CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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25.10.1942

Niederlande/Auschwitz

Ein Deportationszug aus den Niederlanden mit 988 Menschen kommt in Auschwitz an. 32 Frauen und 21 Männer werden in das Lager eingewiesen; die anderen 935 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Aus dem KL Sachsenhausen werden 454 jüdische Häftlinge in das KL Auschwitz überstellt. (Czech, S. 325-326)

Generalgouvernement

Aus dem Lubliner Ghetto werden 1.800 Menschen in das Vernichtungslager Majdanek abtransportiert.

26.10.1942

Belgien/Auschwitz

Aus dem belgischen Lager Malines treffen zwei Deportationszüge mit 995 und 476 jüdischen Insassen in Auschwitz ein, darunter insgesamt rund 370 Kinder. Nach der "Selektion" werden 460 Männer und 116 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen 895 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 326)

Himmler zur Frage, ob und wie Judenerschießungen ohne Befehl und Befugnis gerichtlich zu ahnden sind: Entscheidend seien die Beweggründe für die Tat.

  1. "Bei rein politischen Motiven erfolgt keine Bestrafung, es sei denn, daß die Aufrechterhaltung der Ordnung eine solche erfordert. Ist letzteres der Fall, dann kann je nach Lage des Falles gerichtliche Verurteilung aus § 92 (Militärgesetzbuch: Ungehorsam) oder § 149 (Rechtswidriger Waffengebrauch) MStGB. oder aber disziplinare Ahndung erfolgen.
  2. Bei eigensüchtigen oder sadistischen bezw. sexuellen Motiven erfolgt gerichtliche Ahndung, und zwar gegebenenfalls auch wegen Mordes bezw. Totschlages." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 164-165)

Ungarn

Bericht des deutschen Gesandten Jagow an das Auswärtige Amt über ein Gespräch mit Ministerpräsident Kallay.

Kallay sei im Laufe des Gesprächs auch auf die ihm übermittelten deutschen "Anregungen" zu sprechen gekommen: Er habe bisher noch keine Zeit für eine Antwort gehabt, hoffe dies aber bezüglich der ungarischen Juden in den besetzten Westgebieten und im Reich bis Ende der Woche tun zu können. Hingegen beträfen die deutschen Vorschläge zur Behandlung der "Judenfrage" in Ungarn eine rein innenpolitische Angelegenheit. "Die Lage in Ungarn sei doch ganz anders als in den übrigen Ländern Europas, weil Ungarn etwa 1 Million Juden hätte. Er könne sich auch gar nicht vorstellen, wo man etwa mit dieser großen Anzahl Juden bleiben solle."

Jagow habe ihm widersprochen: "Nach meiner Auffassung sei aus den von uns angegebenen Gründen die Beseitigung des jüdischen Gefahrenherdes eine internationale Frage. Wenn er sich über Lösungsmöglichkeiten Klarheit verschaffen wolle, sei es vielleicht zweckmäßig, einige ungarische Experten mit deutschen Experten zusammen zu bringen. Letztere würden sicherlich in der Lage sein, auf Grund gesammelter Erfahrungen zweckmäßige Ratschläge zu geben." (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 100)

Norwegen

Gesetz der von den Deutschen eingesetzten Regierung Quisling über die Beschlagnahme "jüdischer Vermögen". Nach vorbereiteten Listen werden die meisten jüdischen Frauen, Männer und Kinder festgenommen und zur Vorbereitung der Deportation interniert.
Das Vorgehen der Deutschen gegen die Juden löst Proteste der norwegischen Bevölkerung und der Kirchen aus. (EdH, S. 1015)

27.10.1942

Niederlande/Auschwitz

Aus Westerbork werden 841 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 205 Frauen und 224 Männer werden als Häftlinge übernommen; 412 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 327)

Zweite Sterilisationskonferenz auf Einladung des RSHA

Gesprochen wird über die Sterilisierung der "Mischlinge ersten Grades" ("Halbjuden"). Sie soll "auf freiwilliger Grundlage" erfolgen, was tatsächlich bedeutet, daß sie die einzige Alternative zur Deportation sein soll. Bei Ehen zwischen "Mischlingen ersten Grades" und "Deutschblütigen" ist die Zwangsscheidung (und folgende Deportation des jüdischen Partner) vorgesehen, mit der Sterilisation als "freiwilligem" Ausweg.

Das Vorhaben kam jedoch nicht über das Planungsstadium hinaus.

