CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Dezember 1942

Generalgouvernement

Einstellung der Transporte in das Vernichtungslager Belzec und Schließung des Lagers.

Zwischen Dezember 1942 und Frühjahr 1943 wurden die Massengräber geöffnet, die Leichen verbrannt und das Lager abgerissen, um die Spuren des Mordens zu verdecken. Anschließend wurden die letzten jüdischen Gefangenen, etwa 600 Menschen, nach Sobibor gebracht und dort ermordet. (EdH, S. 180)

01.12.1942

Norwegen/Auschwitz

Aus Bergen werden 532 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 186 Männer werden als Häftlinge übernommen, die anderen 346 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 347)

02.12.1942

Niederlande/Auschwitz

Aus Westerbork kommt ein Deportationszug mit 826 Menschen in Auschwitz an. Lediglich 77 Männer werden als Häftlinge übernommen, während die anderen Angekommenen direkt in die Gaskammern geschickt werden.

Bezirk Bialystok

Aus dem Ghetto von Grodno werden etwa 1.000 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 60 Frauen und 178 Männer als Häftlinge registriert; die anderen etwa 760 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 348)

Ungarn

Antwort der ungarischen Regierung auf eine am 17. Oktober übergebene deutsche Note zur "Lösung der Judenfrage".

Sie könne "nur einer solchen Regelung zustimmen, die auf alle Juden fremder Staatsangehörigkeit gleichmäßig Anwendung findet". Außerdem meldet sie ihren Anspruch auf das gesamte Vermögen der ungarischen Juden an.

"Die ungarische Regierung hat den gesamteuropäischen Charakter der Judenfrage nie angezweifelt. Sie ist aber der Ansicht, daß (...) die einzelnen souveränen Staaten selbst die zweckmäßigsten Formen der Lösung finden müssen."

Schließlich sei Ungarn der erste Staat gewesen, der schon 1920 antijüdische Maßnahmen einführte. Durch die Judengesetze von 1938 und 1939 sei der Anteil von Juden in der Presse und Schauspielkunst auf ihre Verhältniszahl beschränkt worden; tatsächlich sei er heute schon geringer als ihr Bevölkerungsanteil. Aus den geistigen Berufen seien die Juden "praktisch bereits vollkommen ausgeschaltet". Auch im Unterrichtswesen nähere sich ihr Anteil dem Nullpunkt.

Die Juden hätten am Wirtschaftsleben des Landes einen außerordentlich hohen Anteil gehabt. "Es ist allgemein bekannt, daß das Judentum in Ungarn die kaufmännischen und industriellen Beschäftigungszweige fast ausschließlich besetzt hatte."
Im Vergleich mit dieser Ausgangslage seien schon "außerordentliche Resultate" erreicht worden. Diese "tiefgreifende Umschichtung" sei aber in der angespannten Kriegssituation nur unter großen Schwierigkeiten durchzuführen.

"Die Judenfrage ist unter solchen Umständen zu einer Produktionsfrage geworden, die Aufrechterhaltung der Produktion ist aber ein gesamteuropäisches Interesse. (...) Neben diesem gemeinsamen Interesse erscheint es völlig belanglos, ob die vollständige Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben etwas früher oder etwas später vollzogen wird. Die Ausschaltung der Juden aus den Schlüsselstellungen ist bereits seit geraumer Zeit im Gange und wird in Kürze vollzogen werden."

"Eine besondere Kennzeichnung der Juden kann in Ungarn derzeit nicht in Betracht gezogen werden, da eine solche Maßnahme die Durchführung aller zweckentsprechenden Regierungsmaßnahmen zur Ausschaltung des Judentums nur erschweren könnte. Ihre Verhältniszahl in der Wirtschaft und in der Bevölkerung der Städte ist so außerordentlich hoch, daß ihr Hervortreten unzweifelhaft solche Leidenschaftsäußerungen entfesseln würde, die eine ernstliche Gefährdung der gesetzlichen und sozialen Ordnung nach sich ziehen müßten."

Für die von der Deutschen geforderte "Aussiedlung" der Juden besitze die ungarische Regierung nicht die technischen Mittel. "Mit einer Teillösung kann der Zweck solcher Maßnahmen keineswegs erfüllt werden, sie könnten aber sicherlich leicht Anlaß zu ernstlichen Unruhen bieten und würden jedenfalls beträchtliche Störungen in der Kriegswirtschaft des Landes hervorrufen." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 245)

Juden in mindestens 29 Ländern der Welt trauern und protestieren mit einem Tag des Fastens und des Gebets gegen die deutschen Massenmorde.

03.12.1942

Südostpreußen/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Plonsk (Regierungsbezirk Zichenau/Nordpolen) werden etwa 1.000 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 347 Männer werden als Häftlinge ünernommen, 653 Menschen in den Gaskammern getötet.

Die etwa 300 jüdischen Häftlinge, die im Sonderkommando zum Ausgraben und Verbrennen der Leichen aus den Massengräbern eingesetzt gewesen waren (s. 30.11.42), werden nach Abschluß der Arbeiten ermordet.

