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Juli 1942

Generalgouvernement

In der zweiten Juli-Woche werden die Mitte Juni unterbrochenen Transporte in das Vernichtungslager Belzec und die Massenmorde in den Gaskammern wieder aufgenommen.

Von Juli bis Oktober 1942 wurden in Belzec etwa 130.000 jüdische Menschen aus dem Distrikt Krakau und etwa 225.000 aus Ostgalizien ermordet; außerdem kamen Züge aus den Distrikten Lublin und Radom an. In einigen der Transporte befanden sich auch deutsche, österreichische und tschechoslowakische Juden, die zuvor aus ihren Heimatländern in polnische Ghettos deportiert worden waren. (EdH, S. 179-180)

29.06. - 15.07.1942

RK Ostland

Etwa 10.000 Menschen aus dem Ghetto von Slonim (Weißrußland) werden von den Deutschen ermordet.

01.07.1942

Auf Anordnung Hitlers werden alle Angehörigen der Schutzpolizei, die "Mischlinge ersten Grades" sind oder deren Ehefrauen Jüdinnen oder "jüdische Mischlinge ersten Grades" sind, in den Ruhestand versetzt. (Walk, S. 379)

Frankreich

Dienstbesprechung Eichmanns mit Dannecker und Knochen in Paris über geplante Deportationen aus Frankreich.

Die Durchführung von Deportationen aus dem unbesetzten Teil Frankreichs sei politisch noch nicht ausreichend vorbereitet, da die französische Regierung in zunehmendem Maß Schwierigkeiten mache. Nachdem Himmler am 23. Juni befohlen habe, sämtliche in Frankreich ansässigen Juden so bald wie möglich "abzuschieben", ergebe sich die Notwendigkeit, auf die französische Regierung entsprechenden Druck auszuüben. "Es ist klar, daß sich die praktischen Auswirkungen nicht von heute auf morgen erreichen lassen werden, jedoch stehen in der Zwischenzeit die Transporte aus dem besetzten Teil zur Verfügung". (Womit die vorhandenen Transportkapazitäten vorerst ausgelastet waren)

Dannecker soll dafür sorgen, daß die verwaltungsrechtlichen Grundlagen geschaffen werden, damit die deportierten Juden als staatenlos und ihr Vermögen als dem Reich verfallen behandelt werden können. "Die hierfür notwendigen gesetzlichen Untermauerungen sind von der Dienststelle mit entsprechender Energie vorwärts zu treiben, da bei einem Versagen auf diesem Gebiete größte Unannehmlichkeiten in außenpolitischer Hinsicht zu erwarten sind, die (...) auf jeden Fall vermieden werden müssen."

"Abschließend wurde festgestellt, daß das bisher vorgesehene Tempo (3 Transporte zu je 1.000 Juden wöchentlich) in Zeitkürze bedeutend gesteigert werden muß, mit dem Ziel der ehebaldigsten restlosen Freimachung Frankreichs von Juden. Die hierfür notwendigen Vorausmaßnahmen in transporttechnischer Hinsicht sind von Berlin aus zur Zeit im Gange. Die Dienststelle Paris hat dafür Sorge zu tragen, daß das angegebene seinerzeitige Tempo im Interesse des reibungslosen Ablaufs der Endlösung der Judenfrage beibehalten werden kann." (Poliakov/Wulf, S. 223-224)

02.07.1942

Auf Anordnung des Reichserziehungsministers dürfen "Halbjuden" nicht mehr in Hauptschulen, Mittelschulen und höheren Schulen aufgenommen werden. Die Aufnahme von "Vierteljuden" ist zulässig, soweit die Raumverhältnisse es ohne Benachteiligung der Schüler "deutschen und artverwandten Blutes" gestatten. In Berufsschulen können "Mischlinge ersten Grades" ausnahmsweise mit besonderer Genehmigung aufgenommen werden. Sie können ihre Schulzeit in Berufs- und höheren Schulen beenden, wenn sie im Jahr vor dem Abschluß stehen. (Walk, S. 379)

Warthelandgau

Gestapo-Lagebericht über das Ghetto von Lodz.

"Im Berichtsmonat haben die Ghettobewohner keine Veranlassung zu staatspolizeilichem Einschreiten gegeben, obwohl mit der durchgeführten Evakuierung eine gewisse Unruhe in die jüdische Bevölkerung hineingetragen worden ist. Die seit Monaten zugunsten der Evakuierung verfügte Postsperre wird nach wie vor mit der größten Aufmerksamkeit durchgeführt, so daß der einzelne Jude keine Möglichkeit hat, mit der Außenwelt in Verbindung zu treten. (...)

Durch das starke Nachlassen der Widerstandsfähigkeit der Juden ist auch die Arbeitsleistung zum Absinken gekommen. In diesem Zusammenhang hat nunmehr der Älteste der Juden alle über 10 Jahre alten Kinder zum Arbeitseinsatz gebracht, um die Lieferungstermine der Heeresaufträge genauestens einzuhalten. Trotz der schlechten Ernährungslage sind die Juden immerhin noch bestrebt, eine einwandfreie Arbeit zur größten Zufriedenheit auszuführen. Für die laufenden Heeresaufträge werden im hiesigen Ghetto etwa 70.000 Juden beschäftigt, die bis Ende dieses Jahres in 3 Arbeitsschichten voll ausgenutzt werden können.

In Anbetracht des Vorjahres hat sich der Gesundheitszustand der Juden um das 3fache verschlechert, obwohl der Älteste der Juden alle erdenklichen Vorkehrungen trifft, seine Rassegenossen arbeitsfähig zu erhalten. Schon seit Monaten ist die durchschnittliche Sterbezahl der Juden auf 1.800 angestiegen, die auch nach dem Eintritt der warmen Jahreszeit nicht zum Absinken gekommen ist."

Im Juni gab es 1.725 Todesfälle, davon 397 durch Lungentuberkulose, 368 durch Herzschwäche und 425 durch Unterernährung. (Lodz, S. 212)

Frankreich

Botschafter Abetz, Paris, an das Auswärtige Amt.

Gegen die angekündigte Abtransportierung von 40.000 Juden aus Frankreich nach Auschwitz (s. 22.6.42) bestehen seitens der Botschaft grundsätzlich keine Bedenken. Jedoch sollten alle Maßnahmen möglichst in einer Form durchgeführt werden, "die das in letzter Zeit gewachsene antisemitische Gefühl ständig weiter erhöht."

