Funktionen für die Darstellung
Seitenpfad
Juli 1942
Generalgouvernement
In der zweiten Juli-Woche werden die Mitte Juni unterbrochenen Transporte in das Vernichtungslager Belzec und die Massenmorde in den Gaskammern wieder aufgenommen.
Von Juli bis Oktober 1942 wurden in Belzec etwa 130.000 jüdische Menschen aus dem Distrikt Krakau und etwa 225.000 aus Ostgalizien ermordet; außerdem kamen Züge aus den Distrikten Lublin und Radom an. In einigen der Transporte befanden sich auch deutsche, österreichische und tschechoslowakische Juden, die zuvor aus ihren Heimatländern in polnische Ghettos deportiert worden waren. (EdH, S. 179-180)
29.06. - 15.07.1942
RK Ostland
Etwa 10.000 Menschen aus dem Ghetto von Slonim (Weißrußland) werden von den Deutschen ermordet.
01.07.1942
Auf Anordnung Hitlers werden alle Angehörigen der Schutzpolizei, die "Mischlinge ersten Grades"
sind oder deren Ehefrauen Jüdinnen oder "jüdische Mischlinge ersten Grades"
sind, in den Ruhestand versetzt. (Walk, S. 379)
Frankreich
Dienstbesprechung Eichmanns mit Dannecker und Knochen in Paris über geplante Deportationen aus Frankreich.
Die Durchführung von Deportationen aus dem unbesetzten Teil Frankreichs sei politisch noch nicht ausreichend vorbereitet, da die französische Regierung in zunehmendem Maß Schwierigkeiten mache. Nachdem Himmler am 23. Juni befohlen habe, sämtliche in Frankreich ansässigen Juden so bald wie möglich "abzuschieben"
, ergebe sich die Notwendigkeit, auf die französische Regierung entsprechenden Druck auszuüben. "Es ist klar, daß sich die praktischen Auswirkungen nicht von heute auf morgen erreichen lassen werden, jedoch stehen in der Zwischenzeit die Transporte aus dem besetzten Teil zur Verfügung"
. (Womit die vorhandenen Transportkapazitäten vorerst ausgelastet waren)
Dannecker soll dafür sorgen, daß die verwaltungsrechtlichen Grundlagen geschaffen werden, damit die deportierten Juden als staatenlos und ihr Vermögen als dem Reich verfallen behandelt werden können. "Die hierfür notwendigen gesetzlichen Untermauerungen sind von der Dienststelle mit entsprechender Energie vorwärts zu treiben, da bei einem Versagen auf diesem Gebiete größte Unannehmlichkeiten in außenpolitischer Hinsicht zu erwarten sind, die (...) auf jeden Fall vermieden werden müssen."
"Abschließend wurde festgestellt, daß das bisher vorgesehene Tempo (3 Transporte zu je 1.000 Juden wöchentlich) in Zeitkürze bedeutend gesteigert werden muß, mit dem Ziel der ehebaldigsten restlosen Freimachung Frankreichs von Juden. Die hierfür notwendigen Vorausmaßnahmen in transporttechnischer Hinsicht sind von Berlin aus zur Zeit im Gange. Die Dienststelle Paris hat dafür Sorge zu tragen, daß das angegebene seinerzeitige Tempo im Interesse des reibungslosen Ablaufs der Endlösung der Judenfrage beibehalten werden kann." (Poliakov/Wulf, S. 223-224)
02.07.1942
Auf Anordnung des Reichserziehungsministers dürfen "Halbjuden"
nicht mehr in Hauptschulen, Mittelschulen und höheren Schulen aufgenommen werden. Die Aufnahme von "Vierteljuden"
ist zulässig, soweit die Raumverhältnisse es ohne Benachteiligung der Schüler "deutschen und artverwandten Blutes"
gestatten. In Berufsschulen können "Mischlinge ersten Grades"
ausnahmsweise mit besonderer Genehmigung aufgenommen werden. Sie können ihre Schulzeit in Berufs- und höheren Schulen beenden, wenn sie im Jahr vor dem Abschluß stehen. (Walk, S. 379)
Warthelandgau
Gestapo-Lagebericht über das Ghetto von Lodz.