Ein Transport mit 93 Zigeunern kommt in Auschwitz an; wahrscheinlich werden sie ermordet. (Czech, S. 349)

Annektierte polnische Westgebiete

Reichsinnenminister Frick ordnet für Ostoberschlesien und die anderen "eingegliederten Ostgebiete" die Unterbringung "fremdvölkischer" Minderjähriger in Lagern an. Eingeliefert werden sollen nicht nur bettelnde Waisen und Kinder, deren Eltern in Lagern sind, sondern auch Kinder, die aus verschiedenen Gründen ihren Eltern geraubt wurden. Von den etwa 10.000 im Lauf der Zeit in das "Polenjugendverwahrlager Litzmannstadt" (Lodz) eingelieferten und zur Zwangsarbeit eingesetzten Kindern werden die meisten später in den Vernichtungslagern Chelmno/Kulmhof und Auschwitz-Birkenau ermordet. (Lodz, S. 280)

Ungarn

Bericht des Unterstaatssekretärs Luther, Auswärtiges Amt, über ein Gespräch mit dem ungarischen Gesandten Sztójay nach dessen Rückkehr aus Budapest.

"Schwierigkeiten bereiteten der Regierung, da sie auf das Parlament Rücksicht nehmen müsse, die Gerüchte über die Behandlung der Juden im Osten - die er (Sztójay) selbstverständlich nicht glaube. Der ungarischen Regierung aber würde ihre Aufgabe erleichtert, wenn von deutscher Seite versichert werden könnte, daß den Juden im Osten ein eigener Bezirk für den Aufenthalt zugewiesen würde. Ich habe erwidert, daß ich diese Zusicherung ohne weiteres bereits geben könne, allerdings sei der Aufenthaltsraum, der den Juden zunächst angewiesen würde, nicht als endgültig anzusehen. Im Laufe der Entwicklung würde ihnen ein Bezirk zum Daueraufenthalt zugewiesen werden. Gesandter Sztójay nahm diese Erklärung mit Genugtuung auf." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 250)  

04.12.1942

Belgien

Unterstaatssekretär Luther vom Auswärtigen Amt an die Vertretung des AA beim Militärbefehlshaber in Belgien.

Mit Telegramm vom 9. Juli habe die Vertretung "dem geplanten Abtransport einer größeren Anzahl von Juden zugestimmt, auf der anderen Seite aber gebeten (...), von der Verschickung der Juden belgischer Staatsangehörigkeit zunächst abzusehen."

Wenn sich jetzt das Judentum in Belgien den deutschen Anordnungen entziehe, sich tarne oder untertauche, und sich zunehmend am aktiven Widerstand beteilige, "dann sollte ein energisches Zugreifen eine weitere Ausbreitung dieses Gefahrenherdes verhindern."

Luther schlägt daher vor, "die getroffenen Maßnahmen nunmehr auf alle Juden in Belgien auszudehnen und diese bis zur möglichen Durchführung der Transporte in Sammellagern zusammenzufassen."
Eine "durchgreifende Säuberung Belgiens von den Juden" müsse früher oder später sowieso erfolgen. Für sofortige Maßnahmen spreche, daß die bisherigen Deportationen die Bevölkerung an solche Maßnahmen gewöhnt und die Juden ohnehin aufgeschreckt hätten. "Die Tatsache, daß in den benachbarten Niederlanden das gesamte Judentum evakuiert wurde, dürfte in dieser Hinsicht den belgischen Juden keinen Zweifel gelassen haben. Neben der notwendigen Beseitigung der oben erwähnten Gefahren aber empfiehlt es sich, die Bevölkerung nicht in dauernder Unruhe zu halten, sondern die unvermeidlichen Maßnahmen in einem Zuge aufeinanderfolgend durchzuführen. Das Verschieben auf einen späteren Zeitpunkt könnte nur die unerwünschte Folge haben, die jetzt im Gange befindliche gegnerische Propaganda zu einer Zeit erneut wieder aufleben zu lassen, wenn sie innerhalb dieses Bereichs im wesentlichen zur Ruhe gekommen ist." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 254)

04. - 05.12.1942

Generalgouvernement

Mehrere Hundert Juden aus Bereshany (Ukraine) werden in das Vernichtungslager Belzec abtransportiert. (EdH, S. 186)

05.12.1942

Auschwitz

Nach einer "Selektion" im Frauenlager B Ia in Birkenau werden etwa 2.000 weibliche Häftlinge in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 351)

Italien/Griechenland

Unterstaatssekretär Luther vom Auswärtigen Amt an die deutsche Botschaft in Rom.

Über die Behandlung der Juden in Griechenland finden deutsch-italienische Besprechungen in Athen statt. Am 19. September sei der deutsche Bevollmächtigte angewiesen worden, als "vorläufiges Ziel" über die Kennzeichnung der Juden in Griechenland zu verhandeln. Der italienische Vertreter habe dazu aber bisher keine Anweisung aus Rom erhalten.

Der deutsche Botschafter soll deshalb das italienische Außenministerium noch einmal auf dieses Thema ansprechen, "da weitere Verzögerung jeglicher Maßnahmen bedenklich. Italienischer Bevollmächtigter selbst hätte einheitliches Vorgehen im Gesamtgebiet Griechenland befürwortet. Von ihm bereits erwähnte Ausnahmebehandlung etwa italienischer oder auch spanischer Juden könnte eingeräumt werden." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 259)

06.12.1942

Niederlande/Auschwitz

Aus dem Lager Westerbork kommt ein Deportationszug mit 811 Menschen in Auschwitz an. Nur 16 Männer werden als Häftlinge in das Lager eingewiesen, während alle anderen in den Gaskammern ermordet werden.