Wie früher in Deutschland sei nun auch in Frankreich festzustellen, "daß das Ansteigen des Antisemitismus in starkem Maße auf die Zuwanderung von Juden fremder Staatsangehörigkeit in den letzten Jahren zurückzuführen ist. Es wird deshalb psychologisch in den breiten Massen des französischen Volkes wirksam sein, wenn die Evakuierungsmaßnahmen zunächst einmal derartige fremdländische Juden erfassen, und daß auf die französischen Juden zunächst nur in dem Umfang zurückgegriffen wird, in dem die Juden ausländischer Staatsangehörigkeit nicht für das angegebene Kontingent ausreichen.
    Mit einem solchen Vorgehen würde keineswegs dem französischen Juden eine privilegierte Stellung eingeräumt, da er im Zuge der Freimachung der europäisdchen Länder vom Judentum auf alle Fälle ebenfalls verschwinden muß, was darin schon zum Ausdruck kommt, daß auf alle Fälle in dem angegebenen Kontingent eine gewisse Zahl von französischen Juden erfaßt wird."
(ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 58)

03.07.1942

Ein Erlaß sieht vor, daß neben tschechischen und bestimmten Gruppen dänischer und niederländischer Juden folgende Gruppen deutscher Juden in das Ghetto Theresienstadt deportiert werden sollen:

  • Personen über 65 Jahren sowie über 55 Jahre alte gebrechliche Menschen mit ihren Ehegatten und ihren Kindern unter 14 Jahren.
  • Inhaber hoher Kriegsauszeichnungen mit Ehegatten und Kindern unter 14 Jahren.
  • Jüdische Ehegatten einer nicht mehr bestehenden Mischehe, die vom Kenzeichnungszwang befreit waren, soweit sie nicht von der Deportation ausgenommen werden, weil noch Kinder unter 14 Jahren in ihrem Haushalt leben.
  • Alleinstehende Mischlinge, die nach den gesetzlichen Bestimmungen als Juden gelten. (Benz, Dimension, S. 50)

Rundschreiben des Leiters der Parteikanzlei

Nur in Ausnahmefällen werden jüdische Mischlinge bei der Wehrmacht eingestellt, z.B. dann, wenn der Antragsteller sich seiner Abstammung als Mischling nicht bewußt war, als Parteimitglied schwer verletzt wurde usw.
Die Mitgliedschaft in der Partei als solche rechtfertigt nicht die Bestätigung des Antrags. Es muß verhindert werden, daß Mischlinge als gleichberechtigt mit Deutschblütigen angesehen werden. In Zukunft wird jeder Fall durch den Führer selbst entschieden. (Walk, S. 379)

04.07.1942

Slowakien/Auschwitz

Aus einem slowakischen Transport werden in Auschwitz 264 jüdische Männer und 108 Frauen als arbeitsfähig ausgewählt; die anderen Menschen werden in den Gaskammern ermordet. Auch von den "Arbeitsfähigen" sind am 15. August 1942 nur noch 69 am Leben. (Czech, S. 241-242)

Frankreich

Regierungschef Laval stimmt nach Verhandlungen mit den Deutschen dem "Kompromißvorschlag" zu, zunächst ausschließlich  staatenlose Juden (jedoch auch aus dem unbesetzten Teil Frankreichs) deportieren zu lassen.

Dies führt dazu, daß am 15. Juli ein geplanter Deportationszug aus Bordeaux ausfällt, da nicht genug staatenlose Juden festgenommen werden konnten. Eichmann beschwert sich deswegen bei der SS in Paris und betont, "daß es sich um eine Prestigeangelegenheit handelte. Man habe um die Züge mit dem Reichsverkehrsministerium längere Besprechungen führen müssen"(Benz, Dimension, S. 120; Klarsfeld, Frankreich, S. 90)   

05.07.1942 (und folgende Tage)

Niederlande

Rund 4.000 Juden, überwiegend in Amsterdam ansässig, darunter zahlreiche Emigranten aus Deutschland, erhalten eine Aufforderung der Zentralstelle für jüdische Auswanderung, sich in den nächsten Tagen "zur eventuellen Teilnahme an einem unter polizeilicher Aufsicht stehenden Arbeitseinsatz in Deutschland" im Lager Westerbork einzufinden. Die meisten melden sich jedoch nicht. Daraufhin beginnt die deutsche Polizei, mit Großrazzien Juden zur Deportation einzufangen. (Benz, Dimension, S. 146-147)

07.07.1942

Unterredung Himmlers mit SS-Brigadeführer Prof. Dr. Gebhardt, SS-Gruppenführer Glücks und SS-Brigadeführer Prof. Dr. Clauberg über die Sterilisation jüdischer Frauen.

Himmler teilt Clauberg mit, daß ihm für seine Versuche an Menschen und Tieren das KL Auschwitz zur Verfügung stehe. Er will einen Bericht über die Versuchsergebnisse vorgelegt bekommen, um mit der praktischen Anwendung beginnen zu können. Darüber hinaus soll unter Hinzuziehung von Prof. Dr. Hohlfelder, einem Röntgenspezialisten, geprüft werden, inwieweit bei Männern eine Sterilisation durch Röntgenbestrahlung erreicht werden kann. (Czech, S. 244)

08.07.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus Paris kommt ein Zug mit 1.170 nicht-jüdischen und jüdischen Häftlinge in Auschwitz an. Unter ihnen sind französische Kommunisten und Mitglieder anderer Linksparteien sowie Menschen verschiedener Nationalitäten, die bei Razzien festgenommen wurden. (Czech, S. 244)

Generalgouvernement

7.000 Juden aus Llow/Lemberg, die keine von den deutschen Behörden ausgestellte Arbeitsbescheinigung haben, werden  ermordet.

09.07.1942

Generalgouvernement

Nach einer kurzzeitigen Unterbrechung (ab 19. Juni) fahren wieder zwei Deportationszüge pro Woche von Krakau zum Vernichtungslager Belzec.

Eichmann erbittet vom Auswärtigen Amt eine umfassende Stellungnahme zu der beabsichtigten Einbeziehung von Juden ausländischer Staatsangehörigkeit in die Deportationen aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden. (Braham, Destruction I, Nr. 20)

Belgien

Der Vertreter des Auswärtigen Amtes beim deutschen Militärbefehlshaber, von Bargen, an das AA.

"Militärverwaltung beabsichtigt, gewünschten Abtransport von 10.000 Juden durchzuführen. (...) Bedenken gegen Maßnahme könnten sich einmal daraus ergeben, daß Verständnis für die Judenfrage hier noch nicht sehr verbreitet und Juden belgischer Staatsangehörigkeit in Bevölkerung als Belgier angesehen werden. Auf der anderen Seite sind Juden weitgehend in hiesigen Wirtschaftsprozeß eingegliedert, so daß Schwierigkeiten auf Arbeitsmarkt befürchtet werden könnten. Militärverwaltung glaubt jedoch, Bedenken zurückstellen zu können, wenn Verschickung belgischer Juden vermieden wird. Es werden daher zunächst polnische, tschechische, russische und sonstige Juden ausgewählt werden, womit das Soll theoretisch erreicht werden könnte. Praktische Schwierigkeiten sind insofern zu erwarten, als durch Bekanntwerden beginnender Abschiebungen aus Frankreich und Holland im hiesigen Judentum schon gewisse Unruhe entstanden ist und daher Juden versuchen werden, sich Zugriff zu entziehen. Für Zwangsmaßnahmen aber reichen vorhandene Polizeikräfte nicht aus." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 74)

10.07.1942

Aus Wien geht ein Deportationszug mit rund 1.000 Menschen nach Theresienstadt ab.

