CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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08.12.1942

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ein Deportationszug mit etwa 1.000 Menschen aus dem Ghetto von Grodno kommt in Auschwitz an. 231 Männer werden in das Lager eingewiesen, 769 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 354)

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium. Goebbels führt aus, die in der internationalen Presse behaupteten Mißhandlungen der Juden in Polen seien "eine heikle Frage", auf die am besten überhaupt nicht eingegangen werden solle. (Boelcke, S. 312)

09.12.1942

Generalgouvernement

Regierungsitzung in Krakau.

Ausführungen des Generalgouverneurs Frank: Seine Regierung appelliere gegenüber dem Reich immer wieder an den Grundsatz, daß man die Kuh, die man melken will, nicht schlachten darf. "Das Reich will aber unter dem Drang und Druck der Verhältnisse die Kuh Generalgouvernement sowohl melken wie schlachten."

Seit Dezember 1939 seien aus dem GG 960.000 Arbeitskräfte ins Reich "vermittelt" worden. Hinzugerechnet werden müßten fast 1,5 Mio. Kriegsgefangene der früheren polnischen Armee, so daß insgesamt 2,46 Millionen Menschen aus der Zuständigkeit des GG in den Arbeitsprozeß des Reichs eingeschaltet seien. Dem GG werde es überlassen, die Familienangehörigen dieser Menschen aus eigenen Mitteln zu versorgen.

"Nicht unwichtige Arbeitskräfte hat man uns in unseren altbewährten Judenschaften genommen. Es ist klar, daß der Arbeitsprozeß erschwert wird, wenn mitten in dieses Arbeitsprogramm des Krieges der Befehl kommt, alle Juden sind der Vernichtung anheim zu stellen. Die Verantwortung hierfür trifft nicht die Regierung des Generalgouvernements. Die Weisung der Judenvernichtung kommt von höherer Stelle. Wir müssen uns nur mit den Schlußfolgerungen abfinden und können auch den Reichsstellen nur mitteilen, daß die Wegholung der Juden arbeitsmäßig zu ungeheuersten Schwierigkeiten geführt hat. Ich habe neulich Staatsseketär Ganzenmüller, der Klage darüber führte, daß ein großes Bauvorhaben im GG zum Stocken kam, beweisen können, daß das nicht passiert wäre, wenn nicht die vielen tausende dort eingesetzten Juden abgeholt worden wären. Nun lautet der Befehl, daß die Juden aus der Rüstung wegzuholen seien. Ich hoffe, daß dieser Befehl, wenn nicht bereits aufgehoben, noch aufgehoben wird, denn dann sieht die Lage noch schlimmer aus." (IMT, PS-2233; Präg, S. 587-588)

10.12.1942

Niederlande/Auschwitz

Ein Transport mit 927 jüdischen Menschen trifft in Auschwitz ein. Nur 39 Männer und 3 Frauen werden in das Lager übernommen, während die anderen 885 Menschen unmittelbar in die Gaskammern geschickt werden.

Aus dem Reichsgebiet werden 1.060 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 137 Männer und 25 Frauen werden als Häftlinge registriert, 898 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Generalgouvernement

Aus dem Durchgangslager Malkinia, nordwestlich von Warschau gelegen, werden etwa 2.500 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 524 Männer als Häftlinge registriert; die anderen 1.976 Menschen werden ermordet. (Czech, S. 356)

11.12.1942

Generalgouvernement/Auschwitz

Ein Transport mit etwa 2.000 jüdischen Menschen aus dem Durchgangslager Malkinia kommt in Auschwitz an. 416 Männer und 6 Frauen werden in das Lager eingewiesen; die anderen etwa 1.578 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 358)

Frankreich

Einführung der Kennzeichnungspflicht für Ausweise und Lebensmittelkarten der Juden im neu besetzten Gebiet. Die italienischen Behörden verweigern in ihrer Besatzungszone die Übernahme der Bestimmungen.

Schreiben Eichmanns an das Auswärtige Amt.

Bekanntlich habe Himmler im Oktober 1941 die Auswanderung von Juden aus dem Reich und den besetzten Gebieten untersagt. "Lediglich in ganz besonders gelagerten Einzelfällen, z.B. bei Vorliegen eines positiven Reichsinteresses, ist von hier nach Prüfung vorgesehen, der Auswanderung einzelner Juden stattzugeben".

Seither seien von Juden bei verschiedenen Dienststellen, u.a. besonders beim Reichswirtschaftsministerium und der Reichsbank, Anträge auf Auswanderung gestellt worden, wobei hohe Devisenbeträge angeboten worden seien. "Trotz schwerster politischer Bedenken, die laufend von hier aus geäußert wurden und werden, und trotz des ausdrücklichen Hinweises auf die gefährlichen Auswirkungen solcher Genehmigungen im Ausland wurde von seiten des Reichswirtschaftsministeriums und der Reichsbank mit Rücksicht auf die angespannte Devisenlage des Reiches größter Wert darauf gelegt, von Fall zu Fall Auswanderungsanträgen dann stattzugeben, wenn hohe Devisenbeträge anfallen.