Südostpreußen

Aus dem Ghetto in Mlawa (Regierungsbezirk Zichenau/Nordpolen) werden etwa 2.500 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 406 Männer als Häftlinge registriert; die anderen etwa 2.094 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 352)

Nordafrika

Nachdem sie am 23. November die Führer der jüdischen Gemeinschaft Tunesiens verhaftet haben, setzen die Deutschen am 6. Dezember einen neuen "Judenrat" ein und verlangen von diesem die Bereitstellung von 2.000 Männern zur Zwangsarbeit.

Nachdem das Gremium nur 120 Männer zusammenbekam, griffen die Deutschen zu Massenfestnahmen und anderen Mitteln der Einschüchterung. Schließlich wurden insgesamt 5.000 tunesische Juden zur Zwangsarbeit eingezogen und in mehreren Lagern untergebracht. Italien setzte durch, daß seine jüdischen Staatsangehörigen ausgenommen blieben. (EdH, S. 1440; Benz, Dimension, S. 122)

07.12.1942

Generalgouvernement

Sitzung der Gouverneure (Bezirkschefs).

Gouverneur Dr. Fischer spricht über die kritische Lage in Warschau. "Wenn der neue Ernährungsplan durchgeführt werden solle, so bedeute das allein für die Stadt Warschau und ihre nächste Umgebung, daß 500.000 Menschen keine Verpflegung mehr bekämen."

Gouverneur Zörner berichtet über die Lage im Distrikt Lublin. "Die Judenaktion (d.h. die Deportationen), die zunächst im allgemeinen gut vonstatten gegangen sei, sei leider in den letzten Wochen überstürzt worden, mit dem Erfolge, daß ein großer Teil der Juden sich aus den Ghettos in die Wälder geflüchtet und sich auch Banden angeschlossen habe." (IMT, PS-2233; Präg, S. 582ff)

08.12.1942

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ein Deportationszug mit etwa 1.000 Menschen aus dem Ghetto von Grodno kommt in Auschwitz an. 231 Männer werden in das Lager eingewiesen, 769 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 354)

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium. Goebbels führt aus, die in der internationalen Presse behaupteten Mißhandlungen der Juden in Polen seien "eine heikle Frage", auf die am besten überhaupt nicht eingegangen werden solle. (Boelcke, S. 312)

09.12.1942

Generalgouvernement

Regierungsitzung in Krakau.

Ausführungen des Generalgouverneurs Frank: Seine Regierung appelliere gegenüber dem Reich immer wieder an den Grundsatz, daß man die Kuh, die man melken will, nicht schlachten darf. "Das Reich will aber unter dem Drang und Druck der Verhältnisse die Kuh Generalgouvernement sowohl melken wie schlachten."

Seit Dezember 1939 seien aus dem GG 960.000 Arbeitskräfte ins Reich "vermittelt" worden. Hinzugerechnet werden müßten fast 1,5 Mio. Kriegsgefangene der früheren polnischen Armee, so daß insgesamt 2,46 Millionen Menschen aus der Zuständigkeit des GG in den Arbeitsprozeß des Reichs eingeschaltet seien. Dem GG werde es überlassen, die Familienangehörigen dieser Menschen aus eigenen Mitteln zu versorgen.

"Nicht unwichtige Arbeitskräfte hat man uns in unseren altbewährten Judenschaften genommen. Es ist klar, daß der Arbeitsprozeß erschwert wird, wenn mitten in dieses Arbeitsprogramm des Krieges der Befehl kommt, alle Juden sind der Vernichtung anheim zu stellen. Die Verantwortung hierfür trifft nicht die Regierung des Generalgouvernements. Die Weisung der Judenvernichtung kommt von höherer Stelle. Wir müssen uns nur mit den Schlußfolgerungen abfinden und können auch den Reichsstellen nur mitteilen, daß die Wegholung der Juden arbeitsmäßig zu ungeheuersten Schwierigkeiten geführt hat. Ich habe neulich Staatsseketär Ganzenmüller, der Klage darüber führte, daß ein großes Bauvorhaben im GG zum Stocken kam, beweisen können, daß das nicht passiert wäre, wenn nicht die vielen tausende dort eingesetzten Juden abgeholt worden wären. Nun lautet der Befehl, daß die Juden aus der Rüstung wegzuholen seien. Ich hoffe, daß dieser Befehl, wenn nicht bereits aufgehoben, noch aufgehoben wird, denn dann sieht die Lage noch schlimmer aus." (IMT, PS-2233; Präg, S. 587-588)

10.12.1942

Niederlande/Auschwitz

Ein Transport mit 927 jüdischen Menschen trifft in Auschwitz ein. Nur 39 Männer und 3 Frauen werden in das Lager übernommen, während die anderen 885 Menschen unmittelbar in die Gaskammern geschickt werden.