Himmler verbietet Geld- und Geschenksendungen jeder Art und jeder Form an Deportierte. - Lediglich Geschenksendungen nach Theresienstadt wurden später zugelassen. (Walk, S. 380)

Himmler läßt bei Prof. Clauberg anfragen, wieviel Zeit ungefähr die Sterilisation von 1.000 Frauen beanspruchen würde. "Über die Wirksamkeit der erfolgten Sterilisierung müßten dann auch eingehende Versuche durchgeführt werden." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 127; s. auch 7.7.42)

11.07.1942

Slowakien/Auschwitz

Aus einem slowakischen Transport werden in Auschwitz 182 jüdische Männer und 148 Frauen als arbeitsfähig ausgewählt; die anderen Menschen werden in den Gaskammern ermordet. Von den  Männern sind am 15. August 1942 nur noch 64 am Leben. (Czech, S. 247)

Griechenland

Nachdem der deutsche Befehlshaber in Saloniki die Registrierung aller arbeitsfähigen männlichen Juden zwischen 18 und 45 Jahren angeordnet hat, werden 8.-9.000 Männer "gemustert". Da die meisten ein Arbeitsverhältnis nachweisen können, fallen nur knapp 3.500 Männer unter die neu eingeführte Arbeitspflicht. Von ihnen werden 3.000 beim Straßen- und Flugplatzbau eingesetzt; annähernd 500 Facharbeiter werden für diverse Spezialaufgaben zwangsverpflichtet.

Nachdem viele der für Bauarbeiten Eingesetzten starben oder erkrankten, hob der Befehlshaber die Zwangsarbeitspflicht am 17.10.42 auf, nachdem die jüdische Gemeinde den Deutschen einen hohen Geldbetrag gezahlt hatte. (Benz, Dimension, S. 250-251)

Beschwerde des SS-Wirtschaftsamtes (WVHA) an die Kommandeure der Konzentrationslager.

Die Lager hätten Kleidungsstücke (für das deutsche Winterhilfswerk u.ä. Sammlungen) verschickt, die in einigen Fällen blutbeschmiert waren und Einschußlöcher hatten. Einige der Sendungen seien in schlechtem Zustand angekommen, so daß Außenstehende den Inhalt sehen konnten. (IMT, NO-394)

13.07.1942

Erlaß des Reichsverkehrsministers

Die Anweisung zum Tragen von Armbinden für körperlich Behinderte dient den Bedürfnissen des Verkehrs und ist daher auch jüdischen Behinderten nicht zu versagen. Dagegen ist der Mißbrauch des Tragens solcher Armbinden bei Juden durch strenge Kontrollen zu unterbinden. (Walk, S. 381)

Frankreich

Der Oberste SS-Führer in Frankreich, Oberg, ordnet an: alle männlichen Verwandten von Attentätern sollen binnen zehn Tagen hingerichtet, die Frauen zu Zwangsarbeit verurteilt und die Kinder in Waisenhäuser geschafft werden. (Boelcke II, S. 260)

RK Ukraine

Das Ghetto in Rowno wird von deutscher Polizei und ukrainischen Hilfskräften abgeriegelt. Etwa 5.000 Menschen werden gewaltsam zusammengetrieben und zum Bahnhof gebracht. Sie werden in Güterwagen gesperrt und zu einem Wald nordwestlich von Rowno gefahren, wo sie erschossen werden. Einigen Dutzend Menschen gelingt während der Mordaktion die Flucht. (EdH, S. 1247)

Generalgouvernement

Regierungssitzung in Krakau.

"(...) Präsident Bauder fügt noch hinzu, daß die Beschaffung der nötigen Arbeitskräfte große Schwierigkeiten bereiten werde. Im Generalgouvernement sei man jetzt so weit, daß Arbeitskräfte für weitere Bauvorhaben an anderer Stelle abgezogen werden müßten. Er rege daher eine ähnliche Aktion, wie man sie in diesen Tagen gegen die Juden durchführte, auch gegen die Polen an. Es habe sich nämlich gezeigt, daß die Judenaktionen einen großen Andrang der Juden zur Arbeit mit sich gebracht habe. (...)"
Frank gibt Bauder und Gerteis (Bahnen) den Auftrag, ein "rigoroses Programm zur Erfassung der unbeschäftigten (nicht-jüdischen) Arbeiter" auszuarbeiten, ähnlich der "Erfassungsaktion gegen die Juden".

Gouverneur (Distriktchef) Wendler berichtet über die Situation im Distrikt Krakau.
"Die Juden drängten sich seit Beginn der Judenaktion nach jeder Arbeit. Im Zuge dieser Maßnahmen habe der Kreishauptmann von Reichshof seinen ganzen Kreis judenfrei gemacht. Als Folge davon habe sich ein Fallen der Schleichhandelspreise um 70% gezeigt. Von den dort erfaßten Juden seien die Steuern bis zur Mitte des Jahres 1943 in Höhe von über 3 Millionen hereingebracht worden. Insgesamt hätten die Juden innerhalb von 4 Tagen 5 Millionen Zloty an Steuern, Strafen usw. bezahlt. Auf Grund dieser Erfahrungen plane er, in den übrigen Kreisen die Juden nach Möglichkeit in einem, zwei oder drei Orten zusammenzufassen; sie müßten vom flachen Land unbedingt verschwinden. Außerordentlich gut bewährten sich die Zwangsarbeitslager; ein Aufenthalt von einem Monat bewirke Wunder."
(Präg, S. 522-524)

13. - 14.07.1942

Belgien

Aus Antwerpen werden Juden zur Zwangsarbeit nach Nordfrankreich deportiert.

