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16.09.1942
Niederlande/Auschwitz
Aus Westerbork kommt ein Deportationszug mit 902 Menschen in Auschwitz an. Etwa 200 Männer wurden wahrscheinlich schon während der Fahrt für den Arbeitseinsatz ausgesondert. Nach der "Selektion"
in Auschwitz werden 47 Männer und 29 Frauen als Häftlinge registriert; vermutlich mehr als 600 Menschen werden in die Gaskammern geschickt.
Frankreich
Ankunft eines Deportationszugs aus Frankreich mit etwa 1.000 Menschen in Auschwitz. Etwa 250 Männer wurden schon während der Fahrt zur Zwangsarbeit ausgesondert. Nach der "Selektion"
in Auschwitz werden 56 Männer und 49 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 303)
Frankreich/Ungarn
Mitteilung des deutschen Botschafters in Paris, Abetz, an das Auswärtige Amt.
Gemäß einer Mitteilung des AA vom 2. Juli, daß die ungarische Regierung an ihren in Frankreich lebenden jüdischen Staatsangehörigen nicht interessiert sei, seien die antijüdischen Maßnahmen auf diesen Personenkreis ausgeweitet worden. Am 14. September habe aber der ungarische Generalkonsul in Paris dagegen protestiert und behauptet, seine Regierung habe niemals eine solche Erklärung abgegeben und habe auch niemanden zur Abgabe von Erklärungen in diesem Sinn bevollmächtigt. Außerdem habe er die Freilassung aller Personen mit ungarischen Pässen gefordert. - Abetz erbittet Direktiven. (Braham, Destruction I, Nr. 29)
Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, von Weizsäcker, nimmt Stellung zu einer Anfrage des RSHA vom 12. August hinsichtlich der Position des AA zur Frage der Behandlung von "Mischlingen"
und "Mischehen"
.
"Zu einem sachlichen Urteil über die hier geplanten gesetzgeberischen Maßnahmen scheinen mir dem Auswärtigen Amt die Unterlagen und Vorkenntnisse zu fehlen. Ich glaube, wir sollten uns daher auf die allgemeine Feststellung beschränken, daß die jeweils mildere der zur Diskussion stehenden Lösungen vom außenpolitischen Gesichtspunkt aus den Vorzug verdient, um
- a) der Gegenpropaganda Ansatzpunkte zu entziehen,
- b) das Mitgehen der zu interessierenden anderen europäischen Staaten zu erleichtern." (ADAP, Serie E, Bd. III, Nr. 290)
17.09.1942
Belgien/Auschwitz
Aus dem belgischen Lager Malines kommt ein Transport mit 1.048 Juden, darunter 264 Kinder, in Auschwitz an. Nach der "Selektion"
werden 101 Frauen und 230 Männer in das Lager eingewiesen. Die anderen 717 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 303)
Ungarn/Frankreich u.a.
Note der ungarischen Botschaft in Berlin an das Auswärtige Amt.
Das Eigentum der ungarischen Juden im besetzten Frankreich, in Belgien und den Niederlanden stellt einen Teil des ungarischen Nationalvermögens dar. Außerdem beansprucht die ungarische Regierung das Recht, die Freilassung internierter ungarischer Juden in diesen Gebieten erwirken zu können. (Braham, Destruction I, Nr. 21)
Schreiben des Kattowitzer Oberpräsidenten, Gauleiter Bracht, an Himmler.
"Dieser Krieg hat noch keinen Namen. Die Bezeichnung '2ter Weltkrieg' bürgert sich nicht ein. Ich schlage vor 'der jüdische Krieg'. Es geht letzten Endes um die Machtstellung Judas. (...) Wenn diese Bezeichnung 'der jüdische Krieg' erst einige Male gut in der Presse lanciert worden ist, kann die Presse sehr bald angewiesen werden, nur noch vom 'jüdischen Krieg' zu reden. Es wird auf alle Völker des europäischen Kulturkreises, einschließlich der Angelsachsen, eine gute propagandistische Wirkung haben, wenn in Radio und Presse nur noch vom 'jüdischen Krieg' gesprochen wird." (Adler, S. 66)
Goebbels-Tagebuch
"Durch Speers rigoroses Eingreifen"
sei es zwar gelungen, die Munitionsproduktion stark zu erhöhen, aber es fehle überall an Kohle und Eisen. "Würden wir rücksichtslos die dafür benötigten Arbeitskräfte einsetzen, so wäre dieses Problem natürlich mit Leichtigkeit zu lösen. Ich vereinbare mit Speer, dass wir die in Berlin in Rüstungsbetrieben tätigen Juden nun zwar im Augenblick noch nicht restlos nach dem Osten abschieben, sie aber konzentrieren und sie einheitlich in großen außerhalb der Reichshauptstadt liegenden Fabrikbetrieben einsetzen. Damit haben wir wenigstens die Gefahr beseitigt, dass sie als stimmungsbildender Faktor in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten, und auch, dass sich aus ihren Reihen verzweifelte Elemente herauskristallisieren, die staatsgefährliche Handlungen, unter Umständen Attentate begehen."