Aus dem Reichsgebiet werden 1.060 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 137 Männer und 25 Frauen werden als Häftlinge registriert, 898 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Generalgouvernement

Aus dem Durchgangslager Malkinia, nordwestlich von Warschau gelegen, werden etwa 2.500 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 524 Männer als Häftlinge registriert; die anderen 1.976 Menschen werden ermordet. (Czech, S. 356)

11.12.1942

Generalgouvernement/Auschwitz

Ein Transport mit etwa 2.000 jüdischen Menschen aus dem Durchgangslager Malkinia kommt in Auschwitz an. 416 Männer und 6 Frauen werden in das Lager eingewiesen; die anderen etwa 1.578 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 358)

Frankreich

Einführung der Kennzeichnungspflicht für Ausweise und Lebensmittelkarten der Juden im neu besetzten Gebiet. Die italienischen Behörden verweigern in ihrer Besatzungszone die Übernahme der Bestimmungen.

Schreiben Eichmanns an das Auswärtige Amt.

Bekanntlich habe Himmler im Oktober 1941 die Auswanderung von Juden aus dem Reich und den besetzten Gebieten untersagt. "Lediglich in ganz besonders gelagerten Einzelfällen, z.B. bei Vorliegen eines positiven Reichsinteresses, ist von hier nach Prüfung vorgesehen, der Auswanderung einzelner Juden stattzugeben".

Seither seien von Juden bei verschiedenen Dienststellen, u.a. besonders beim Reichswirtschaftsministerium und der Reichsbank, Anträge auf Auswanderung gestellt worden, wobei hohe Devisenbeträge angeboten worden seien. "Trotz schwerster politischer Bedenken, die laufend von hier aus geäußert wurden und werden, und trotz des ausdrücklichen Hinweises auf die gefährlichen Auswirkungen solcher Genehmigungen im Ausland wurde von seiten des Reichswirtschaftsministeriums und der Reichsbank mit Rücksicht auf die angespannte Devisenlage des Reiches größter Wert darauf gelegt, von Fall zu Fall Auswanderungsanträgen dann stattzugeben, wenn hohe Devisenbeträge anfallen.

Unter einstweiliger Zurückstellung der politischen Bedenken, die heute bei der Auswanderung von Juden an sich in allen Fällen bestehen, wurde in Anbetracht der vorgebrachten zwingenden wirtschaftlichen Gründe vereinbart, ausnahmeweise eine Auswanderungsgenehmigung dann zu erteilen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Diesen Anträgen wird nur näher getreten, wenn der jüdische Antragsteller und seine Angehörigen im fortgeschrittenen Lebensalter stehen, keine besonderen sicherheitspolizeilichen Gründe der Auswanderung entgegenstehen und ein Devisenbetrag von mindestens 100.000 sfrs. je Person unter Verzicht auf den Gegenwert zur Verfügung gestellt wird." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 278)

Griechenland

Die Registrierung der im Juli nicht erfaßten Juden von Saloniki wird vorgenommen.
Wenige Tage später senden Himmler und Eichmann ein Sonderkommando unter Leitung von Wisliceny nach Griechenland. Dieser kündigt den deutschen Dienststellen eine geplante "Sonderaktion" an, wobei er sich auf einen "Führerbefehl" und weitreichende Vollmachten des RSHA und des Auswärtigen Amts beruft: Die Juden im deutschen Machtbereich, die im Fall einer Invasion eine Fünfte Kolonne der Alliierten wären, sollen unverzüglich ins Generalgouvernement abtransportiert werden, angeblich um dort "in einem geschlossenen Siedlungsraum" für die Kriegswirtschaft zu arbeiten. (Benz, Dimension, S. 251-252)

BBC und der niederländische Exilsender Radio Oranje geben, aufgrund polnischer Regierungsquellen, die Zahl der von den Deutschen ermordeten Juden mit einer Million an.

12.12.1942

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium

"Die englische Propaganda bemächtigt sich der angeblichen Judengreuel im Osten derart stark, daß der Minister (Goebbels) es nunmehr für an der Zeit erachtet, gegen diese Propagandakampagne etwas zu unternehmen. Dieses Thema sei zwar recht heikel, und wir sollten uns auf die Polemik am besten nicht einlassen, dafür aber die Greuel der Engländer in Indien, im Iran und in Ägypten besonders herausstellen. Unsere beste Waffe gegen den Propagandafeldzug sei die Offensive und dafür geben uns die Engländer genügend Material. Die Greuelmeldungen müßten jedoch von uns in einer stärkeren Tonart vorgetragen werden und von der deutschen Presse kräftig unterstützt werden, damit sie auch in der Welt zum Tragen kommen." (Boelcke II, S. 312)

Rumänien

Der deutsche Gesandte von Killinger an das Auswärtige Amt.

Der Regierungsbeauftragte für Judenfragen, Lecca, habe mitgeteilt, "daß Marschall Antonescu der Judenzentrale die Weisung erteilt habe, die Auswanderung von 75 bis 80.000 Juden nach Palästina und Syrien zu organisieren und durchzuführen. Auch liege ein Angebot für Aufnahme von Juden im Iran vor."
Als einzige Bedingung fordere Rumänien 200.000 Lei für jeden Auswandernden.

Er habe Lecca gesagt, daß Deutschland damit kaum einverstanden sein werde, "vor allen Dingen nicht, wenn es sich um wehrfähige Juden handelt". Das Projekt widerspräche auch den deutschen Besprechungen mit dem Großmufti von Jerusalem und dem irakischen Ministerpräsidenten.

Lecca habe zugesagt, an die Durchführung des Befehls erst heranzugehen, wenn eine deutsche Stellungnahme vorliegt. Zu einer deutschen Intervention bestehe noch kein Anlaß, "da die Durchführung des Planes nach Lage der Dinge noch nicht reif sei, allein schon wegen des fehlenden Schiffsraumes."