"Im Berichtsmonat haben die Ghettobewohner keine Veranlassung zu staatspolizeilichem Einschreiten gegeben, obwohl mit der durchgeführten Evakuierung eine gewisse Unruhe in die jüdische Bevölkerung hineingetragen worden ist. Die seit Monaten zugunsten der Evakuierung verfügte Postsperre wird nach wie vor mit der größten Aufmerksamkeit durchgeführt, so daß der einzelne Jude keine Möglichkeit hat, mit der Außenwelt in Verbindung zu treten. (...)
Durch das starke Nachlassen der Widerstandsfähigkeit der Juden ist auch die Arbeitsleistung zum Absinken gekommen. In diesem Zusammenhang hat nunmehr der Älteste der Juden alle über 10 Jahre alten Kinder zum Arbeitseinsatz gebracht, um die Lieferungstermine der Heeresaufträge genauestens einzuhalten. Trotz der schlechten Ernährungslage sind die Juden immerhin noch bestrebt, eine einwandfreie Arbeit zur größten Zufriedenheit auszuführen. Für die laufenden Heeresaufträge werden im hiesigen Ghetto etwa 70.000 Juden beschäftigt, die bis Ende dieses Jahres in 3 Arbeitsschichten voll ausgenutzt werden können.
In Anbetracht des Vorjahres hat sich der Gesundheitszustand der Juden um das 3fache verschlechert, obwohl der Älteste der Juden alle erdenklichen Vorkehrungen trifft, seine Rassegenossen arbeitsfähig zu erhalten. Schon seit Monaten ist die durchschnittliche Sterbezahl der Juden auf 1.800 angestiegen, die auch nach dem Eintritt der warmen Jahreszeit nicht zum Absinken gekommen ist."
Im Juni gab es 1.725 Todesfälle, davon 397 durch Lungentuberkulose, 368 durch Herzschwäche und 425 durch Unterernährung. (Lodz, S. 212)
Frankreich
Botschafter Abetz, Paris, an das Auswärtige Amt.
Gegen die angekündigte Abtransportierung von 40.000 Juden aus Frankreich nach Auschwitz (s. 22.6.42) bestehen seitens der Botschaft grundsätzlich keine Bedenken. Jedoch sollten alle Maßnahmen möglichst in einer Form durchgeführt werden, "die das in letzter Zeit gewachsene antisemitische Gefühl ständig weiter erhöht."
Wie früher in Deutschland sei nun auch in Frankreich festzustellen, "daß das Ansteigen des Antisemitismus in starkem Maße auf die Zuwanderung von Juden fremder Staatsangehörigkeit in den letzten Jahren zurückzuführen ist. Es wird deshalb psychologisch in den breiten Massen des französischen Volkes wirksam sein, wenn die Evakuierungsmaßnahmen zunächst einmal derartige fremdländische Juden erfassen, und daß auf die französischen Juden zunächst nur in dem Umfang zurückgegriffen wird, in dem die Juden ausländischer Staatsangehörigkeit nicht für das angegebene Kontingent ausreichen.
(ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 58)
Mit einem solchen Vorgehen würde keineswegs dem französischen Juden eine privilegierte Stellung eingeräumt, da er im Zuge der Freimachung der europäisdchen Länder vom Judentum auf alle Fälle ebenfalls verschwinden muß, was darin schon zum Ausdruck kommt, daß auf alle Fälle in dem angegebenen Kontingent eine gewisse Zahl von französischen Juden erfaßt wird."
03.07.1942
Ein Erlaß sieht vor, daß neben tschechischen und bestimmten Gruppen dänischer und niederländischer Juden folgende Gruppen deutscher Juden in das Ghetto Theresienstadt deportiert werden sollen:
- Personen über 65 Jahren sowie über 55 Jahre alte gebrechliche Menschen mit ihren Ehegatten und ihren Kindern unter 14 Jahren.