18.09.1942
Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft
Juden erhalten ab 19. Oktober eine Vielzahl von Lebensmitteln überhaupt nicht mehr - insbesondere Fleisch und Fleischprodukte, Eier, Weizenprodukte und Frischmilch. Jüdische Kinder erhalten nicht die anderen Kindern zustehenden Zulagen wie Kunsthonig, Kakaopulver und Marmelade. Die Bestimmungen für Kranke sowie für schwangere und stillende Mütter sind auf Juden nicht anzuwenden. Juden werden von den Sonderzuteilungen für Lang-, Nacht-, Schwer- und Schwerstarbeiter ausgeschlossen. Nichtrationierte Lebensmittel, die nur zeitweise und in begrenzten Mengen erhältlich sind, dürfen nicht an Juden abgegeben werden. Für Juden sollen "zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten bei der Versorgung der arischen Bevölkerung"
spezielle Einkaufszeiten bestimmt werden. Geschenkpakete aus dem Ausland werden voll auf die Rationen angerechnet bzw. eingezogen, wenn es sich um rationierte Waren handelt.
Ausnahmen können zugelassen werden für "Juden, die nachweislich am Weltkriege oder an innerdeutschen Kämpfen als Zeitfreiwillige usw. teilgenommen und hierbei eine Verwundung erlitten haben"
, sofern die Gestapo zustimmt. Die Ausnahme gilt nicht für Angehörige von Kriegsteilnehmern, auch nicht für Witwen Gefallener oder an den Folgen einer Verwundung Gestorbener. (IMT, PS-1347)
Frankreich/Auschwitz
Ein Deportationszug aus Frankreich mit 1.003 Menschen kommt in Auschwitz an. Wahrscheinlich etwa 300 Männer wurden schon während der Fahrt für Zwangsarbeitslager ausgesondert. Lediglich 147 Frauen werden in Auschwitz als Häftlinge übernommen, mehr als 500 Menschen in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 304)
Himmler vereinbart mit dem neuernannten Reichsjustizminister Thierack u.a. folgendes:
"Auslieferung asozialer Elemente aus dem Strafvollzug an den Reichsführer SS zur Vernichtung durch Arbeit. Es werden restlos ausgeliefert die Sicherungsverwahrten, Juden, Zigeuner, Russen und Ukrainer, Polen über drei Jahre Strafe, Tschechen oder Deutsche über acht Jahre Strafe nach Entscheidung des Reichsjustizministers. (...)
Es besteht Übereinstimmung darüber, daß in Rücksicht auf die von der Staatsführung für die Bereinigung der Ostfragen beabsichtigten Ziele in Zukunft Juden, Polen, Zigeuner, Russen und Ukrainer nicht mehr von den ordentlichen Gerichten, soweit es sich um Strafsachen handelt, abgeurteilt werden sollen, sondern durch den Reichsführer SS erledigt werden." (Czech, S. 304)
19.09.1942
Slowakien/Auschwitz
Ein Transport mit slowakischen Juden kommt in Auschwitz an. 206 Männer und 71 Frauen werden als Häftlinge registriert, die anderen werden unmittelbar in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 305)
Ein Deportationszug mit rund 2.000 Menschen geht aus Theresienstadt nach Minsk ab.