Killinger schätzt ein, daß Antonescu zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wolle: Abgesehen von den 16 Milliarden Lei wolle er "einen großen Teil der Juden, die ihm innenpolitische Schwierigkeiten machen, auf bequeme Art loswerden. Eine Radikallösung lehnt er ab gegenüber den Juden, die nicht nachgewiesenermaßen bolschewistisch sind."
Killinger bittet um Mitteilung des AA, ob er offiziell gegen den Plan Stellung nehmen soll. (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 279)

13.12.1942

Generalgouvernement/Auschwitz

Der erste Transport mit 318 polnischen Frauen und 314 Männern aus dem Lager der sog. Umwandererzentrale in Zamosc ist in Auschwitz eingetroffen. Die "Ausgesiedelten" werden als Häftlinge in das Lager eingewiesen. (Czech, S. 358-359)

Aus dem Gebiet von Zamosc, südöstlich von Lublin, wurden im Winter 1942/43 auf Befehl Himmlers die polnischen Einwohnerinnen und Einwohner von rund 300 Dörfer "ausgesiedelt", um Platz für die Ansiedlung von "Volksdeutschen" aus Osteuropa zu schaffen. Etwa 10.000 Polinnen und Polen kamen infolge dieser "Evakuierungen" ums Leben.

Goebbels Tagebuch

"Die Frage der Judenverfolgungen in Europa wird von den Engländern und Amerikaner bevorzugt und in größtem Stil behandelt. Allerdings geschieht das hin und wieder nicht mit der Tonstärke, die man eigentlich erwartet hätte. Im Grund genommen sind, glaube ich, sowohl die Engländer wie die Amerikaner froh darüber, daß wir mit dem Judengesindel aufräumen. Aber die Juden werden drängen und die britisch-amerikanische Presse unter Druck setzen. Wir wollen auf dieses Thema öffentlich überhaupt nicht eingehen, sondern ich ordne an, daß nun unsererseits gegen die Engländer ein Greuelfeldzug bezüglich ihrer Behandlung der Kolonialvölker eingeleitet wird. (...)

Übrigens sind die Italiener in der Behandlung der Judenfrage außerordentlich lax. (...) Man kann hier wieder einmal sehen, daß der Faschismus doch nicht so recht in die Tiefe zu gehen wagt, sondern in wichtigsten Problemen an der Oberfläche haften bleibt. Die Judenfrage macht uns überhaupt sehr viel zu schaffen. Überall finden die Juden, auch bei unseren Verbündeten, noch Hilfsmannschaften, ein Beweis dafür, daß sie selbst im Achsenlager noch eine bedeutsame Rolle spielen. Umso entmachteter sind sie in Deutschland selbst." (Fröhlich, II.6, S. 438-439)

14.12.1942

Niederlande/Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs aus den Niederlanden mit 757 jüdischen Menschen in Auschwitz. 121 Männer werden als Häftlinge übernommen,  die anderen 636 Menschen in den Gaskammern getötet.

Aus dem Ghetto in Nowy Dwór Mazowiecki werden etwa 1.500 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 580 Männer als Häftlinge registriert, 920 Menschen werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 359)

In Preußen dürfen Frauen, die mit einem Juden verheiratet sind oder waren, wegen mangelnder Zuverlässigkeit keine Erlaubnis zur Ausübung des Gaststättengewerbes erhalten, außer in Sonderfällen mit Genehmigung des Reichsinnenministers. (Walk, S. 393)

Unter Hinweis auf kriegswichtige Gründe ordnet Himmler an, bis spätestens Ende Januar 1943 mindestens 35.000 arbeitsfähige Gefängnisinsassen in Konzentrationslager zu überführen. (IMT, L-041)

Goebbels Tagebuch

"Die Juden machen die ganze Welt rebellisch wegen der angeblichen Greueltaten in Polen. Nun wollen sie die USA und England als Schutzmächte anrufen. Die Engländer zeigen sich diesen jüdischen Bestrebungen gegenüber etwas hartleibig. Sie wollen offenbar die Judenfrage im eigenen Lande nicht allzu stark andrehen, weil auch in England der Antisemitismus, wie ich auch verschiedenen Berichten entnehmen kann, ständig im Wachsen ist. Jedenfalls lassen die Juden alle Minen springen, um in der Weltöffentlichkeit eine Panikstimmung hervorzurufen." (...)

"Aber es nützt den Juden alles nichts. Die jüdische Rasse hat diesen Krieg vorbereitet, sie ist der geistige Urheber des ganzen Unglücks, das über die Welt hereingebrochen ist. Das Judentum muß für sein Verbrechen bezahlen, so wie der Führer es damals in seiner Reichstagsrede prophezeit hat: mit der Auslöschung der jüdischen Rasse in Europa und vielleicht in der ganzen Welt." (Fröhlich, II.6, S. 445-446)