14.07.1942

Anordnung der Ärztekammer Hessen-Nassau

(Ähnliche Anweisungen wurden vielfach auf örtlicher und regionaler Ebene erlassen)

An Orten, an denen jüdische Krankenbehandler vorhanden sind, wird deutschen Ärzten die Behandlung von Juden verboten. Für die übrigen Orte gelten die folgenden Beschränkungen:

  1. Deutsche Volksgenossen sind bevorzugt zu behandeln.
  2. Sofortige Behandlung von Juden nur dann, wenn Ansteckungsgefahren für Deutsche bestehen, und ausschließlich zum Zweck der Verhinderung der Ansteckung.
  3. Hochwertige Medikamente dürfen an Juden nicht verordnet werden.
  4. In Krankenhäusern müssen Juden getrennt von deutschen Volksgenossen untergebracht werden. (Walk, S. 381)

Niederlande

Nachdem die Aufforderung an rund 4.000 Juden, sich für einen eventuellen "Arbeitseinsatz in Deutschland" im Lager Westerbork einzufinden (s. 5.7.42), weitgehend nicht befolgt worden war, greifen die Deutschen zu einer erpresserischen Geiselnahme: Am Morgen des 14. Juli finden im Amsterdamer Judenviertel und in einigen südlichen Vororten Razzien statt, in deren Verlauf willkürlich etwa 540 jüdische Frauen und Männer festgenommen werden.

Unter deutschem Druck muß der Judenrat bekannt geben, daß die Festgenommenen damit rechnen müßten, in deutsche Konzentrationslager gebracht zu werden, falls sich die zum Arbeitseinsatz Aufgeforderten nicht melden. Daraufhin finden sich innerhalb von 24 Stunden insgesamt über 1.500 Juden am Amsterdamer Hauptbahnhof ein.

Am 15. Juli fährt ein erster Deportationszug mit 1.000 Menschen in Richtung Auschwitz ab. Am Abend des 16. Juli sind etwa 500 der bei der Razzia zwei Tage zuvor Festgenommenen wieder auf freiem Fuß, die übrigen werden wegen angeblicher "krimineller Vergehen" in das KL Amersfoort gebracht. (Benz, Dimension, S. 146-148) 

Generalgouvernement

Die Deutschen geben bekannt, daß in Przemysl ein abgeschlossenes Ghetto errichtet werden soll.

Aus Wien geht ein Deportationszug mit rund 1.000 Menschen nach Theresienstadt ab.

15.07.1942

Generalgouvernement

Besprechung Franks mit dem für die Rüstungsproduktion im GG Verantwortlichen, Generalleutnant Schindler. Dieser berichtet, daß die Rüstungsinspektion zur Zeit 30.000 Juden beschäftigt, die in Arbeitslagern zusammengefaßt sind. "Fast die gesamten Reparaturen an Uniformen und Stiefeln sowie die Fertigstellung von Pelzen für die Ostfront würden von ihnen geleistet." (Präg, S. 525)

16.07.1942

Juden wird verboten, in ihrem Besitz befindliche Wertpapiere an Nichtjuden zu übertragen, auch wenn dies unentgeltlich erfolgt; ferner ist verboten, Wertpapiere zum Erhalt einer Rente zu transferieren. (Walk, S. 382)

16. - 17.07.1942

Frankreich

Die Deutschen führen in Paris eine großangelegte  Menschenjagd durch, um insbesondere staatenlose Juden für die Deportationszüge einzufangen.

Die zuständigen Stellen hatten mit etwa 25.000 Festgenommen gerechnet. Da aber Informationen über die bevorstehende Polizeiaktion durchsickerten, waren viele Bedrohte rechtzeitig untergetaucht. Daher konnten die Deutschen nur 12.884 jüdische Männer, Frauen und Kinder festnehmen. Noch während der Aktion wurden 6.000 Männer und Frauen (Unverheiratete oder Ehepaare ohne Kinder) in das KL Drancy gebracht, während die anderen zunächst in einem improvisierten Lager im Vélodrome d'Hiver festgehalten wurden.

Ab 19. Juli wurden die 6.000 Festgenommenen aus dem KL Drancy nach Auschwitz abtransportiert. Danach wurde beschlossen, die bei der Razzia festgenommenen Ehepaare zu deportieren und die etwa 4.000 Kinder (unter 13 Jahren) bis zu einer Entscheidung Eichmanns vorläufig in den Lagern Pithiviers und Beaune-la-Rolande zu lassen. (Benz, Dimension, S. 120-121)

17.07.1942

Niederlande/Auschwitz

Ankunft zweier Deportationszüge aus den niederländischen Lagern Westerbork und Amersfort mit insgesamt 697 jüdischen Frauen und 1.303 Männern in Auschwitz. 1.251 Männer und 300 Frauen werden als arbeitsfähig ausgewählt; die anderen 449 Menschen werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 250)

Der Vertreter des Auswärtigen Amtes in den Niederlanden, Bene, berichtet am 17. Juli an das AA: Die ersten beiden Züge hätten so wenig Schwierigkeiten gemacht, daß man jetzt beabsichtige, nicht nur, wie geplant, 2.000, sondern bis zu 4.000 Juden wöchentlich abzutransportieren. (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 105 und Fußnoten)

RK Ukraine

Hitler läßt sein Führerhauptquartier vorübergehend nach Winniza in der Ukraine verlegen.

Für den Bau der Gebäude und Bunker waren mehrere zehntausend Arbeiter eingesetzt worden, darunter auch Juden aus Winniza. Nach Fertigstellung des neuen FHQ fand am 14. Juli eine Besprechung statt, auf der entschieden wurde, daß 20.000 von den ukrainischen Arbeitern zum weiteren Einsatz ins Reich geschickt werden sollten, während die jüdischen Arbeiter getötet werden sollten. Der Kommandeur des SD der SS sprach sich gegen diese Absicht aus, da er die Juden noch zur Aufrechterhaltung der städtischen Dienste in Winniza benötige. Er wandte sich diesbezüglich mit Erfolg an den SS- und Polizeiführer für die Ukraine. Dennoch wurden in den folgenden Monaten zahlreiche jüdische Facharbeiter mit ihren Familien ermordet. Die übrigen wurden in ein Arbeitslager gesperrt; die meisten kamen dort ums Leben. (EdH, 1604-1605)

17.- 18.07.1942

Auschwitz

Zweite Inspektion Himmlers im KL Auschwitz und den angegliederten Werken. Er beobachtet das Ausladen eines eben angekommenen Deportationszuges und die "Selektion" sowie die Tötung in der Gaskammer. (Czech, S.250-251)

18.07.1942

Slowakien/Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs mit slowakischen Juden in Auschwitz. 327 Männer und 178 Frauen werden als arbeitsfähig ausgewählt, die anderen werden in die Gaskammer geschickt. Mit einem weiteren Transport werden 212 jüdische Frauen eingeliefert und als Häftlinge übernommen. (Czech, S. 251-252)

19.07.1942

Generalgouvernement

Himmler ordnet an, "daß die Umsiedlung der gesamten jüdischen Bevölkerung des Generalgouvernements bis 31. Dezember 1942 durchgeführt und beendet ist. Mit dem 31. Dezember 1942 dürfen sich keinerlei Personen jüdischer Herkunft mehr im Generalgouvernement aufhalten. Es sei denn, daß sie sich in den Sammellagern Warschau, Krakau, Tschenstochau, Radom, Lublin aufhalten. Alle anderen Arbeitsvorkommen, die jüdische Arbeitskräfte beschäftigen, haben bis dorthin beendet zu sein, oder, falls ihre Beendigung nicht möglich ist, in eines der Sammellager verlegt zu sein.