- Inhaber hoher Kriegsauszeichnungen mit Ehegatten und Kindern unter 14 Jahren.
- Jüdische Ehegatten einer nicht mehr bestehenden Mischehe, die vom Kenzeichnungszwang befreit waren, soweit sie nicht von der Deportation ausgenommen werden, weil noch Kinder unter 14 Jahren in ihrem Haushalt leben.
- Alleinstehende Mischlinge, die nach den gesetzlichen Bestimmungen als Juden gelten. (Benz, Dimension, S. 50)
Rundschreiben des Leiters der Parteikanzlei
Nur in Ausnahmefällen werden jüdische Mischlinge bei der Wehrmacht eingestellt, z.B. dann, wenn der Antragsteller sich seiner Abstammung als Mischling nicht bewußt war, als Parteimitglied schwer verletzt wurde usw.
Die Mitgliedschaft in der Partei als solche rechtfertigt nicht die Bestätigung des Antrags. Es muß verhindert werden, daß Mischlinge als gleichberechtigt mit Deutschblütigen angesehen werden. In Zukunft wird jeder Fall durch den Führer selbst entschieden. (Walk, S. 379)
04.07.1942
Slowakien/Auschwitz
Aus einem slowakischen Transport werden in Auschwitz 264 jüdische Männer und 108 Frauen als arbeitsfähig ausgewählt; die anderen Menschen werden in den Gaskammern ermordet. Auch von den "Arbeitsfähigen"
sind am 15. August 1942 nur noch 69 am Leben. (Czech, S. 241-242)
Frankreich
Regierungschef Laval stimmt nach Verhandlungen mit den Deutschen dem "Kompromißvorschlag"
zu, zunächst ausschließlich staatenlose Juden (jedoch auch aus dem unbesetzten Teil Frankreichs) deportieren zu lassen.
Dies führt dazu, daß am 15. Juli ein geplanter Deportationszug aus Bordeaux ausfällt, da nicht genug staatenlose Juden festgenommen werden konnten. Eichmann beschwert sich deswegen bei der SS in Paris und betont, "daß es sich um eine Prestigeangelegenheit handelte. Man habe um die Züge mit dem Reichsverkehrsministerium längere Besprechungen führen müssen"
. (Benz, Dimension, S. 120; Klarsfeld, Frankreich, S. 90)
05.07.1942 (und folgende Tage)
Niederlande
Rund 4.000 Juden, überwiegend in Amsterdam ansässig, darunter zahlreiche Emigranten aus Deutschland, erhalten eine Aufforderung der Zentralstelle für jüdische Auswanderung, sich in den nächsten Tagen "zur eventuellen Teilnahme an einem unter polizeilicher Aufsicht stehenden Arbeitseinsatz in Deutschland"
im Lager Westerbork einzufinden. Die meisten melden sich jedoch nicht. Daraufhin beginnt die deutsche Polizei, mit Großrazzien Juden zur Deportation einzufangen. (Benz, Dimension, S. 146-147)
07.07.1942
Unterredung Himmlers mit SS-Brigadeführer Prof. Dr. Gebhardt, SS-Gruppenführer Glücks und SS-Brigadeführer Prof. Dr. Clauberg über die Sterilisation jüdischer Frauen.
Himmler teilt Clauberg mit, daß ihm für seine Versuche an Menschen und Tieren das KL Auschwitz zur Verfügung stehe. Er will einen Bericht über die Versuchsergebnisse vorgelegt bekommen, um mit der praktischen Anwendung beginnen zu können. Darüber hinaus soll unter Hinzuziehung von Prof. Dr. Hohlfelder, einem Röntgenspezialisten, geprüft werden, inwieweit bei Männern eine Sterilisation durch Röntgenbestrahlung erreicht werden kann. (Czech, S. 244)
WELTKRIEGSEREIGNISSE
01.07.1942
Die Wehrmacht nimmt nach mehrmonatiger Belagerung Sewastopol auf der Krim ein.