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium

"Der Minister (Goebbels) weist auf die große jüdische Propagandaaktion gegen Deutschland in der ganzen Welt hin und erklärt, daß man dieser Aktion, die bereits seit Wochen zu beobachten sei, deutscherseits unbedingt eine Gegenaktion gegenüberstellen müsse. Dabei komme nicht etwa eine völlige oder teilweise Widerlegung der jüdischen Greuelbehauptungen in Frage, sondern lediglich eine deutsche Aktion, die sich mit englischen und amerikanischen Gewalttaten in der ganzen Welt beschäftige. (...) Diese Berichterstattung müsse auch im Inland durchgeführt werden, selbst wenn die deutsche Bevölkerung hierüber nichts mehr hören wolle, um eine Diskrepanz zwischen der Innen- und Außenpropaganda, die gegen uns verwertet werden könnte, zu vermeiden. Der Minister bittet, dafür zu sorgen, daß auf allen Wegen auch das Auswärtige Amt entsprechende Maßnahmen trifft." (Boelcke II, S. 312-313)

16.12.1942

Besetzte sowjetische Gebiete

Die jüdische Bevölkerung von  Charkow (Ukraine) wird zur Übersiedlung in ein Barackenlager außerhalb der Stadt gezwungen. Die Schuppen, in denen die Menschen untergebracht werden, sind nicht beheizbar. Viele sterben an Kälte, Unterernährungen und Krankheiten. Drei Wochen später beginnen die Deutschen damit, jeweils mehrere hundert Menschen zu einer Schlucht zu bringen und dort zu erschießen. Insgesamt 15.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder werden auf diese Weise ermordet.

Generalgouvernement/Auschwitz

Mit dem zweiten Transport aus dem Lager der "Umwandererzentrale" werden Polen aus der Region Zamosc nach Auschwitz eingeliefert; 38 Männer und 48 Frauen werden als Häftlinge registriert. (Czech, S. 361)

Gestapochef Müller schickt Himmler einen Plan zur Deportation von 45.000 Juden nach Auschwitz, um die dortigen Rüstungsbetriebe mit mehr Zwangsarbeitern zu versorgen. Die Transporte könnten zwischen 11. und 31. Januar 1943 stattfinden; bis zum 10. Januar könne die Reichsbahn wegen des verstärkten Wehrmachts-Urlaubsverkehrs keine zusätzlichen Sonderzüge bereitstellen.

Die 45.000 Juden könnten sich so verteilen: 30.000 Menschen aus dem Bezirk Bialystok, 10.000 aus dem Ghetto Theresienstadt, sowie 3.000 aus den Niederlanden und 2.000 aus Berlin. Unter den aus Theresienstadt zu Deportierenden sollten 5.000 arbeitsfähige Menschen sein, "die bisher für im Ghetto erforderliche kleinere Arbeiten eingesetzt waren, und 5.000 im Allgemeinen arbeitsunfähige, auch über 60 Jahre alte Juden, um bei dieser Gelegenheit den im Interesse des Ausbaues des Ghettos zu hohen Lagerstand von etwa 48.000 etwas herunterzudrücken. Hierfür bitte ich Sondergenehmigung zu erteilen. Es würden, wie bisher, für den Abtransport nur Juden, die über keine besonderen Beziehungen und Verbindungen verfügen und keine hohen Auszeichnungen besitzen, erfaßt."

"In der Zahl von 45.000 ist der arbeitsunfähige Anhang (alte Juden und Kinder) mit inbegriffen. Bei Anlegung eines zweckmäßigen Maßstabes fallen bei der Ausmusterung der ankommenden Juden in Auschwitz mindestens 10.000 bis 15.000 Arbeitskräfte an." (IMT, PS-1472)

Ausführungen von Goebbels in der Mitarbeiterbesprechung des Propagandaministeriums.

"In unserer Offensive gegen die Greuelmeldungen der Engländer dürfen wir uns nicht auf die englischen Greuel allein beschränken, sondern müssen auch auf die verschiedenen Gewaltätigkeiten und Erpressungen der Amerikaner und die russischen Greueltaten hinweisen. Der Minister hält ein allgemeines Geschrei über Greueltaten für die beste Möglichkeit, von dem leidigen Judenthema herunterzukommen. Es müßte so sein, daß jede Partei jeder Partei vorwirft, daß sie Greueltaten begeht. Dieses allgemeine Geschrei würde schließlich dazu führen, daß dieses Thema vom Programm abgesetzt wird. In der deutschen Presse sollen in größerem Umfange Greuelbeschuldigungen gegen die englische Politik aufgegriffen werden, damit unsere Offensive in der Welt zum Tagen kommt." (Boelcke II, S. 313)

17.12.1942

Ostpreußen/Auschwitz

Ankunft eines Transports mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto in Plonsk (Regierungsbezirk Zichenau/Nordpolen) in Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 257 Frauen und 523 Männer als Häftlinge registriert; etwa 1.220 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 362)

Veröffentlichung der Erklärung der Alliierten Regierungen gegen die "German Policy of Extermination of the Jewish Race". Unterzeichnet von den Regierungen bzw. Exilregierungen Belgiens, der Tschechoslowakei, Griechenlands, Luxemburgs, der Niederlande, Norwegens, Polens, der Sowjetunion, Großbritanniens, der USA, Jugoslawiens sowie des Französischen Nationalkomitees in London.