Diese Maßnahmen sind zu der im Sinne der Neuordnung Europas notwendigen ethnischen Scheidung von Rassen und Völkern, sowie im Interesse der Sicherheit und Sauberkeit des deutschen Reiches und seiner Interessengebiete erforderlich. Jede Durchbrechung dieser Regelung bedeutet eine Gefahr für die Ruhe und Ordnung des deutschen Gesamtinteressengebietes, einen Ansatzpunkt für die Widerstandsbewegung und einen moralischen und physischen Seuchenherd.

Aus allen diesen Gründen ist die totale Bereinigung notwendig und daher durchzuführen. Voraussichtliche Terminüberschreitungen sind mir rechtzeitig zu melden, so daß ich früh genug für Abhilfe sorgen kann. Alle Gesuche anderer Dienststellen um Abänderung sowie Ausnahmegenehmigung sind mir persönlich vorzulegen." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 131)

Himmlers Befehl verursachte große Probleme für Fabriken und Werkstätten, in denen jüdische Zwangsarbeiter eingesetzt waren. Nach Angaben aus Wehrmachtskreisen waren unter der einen Million Arbeiter und Arbeiterinnen in den Produktionslagen des Generalgouvernements 300.000 Juden.

Aufgrund der Einsprüche der Wehrmacht gegen Himmlers Befehl wurde entschieden, daß bis auf weiteres  eine Anzahl jüdischer Arbeiter in mehreren Ghettos bleiben sollten. Ende 1942 lebten nach deutschen Angaben noch etwa 300.000 Juden im Generalgouvernement, davon mehr als die Hälfte im Distrikt Galizien.

Frankreich/Auschwitz

Aus dem französischen Lager Pithiviers werden 119 jüdische Frauen und 809 Männer in das KL Auschwitz eingeliefert. (Czech, S. 252)

Bulgarien

Die bulgarische Regierung ordnet an, jüdische Männer von 20 bis 45 Jahren zum Arbeitsdienst einzuziehen; sie sollen im Straßen- und Eisenbahnbau eingesetzt werden.

20.07.1942

Lammers, Chef der Reichskanzlei, an die obersten Reichsbehörden.

"Der Führer hat in letzter Zeit wiederholt der Auffassung Ausdruck gegeben, daß Gesuche von jüdischen Mischlingen um Gleichstellung mit deutschblütigen Personen bisher zu weichherzig behandelt worden seien. In Zukunft will der Führer solchen Gesuchen nur dann stattgeben, wenn wirklich besondere Gründe für die Ausnahmebehandlung vorliegen. Es genügt nach Auffassung des Führers nicht, wenn ein Mischling sich einwandfrei verhalten hat; es muß eine positive Leistung hinzutreten, die z.B. darin bestehen kann, daß er sich, ohne von seiner Mischlingseigenschaft gewußt zu haben, jahrelang während der Kampfzeit für die Partei eingesetzt hat." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 120)

21.07.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus dem Lager Drancy werden 121 jüdische Frauen und 879 Männer nach Auschwitz eingeliefert. 504 Männer und alle Frauen werden als Häftlinge registriert; die übrigen 375 Männer werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 253)

Ungarn

Brief des Oberkommandos der Wehrmacht an das Auswärtige Amt.

Angeblich drängen maßgebliche ungarische Stellen darauf, daß Deutschland die Deportation der illegal nach Ungarn gekommenen Juden (vor allem Flüchtlinge aus Slowakien, Rumänien ubd Polen) übernehmen solle. Das sei aber derzeit aufgrund von Transportproblemen nicht machbar.

Klingenfuss vom AA setzt sich bei Eichmann und dem RSHA dafür ein, einen Weg zu finden, um diese Juden in das von Rumänien besetzte Transnistrien abzuschieben. (Braham, Destruction I, Nr. 46)

USA

Im New Yorker Madison Square Garden findet eine große Trauer- und Protestveranstaltung gegen den deutschen Massenmord an den Juden statt. Eine Botschaft von Präsident Roosevelt wird verlesen, in der es heißt: Alle Bürger, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, teilen die Sorge unserer jüdischen Mitbürger über die Grausamkeit der Nazis gegen ihre hilflosen Opfer. Die Nazis werden es nicht schaffen, ihre Opfer auszulöschen, ebensowenig wie sie es schaffen werden, die Menschheit zu versklaven. Das amerikanische Volk sympathisiert nicht nur mit allen Opfern der Nazi-Verbrechen, sondern es wird diejenigen, die diese Verbrechen begehen, streng zur Verantwortung ziehen am Tag der Abrechnung, der gewiß kommen wird.  (FRUS, vol. V, S.178-179)

Hitlers "Tischgespräche"

Hinter Stalin stehe "der Jude". Ohne den Überfall auf die UdSSR wäre Europa in eine ungeheure Gefahr geraten. "Bei einem Sieg Stalins hätten wir also den Kommunismus übelster Form, für den Vorfälle des spanischen Bürgerkrieges genügend Beispiele geliefert hätten, in allen Ländern Mittel- und Westeuropas erhalten. Wenn dieser Krieg zu Ende sei, könne Europa erleichtert aufatmen. Denn - da er mit Beendigung dieses Krieges auch den letzten Juden aus Europa hinausgeworfen haben werde - wäre dann die kommunistische Gefahr aus dem Osten mit Stumpf und Stiel ausgerottet." (Picker, S.465)

22.07.1942

Generalgouvernement

Eine Bekanntmachung des Warschauer Judenrats teilt den jüdischen Einwohnern mit, daß sie ohne Unterschied von Alter und Geschlecht "ausgesiedelt" werden sollen. Lediglich Personen, die in deutschen Betrieben beschäftigt sind oder für den Judenrat arbeiten, sollen davon ausgenommen sein.

Beginnend am 22. Juli werden bis zum 12. September 1942 ungefähr 300.000 Warschauer Juden deportiert, davon über 250.000 in das Vernichtungslager Treblinka. Im Warschauer Ghetto leben danach nur noch etwa 60.000 Menschen.

Rund 1.000 Menschen werden aus Wien nach Theresienstadt deportiert.

