CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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Ende Oktober-Anfang November 1942

Der polnische Untergrundkämpfer und Kurier Kozielewski mit dem Decknamen Jan Karski bringt der polnischen Exilregierung in London Berichte über die Deportationen aus Warschau und die Vernichtungslager; er trifft auch mit Churchill, anderen britischen Regierungsmitgliedern und internationalen Journalisten zusammen.

November 1942

Generalgouvernement

Aus Llow/Lemberg (Ukraine) werden zwischen 5.000 und 7.000 "arbeitsunfähige" Juden teils in das im Stadtbereich gelegene Lager Janowska, teils nach Belzec deportiert. (EdH, S. 852)

In Drogobytsch (Ukraine/Galizien) findet eine weitere deutsche Mordaktion gegen die jüdische Bevölkerung statt, die sich diesmal über einen ganzen Monat erstreckt. Zehn Tage nach ihrem Beginn werden 1.000 Menschen in das Vernichtungslager Belzec abtransportiert, einige Tage später noch einmal  mehrere hundert. Hunderte werden im Ghetto ermordet.

Ende 1942 und Anfang 1943 werden die in der Ölindustrie Beschäftigten in besondere Arbeitslager gebracht. (EdH, S. 371)

01.11.1942

Niederlande/Auschwitz

Ein Deportationszug aus den Niederlanden mit 659 jüdischen Frauen, Männern und Kindern kommt in Auschwitz an; alle werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt.

Aus Berlin werden 1.014 jüdische Menschen, überwiegend Frauen und Alte, nach Auschwitz eingeliefert. Nur 37 Frauen werden als Häftlinge registriert, alle anderen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 330-331)

Generalgouvernement

Die amtliche Zeitung für das Generalgouvernement berichtet, daß die jüdische Bevölkerung des GG auf 55 Gemeinden "konzentriert" worden sei, während es dort vor dem Krieg ca. 1.000 jüdische Siedlungen gegeben habe. (IMT, Bd. 3-4, S. 593 f.)

2.500 jüdische Menschen aus Brody (Ukraine) werden in das Vernichtungslager Belzec deportiert. Juden aus kleineren Gemeinden der Umgebung werden in Brody einquartiert.

Im Dezember 1942 geben die Deutschen die Bildung eines Ghettos in Brody bekannt, in das etwa 6.000 Menschen gesperrt werden. (EdH, S. 244)

Bulgarien

Der deutsche Gesandte in Sofia, Beckerle, übermittelt eine Note des bulgarischen Außenministeriums.

Bulgarien stimme grundsätzlich der Deportation der Juden zu, doch würden diese zur Zeit für öffentliche Arbeiten noch dringend benötigt. Das deutsche Angebot zur Entsendung eines "Judenberaters" wird jedoch dankend angenommen. Es wird gefordert, die Deportationen aus Bulgarien mit denen aus Rumänien zu koppeln. Das von Deutschland geforderte Kopfgeld von 250 RM für jeden deportierten Juden sei zu hoch; das Vermögen der Juden werde zur Unterstützung der bulgarischen Wirtschaft benötigt.

Als Judenberater wird Theodor Dannecker nach Sofia geschickt. Von Dezember 1942 bis Februar 1943 arbeitet er zusammen mit dem Leiter des  bulgarischen Judenkommissariats, Belev, Deportationspläne aus. (Benz, Dimension, S. 286-287)

03.11.1942

Belgien/Auschwitz

Mit zwei Transporten werden 1.696 Juden aus dem Lager Malines nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 702 Männer und 75 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen 919 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 332)

Mitarbeiterbesprechung im Propagandaministerium.