"Die führenden deutschen Stellen setzen jetzt Hitlers oft wiederholte Absicht in die Tat um, das jüdische Volk in Europa auszurotten. Aus allen besetzten Ländern werden Juden unter entsetzlichen, brutalen Bedingungen nach Osteuropa transportiert. In Polen, das zum größten Schlachthaus der Nazis gemacht worden ist, werden die von den deutschen Besatzern errichteten Ghettos systematisch von allen Juden geleert, mit Ausnahme einiger hochqualifizierter Arbeiter, die für die Kriegsindustrie benötigt werden. Von keinem, der weggeschafft wurde, hat man je wieder etwas gehört. Die Arbeitsfähigen müssen sich in den Arbeitslagern langsam zu Tode schuften. Die Schwachen und Kranken läßt man erfrieren und verhungern, oder sie werden in Massen ermordet."

Die alliierten Regierungen verurteilen diese Verbrechen aufs schärfste und bekräftigen ihre feste Entschlossenheit, dafür zu sorgen, daß die dafür Verantwortlichen der Vergeltung nicht entkommen werden. (FRUS, vol. V, S.179)

Die gemeinsame Erklärung war vor allem auf Initiative der polnischen Exilregierung zustande gekommen, die sich dabei auf die von ihrem Kurier Jan Karski gelieferten Berichte aus dem besetzten Polen stützte.

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD an alle Befehlshaber, Inspekteure und Kommandeure der SiPo und des SD, an die Leiter der Gestapostellen, an alle Höheren SS- und Polizeiführer, an WVHA-Chef Pohl, und an den Inspekteur der Konzentrationslager.

"Aus kriegswichtigen, hier nicht näher zu erörternden Gründen, hat der RFSS und Chef der Deutschen Polizei (Himmler) am 14.12.1942 befohlen, daß bis Ende Januar 1943 spätestens mindestens 35.000 arbeitsfähige Häftlinge in die Konzentrationslager einzuweisen sind.
Um diese Zahl zu erreichen, ist folgendes erforderlich:

  1. Ab sofort (zunächst bis zum 1.2.1943) werden Ost- oder solche fremdvölkischen Arbeiter, welche flüchtig oder vertragsbrüchig geworden sind und nicht den verbündeten, befreundeten oder neutralen Staaten angehören (...) auf dem schnellsten Wege den nächstgelegenen Konzentrationslagern eingeliefert." - Dritten Dienststellen gegenüber soll begründet werden, daß es sich um Einzelfälle handle, um Beschwerden zu vermeiden oder auszuräumen.
  2. Überprüfung aller Hafträume und Arbeitserziehungslager. "Alle arbeitseinsatzfähigen Häftlinge sind, wenn es sachlich und menschlich irgendwie zu vertreten ist, sofort nach den folgenden Richtlinien in das nächstgelegene KZ zu überstellen (...) Es kommt auf jede einzelne Arbeitskraft an! (...)

Die Überprüfung ist sofort in Angriff zu nehmen. Jedes Zurückhalten von arbeitsfähigen Häftlingen ist verboten. Ausnahmen bedürfen meiner Genehmigung." (IMT, PS-1063 (d))

Aufzeichnung des Staatsseketärs im Auswärtigen Amt, von Weizsäcker.

"Der schwedische Gesandte begann heute bei mir ein Gespräch darüber, daß die schwedische Regierung bereit wäre, die aus Norwegen abzutransportierenden Juden norwegischer Staatsangehörigkeit in Schweden aufzunehmen. Ich habe Herrn Richert gleich gesagt, ich möchte hierüber in ein amtliches Gespräch mit ihm nicht eintreten. Würde er von seiner Regierung zu einer Mitteilung dieser Art beauftragt, so glaubte ich ihm von vornherein einen Mißerfolg voraussagen zu können. Das Mißliche eines solchen Versuches liege auf der Hand. Herr Richert ließ hierauf das Thema fallen." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 297)

18.12.1942

Goebbels Tagebuch

"Die Judenfrage spielt eine außerordentliche Rolle, sowohl im feindlichen wie auch im neutralen Nachrichtendienst. Die Schweden empören sich scheinheilig gegen unsere Behandlung der polnischen Juden, erklären sich aber keinesfalls bereit, die Juden in ihr Land aufzunehmen. Die maßgebenden Stockholmer Zeitungen verwahren sich mit Emphase dagegen, daß ihnen nun die Ghettojuden aus Warschau aufgedrängt werden sollten. Es wäre vielleicht ganz gut, wenn die Schweden einige tausend solcher Juden in ihr Land hereinließen. Sie würden dann einmal einen praktischen Anschauungsunterricht über die Judenfrage erhalten und wahrscheinlich unsere Maßnahmen viel besser verstehen, als das heute anscheinend der Fall ist. Die Juden in Jerusalem veranstalten rauschende Protestkundgebungen gegen uns. Sie haben einen Fasttag abgehalten und an der Klagemauer den attestamentarischen Judenfluch über den Führer, Göring, Himmler und mich ausgerufen. Vorläufig habe ich bei mir persönlich noch keine Folgen gemerkt. Im übrigen muß man diese Juden kennen, um sie richtig zu behandeln. Sie suchen jetzt die ganze Welt zu alarmieren, bloß um Propaganda gegen das nationalsozialstische Reich und seine antisemitischen Überzeugungen zu machen. Darauf gibt es nur eine Antwort, und die lautet: rigoros und ohne Einschränkung in der bisherigen Methode fortfahren. Würde man auch nur das leiseste Zeichen von Schwäche geben, so wäre man verloren." (Fröhlich, II.6, S. 467)