Niederlande/Auschwitz

Aus dem niederländischen Lager Westerbork werden 931 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 297 Frauen und 479 Männer als Häftlinge registriert, die anderen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 254)

23.07.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus Angers St. Laud werden 827 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 390 Frauen und 411 Männer werden in das Lager eingewiesen; 26 Menschen werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 255)

Generalgouvernement

Im Lager Treblinka - etwa 80 km von Warschau entfernt, nahe der Bahnlinie nach Bialystok gelegen - finden die ersten Morde in den Gaskammern statt. Opfer sind die Insassen des ersten Deportationszuges aus Warschau.

Bis zum 21. September 1942 wurden in Treblinka mehr als 250.000 Menschen aus dem Warschauer Ghetto und 112.000 aus anderen Teilen des Distrikts Warschau in Treblinka ermordet. Aus dem Distrikt Radom wurden insgesamt 337.000 Menschen ermordet und aus dem Distrikt Lublin 35.000, die meisten vor dem Winter 1942/43. Aus dem Distrikt Bialystok wurden über 100.000 Juden in Treblinka ermordet, die meisten zwischen November 1942 und Januar 1943. Außerdem wurden dort 29.000 jüdische Menschen aus anderen Ländern ermordet, darunter 7.000 aus Slowakien (im Sommer und Herbst 1942), 8.000 aus dem Ghetto Theresienstadt (im Oktober 1942), mindestens 7.000 aus Griechenland (im März 1943), und 7.000 aus dem von Bulgarien besetzten Teil Jugoslawiens (Ende März/Anfang April 1943). Auch 2.000 Sinti und Roma wurden in Treblinka ermordet.
Bei einem Besuch des Vernichtungslagers Ende Februar/Anfang März 1943 ordnete Himmler an, die Massengräber zu öffnen und die Leichen zu verbrennen. Seit April 1943 wurden nur noch wenige Transporte dorthin geschickt; im Herbst 1943 wurde das Lager aufgelöst. Insgesamt wurden in Treblinka fast 900.000 Menschen ermordet. (EdH, S. 1430)

24.07.1942

Frankreich/Auschwitz

Ein Transport mit 385 jüdischen Frauen und 615 Männern aus dem französischen Lager Drancy kommt in Auschwitz an; die Insassen werden als Häftlinge übernommen. (Czech, S. 256)

Kroatien/Italien

Aufzeichnung von Unterstaatssekretär Luther, Auswärtiges Amt.

Die kroatische Regierung sei mit der "Aussiedlung" der Juden grundsätzlich einverstanden. "Im besonderen hält man den Abtransport der 4-5.000 Juden aus der von den Italienern besetzten Zweiten Zone (Zentren Dubrovnik und Mostar) für wichtig, die eine politische Belastung darstellen und deren Beseitigung allgemeiner Beruhigung dienen würde. Die Aussiedlung kann allerdings nur mit deutscher Hilfe erfolgen, da von italienischer Seite Schwierigkeiten zu erwarten sind. Praktische Beispiele von Widerstand italienischer Behörden gegen kroatische Maßnahmen im Interesse vermögender Juden liegen vor."

Der deutsche Gesandte in Zagreb, Kasche, sei dafür, "mit der Aussiedlung zu beginnen, und zwar grundsätzlich für das gesamte Staatsgebiet. Man könne es darauf ankommen lassen, ob sich im Zuge der Aktion Schwierigkeiten ergeben, soweit es sich um die von Italienern besetzte Zone handelt." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 131)

In der Folge wurden etwa 5.000 Juden aus Kroatien nach Auschwitz abtransportiert. Die kroatische Regierung erkannte den Deportierten automatisch die Staatsangehörigkeit ab.

Hitlers "Tischgepräche"

"In diesem zweiten Weltkrieg als einem Ringen auf Leben und Tod dürfe nie vergessen werden, daß das Weltjudentum (...) der unerbittlichste Gegner des Nationalsozialismus, der Feind Nummer 1 sei."

"Nach Beendigung des Krieges werde er sich rigoros auf den Standpunkt stellen, daß er Stadt für Stadt zusammenschlage, wenn nicht die Drecksjuden rauskämen und nach Madagaskar oder einem sonstigen jüdischen Nationalstaat abwanderten. Die Beseitigung der Juden aus Wien sei am vordringlichsten, da in Wien am leichtesten gemeckert werde. Auch aus München müßten die letzten anderthalbtausend baldmöglichst verschwinden. Er freue sich, daß wenigstens Linz bereits heute schon judenfrei sei." (Picker, S.471-472)

25.07.1942

Slowakien/Auschwitz

Ankunft eines slowakischen Deportationszugs in Auschwitz. 192 jüdische Männer und 93 Frauen werden als Häftlinge registriert, die anderen werden unmittelbar in den Gaskammern ermordet.

Niederlande

Aus dem Lager Westerbork kommt ein Zug mit 1.000 jüdischen Menschen - 423 Frauen und Mädchen, 577 Männer und Jungen - in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 293 Frauen und 516 Männer in das Lager eingewiesen. Die anderen 191 Menschen, insbesondere die Kinder, werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 256-257)

26.07.1942

Frankreich/Auschwitz

Ankunft eines französischen Deportationszugs mit 630 jüdischen Frauen und 370 Männern in Auschwitz; sie werden als Häftlinge übernommen. (Czech, S. 257)

Rumänien

Bericht des Chefs der SiPo und des SD an Himmler.

Die politischen und technischen Vorbereitungen in Rumänien seien soweit abgeschlossen, daß etwa ab dem 10. September damit begonnen werden könne, die rumänischen Juden "in laufenden Transporten nach dem Distrikt Lublin zu verbringen, wo der arbeitsfähige Teil arbeitseinsatzmäßig angesetzt wird, der Rest der Sonderbehandlung (= Ermordung in den Gaskammern) unterzogen werden soll. Es ist Vorsorge getroffen, daß diesen Juden nach Überschreiten der rumänischen Grenze die Staatsangehörigkeit verloren geht." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 203)

Tatsächlich kam es aufgrund der veränderten Haltung der rumänischen Regierung nicht zu diesen Deportationen.

27.07.1942

Belgien

Beim Dorf Malines, auf halbem Weg zwischen Brüssel und Antwerpen, wird ein Konzentrationslager in Betrieb genommen. Auf deutschen Befehl müssen sich alle arbeitslosen Juden in Malines melden, um zum "Arbeitseinsatz im Osten" abtransportiert zu werden.

Da diese Anordnung aber nur wenig befolgt wurde, begannen die Deutschen - ähnlich wie in Frankreich und den Niederlanden - jüdische Menschen in Großrazzien für die Deportationszüge einzufangen. Die größten Festnahmeaktionen fanden am 15./16. August und im September 1942 statt. Der erste Zug nach Auschwitz fuhr am 4. August in Malines ab. (Benz, Dimension, S. 129)

Wartheland

Brief Himmlers an Greiser, Gauleiter des Warthelands - Antwort auf dessen Brief vom 1. Mai.

