CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

Funktionen für die Darstellung

Schriftgröße:
Darstellung:

Seitenpfad

08.04.1943

Rundschreiben des Vertrauensmanns der privilegierten Mischehen.

  1. Für den Briefwechsel mit Einwohnern von Theresienstadt werden Beschränkungen angeordnet. Die Briefe dorthin müssen über die Reichsvereinigung der Juden geschickt werden.
  2. Geschenksendungen nach Theresienstadt sind verboten.
  3. Über jede Änderung des Arbeitsplatzes ist sofort zu berichten. (Walk, S. 397)

08. - 09.04.1943

Generalgouvernement

1.000 Menschen werden aus dem Ghetto von Tarnopol (Ukraine) abgeführt und am Stadtrand erschossen.

09.04.1943

Griechenland/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Saloniki werden 2.500 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 318 Männer und 161 Frauen als Häftlinge registriert; 2.021 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Ein Transport mit österreichischen Zigeunern kommt in Auschwitz an. 61 Frauen und Mädchen sowie 52 Männer und Jungen werden in das Lager übernommen. (Czech, S. 463)

10.04.1943

Griechenland/Auschwitz

Ankunft eines Zuges mit etwa 2.750 Menschen aus dem Ghetto von Saloniki in Auschwitz. 246 Frauen und 537 Männer werden in das Lager eingewiesen; die anderen etwa 1.967 Menschen werden in den Gaskammern getötet.

Aus dem KL Mauthausen werden auf Anordnung des WVHA 658 Häftlinge zur Arbeit in den Buna-Werken nach Auschwitz überstellt. (Czech, S. 464)

13.04.1943

Griechenland/Auschwitz

Ankunft eines Transports mit etwa 2.800 Menschen aus dem Ghetto von Saloniki in Auschwitz. 364 Frauen und 500 Männer werden in das Lager eingewiesen; die anderen Menschen aus diesem Zug werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 468)

Niederlande

Aus Westerbork geht ein Zug mit 1.204 jüdischen Menschen nach Sobibor ab.

Kroatien/Italien

Der deutsche Gesandte in Zagreb, Kasche, an das Auswärtige Amt.

Die Deportation der letzten Juden aus Kroatien verzögert sich wegen noch nicht vollständig durchgeführter Erfassung. Mit Beginn des Abtransports ist in etwa 14 Tagen zu rechnen; 1.500 Juden sollen davon betroffen sein. Die Verhandlungen mit italienischen Stellen über die Deportation der Juden aus der von Italien besetzten dalmatinischen Küstenzone seien nicht vorangekommen. Die Juden seien von den Italienern in Lagern und Hotels untergebracht worden, "wo ihnen äußerst gute und zuvorkommende Behandlung zuteil wird". (ADAP; Serie E, Bd. V, Nr. 298)

Slowakien

Der deutsche Gesandte in Bratislawa, Ludin, an das Auswärtige Amt.

Die slowakischen Bischöfe haben den katholischen Geistlichen einen gegen die antijüdischen Maßnahmen gerichteten Hirtenbrief zur Verlesung in allen Kirchen am 21. März zugestellt. Insgesamt habe der Hirtenbrief aufgrund der "aus Erfahrung grundsätzlich antisemitischen Einstellung des slowakischen Volkes" sowie wegen der "in den letzten Jahren konsequent durchgeführten und von uns gesteuerten antisemitischen Propaganda" keine günstige Aufnahme gefunden.

Ministerpräsident Tuka habe ihn jedoch gebeten, Deutschland möge verbreiteten "Greuelmärchen" über Massenmorde an Juden in der Ukraine entgegentreten. Es wäre, so Tuka, propagandistisch wertvoll, wenn eine slowakische Delegation, der vielleicht auch ein katholischer Geistlicher angehören sollte, ein deutsches Judenlager besuchen könnte.

"An der grundsätzlichen Einstellung der slowakischen Regierung zur Judenfrage bzw. an der grundsätzlichen Entschlossenheit gewisser Regierungskreise zur Aussiedlung der Juden hat sich nach meinen Beobachtungen durch den Hirtenbrief nichts geändert. Es kann im Gegenteil festgestellt werden, daß auch bei Persönlichkeiten, die bisher der Judenaussiedlung gegenüber sehr zurückhaltend waren, größere Bereitschaft zur Fortführung der Aktion besteht."

"Ich habe unsere Propagandastellen angewiesen, die antisemitische Propaganda konsequent fortzusetzen, zum Hirtenbrief jedoch sowie zur Frage der Judenaussiedlung keine Stellung zu nehmen. Gleichermaßen vermied ich es auch weiterhin, in Fragen der Judenaussiedlung irgendwelchen Druck auf die slowakische Regierung auszuüben. (...) Grundsätzlich stehe ich natürlich auf dem Standpunkt, daß die möglichst schnelle und vollständige Aussiedlung der Juden aus der Slowakei dringend erwünscht ist." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 299)

14.04.1943

Rumänien

Gespräch zwischen Außenminister Ribbentrop und dem rumänischen Staatschef Marschall Antonescu.

Antonescu beschwert sich, "daß ihm beim Abtransport rumänischer Juden über Bulgarien nach Palästina auf Betreiben deutscher Stellen" von den Bulgaren Schwierigkeiten beim Transit gemacht würden. Auf eine Frage Ribbentrops, "ob nicht rumänische Juden nach Rußland geschickt werden könnten", erwähnt Antonescu, daß er gern 100.000 Juden in der Gegend von Kriwoi-Rog ansiedeln würde, um sie dort in der Bergwerksindustrie einzusetzen. "Er bitte aber, sie nicht umbringen zu lassen, da er in einem früheren Stadium sich veranlaßt gesehen habe, die Entsendung rumänischer Juden nach Deutschland einzustellen, als sich herausstellte, daß sie dort lediglich umgebracht wurden." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 300)

Auschwitz

Ein Transport mit Zigeunern aus dem Reichsgebiet kommt in Auschwitz an. 15 Frauen und Mädchen sowie 20 Männer und Jungen werden in das Lager übernommen. (Czech, S. 468)

Türkei/Südosteuropa

Das Auswärtige Amt an die deutsche Botschaft in Ankara:

Die Regierungen Englands und der USA seien bemüht, Rumänien, Bulgarien und Ungarn zu veranlassen, die Ausreise jüdischer Kinder nebst erwachsenem Begleitpersonal nach Palästina zu erlauben. Die Verhandlungen hätten schon zur Ausreise kleiner Gruppen von Juden geführt.

Die deutsche Regierung betrachtet diese Vorgänge als "unerwünscht". Die Vertretungen in Bukarest, Sofia und Budapest wurden angewiesen, "darauf hin zu wirken, daß derartige Ausreisen in Zukunft unterbleiben". Die rumänische Regierung habe eine entsprechende Zusage gegeben.

Möglicherweise seien die "Feindmächte" auch an die türkische Regierung mit der Bitte herangetreten, beim Transit zu helfen. Das AA lege Wert auf Informationen darüber sowie auf einen Bericht, ob nach Ansicht der Botschaft eine Möglichkeit besteht, die türkische Regierung zu veranlassen, keine Transitvisa zu erteilen. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 303)