CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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25.11.1942

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Aus dem Ghetto von Grodno kommt ein Transport mit 2.000 Menschen in Auschwitz an. 128 Frauen und 305 Männer werden in das Lager eingewiesen, etwa 1.570 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 343)

26.11.1942

Niederlande/Auschwitz

Aus dem Lager Westerbork werden 709 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Lediglich 42 Frauen werden als Häftlinge übernommen, die anderen 667 Menschen werden direkt in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 344)

26.11.1942

Mitteilung des Beauftragten für den Vierjahresplan und des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz an die Präsidenten der Landesarbeitsämter.
Betr. "Austausch der im kriegswichtigen Arbeitseinsatz stehenden Juden mit polnischen Arbeitskräften."

"Im Einvernehmen mit dem Chef der Sicherheitspolizei und des SD sollen nunmehr auch die noch in Arbeit eingesetzten Juden aus dem Reichsgebiet evakuiert und durch Polen, die aus dem Generalgouvernement ausgesiedelt werden, ersetzt werden.

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD teilt (...) mit, daß voraussichtlich im Laufe des Monats November mit der Aussiedlung von Polen im Distrikt Lublin begonnen werde, um dort Raum für die Ansetzung von Volksdeutschen zu schaffen.    Die im Rahmen dieser Maßnahmen auszusiedelnden Polen werden, soweit es sich bei ihnen um kriminelle und asoziale Elemente handelt, in Kz-Lagern untergebracht und zur Arbeit eingesetzt. Die übrigen Polen werden, soweit sie arbeitsfähig sind, ohne Angehörige in das Reich, insbesondere nach Berlin, abtransportiert, wo sie den Arbeitseinsatzdienststellen zum Einsatz in den Rüstungsbetrieben anstelle der abzulösenden Juden zur Verfügung gestellt werden.

Die durch den Einsatz der polnischen Arbeitskräfte freiwerdenden Juden werden Zug um Zug ausgesiedelt werden. Dabei wird zunächst auf die mit Handlangerarbeiten beschäftigten Juden zurückgegriffen werden, da ihr Austausch am leichtesten ist. Die übrigen sogenannten 'qualifizierten' jüdischen Arbeitskräfte werden den Betrieben solange belassen, bis der polnische Ersatz durch eine von Fall zu Fall zu bestimmende Anlernzeit mit den Arbeitsvorgängen hinreichend vertraut gemacht worden ist. Hierdurch wird sichergestellt werden, daß Produktionsausfälle in den einzelnen Betrieben auf das äußerste Maß beschränkt bleiben." (IMT Dok. 061-L; Walk, S. 392; Adler, S. 226)

Rumänien

Der deutsche Gesandte in Bukarest, von Killinger, schickt an das Auswärtige Amt einen Bericht des deutschen Beraters für Judenfragen, Richter. Dieser hatte am 22. Oktober ein Gespräch mit dem stellvertretenden  Ministerpräsidenten Mihai Antonescu, in dem deutlich wurde, daß die rumänische Seite nach Vorwänden und Ausflüchten sucht, um die von Deutschland dringend begehrte Deportation der Juden aus Rumänien zu verzögern oder zu vermeiden. (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 230)   

27.11.1942

Eine genaue statistische Erfassung der Juden in Berlin wird angeordnet. Die Juden sind verpflichtet, unaufgefordert die sie betreffenden persönlichen Angaben zu machen. Zuwiderhandlungen werden durch staatspolizeiliche Maßnahmen geahndet. (Walk, S. 392)

Belgien

Der Vertreter des Auswärtigen Amtes in Belgien, von Bargen, an das AA:

"Die Evakuierung der Juden aus Belgien hat für dieses Jahr ihren vorläufigen Abschluß gefunden. Es sind insgesamt in 14 Transporten 16.882 jüdische Personen entfernt worden. In den kommenden 3-4 Monaten werden keine Transporte durchgeführt, jedoch werden solche für das nächste Jahr vorbereitet und weitere Juden den Sammellagern zugeführt.

Als Auswirkung der Judenabschiebung konnte eine merkliche Eindämmung des Schwarzhandels festgestellt werden. Auf der anderen Seite haben die Evakuierungsmaßnahmen zur Folge gehabt, daß die Verordnungen des Militärbefehlshabers über die Sperrstunde für Juden und das Tragen des Judensterns so gut wie nicht mehr beachtet werden. Ein großer Teil der Juden - etwa ein Drittel - hat sich zudem in den Besitz von falschen Kennkarten zu setzen gewußt.