27. - 28.10.1942

Generalgouvernement

In Krakau treiben die Deutschen 7.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder zusammen. 600 Menschen werden unmittelbar im Verlauf der Polizeiaktion ermordet. Das Krankenhaus, das Altersheim und das Waisenhaus werden "geräumt". Die meisten Festgenommenen werden in das Vernichtungslager Belzec abtransportiert, die übrigen nach Auschwitz. Anschließend wird das Ghetto abermals verkleinert und in zwei Teile getrennt, wobei in der einen Hälfte die "Arbeitsfähigen" untergebracht werden. (EdH, S. 809-810)

Aus dem Ghetto von Chelm bei Lublin werden 3.300 Juden in das Vernichtungslager Sobibor abtransportiert. Am 9. November 1942 wird das Ghetto aufgelöst. (EdH, S. 280)

28.10.1942

Protektorat/Auschwitz

Der erste Deportationszug aus Theresienstadt trifft mit 1.866 Menschen in Auschwitz ein. Nach der "Selektion" werden 32 Frauen und 215 Männer in den Lager eingewiesen, 1.619 Menschen werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 327-328)

Italien/Kroatien

Bericht des deutschen Botschafters in Rom, Mackensen, an das Auswärtige Amt.

  1. Mussolini habe dem zuständigen militärischen Oberkommando die Anweisung erteilt, sofort alle Juden, die sich in der italienischen Zone des ehem. Jugoslawiens aufhalten, in Lagern zu internieren.
  2. Die Juden sollen in zwei Gruppen aufgeteilt werden: die unter italienische Zuständigkeit Fallenden und die als kroatische Staatsbürger zu Betrachtenden. Diese sollen sobald als möglich, d.h. nach Aussortierung der ersten Gruppe,  den kroatischen Behörden  übergeben werden. (ADAP, Serie E, Bd. IV, Nr. 110)

Die italienischen Behörden verzögerten jedoch die Ausführung der Anweisung, so daß zahlreiche Juden italienischer Staatsangehörigkeit nach Italien ausreisen konnten. Die anderen wurden interniert und im Sommer 1943 in ein Lager auf der Insel Rab gebracht. Zum Zeitpunkt der italienischen Kapitulation im Herbst 1943 befanden sich dort rund 2.650 Gefangene. (Benz, Dimension, S. 325)

29.10.1942

Auschwitz

Aus dem KL Dachau werden 499 Häftlinge verschiedener Nationalität nach Auschwitz eingeliefert. Sie sollen in den Buna-Werken der IG Farben arbeiten. (Czech, S. 328)

Erlaß des Reichswirtschaftsministers

Juden, die im ersten Weltkrieg gekämpft haben oder verletzt wurden, wird in Zukunft der sog. Haushaltspass nicht mehr ausgestellt. Damit entfällt auch für Menschen dieser Gruppe die Möglichkeit, rationierte Waren zu erwerben.
Für "Mischlinge" bleibt eine Sonderregelung bestehen. (Walk, S. 391)

29.10. - 01.11.1942

RK Ukraine

Deutsche Polizeibataillone treiben die Bewohner des Ghettos von Pinsk (Weißrußland), insgesamt 15.- 20.000 Menschen, zusammen, um sie an einem Sammelplatz zu erschießen. Kranke, Alte und Kinder werden sofort in Häusern und Höfen des Ghettos ermordet. Mehrere Dutzend Juden können fliehen oder sich verstecken. Nur 143 Fachhandwerker bleiben am Leben und werden in ein Lager gesperrt, das am 23. Dezember ebenfalls "liquidiert" wird.

Vor dem deutschen Einmarsch hatten in Pinsk 30.000 jüdischen Menschen gelebt, etwa 70% der Stadtbevölkerung. (EdH, S. 1113-1114)

Himmler hatte die sofortige Vernichtung des Ghettos von Pinsk am 27. Oktober angeordnet, da es "als Zentrale der gesamten Bandenbewegung in den Pripjet-Sümpfen anzusehen" sei, durch die der deutsche Truppennachschub gefährdet werde. (Heiber, Himmler-Briefe, S. 165)

Ende Oktober-Anfang November 1942

Der polnische Untergrundkämpfer und Kurier Kozielewski mit dem Decknamen Jan Karski bringt der polnischen Exilregierung in London Berichte über die Deportationen aus Warschau und die Vernichtungslager; er trifft auch mit Churchill, anderen britischen Regierungsmitgliedern und internationalen Journalisten zusammen.