CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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16.11.1942

Niederlande

Bericht des Vertreters des Auswärtigen Amtes in den Niederlanden, Bene, an das AA.

Bis zum 15. Oktober sind etwa 45.000 Juden abtransportiert worden. "Laut Anweisung des Reichskommissars sollen alle Juden bis zum 1. Mai 1943 abtransportiert sein. Das bedeutet, daß die wöchentliche Abtransportzahl von 2.000 auf 3.500 erhöht werden mußte. (...) Im ganzen sind jetzt noch ca. 61.000 Volljuden abzutransportieren, von denen etwa 43.000 bisher von dem Transport freigestellt waren, so daß noch ca. 18.000 zur Zeit zum Abtransport zur Verfügung stehen.  

Die 43.000 freigestellten Juden setzen sich zusammen aus Rüstungsjuden (Pelz-, Diamant-, Glas- und Radioarbeiter), Glaubensjuden und sogenannten 'Projektionsjuden'. In einer jetzt stattgehabten Unterredung mit dem Wehrmachtsbefehlshaber ist aber erreicht worden, daß von den Rüstungsjuden ein großer Teil sofort zum Abtransport freigegeben worden ist, während der Rest nach und nach im Laufe der nächsten Monate freigegeben wird. Diese Rüstungsjuden werden zum großen Teil durch weibliche niederländische Arbeitskräfte ersetzt werden."

Bis zum Stichtag, 1. Januar 1941, seien 1.500 protestantische Juden gemeldet gewesen. Weitere 3.500 seien seither von der Kirche als getauft gemeldet worden. Diese würden aber nicht anerkannt, sondern "werden wie alle anderen im Laufe der Zeit abrollen".

Die niederländische Bevölkerung habe sich an den Abtransport der Juden gewöhnt. Schwierigkeiten seien nicht gemacht worden. (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 188)

Bulgarien

Bericht des deutschen Gesandten in Sofia, Beckerle, an das Auswärtige Amt.

"Der Ministerpräsident sprach mich heute wegen der Judenfrage an, wobei er grundsätzlich die Möglichkeit begrüßte, die Juden nach dem Osten abtransportieren zu können, aber wieder darauf hinwies, daß ein Teil der männlichen Juden als Arbeitskräfte zum Straßenbau z.Z. noch nicht entbehrt werden könne. Er begrüßt es dankbar, wenn vor dem Abtransport ein deutscher Berater hierher kommt, der bei der Durchführung der entsprechenden Maßnahmen hilft." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 189)

Palästina

Durch ein Austausch-Abkommen mit Deutschland kommen 78 freigelassene Juden aus dem besetzten Europa in Haifa an. Sie bringen viele Zeugenberichte über Pogrome, Deportationen und über die Gas-Morde in Chelmno, Treblinka und Auschwitz mit.

18.11.1942

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ein Deportationszug mit etwa 1.000 Menschen aus dem Ghetto von Grodno kommt in Auschwitz an. Nach der "Selektion" werden 65 Frauen und 165 Männer als Häftlinge registriert; die anderen mit diesem Zug Angekommenen werden direkt in die Gaskammern geschickt.

Norwegen

In Auschwitz trifft ein Transport mit Juden ein, aus dem nur 22 Frauen und acht Männer in das Lager eingewiesen werden. Wahrscheinlich handelt es sich um die 209 Juden aus Norwegen, die im Oktober mit dem Schiff nach Stettin gebracht und von dort mit dem Zug nach Auschwitz weitertransportiert wurden. (Czech, S. 340)

Generalgouvernement

Aus Przemysl (Galizien) werden 4.000 Juden in das Vernichtungslager Belzec deportiert. Das Ghetto wird danach in zwei Sektionen (Arbeitsfähige und andere) geteilt. (EdH, S. 1174)

Anordnung des Reichssportführers

§ 2: Das Reichssportabzeichen kann nur von deutschen Staatsangehörigen erworben werden, die deutsche Volkszugehörige und unzweifelhaft deutschblütig bzw. artgleichen Blutes sind. (Walk, S. 392)

19.11.1942

Südostpreußen/Auschwitz

Aus den Ghettos des Regierungsbezirks Zichenau werden 1.500 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 361 Frauen und 532 Männer werden als Häftlinge registriert; mehr als 600 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 340-341)

20.11.1942

Aus München geht ein Deportationszug mit 980 Menschen nach Riga (Lettland) ab.

21.11.1942

Niederlande/Auschwitz

Ankunft eines Transports aus dem niederländischen Lager Westerbork mit 726 jüdischen Menschen in Auschwitz. Nach der "Selektion" werden 47 Männer und 35 Frauen als Häftlinge registriert, die anderen 644 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 342)

22.11.1942

Südostpreußen/Auschwitz

Aus den Ghettos des Regierungsbezirks Zichenau werden etwa 1.500 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 300 Männer und 132 Frauen als Häftlinge registriert; etwa 1.070 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 342)

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Etwa 2.000 jüdische Menschen aus Grodno (Weißrußland) werden nach Auschwitz abtransportiert.

Weitere 2.000 Menschen wurden Ende November 1942 aus Grodno in das "Durchgangslager" Kielbasin, eine Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager, gebracht. (EdH, S. 566)

23.11.1942

Ansprache Himmlers in Bad Tölz vor SS-Junkern

"Völlig gewandelt hat sich auch die Judenfrage in Europa. Der Führer sagte einmal in einer Reichstagsrede: Wenn das Judentum einen internationalen Krieg etwa zur Ausrottung der arischen Völker anzetteln sollte, so werden nicht die arischen Völker ausgerottet, sondern das Judentum. Der Jude ist aus Deutschland ausgesiedelt, er lebt heute im Osten und arbeitet an unseren Straßen, Bahnen usw. Dieser Prozeß ist konsequent, aber ohne Grausamkeit durchgeführt worden. Wir quälen niemanden, aber wir wissen, daß wir um unsere Existenz und die Erhaltung unseres nordischen Blutes kämpfen." (Geheimreden, S. 200)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

19.11.1942

Beginn der sowjetischen Gegenoffensive am Don und bei Stalingrad. Am 22. November wird die sowjetische Zangenbewegung geschlossen; rund 300.000 Mann der deutschen 6. Armee sind eingekesselt.