Die finanzielle Lage der Juden hat sich im Zuge der angeordneten Maßnahmen vielfach so verschlechtert, daß sie zum Verkauf ihrer letzten realisierbaren Werte schreiten mußten. Die hiesige Sicherheitspolizei befürchtet infolgedessen für die nächsten Monate ein Ansteigen der jüdischen Kriminalität. Es konnten bereits Ansätze zu einer Beteiligung der Juden am aktiven Widerstand gegen die Besatzungsmacht festgestellt werden." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 234)

28.11.1942

Südostpreußen/Auschwitz

Aus den Ghettos im Regierungsbezirk Zichenau (Nordpolen) werden etwa 1.000 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 169 Frauen und 325 Männer als Häftlinge registriert; mehr als 500 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 345)

30.11.1942

Südostpreußen/Auschwitz

Ankunft eines weiteren Transports mit etwa 1.000 Menschen aus den Ghettos im Regierungsbezirk Zichenau in Auschwitz. 130 Männer und 37 Frauen werden in das Lager übernommen;  die anderen Menschen aus diesem Deportationszug werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 346)

Auschwitz

Das Sonderkommando, das den Auftrag hatte, die Spuren der Verbrechen zu verwischen,  - die Massengräber in Birkenau zu räumen und die Leichen der Ermordeten zu verbrennen -, schließt seine Arbeit ab. Wie Lagerkommandant Höß berichtet, waren dort mehr als 100.000 Leichen begraben. Es handelte sich um die in den Gaskammern getöteten Juden, die seit Beginn der Deportationen aus Oberschlesien nach Auschwitz gebracht worden waren, und um andere Juden aus den vor dem 21. September 1942 eingetroffenen Transporten, also bevor mit der Verbrennung der Getöteten begonnen worden war. (Czech, S. 346-347)

Ungarn

Brief Himmlers an Außenminister Ribbentrop.

Das Oberkommando der Wehrmacht hat dem Auswärtigen Amt am 21. Juli 1942 mitgeteilt, daß die ungarische Regierung den Wunsch nach "Absiedlung" der illegal nach Ungarn geflüchteten Juden in das Gebiet östlich des Dnjester vorgetragen und dafür um Unterstützung gebeten habe.

Seitens maßgeblicher ungarischer Politiker sei in letzter Zeit wiederholt die "Lösung der Judenfrage in Ungarn" angekündigt worden. Es gebe die Absicht, "dem Problem in Etappen zu Leibe zu gehen" und "zunächst einmal, gewissermaßen als erste Rate, die Evakuierung von 100.000 Juden aus den ungarischen Ostgebieten durchzuführen."

"Ich (Himmler) habe seinerzeit entschieden, daß die von Ungarn beantragte Abschiebung der nach Ungarn geflüchteten Juden nichtungarischer Staatsangehörigkeit so lange hinausgezögert werden soll, bis sich Ungarn bereit erklärt, auch Juden ungarischer Staatsangehörigkeit in die beabsichtigten Maßnahmen einzubeziehen."

Es erscheine ihm daher zweckmäßig, schon jetzt Wisliceny, "der die technische Durchführung zur Freimachung der Slowakei von Juden im besten Einvernehmen mit Deinen Herren in Preßburg bearbeitet", nach Budapest zu schicken, damit er "dort in Form eines wissenschaftlichen Sachbearbeiters oder Referenten für Judenfragen bei der deutschen Gesandtschaft tätig sein könnte."

In Ungarn gebe es nach offizieller Statistik 742.827 Juden, in Wirklichkeit aber wohl rund eine Million. "Es wäre daher tatsächlich außerordentlich erfreulich, wenn es uns gelänge, die Frage dieses brennenden Problems auch in Ungarn aus der Welt zu schaffen, zumal meines Erachtens hierdurch zweifellos auch die rumänische Regierung zur Aufgabe ihrer zaudernden Haltung, die sie im Hinblick auf den endlichen Beginn der Judenevakuierung an den Tag legt, gezwungen wird. Die Frage in Bulgarien dürfte damit ebenfalls automatisch geklärt sein, da, wie mir bekannt ist, die bulgarische Regierung ihrerseits ihre Judenmaßnahmen gern mit denen der rumänischen Regierung gekopelt wissen möchte." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 240)