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August 1942
Generalgouvernement
Bei der Stadt Kielce wird, angrenzend an eine Munitionsfabrik, ein Zwangsarbeitslager für Juden, Skarzysko-Kamienna, errichtet.
Die Fabrik gehörte dem deutschen HASAG-Konzern. Das Lager bestand bis zum 1. August 1944. Die meisten Häftlinge kamen aus dem besetzten Polen, einige auch aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei, den Niederlanden und Frankreich. Die durchschnittliche Zahl der Insassen betrug 6.000. Zwischen dem 1. Oktober 1942 und dem 31. Januar 1943 starben in dem Lager 3.241 jüdische Gefangene. Die Gesamtzahl der dorthin Deportierten wird auf 25.-30.000 geschätzt, die Zahl der dort Umgekommenen auf 18.-23.000. (EdH, S. 1318)
Serbien
Der Chef der deutschen Zivilverwaltung in Serbien, Turner, meldet: "Serbien ist das einzige Land Europas, in dem das Judenproblem gelöst wurde."
(EdH, S. 175)
Bulgarien
Bildung des Kommissariats für jüdische Angelegenheiten (KEV) im bulgarischen Innenministerium. Es hat die Aufgabe, das Gesetz zum Schutz der Nation vom 21. Januar 1941 und die zugehörigen Ausführungsbestimmungen anzuwenden. Die jüdischen Gemeindevorstände werden ihrer Befugnisse beraubt und dem KEV unterstellt. Zum Kommissar für jüdische Angelegenheiten wird der rechtsextrem orientierte Rechtsanwalt Belev ernannt. (EdH, S. 264)
01.08.1942
Slowakien/Auschwitz
Aus einem slowakischen Deportationszug werden in Auschwitz 75 jüdische Frauen und 165 Männer als "arbeitsfähig"
ausgewählt; die anderen Insassen dieses Zuges werden in die Gaskammern geschickt.
Niederlande
Aus Westerbork kommt ein Transport mit 1.007 jüdischen Menschen - 540 Männer und Jungen, 467 Frauen und Mädchen - in Auschwitz an. Nach der "Selektion"
werden 317 Frauen und 490 Männer als Häftlinge übernommen; die anderen 200 Menschen, insbesondere die Kinder, werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 263)
Generalgouvernement
Rede Franks bei einer Großkundgebung in Llow/Lemberg.
"Wir können dem Führer gar nicht genug dafür danken, daß er mit seinem Entschluß dieses alte Judennest, diese verwahrloste Burg von Raubrittern der Straße und der Gasse, dieses Polackensiedlungsheim endlich deutschen Fäusten anvertraut hat, die mit der Schaufel in der Hand, mit Insektenpulver und sonstigen notwendigen Bedarfsartikeln dafür gesorgt haben, daß sich ein deutscher Mensch wieder hier aufhalten kann. (Stürmischer Beifall) (...)
Ich spreche hier nicht von den Juden, die wir hier noch haben; mit diesen Juden werden wir auch fertig. Übrigens habe ich heute gar nichts mehr davon gesehen. Was ist denn das? Es soll doch in dieser Stadt einmal Tausende und Abertausende von diesen Plattfußindianern gegeben haben - es war keiner mehr zu sehen. Ihr werdet doch am Ende mit denen nicht böse umgegangen sein? (Große Heiterkeit)
Immerhin, auch dieses Problem packen wir Nationalsozialisten nach unserem Parteiprogramm an. Es war gerade hier besonders deutlich. Mein Gott, wenn ich einmal meine Memoiren schreibe und darstellen werde, wie ich mit fünf Mann in Posen einzog, um dem Auftrag des Führers zur Gründung des Generalgouvernements zu entsprechen, - das war ja nicht zu beschreiben, was da für Juden umeinanderliefen, von einer Scheußlichkeit, daß man sich wundern muß, daß die Erde ihren Betrieb nicht eingestellt hat, (Große Heiterkeit) Juden von einer so erschütternden Grauenhaftigkeit, daß ich glaube, auch der erbittertste Gegner der nationalsozialistischen Bewegung wäre eines anderen belehrt worden, wenn er das hätte sehen können." (IMT, PS-2233; Präg, S. 532ff)
01.- 03.08.1942
Auschwitz
Annähernd 5.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder werden in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. (Czech, S. 265)
02.08.1942
Frankreich/Auschwitz
Aus dem französischen Lager Pithiviers werden 359 jüdische Frauen und 693 Männer in das KL Auschwitz eingeliefert. (Czech, S. 264)
04.08.1942
Protektorat/RK Ostland
Transport aus Theresienstadt mit rund 1.000 Menschen nach Minsk oder dem nahegelegenen Lager Maly Trostinec - offenbar um sie dort zu ermorden.
