhalb Belgrads infolge Aufstandslage ebenfalls unmöglich. Mit restlichen etwa 20.000 Juden und Familienangehörigen werden wir hier fertig werden müssen. Abschiebung auf Insel im Donaudelta erscheint transportmäßig die einfachste Lösung, da Leerfrachtkähne sofort bereit stehen. Dies Verfahren ist nach meiner Unterrichtung auch bereits bei Abschiebung Juden aus Tschechei mit Erfolg angewandt worden."

Er bitte dringend um Ribbentrops Unterstützung.  (ADAP, Serie D, Bd. XIII.2, Nr. 363)

29.- 30.09.1941

RK Ukraine

Als "Vergeltungsmaßnahme für Brandstiftungen" in Kiew nehmen die Deutschen sämtliche erreichbaren Juden der Stadt fest und erschiessen sie in der Schlucht von Babi Jar.  33.711 Menschen fielen nach deutscher Zählung dieser Mordaktion zum Opfer.

Nachdem es zwischen 24. und 28. September mehrere  Sprengstoffanschläge gegen von der deutschen Militärverwaltung benutzte Gebäude gegeben hatten, beschloßen die deutschen Dienststellen, als "Vergeltung" alle Juden Kiews zu töten. Beteiligt an der Entscheidung waren Verantwortliche der Wehrmacht, der SS, der Einsatzgruppe C und der Polizei. Zur Durchführung des Massenmords wurde das Sonderkommando 4a, verstärkt durch Angehörige der deutschen Polizei und der ukrainischen Hilfspolizei, eingesetzt.

Am 28. September wurden in Kiew Plakate angebracht, mit denen die Juden aufgefordert wurden, sich am nächsten Morgen an einem bestimmten Platz zu versammeln, da sie umgesiedelt werden sollten. Die Menschen, die sich zur festgesetzten Zeit einfanden, wurden in ein mit Stacheldraht und Posten abgeriegeltes Gebiet getrieben, in dem sich der jüdische Friedhof und die Schlucht von Babi Jar befanden und dort ermordet. In den folgenden Monaten wurden weitere tausende Juden festgenommen und dort erschossen. Nach Schätzung einer sowjetischen Untersuchungskommission wurden in der Schlucht von Babi Jar insgesamt etwa 100.000 Menschen ermordet, darunter auch viele Nichtjuden wie sowjetische Kriegsgefangene und Zigeuner.

30.09.1941

Generalgouvernement

Die deutschen Behörden in Bereshany (Ukraine) ordnen an, daß sich alle männlichen Juden zwischen 18 und 65 Jahren am folgenden Tag auf dem zentralen Platz der Stadt versammeln müssen. 700 Männer werden aus der Menge herausgeholt und in einem nahegelegenen Wald ermordet.

Eichmanns Stellvertreter Brunner teilt dem Sprecher der jüdischen Gemeinde Wiens, Löwenherz, mit, daß "mit Rücksicht auf die durch die Fliegerangriffe notwendig gewordene anderweitige Unterbringung der arischen Bevölkerung" ein Teil der Juden aus dem Altreich, dem Protektorat und Wien nach Lodz deportiert werden soll. Insgesamt sollen 5.000 Wiener Juden in fünf Transporten "umgesiedelt" werden. (Adler, S. 175)

In Frankfurt/Main leben noch 10.592 Juden; im Juni 1933 waren es mehr als 26.000 gewesen.

Ende September 1941

RK Ukraine

In Winnitsa werden die jüdischen Facharbeiter und Freiberuflichen, zusammen mit ihren Familien - insgesamt etwa 5.000 Menschen - von den übrigen Juden getrennt. 2.000 alte Menschen, Frauen und Kinder werden außerhalb der Stadt ermordet.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

26.09.1941 Weltkrieg/

UdSSR

Abschluß der Schlacht östlich Kiew; 665.000 sowjetische Soldaten geraten in Gefangenschaft. Die Heeresgruppe Mitte erhält den Befehl zur Offensive gegen Moskau.

29.09.1941 Weltkrieg/UdSSR

Anweisung des Chefs des Stabes der Seekriegsleitung, Admiral Kurt Fricke

Hitler sei "entschlossen, die Stadt Petersburg vom Erdboden verschwinden zu lassen. (...) Es ist beabsichtigt, die Stadt eng einzuschließen und durch Beschuß mit Artillerie aller Kaliber und laufendem Lufteinsatz dem Erdboden gleichzumachen. Sich aus der Lage der Stadt ergebende Bitten um Übergabe werden abgeschlagen werden, da das Problem des Verbleibens und der Ernährung der Bevölkerung von uns nicht gelöst werden kann und soll. Ein Interesse an der Erhaltung auch nur eines Teils dieser großstädtischen Bevölkerung besteht in diesem Existenzkrieg unsererseits nicht. Notfalls soll gewaltsame Abschiebung in den östlichen russischen Raum erfolgen." (Domarus)