"Ich habe keine Bedenken dagegen, daß die im Gebiet des Reichsgaues Wartheland lebenden, mit offener Tuberkulose behafteten Schutzangehörigen (= Polen) und Staatenlosen polnischen Volkstums, soweit ihre Krankheit nach amtsärztlicher Feststellung unheilbar ist, der Sonderbehandlung im Sinne Ihres Vorschlages unterzogen werden. Ich würde jedoch bitten, daß die einzelnen Maßnahmen vorher mit der Sicherheitspolizei eingehend besprochen werden, damit die Durchführung möglichst unauffällig erfolgen kann." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 133)

Wartheland

Lagebericht der Gestapo.

"Die Zahl der im Ghetto Litzmannstadt (Lodz) untergebrachten Juden ist durch Todesfälle weiterhin stark im Absinken. Z. Zt. leben hier noch rund 103.000 Juden, von denen 70.00 beschäftigt werden. Trotz der sehr schlechten Verpflegung bzw. Ernährung der Juden - täglicher Satz pro Kopf 19 Pfg.- ist die Produktion gegenüber dem Vormonat gestiegen, was mehr oder weniger auf das dauernde 'Unterdruckhalten' der Juden bzw. der einzelnen Arbeitsleiter zurückzuführen ist." (Lodz, S. 87)

Griechenland

Der Bevollmächtige des Deutschen Reiches für Griechenland, Altenburg, an das Auswärtige Amt.

Der italienische Gesandte Ghigi habe ihm gesagt, "daß im Hinblick auf den Einfluß, den die Juden im Mittelmeerraum, vor allem in Tunis, ausüben, zunächst ein Vorgehen gegen die Juden in Griechenland zurückgestellt werden möge."
Sollte die deutsche Seite dennoch darauf beharren, so müßte die Frage nochmals zwischen Berlin und Rom diskutiert werden. "Seiner Ansicht nach sei ein einheitliches Vorgehen für Gesamtgriechenland wünschenswert."
Falls Deutschland sich dennoch zu einem Alleingang entschließen würde, sollten die italienischen Staatsangehörigen davon ausgenommen werden.

Altenburg bittet, sich "zur Sicherung eines einheitlichen Vorgehens" mit der italienischen Regierung zu verständigen. Eine Sonderregelung nur für die deutsche Besatzungszone scheine ihm unzweckmäßig, da sonst die wirtschaftlich mächtigen Juden italienischer Staatsangehörigkeit in Saloniki nicht angegriffen werden könnten, und da außerdem auch Athen zur italienischen Zone gehöre. (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 136)

Bericht Sauckels über den "Einsatz fremdländischer Arbeitskräfte"

In den Verhandlungen mit allen beteiligten Stellen habe sich ergeben, daß zur Deckung des dringenden Bedarfs in der Rüstungs- und Ernährungswirtschaft insgesamt 1,6 Millionen ausländische Arbeitskräfte in Deutschland benötigt würden. Am 24. Juli sei diese Zahl überschritten worden. "Es handelt sich im einzelnen um: 971.832 Ostarbeiter, 108.152 Arbeitskräfte aus Galizien, 221.009 sowjetische Kriegsgefangene - insgesamt 1,3 Millionen Menschen. Außerdem: 23.700 aus dem Protektorat, 64.170 aus dem Generalgouvernement, 32.165 aus dem Wartheland, 30.100 aus Belgien, 31.300 aus Frankreich, 55.726 aus Italien, 31.300 aus den Niederlanden, 7.430 aus Serbien, 11.595 aus Kroatien, 15.265 aus der Slowakei." (IMT, PS-1296)

27.07. - 03.08.1942

Generalgouvernement

Aus dem Ghetto von Przemysl (Ukraine) werden insgesamt etwa 12.500 Menschen in das Vernichtungslager Belzec abtransportiert. (EdH, S. 1173)

28.07.1942

Niederlande/Auschwitz

Aus dem Lager Westerbork kommt ein Zug mit 1.010 jüdischen Menschen - 468 Frauen und Mädchen, 542 Männer und Jungen - in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 315 Frauen und 473 Männer als Häftlinge registriert; die anderen 222 Menschen werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 258)

Generalgouvernement

Der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Ganzenmüller, teilt SS-Obergruppenführer Wolff mit: "Seit dem 22.7. fährt täglich ein Zug mit je 5.000 Juden von Warschau über Malkinia nach Treblinka, außerdem zweimal wöchentlich ein Zug mit 5.000 Juden von Przemysl nach Belzec."
Der SD in Krakau sei damit einverstanden, "daß die Transporte von Warschau über Lublin nach Sobibor (bei Lublin) solange ruhen, wie die Umbauarbeiten auf dieser Strecke diese Transporte unmöglich machen (ungefähr Oktober 1942)." (Hilberg, Sonderzüge, S. 177)

Aus Wien geht ein Deportationszug mit rund 1.000 Menschen nach Theresienstadt ab.

28.07. - 31.07.1942

RK Ostland

Die SS ermordet ungefähr 30.000 jüdische Bewohner von Minsk, darunter auch die Mitglieder des Judenrats. Unter den Opfern sind viele Deportierte aus Deutschland. Nach dieser "Aktion" bleiben im Ghetto von Minsk nur noch 9.000 Menschen am Leben. (EdH, S. 951)

29.07.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus dem Lager Drancy werden 742 jüdische Frauen und 248 Männer in das KL Auschwitz eingeliefer. (Czech, S. 259)

Der deutsche Industrielle Eduard Schulte aus Breslau übermittelt in Zürich den Alliierten die Nachricht, daß Himmler während eines Besuchs in Auschwitz im Juli bei der Tötung von 499 jüdischen Menschen durch Gas anwesend gewesen sei.
Das ist die erste präzise Nachricht aus deutscher Quelle über die Morde in den Gaskammern von Auschwitz, die die Alliierten erreicht.

30.07.1942

Jüdische Kultgegenstände aus Edelmetall müssen abgeliefert werden. Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland wird verpflichtet, die Sammlung und Ablieferung der Gegenstände zu übernehmen. (Walk, S. 382)

31.07.1942

Frankreich/Auschwitz

Aus dem Lager Drancy kommt ein Zug mit 730 jüdischen Frauen und 270 Männern in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden alle Männer und 514 Frauen als Häftlinge registriert. Die anderen 216 Frauen werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 262)

Niederlande

Bericht des Vertreters des Auswärtigen Amtes in den Niederlanden, Bene.

