CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

Funktionen für die Darstellung

Schriftgröße:
Darstellung:

Seitenpfad

16.12.1942

Besetzte sowjetische Gebiete

Die jüdische Bevölkerung von  Charkow (Ukraine) wird zur Übersiedlung in ein Barackenlager außerhalb der Stadt gezwungen. Die Schuppen, in denen die Menschen untergebracht werden, sind nicht beheizbar. Viele sterben an Kälte, Unterernährungen und Krankheiten. Drei Wochen später beginnen die Deutschen damit, jeweils mehrere hundert Menschen zu einer Schlucht zu bringen und dort zu erschießen. Insgesamt 15.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder werden auf diese Weise ermordet.

Generalgouvernement/Auschwitz

Mit dem zweiten Transport aus dem Lager der "Umwandererzentrale" werden Polen aus der Region Zamosc nach Auschwitz eingeliefert; 38 Männer und 48 Frauen werden als Häftlinge registriert. (Czech, S. 361)

Gestapochef Müller schickt Himmler einen Plan zur Deportation von 45.000 Juden nach Auschwitz, um die dortigen Rüstungsbetriebe mit mehr Zwangsarbeitern zu versorgen. Die Transporte könnten zwischen 11. und 31. Januar 1943 stattfinden; bis zum 10. Januar könne die Reichsbahn wegen des verstärkten Wehrmachts-Urlaubsverkehrs keine zusätzlichen Sonderzüge bereitstellen.

Die 45.000 Juden könnten sich so verteilen: 30.000 Menschen aus dem Bezirk Bialystok, 10.000 aus dem Ghetto Theresienstadt, sowie 3.000 aus den Niederlanden und 2.000 aus Berlin. Unter den aus Theresienstadt zu Deportierenden sollten 5.000 arbeitsfähige Menschen sein, "die bisher für im Ghetto erforderliche kleinere Arbeiten eingesetzt waren, und 5.000 im Allgemeinen arbeitsunfähige, auch über 60 Jahre alte Juden, um bei dieser Gelegenheit den im Interesse des Ausbaues des Ghettos zu hohen Lagerstand von etwa 48.000 etwas herunterzudrücken. Hierfür bitte ich Sondergenehmigung zu erteilen. Es würden, wie bisher, für den Abtransport nur Juden, die über keine besonderen Beziehungen und Verbindungen verfügen und keine hohen Auszeichnungen besitzen, erfaßt."

"In der Zahl von 45.000 ist der arbeitsunfähige Anhang (alte Juden und Kinder) mit inbegriffen. Bei Anlegung eines zweckmäßigen Maßstabes fallen bei der Ausmusterung der ankommenden Juden in Auschwitz mindestens 10.000 bis 15.000 Arbeitskräfte an." (IMT, PS-1472)

Ausführungen von Goebbels in der Mitarbeiterbesprechung des Propagandaministeriums.

"In unserer Offensive gegen die Greuelmeldungen der Engländer dürfen wir uns nicht auf die englischen Greuel allein beschränken, sondern müssen auch auf die verschiedenen Gewaltätigkeiten und Erpressungen der Amerikaner und die russischen Greueltaten hinweisen. Der Minister hält ein allgemeines Geschrei über Greueltaten für die beste Möglichkeit, von dem leidigen Judenthema herunterzukommen. Es müßte so sein, daß jede Partei jeder Partei vorwirft, daß sie Greueltaten begeht. Dieses allgemeine Geschrei würde schließlich dazu führen, daß dieses Thema vom Programm abgesetzt wird. In der deutschen Presse sollen in größerem Umfange Greuelbeschuldigungen gegen die englische Politik aufgegriffen werden, damit unsere Offensive in der Welt zum Tagen kommt." (Boelcke II, S. 313)

17.12.1942

Ostpreußen/Auschwitz

Ankunft eines Transports mit etwa 2.000 Menschen aus dem Ghetto in Plonsk (Regierungsbezirk Zichenau/Nordpolen) in Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 257 Frauen und 523 Männer als Häftlinge registriert; etwa 1.220 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 362)

Veröffentlichung der Erklärung der Alliierten Regierungen gegen die "German Policy of Extermination of the Jewish Race". Unterzeichnet von den Regierungen bzw. Exilregierungen Belgiens, der Tschechoslowakei, Griechenlands, Luxemburgs, der Niederlande, Norwegens, Polens, der Sowjetunion, Großbritanniens, der USA, Jugoslawiens sowie des Französischen Nationalkomitees in London.

"Die führenden deutschen Stellen setzen jetzt Hitlers oft wiederholte Absicht in die Tat um, das jüdische Volk in Europa auszurotten. Aus allen besetzten Ländern werden Juden unter entsetzlichen, brutalen Bedingungen nach Osteuropa transportiert. In Polen, das zum größten Schlachthaus der Nazis gemacht worden ist, werden die von den deutschen Besatzern errichteten Ghettos systematisch von allen Juden geleert, mit Ausnahme einiger hochqualifizierter Arbeiter, die für die Kriegsindustrie benötigt werden. Von keinem, der weggeschafft wurde, hat man je wieder etwas gehört. Die Arbeitsfähigen müssen sich in den Arbeitslagern langsam zu Tode schuften. Die Schwachen und Kranken läßt man erfrieren und verhungern, oder sie werden in Massen ermordet."