Unter einstweiliger Zurückstellung der politischen Bedenken, die heute bei der Auswanderung von Juden an sich in allen Fällen bestehen, wurde in Anbetracht der vorgebrachten zwingenden wirtschaftlichen Gründe vereinbart, ausnahmeweise eine Auswanderungsgenehmigung dann zu erteilen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Diesen Anträgen wird nur näher getreten, wenn der jüdische Antragsteller und seine Angehörigen im fortgeschrittenen Lebensalter stehen, keine besonderen sicherheitspolizeilichen Gründe der Auswanderung entgegenstehen und ein Devisenbetrag von mindestens 100.000 sfrs. je Person unter Verzicht auf den Gegenwert zur Verfügung gestellt wird." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 278)

Griechenland

Die Registrierung der im Juli nicht erfaßten Juden von Saloniki wird vorgenommen.
Wenige Tage später senden Himmler und Eichmann ein Sonderkommando unter Leitung von Wisliceny nach Griechenland. Dieser kündigt den deutschen Dienststellen eine geplante "Sonderaktion" an, wobei er sich auf einen "Führerbefehl" und weitreichende Vollmachten des RSHA und des Auswärtigen Amts beruft: Die Juden im deutschen Machtbereich, die im Fall einer Invasion eine Fünfte Kolonne der Alliierten wären, sollen unverzüglich ins Generalgouvernement abtransportiert werden, angeblich um dort "in einem geschlossenen Siedlungsraum" für die Kriegswirtschaft zu arbeiten. (Benz, Dimension, S. 251-252)

BBC und der niederländische Exilsender Radio Oranje geben, aufgrund polnischer Regierungsquellen, die Zahl der von den Deutschen ermordeten Juden mit einer Million an.

12.12.1942

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium

"Die englische Propaganda bemächtigt sich der angeblichen Judengreuel im Osten derart stark, daß der Minister (Goebbels) es nunmehr für an der Zeit erachtet, gegen diese Propagandakampagne etwas zu unternehmen. Dieses Thema sei zwar recht heikel, und wir sollten uns auf die Polemik am besten nicht einlassen, dafür aber die Greuel der Engländer in Indien, im Iran und in Ägypten besonders herausstellen. Unsere beste Waffe gegen den Propagandafeldzug sei die Offensive und dafür geben uns die Engländer genügend Material. Die Greuelmeldungen müßten jedoch von uns in einer stärkeren Tonart vorgetragen werden und von der deutschen Presse kräftig unterstützt werden, damit sie auch in der Welt zum Tragen kommen." (Boelcke II, S. 312)

Rumänien

Der deutsche Gesandte von Killinger an das Auswärtige Amt.

Der Regierungsbeauftragte für Judenfragen, Lecca, habe mitgeteilt, "daß Marschall Antonescu der Judenzentrale die Weisung erteilt habe, die Auswanderung von 75 bis 80.000 Juden nach Palästina und Syrien zu organisieren und durchzuführen. Auch liege ein Angebot für Aufnahme von Juden im Iran vor."
Als einzige Bedingung fordere Rumänien 200.000 Lei für jeden Auswandernden.

Er habe Lecca gesagt, daß Deutschland damit kaum einverstanden sein werde, "vor allen Dingen nicht, wenn es sich um wehrfähige Juden handelt". Das Projekt widerspräche auch den deutschen Besprechungen mit dem Großmufti von Jerusalem und dem irakischen Ministerpräsidenten.

Lecca habe zugesagt, an die Durchführung des Befehls erst heranzugehen, wenn eine deutsche Stellungnahme vorliegt. Zu einer deutschen Intervention bestehe noch kein Anlaß, "da die Durchführung des Planes nach Lage der Dinge noch nicht reif sei, allein schon wegen des fehlenden Schiffsraumes."

Killinger schätzt ein, daß Antonescu zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wolle: Abgesehen von den 16 Milliarden Lei wolle er "einen großen Teil der Juden, die ihm innenpolitische Schwierigkeiten machen, auf bequeme Art loswerden. Eine Radikallösung lehnt er ab gegenüber den Juden, die nicht nachgewiesenermaßen bolschewistisch sind."
Killinger bittet um Mitteilung des AA, ob er offiziell gegen den Plan Stellung nehmen soll. (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 279)

13.12.1942

Generalgouvernement/Auschwitz

Der erste Transport mit 318 polnischen Frauen und 314 Männern aus dem Lager der sog. Umwandererzentrale in Zamosc ist in Auschwitz eingetroffen. Die "Ausgesiedelten" werden als Häftlinge in das Lager eingewiesen. (Czech, S. 358-359)

Aus dem Gebiet von Zamosc, südöstlich von Lublin, wurden im Winter 1942/43 auf Befehl Himmlers die polnischen Einwohnerinnen und Einwohner von rund 300 Dörfer "ausgesiedelt", um Platz für die Ansiedlung von "Volksdeutschen" aus Osteuropa zu schaffen. Etwa 10.000 Polinnen und Polen kamen infolge dieser "Evakuierungen" ums Leben.