Der Abtransport der Juden verlaufe weiter ungestört. Bisher seien 6.000 Menschen abtransportiert worden. Natürlich seien die Deportationen in der Bevölkerung nicht unbekannt geblieben; es habe auch eine gewisse Aufregung gegeben, besonders in Amsterdam. Der englische Sender hat das Thema aufgegriffen. Die niederländischen Kirchen aller Konfessionen haben beim Reichskommissar (dem deutschen Statthalter Seyß-Inquart) interveniert. Dieser habe geantwortet, daß die Kirchen sich höchstens für die christlichen Juden einsetzen könnten.

"Es bestand die Absicht, diese sogenannten christlichen Juden bei dem Abtransport auszunehmen unter der Voraussetzung, daß die Kirchen sich wegen der übrigen Juden nicht bemüßigt fühlen würden, irgendwelche Schritte zu tun. Die protestantischen Kirchen haben sich diesem Gedankengang nicht verschlossen und ihrerseits keine Kundgebungen, Gebete usw. in ihren Kirchen veranlaßt. Die katholische Kirche hingegen hat am letzten Sonntag in ihren Kirchen den Abtransport der Juden behandelt."

Die Sache sei aber inzwischen beigelegt; weitere Schwierigkeiten seien seitens der Kirchen nicht zu erwarten. Ergebnis sei, daß die ca. 4.000 christlichen Juden jetzt in einem Lager in den Niederlanden "gesammelt und einstweilen dort behalten werden".

Der niederländische Generalsekretär des Innenministeriums (Frederiks), der kein Nationalsozialist sei, habe zum Ausdruck gebracht, "daß es sich um ein europäisches Problem handele, an dessen Durchführung nichts zu ändern sei. Dadurch wird der Abtransport der Juden auch von seiten der niederländischen Behörden wenn nicht gedeckt, so doch ohne offiziellen Einspruch zu erheben gutgeheißen."

Bene legte seinem Bericht ein in den Niederlanden verbreitetes Flugblatt bei, in dem es heißt, daß in Polen bereits 700.000 Juden umgekommen btw. ermordet worden seien.
(ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 147 und Fußnote)

RK Ostland

Bericht des Generalkommissars für Weißruthenien, Kube, an den Reichskommissar für das Ostland, Lohse.

"Bei allen Zusammenstößen mit Partisanen in Weißruthenien hat es sich herausgestellt, daß das Judentum sowohl im ehemals polnischen wie auch im ehemals sowjetischen Teil des Generalbezirks zusammen mit der polnischen Widerstandsbewegung (...) und den Rotarmisten Moskaus (...)  Hauptträger der Partisanenbewegung ist. Infolgedessen ist die Behandlung des Judentums in Weißruthenien angesichts der Gefährdung der gesamten Wirtschaft eine hervorragend politische Angelegenheit, die infolgedessen auch nicht nach wirtschaftlichen, sondern nach politischen Gesichtspunkten gelöst werden müßte."

In Weißruthenien seien in den letzten zehn Wochen rund 55.000 Juden "liquidiert" worden. "Im Gebiet Minsk-Land ist das Judentum völlig ausgemerzt, ohne daß der Arbeitseinsatz dadurch gefährdet worden ist. In dem überwiegend polnischen Gebiet Lida sind 16.000 Juden, in Slonim 8.000 Juden usw. liquidiert worden.

Durch einen dorthin bereits berichteten Übergriff des Rückwärtigen Heeresgebietes sind die von uns getroffenen Vorbereitungen für die Liquidierung der Juden im Gebiet Glebokie gestört worden. Das Rückwärtige Heeresgebiet hat, ohne Fühlung mit mir zu nehmen, 10.000 Juden liquidiert, deren systematische Ausmerzung von uns sowieso vorgesehen war. In Minsk-Stadt sind am 28. und 29. Juli rund 10.000 Juden liquidiert worden, davon 6.500 russische Juden - überwiegend Alte, Frauen und Kinder - der Rest bestand aus nichteinsatzfähigen Juden, die überwiegend aus Wien, Brünn, Bremen und Berlin im November des vorigen Jahres nach Minsk auf Befehl des Führers geschickt worden sind.

Auch das Gebiet Sluzk ist um mehrere tausend Juden erleichtert worden. Das Gleiche gilt für Nowogrodek und Wilejka. Radikale Maßnahmen stehen noch für Baranowitschi und Hanzewitschi bevor. In Baranowitschi leben allein in der Stadt noch rund 10.000 Juden, von denen 9.000 Juden im nächsten Monat liquidiert werden.

In Minsk-Stadt sind 2.600 Juden aus Deutschland übrig geblieben. Außerdem sind noch sämtliche 6.000 russische Juden und Jüdinnen am Leben, die als Arbeitseinsatz während der Aktion bei den sie beschäftigenden Einheiten verblieben sind. Minsk wird auch in Zukunft noch immer den stärksten Judeneinsatz behalten, da die Zusammenballung der Rüstungsbetriebe und die Aufgaben der Eisenbahn das vorläufig notwendig macht.

In sämtlichen übrigen Gebieten wird die Zahl der zum Arbeitseinsatz kommenden Juden vom SD und mir auf höchstens 800, nach Möglichkeit aber auf 500, festgesetzt, sodaß wir nach Beendigung der noch angekündigten Aktionen in Minsk 8.600 und in den 10 übrigen Gebieten, einschließlich des judenfreien Gebietes Minsk-Land, etwa 7.000 Juden übrig behalten. Die Gefahr, daß die Partisanen sich in Zukunft noch wesentlich auf das Judentum stützen können, besteht dann nicht mehr. Mir und dem SD wäre es natürlich das liebste, nach Wegfall der wirtschaftliche Ansprüche der Wehrmacht, das Judentum im Generalbezirk Weißruthenien endgültig zu beseitigen. Vorläufig werden die notwendigen Ansprüche der Wehrmacht, die in der Hauptsache Arbeitgeber des Judentums ist, berücksichtigt.

Zu dieser eindeutigen Einstellung dem Judentum gegenüber kommt noch die schwere Aufgabe für den SD in Weißruthenien, immer neue Judentransporte aus dem Reich ihrer Bestimmung zuzuführen. Das nimmt die materiellen und seelischen Kräfte der Männer des SD über Gebühr in Anspruch und entzieht sie ihren Aufgaben, die im Raume Weißruthenien selbst liegen.

Ich wäre daher dankbar, wenn der Herr Reichskommissar es ermöglichen könnte, weitere Judentransporte nach Minsk wenigstens solange zu stoppen, bis die Partisanengefahr endgültig überwunden worden ist. Ich brauche den SD im hundertprozentigen Einsatz gegen die Partisanen und gegen die polnische Widerstandsbewegung." (IMT, PS-3428)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

01.07.1942

Die Wehrmacht nimmt nach mehrmonatiger Belagerung Sewastopol auf der Krim ein.