Goebbels führt aus, auf welche Informationen sich britische Luftangriffe seiner Ansicht nach stützen könnten. "Insbesondere glaubt der Minister, daß die noch im Reich befindlichen Juden eine wichtige Grundlage des englischen Nachrichtendienstes sind. Er will, daß die noch in Berlin befindlichen 40.000 Juden so schnell wie möglich aus der Reichshauptstadt abgeschoben werden, und zwar soll die Evakuierung auf einen möglichst geringen Zeitraum verteilt werden. Man hofft, bis zum März alle Juden aus Berlin entfernt zu haben." (Boelcke II, S. 297)

04.11.1942

Niederlande/Auschwitz

Ein Deportationszug aus Westerbork mit  954 Menschen kommt in Auschwitz an. Lediglich 50 Frauen werden in das Lager eingewiesen, während die anderen 904 Menschen direkt in die Gaskammern geschickt werden. (Czech, S. 332-333)

Generalgouvernement

1.000 jüdische Menschen aus Kolomyja (Ukraine) werden von den Deutschen zusammengetrieben und außerhalb der Stadt erschossen. (EdH, S. 782)

05.11.1942

Fernschreiben des RSHSA an alle Staatspolizei(leit)stellen

Himmler hat befohlen, "daß sämtliche im Reich gelegenen Konzentrationslager judenfrei zu machen und daß sämtliche Juden in das KL Auschwitz und in das Kriegsgefangenenarbeitslager Lublin zu überstellen sind. (...)

Einweisungen von jüdischen Häftlingen in KL - außer KL Auschwitz und Kriegsgefangenenarbeitslager Lublin - kommen daher ab sofort nicht mehr in Frage."

Mitteilung des RSHA an SS, SD und Polizeistellen

Himmler habe mit Justizminister Thierack vereinbart, daß die Justiz auf die Durchführung ordentlicher Strafverfahren gegen Polen und Angehörige der Ostvölker verzichtet. Sie sollen künftig der Polizei übergeben werden. Die Vereinbarung ist vom Führer gebilligt worden.

Zur Zeit werde an einer genauen Vereinbarung gearbeitet, die nach Möglichkeit zum 1.1.1943 in Kraft treten soll. "Dieser Vereinbarung liegen folgende Erwägungen zugrunde:

Polen und Angehörige der Ostvölker sind fremdvölkische und rassisch minderwertige Menschen, die im deutschen Reichsgebiet leben. Hieraus ergeben sich für die deutsche Volksordnung erhebliche Gefahrenmomente, die zwangsläufig dazu führen, die Fremdvölkischen einem anderen Strafrecht zu unterstellen als deutsche Menschen.

Dieser Notwendigkeit ist bisher noch nicht in vollem Umfange Rechnung getragen worden." (IMT, L-316)

05. und 07.11.1942

Frankreich

Bei Razzien im Departement Seine und in der Provinz werden 1.060 aus Griechenland stammende Juden sowie 1.745 andere jüdische Menschen festgenommen. (Benz, Dimension, S. 123)

06.11.1942

Frankreich/Auschwitz

Ein Deportationszug aus Frankreich mit 1.000 Menschen trifft in Auschwitz ein. 269 Männer und 92 Frauen werden als Häftlinge übernommen, 639 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 333)

07.11.1942

Südostpreußen/Auschwitz

Aus dem Ghetto Zichenau (Nordpolen) werden 2.000 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 229 Frauen und 465 Männer als Häftlinge registriert; die anderen  1.306 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Niederlande

Aus Westerbork werden 465 Juden nach Auschwitz eingeliefert; alle werden gleich nach der Ankunft in die Gaskammern getrieben. (Czech, S. 334)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

04.11.1942

Britische Truppen durchbrechen die deutsch-italienischen Stellungen bei El Alamein; Rommel ordnet entgegen einem Befehl Hitlers den Rückzug an.

07. - 08.11.1942

Landung amerikanischer und britischer Truppen in Marokko und Algerien mit 110.000 Mann ("Operation Torch"). Algier wird am 8., Oran am 10. und Casablanca am 11. November von den Alliierten eingenommen. Am 9. November beginnen deutsche Luftlandungen in Tunesien zum Aufbau einer neuen Front. Deutschland und Italien besetzten auch den bisher unbesetzten Teil Frankreichs.