Goebbels Tagebuch

"Die Frage der Judenverfolgungen in Europa wird von den Engländern und Amerikaner bevorzugt und in größtem Stil behandelt. Allerdings geschieht das hin und wieder nicht mit der Tonstärke, die man eigentlich erwartet hätte. Im Grund genommen sind, glaube ich, sowohl die Engländer wie die Amerikaner froh darüber, daß wir mit dem Judengesindel aufräumen. Aber die Juden werden drängen und die britisch-amerikanische Presse unter Druck setzen. Wir wollen auf dieses Thema öffentlich überhaupt nicht eingehen, sondern ich ordne an, daß nun unsererseits gegen die Engländer ein Greuelfeldzug bezüglich ihrer Behandlung der Kolonialvölker eingeleitet wird. (...)

Übrigens sind die Italiener in der Behandlung der Judenfrage außerordentlich lax. (...) Man kann hier wieder einmal sehen, daß der Faschismus doch nicht so recht in die Tiefe zu gehen wagt, sondern in wichtigsten Problemen an der Oberfläche haften bleibt. Die Judenfrage macht uns überhaupt sehr viel zu schaffen. Überall finden die Juden, auch bei unseren Verbündeten, noch Hilfsmannschaften, ein Beweis dafür, daß sie selbst im Achsenlager noch eine bedeutsame Rolle spielen. Umso entmachteter sind sie in Deutschland selbst." (Fröhlich, II.6, S. 438-439)

14.12.1942

Niederlande/Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs aus den Niederlanden mit 757 jüdischen Menschen in Auschwitz. 121 Männer werden als Häftlinge übernommen,  die anderen 636 Menschen in den Gaskammern getötet.

Aus dem Ghetto in Nowy Dwór Mazowiecki werden etwa 1.500 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 580 Männer als Häftlinge registriert, 920 Menschen werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 359)

In Preußen dürfen Frauen, die mit einem Juden verheiratet sind oder waren, wegen mangelnder Zuverlässigkeit keine Erlaubnis zur Ausübung des Gaststättengewerbes erhalten, außer in Sonderfällen mit Genehmigung des Reichsinnenministers. (Walk, S. 393)

Unter Hinweis auf kriegswichtige Gründe ordnet Himmler an, bis spätestens Ende Januar 1943 mindestens 35.000 arbeitsfähige Gefängnisinsassen in Konzentrationslager zu überführen. (IMT, L-041)

Goebbels Tagebuch

"Die Juden machen die ganze Welt rebellisch wegen der angeblichen Greueltaten in Polen. Nun wollen sie die USA und England als Schutzmächte anrufen. Die Engländer zeigen sich diesen jüdischen Bestrebungen gegenüber etwas hartleibig. Sie wollen offenbar die Judenfrage im eigenen Lande nicht allzu stark andrehen, weil auch in England der Antisemitismus, wie ich auch verschiedenen Berichten entnehmen kann, ständig im Wachsen ist. Jedenfalls lassen die Juden alle Minen springen, um in der Weltöffentlichkeit eine Panikstimmung hervorzurufen." (...)

"Aber es nützt den Juden alles nichts. Die jüdische Rasse hat diesen Krieg vorbereitet, sie ist der geistige Urheber des ganzen Unglücks, das über die Welt hereingebrochen ist. Das Judentum muß für sein Verbrechen bezahlen, so wie der Führer es damals in seiner Reichstagsrede prophezeit hat: mit der Auslöschung der jüdischen Rasse in Europa und vielleicht in der ganzen Welt." (Fröhlich, II.6, S. 445-446)

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium

"Der Minister (Goebbels) weist auf die große jüdische Propagandaaktion gegen Deutschland in der ganzen Welt hin und erklärt, daß man dieser Aktion, die bereits seit Wochen zu beobachten sei, deutscherseits unbedingt eine Gegenaktion gegenüberstellen müsse. Dabei komme nicht etwa eine völlige oder teilweise Widerlegung der jüdischen Greuelbehauptungen in Frage, sondern lediglich eine deutsche Aktion, die sich mit englischen und amerikanischen Gewalttaten in der ganzen Welt beschäftige. (...) Diese Berichterstattung müsse auch im Inland durchgeführt werden, selbst wenn die deutsche Bevölkerung hierüber nichts mehr hören wolle, um eine Diskrepanz zwischen der Innen- und Außenpropaganda, die gegen uns verwertet werden könnte, zu vermeiden. Der Minister bittet, dafür zu sorgen, daß auf allen Wegen auch das Auswärtige Amt entsprechende Maßnahmen trifft." (Boelcke II, S. 312-313)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

12.12.1942

Beginn einer deutschen Entlastungsoffensive für die in Stalingrad eingeschlossene Armee; sie muß am 21. Dezember erfolglos abgebrochen werden.