21.12.1942

Erlaß des Reichsinnenministers und des Reichsarbeitsministers

Juden erhalten in Zukunft ausnahmslos keinerlei Unterstützung von den öffentlichen Fürsorgeverbänden, sondern sind an die jüdische Reichsvereinigung zu verweisen. (Walk, S. 394)

24.12.1942

Der Beauftragte für die Erfassung von Schrott und Metallen hat die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland angewiesen, von jüdischen Friedhöfen alles Metall (einschließlich von Grabstätten, Zäunen, Toren usw.) zu entfernen und den Behörden zu übergeben. (Walk, S. 394)

28.12.1942

Auschwitz

Prof. Dr. Clauberg beginnt in einer Baracke des Häftlingskrankenbaus im Frauenlager Birkenau mit seinen Sterilisationsexperimenten an weiblichen Häftlingen. (Czech, S. 366)

Schreiben des Chefs der Amtsgruppe D im SS-Wirtschaftsamt (WVHA), Glücks, an die SS-Lagerärzte der Konzentrationslager.

"In der Anlage wird eine Aufstellung über die laufenden Zu- und Abgänge in sämtlichen Konzentrationslagern zur Kenntnisnahme übersandt. Aus derselben geht hervor, daß von 136.000 Zugängen rund 70.000 durch Tod ausgefallen sind. Mit einer derartig hohen Todesziffer kann niemals die Zahl der Häftlinge auf die Höhe gebracht werden, wie es der Reichsführer SS befohlen hat. Die Ersten Lagerärzte haben sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen, daß die Sterblichkeitsziffer in den einzelnen Lagern wesentlich herabgeht. Nicht derjenige ist der beste Arzt in einem Konzentrationslager, der glaubt, daß er durch unangebrachte Härte auffallen muß, sondern derjenige, der die Arbeitsfähigkeit durch Überwachung und Austausch an den einzelnen Arbeitsstellen möglichst hoch hält.Die Lagerärzte haben mehr als bisher die Ernährung der Häftlinge zu überwachen und in Übereinstimmung mit den Verwaltungen den Lagerkommandanten Verbesserungsvorschläge einzureichen. Diese dürfen jedoch nicht nur auf dem Papier stehen, sondern sind von den Lagerärzten regelmäßig nachzukontrollieren. Ferner haben sich die Lagerärzte darum zu kümmern, daß die Arbeitsbedingungen auf den einzelnen Arbeitsplätzen nach Möglichkeit verbessert werden." (Czech, S. 366-367)

31.12.1942

Schreiben des Gestapo-Chefs Müller an den Chef des SS-Wirtschaftsamts (WHVA), Pohl.

Übersicht über die Zuführung von Häftling zur Verstärkung des Arbeitseinsatzes in Rüstungsbetrieben. "Ich möchte aber in diesem Zusammenhang noch darauf hinweisen, daß infolge der zahlreichen Todesfälle in den KL trotz der in letzter Zeit in verstärktem Maße verfügten Einweisungen eine Erhöhung des Häftlingsgesamtbestandes nicht zu erreichen war, und daß bei anhaltender bzw. sogar ansteigender Sterblichkeit eine Besserung selbst bei erhöhten Einweisungen voraussichtlich nicht zu erreichen ist." (IMT, NO-1523)

Bericht Krumeys (Leiter der "Umwandererzentrale") über die  Aussiedlung der polnischen Bevölkerung aus dem Gebiet von Zamosc. (s. 13.12.42)

Nur 1.310 "ausgesiedelte" Polen seien nach Berlin transportiert worden. Das reiche für die beabsichtigte Ersetzung der weit grösseren Zahl jüdischer Rüstungsarbeiter nicht aus. Mit einem Transport seien 644 Polen nach Auschwitz gebracht worden; dort seien die Jugendlichen durch Phenolspritzen ins Herz ermordet worden. Von 33.832 Bewohnern aus 60 "evakuierten" Dörfern seien den Deutschen nur 9.971 Personen in die Hände gefallen. "Der Rest hat sich der Aussiedlung durch Flucht entzogen. (...) Die Ursache der Massenflucht liegt vor allem in der Ungewißheit über das der Aussiedlung folgende Schicksal. Die Polenpropaganda sagt allen Polen ein gleiches Schicksal wie das der Juden voraus."

"Um die Aussonderung des unerwünschten Blutes und der Asozialen restlos zu erreichen, wäre zu erwägen, ob nicht auch die Kinder mit den Eltern in das Arbeitslager nach Auschwitz überführt werden sollen. In absehbarer Zeit treten die (...) Kinder der Wertungsgruppe III ("nicht eindeutschungsfähige" Polen) biologisch wieder in Erscheinung und tauchen später erneut in unliebsamer Weise auf." (Adler, S. 225-226)

Ende Dezember 1942

Im Gebiet des früheren Österreich gibt es nur noch 8.102 Juden im Sinne der Nürnberger Gesetze, zumeist in  "Mischehen" lebende Menschen. Vor dem Anschluß an das Deutsche Reich 1938 hatten in Österreich 185.000 jüdische Menschen gelebt.

WELTKRIEGSEREIGNISSE

12.12.1942

Beginn einer deutschen Entlastungsoffensive für die in Stalingrad eingeschlossene Armee; sie muß am 21. Dezember erfolglos abgebrochen werden.


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