Die alliierten Regierungen verurteilen diese Verbrechen aufs schärfste und bekräftigen ihre feste Entschlossenheit, dafür zu sorgen, daß die dafür Verantwortlichen der Vergeltung nicht entkommen werden. (FRUS, vol. V, S.179)

Die gemeinsame Erklärung war vor allem auf Initiative der polnischen Exilregierung zustande gekommen, die sich dabei auf die von ihrem Kurier Jan Karski gelieferten Berichte aus dem besetzten Polen stützte.

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD an alle Befehlshaber, Inspekteure und Kommandeure der SiPo und des SD, an die Leiter der Gestapostellen, an alle Höheren SS- und Polizeiführer, an WVHA-Chef Pohl, und an den Inspekteur der Konzentrationslager.

"Aus kriegswichtigen, hier nicht näher zu erörternden Gründen, hat der RFSS und Chef der Deutschen Polizei (Himmler) am 14.12.1942 befohlen, daß bis Ende Januar 1943 spätestens mindestens 35.000 arbeitsfähige Häftlinge in die Konzentrationslager einzuweisen sind.
Um diese Zahl zu erreichen, ist folgendes erforderlich:

  1. Ab sofort (zunächst bis zum 1.2.1943) werden Ost- oder solche fremdvölkischen Arbeiter, welche flüchtig oder vertragsbrüchig geworden sind und nicht den verbündeten, befreundeten oder neutralen Staaten angehören (...) auf dem schnellsten Wege den nächstgelegenen Konzentrationslagern eingeliefert." - Dritten Dienststellen gegenüber soll begründet werden, daß es sich um Einzelfälle handle, um Beschwerden zu vermeiden oder auszuräumen.
  2. Überprüfung aller Hafträume und Arbeitserziehungslager. "Alle arbeitseinsatzfähigen Häftlinge sind, wenn es sachlich und menschlich irgendwie zu vertreten ist, sofort nach den folgenden Richtlinien in das nächstgelegene KZ zu überstellen (...) Es kommt auf jede einzelne Arbeitskraft an! (...)

Die Überprüfung ist sofort in Angriff zu nehmen. Jedes Zurückhalten von arbeitsfähigen Häftlingen ist verboten. Ausnahmen bedürfen meiner Genehmigung." (IMT, PS-1063 (d))

Aufzeichnung des Staatsseketärs im Auswärtigen Amt, von Weizsäcker.

"Der schwedische Gesandte begann heute bei mir ein Gespräch darüber, daß die schwedische Regierung bereit wäre, die aus Norwegen abzutransportierenden Juden norwegischer Staatsangehörigkeit in Schweden aufzunehmen. Ich habe Herrn Richert gleich gesagt, ich möchte hierüber in ein amtliches Gespräch mit ihm nicht eintreten. Würde er von seiner Regierung zu einer Mitteilung dieser Art beauftragt, so glaubte ich ihm von vornherein einen Mißerfolg voraussagen zu können. Das Mißliche eines solchen Versuches liege auf der Hand. Herr Richert ließ hierauf das Thema fallen." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 297)

18.12.1942

Goebbels Tagebuch

"Die Judenfrage spielt eine außerordentliche Rolle, sowohl im feindlichen wie auch im neutralen Nachrichtendienst. Die Schweden empören sich scheinheilig gegen unsere Behandlung der polnischen Juden, erklären sich aber keinesfalls bereit, die Juden in ihr Land aufzunehmen. Die maßgebenden Stockholmer Zeitungen verwahren sich mit Emphase dagegen, daß ihnen nun die Ghettojuden aus Warschau aufgedrängt werden sollten. Es wäre vielleicht ganz gut, wenn die Schweden einige tausend solcher Juden in ihr Land hereinließen. Sie würden dann einmal einen praktischen Anschauungsunterricht über die Judenfrage erhalten und wahrscheinlich unsere Maßnahmen viel besser verstehen, als das heute anscheinend der Fall ist. Die Juden in Jerusalem veranstalten rauschende Protestkundgebungen gegen uns. Sie haben einen Fasttag abgehalten und an der Klagemauer den attestamentarischen Judenfluch über den Führer, Göring, Himmler und mich ausgerufen. Vorläufig habe ich bei mir persönlich noch keine Folgen gemerkt. Im übrigen muß man diese Juden kennen, um sie richtig zu behandeln. Sie suchen jetzt die ganze Welt zu alarmieren, bloß um Propaganda gegen das nationalsozialstische Reich und seine antisemitischen Überzeugungen zu machen. Darauf gibt es nur eine Antwort, und die lautet: rigoros und ohne Einschränkung in der bisherigen Methode fortfahren. Würde man auch nur das leiseste Zeichen von Schwäche geben, so wäre man verloren." (Fröhlich, II.6, S. 467)

21.12.1942

Erlaß des Reichsinnenministers und des Reichsarbeitsministers

Juden erhalten in Zukunft ausnahmslos keinerlei Unterstützung von den öffentlichen Fürsorgeverbänden, sondern sind an die jüdische Reichsvereinigung zu verweisen. (Walk, S. 394)