Niederlande/Auschwitz
Aus dem Lager Westerbork kommt ein Deportationszug mit 1.013 jüdischen Menschen - 493 Frauen und Mädchen, 520 Männer und Jungen - in Auschwitz an. 429 Männer und 268 Frauen werden in das Lager eingewiesen; die anderen 316 Menschen, insbesondere die Kinder, werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 266)
Frankreich
Besprechung der beteiligten Dienststellen betr. "Richtlinien für die Behandlung von ausgesiedelten Elsässern"
.
"Die erste Ausweisungsaktion wurde im Elsaß in der Zeit vom Juli bis Dezember 1940 durchgeführt und von ihr 105.000 Personen ausgewiesen bzw. an der Rückkehr verhindert. Es waren dies hauptsächlich Juden, Zigeuner und andere Fremdrassige, Verbrecher, Asoziale und unheilbare Geisteskranke, ferner Franzosen und Frankophile. Die Patois-Bevölkerung wurde von dieser Aussiedlungswelle in der gleichen Weise wie die übrigen Elsässer durchgekämmt. (Anm. d. Red.: Patois: eigentlich ein abwertender Ausdruck für eine umgangssprachliche, sozial niedrigstehende französische Mundart. Meint hier anscheinend die französischsprachige Bevölkerung des Elsaß.)
Unter Berufung auf die vom Führer erteilte Genehmigung, das Elsaß von allem Fremden, Kranken und Unzuverlässigen zu säubern, hat Gauleiter Wagner vor kurzem auf die politische Notwendigkeit einer zweiten Aussiedlungsaktion hingewiesen, die möglichst bald vorbereitet werden soll. Von dieser Maßnahme sollen folgende Personenkreise ergriffen werden:
- a) Die farbigen Personen und deren Abkömmlinge: Neger und deren Mischlinge, Zigeuner und deren Abkömmlinge, Juden vom Halbjuden aufwärts, jüdische Mischehen.
- b) Die Fremdvölkischen und deren Abkömmlinge.
- c) Die Patois-Bevölkerung.
- d) Die Asozialen.
- e) Die unheilbar Geisteskranken."
Die anwesenden Vertreter der SS-Hauptämter einigten sich auf folgende Stellungnahme: (...)
- Den Evakuierungsplänen des Gauleiters könne grundsätzlich zugestimmt werden,
"da sie sich tatsächlich nur auf einen Personenkreis beschränken, der aus rassischen und politischen Gründen für das Reich untragbar ist.
Die Absiedlung der Patois-Bevölkerung sollte grundsätzlich bis Kriegsende verschoben werden, soweit es sich nicht um Personen handelt, die infolge ihres politischen Auftretens im Elsaß untragbar sind.
Der Absiedlung der unter a - c genannten Personen ist grundsätzlich zuzustimmen. Es ist darauf zu achten, daß der Personenkreis auf diejenigen Fälle beschränkt bleibt, deren Abschiebung unbedingt schon jetzt notwendig ist."
(IMT, R-114)
05.08.1942
Frankreich/Auschwitz
Ein Deportationszug aus dem französischen Lager Pithiviers mit 982 jüdischen Frauen und 52 Männern kommt in Auschwitz an. Nach der "Selektion"
werden 542 Frauen und 22 Männer als Häftlinge registriert; die anderen 470 Menschen werden in den Gaskammern getötet.
Belgien
Mit dem ersten belgischen Transport kommen 998 jüdische Menschen - 428 Frauen und Mädchen, 570 Männer und Jungen - aus dem Lager Malines in Auschwitz an. Nach der "Selektion"
werden 426 Männer und 318 Frauen als Häftlinge registriert, die anderen offenbar ermordet. (Czech, S. 267)
Generalgouvernement
Das sog. Kleine Ghetto in Radom wird von deutscher Polizei und ukrainischen Hilfstruppen abgeriegelt und "evakuiert"
. Unmittelbar an der Sammelstelle werden etwa 600 ältere Menschen und Kinder erschossen. 800 Männer und 20 Frauen werden zur Zwangsarbeit ausgesucht. Alle anderen, mehr als 6.000 Männer und Frauen, werden in das Vernichtungslager Treblinka abtransportiert, ebenso wie 2.000 Menschen aus dem sog. Großen Ghetto. (EdH, S. 1180)
07.08.1942
Frankreich/Auschwitz
Aus dem französischen Lager Beaune-la-Rolande kommt ein Deportationszug mit 1.014 jüdischen Menschen - 426 Frauen und Mädchen, 588 Männer und Jungen - in Auschwitz an. Nach der "Selektion"
werden 96 Frauen und 214 Männer als Häftlinge übernommen; die anderen Insassen dieses Zuges werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 268)
Anordnung des RSHA
Es ist unerwünscht, daß Juden in Eingaben oder im sonstigen Schriftverkehr mit Behörden ihre früheren Titel oder Berufsbezeichnungen angeben. Im Nichtbeachtungsfalle haben die Betreffenden mit Weiterungen zu rechnen. - Die Anordnung trifft auch Juden in privilegierter Mischehe. (Walk, S. 383)