Erlaß des Reichssicherheitshauptamtes
Nichtjüdische Ehefrauen von Juden, die automatisch ihre Staatsbürgerschaft verloren haben (weil sie deportiert wurden), können ebenfalls ausgebürgert werden, wenn sie eine Trennung von ihrem jüdischen Ehemann ablehnen oder wenn eine Rückkehr aus sonstigen Gründen nicht in Frage kommt - also die Frau bereits mit ihrem Mann deportiert wurde. Ebenso können auch die aus solchen Ehen stammenden Kinder einbezogen werden. (Walk, S. 387)
Generalgouvernement
In Brody (Ukraine) treiben deutsche und ukrainische Polizisten 2.000 Juden zusammen, die dann in das Vernichtungslager Belzec abtransportiert werden. Unmittelbar während der "Razzia"
werden 300 Menschen ermordet. (EdH, S. 243)
20.09.1942
Niederlande/Auschwitz
Aus dem niederländischen Lager Westerbork kommt ein Deportationszug mit 1.002 Menschen in Auschwitz an. Etwa 200 Männer wurden bereits während der Fahrt für verschiedene Arbeitslager ausgesondert. Nach der "Selektion"
in Auschwitz werden 111 Frauen und 101 Männer als Häftlinge registriert; die anderen annähernd 600 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.
Frankreich
Ein Transport mit 1.000 Juden trifft aus dem französischen Lager Drancy in Auschwitz ein. Etwa 200 arbeitsfähige Männer wurden bereits unterwegs ausgesondert. In Auschwitz werden 110 Frauen und 31 Männer in das KL eingewiesen; die anderen vermutlich mehr als 650 Menschen werden in die Gaskammern geschickt. (Czech, S. 305)
21.09.1942
Ein Deportationszug mit rund 2.020 Menschen geht aus Theresienstadt nach Minsk ab, wo sie, vermutlich am 25. September, am Rand von Massengräbern erschossen werden.
Generalgouvernement
In Bereshany (Ukraine) treiben die Deutschen 1.500 Menschen zusammen und deportieren sie in das Vernichtungslager Belzec. Am 15. Oktober werden die noch lebenden Juden von Bereshany in ein Ghetto gesperrt. (EdH, S. 186)
22.09.1942
Niederlande/Auschwitz
Aus Westerbork werden 713 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 133 Männer und 50 Frauen werden als Häftlinge registriert, die anderen 530 werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 306)
22.09. - 08.10.1942
Generalgouvernement
Deportationen aus Tschenstochau (Südwestpolen) in das Vernichtungslager Treblinka.
Insgesamt wurden 39.000 Menschen abtransportiert. Ältere Menschen im Altersheim und die Kinder im Waisenhaus wurden auf der Stelle ermordet. Etwa 2.000 Menschen konnten entkommen oder sich in der Stadt verbergen. Nach den Deportationen lebten im sog. Kleinen Ghetto von Tschenstochau noch etwa 5.000 Menschen, die als arbeitsfähig eingestuft worden waren. (EdH, S. 1434)
23.09.1942
Slowakien/Auschwitz
Aus einem Transport mit einer nicht bekannten Zahl jüdischer Menschen aus Slowakien werden 294 Männer und 67 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen werden in den Gaskammern ermordet.
Frankreich
Aus dem französischen Lager Pithiviers kommt ein Deportationszug mit 1.000 Menschen in Auschwitz an. Bei einer ersten "Selektion"
während der Fahrt waren wahrscheinlich etwa 150 arbeitsfähige Männer schon ausgesondert worden. In Auschwitz werden 144 Frauen und 65 Männer in das Lager eingewiesen, während mehr als 600 Menschen in die Gaskammern geschickt wurden. (Czech, S. 307)
RK Ukraine
SS und ukrainische Hilfskräfte riegeln das Anfang des Monats errichtete Ghetto von Tutschin ab, offenbar zur Vorbereitung der Deportation der Bewohner.
Die Gemeindeführung hatte für diesen Fall seit dem deutschen Vorgehen im benachbarten Rowno (Mitte Juli 1942) bewaffneten Widerstand geplant und vorbereitet. Als am Morgen des 24. September deutsche und ukrainische Polizeikräfte in das Ghetto eindrangen, gelang etwa 2.000 Menschen die Flucht in die Wälder der Umgebung. Die Hälfte der Geflüchteten wurde jedoch innerhalb von drei Tagen gefangengenommen und getötet. Die Kämpfe im Ghetto endeten erst am 26. September, als sich die Führer der Revolte den Deutschen ergaben und erschossen wurden. (EdH, S. 1442-1443)
Ein Deportationszug mit rund 1.980 Menschen geht aus Theresienstadt nach Minsk ab.
WELTKRIEGSEREIGNISSE
16.09.1942
Deutsche Truppen dringen in das Gebiet der Stadt Stalingrad ein.