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16.02.1943
Generalgouvernement
Anweisung Himmlers an den SS- und Polizeichef des Generalgouvernements, Krüger.
Das Warschauer Ghetto soll nach Deportation der letzten Bewohner zerstört und völlig abgerissen werden. Das sei "notwendig, da wir Warschau sonst wohl niemals zur Ruhe bringen werden und das Verbrecherunwesen bei Verbleiben des Ghettos nicht ausgerottet werden kann.
(Heiber, Himmler-Briefe, S. 190)
Für die Niederlegung des Ghettos ist mir ein Gesamtplan vorzulegen. Auf jeden Fall muß erreicht werden, daß der für 500.000 Untermenschen bisher vorhandene Wohnraum, der für Deutsche niemals geeignet ist, von der Bildfläche verschwindet und die Millionenstadt Warschau, die immer ein gefährlicher Herd der Zersetzung und des Aufstandes ist, verkleinert wird."
17.02.1943
Griechenland
Anordnungen über die Kennzeichnung von Wohnungen, Büros, Geschäften und Grundstücken in jüdischem Besitz.
18.02.1943
Ostoberschlesien/Auschwitz
Aus einem Arbeitslager in Chrzanów werden 1.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert und ohne "Selektion"
alle unmittelbar in die Gaskammern geschickt.
Niederlande
Aus dem Lager Westerbork werden 1.108 jüdische Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 200 Männer und 61 Frauen werden als Häftlinge registriert; die anderen 847 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 416)
Frankreich/Italien
Die italienischen Stellen weigern sich, in ihrer Besatzungszone die Festnahme und den Abtransport aller ausländischen Juden durchzuführen.
In der italienischen Zone Frankreichs lebten im Sommer 1943 etwa 50.000 jüdische Menschen. Nach dem Rückzug der italienischen Truppen im August/September 1943 fielen die meisten von ihnen in die Hände der Deutschen.
Ungarn
Das Auswärtige Amt an die deutsche Botschaft in Budapest.
Die Botschaft soll der ungarischen Regierung mitteilen, daß Deutschland seine allgemeinen antijüdischen Maßnahmen vom 1. April an auch gegen Juden ungarischer Staatsangehörigkeit im Generalgouvernement, den baltischen Ländern und in den besetzten sowjetischen Gebieten anwenden werde. - Die ungarische Regierung erklärt sich nicht einverstanden. (Braham, Destruction I, Nr. 8)
Rede von Goebbels im Berliner Sportpalast
(Proklamierung des "totalen Krieges"
)
"Wäre die deutsche Wehrmacht nicht in der Lage, die Gefahr aus dem Osten zu brechen, so wäre damit das Reich und in kurzer Folge ganz Europa dem Bolschewismus verfallen. (...)
Das Ziel des Bolschewismus ist die Weltrevolution der Juden. Sie wollen das Chaos über das Reich und über Europa hereinführen, um in der daraus entstehenden Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung der Völker ihre internationale, bolschewistisch verschleierte kapitalistische Tyrannei aufzurichten. (...)
Man wird, um das hier nur zu erwähnen, in diesem Zusammenhang auch unsere konsequente Judenpolitik verstehen können. Wir sehen im Judentum für jedes Land eine unmittelbare Gefahr gegeben. Wie andere Völker sich gegen diese Gefahr zur Wehr setzen, ist uns gleichgültig. Wie wir uns aber dagegen zur Wehr setzen, das ist unsere eigene Sache, in die wir keinerlei Einsprüche dulden. Das Judentum stellt eine infektiöse Erscheinung dar, die ansteckend wirkt. Wenn das feindliche Ausland gegen unsere antijüdische Politik scheinheilig Protest einlegt und über unsere Maßnahmen gegen das Judentum heuchlerische Krokodilstränen vergießt, so kann uns das nicht daran hindern, das Notwendige zu tun. Deutschland jedenfalls hat nicht die Absicht, sich dieser Bedrohung zu beugen, sondern vielmehr die, ihr rechtzeitig und wenn nötig mit den radikalsten Gegenmaßnahmen entgegenzutreten."
(zustimmende Spechchöre hindern Goebbels minutenlang am Weiterreden.) (Heiber, Goebbels-Reden II, S. 172ff)
20.02.1943
Auschwitz
Ankunft eines Deportationszugs aus Berlin mit 1.000 jüdischen Menschen in Auschwitz. Nach der "Selektion"
werden 140 Männer und 85 Frauen als Häftlinge registriert; 775 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 418)
Ungarn
Aufzeichnung von Fränk, Organisation Todt.
Nach der Entscheidung, keine Arbeiter aus Jugoslawien oder Bulgarien heranzuziehen, hat Himmler dem Einsatz von etwa 10.000 ungarischen Juden in den Kupferminen von Bor (Jugoslawien), wo mehr als die Hälfte des deutschen Kupferverbrauchs gefördert wird, zugestimmt. Die ungarische Armee habe sich bereits damit einverstanden erklärt. Rüstungsminister Speer bitte jetzt Außenminister Ribbentrop, die politischen Voraussetzungen für die Zustimmung Ungarns herzustellen. (Braham, Destruction I, Nr. 58)
Richtlinien für die "technische Durchführung der Evakuierung"
, unterschrieben von Eichmanns Stellvertreter Günther.
Folgende Personen sollen vorerst von der Deportationen ausgenommen werden:
- In Mischehe lebende Juden, sowie
a) jüdische Ehegatten aus nicht mehr bestehenden Mischehen, die vom Kennzeichnungszwang befreit sind.
b) Geltungsjuden, sofern sie nicht mit einem Juden verheiratet sind. (Als Geltungsjuden wurden"Halbjuden"
jüdischer Konfession bezeichnet) - Juden, die auf Grund besonderer Erlasse des RSHA vorläufig von der Evakuierung zurückgestellt sind.
- Juden über 65 Jahren. Bei jüdischen Ehen, in denen ein Partner unter 65 und der andere über 65 Jahre alt ist, können beide deportiert werden.
- Träger des Verwundetenabzeichens oder hoher Tapferkeitsauszeichnungen aus dem 1. Weltkrieg.
- Österreichische
"Geltungsjuden"
, die nicht vor dem Stichtag 15.9.1935, doch vor dem Anschluß Österreichs aus der jüdischen Religiongemeinschaft ausgetreten sind.
Mit Ausnahme der Gruppen 1 a und 5 sollen diese Juden später nach Theresienstadt deportiert werden. (Adler, S. 199-200)
22.02.1943
Bulgarien/Griechenland
Der bulgarische Kommissar für Judenangelegenheiten (KEV), Belev, unterzeichnet mit dem deutschen "Judenberater"
Dannecker ein Geheimabkommen über die Deportation von 20.000 Juden aus den annektierten Gebieten Griechenlands und Jugoslawiens sowie aus einem Teil Altbulgariens. Die bulgarische Regierung sichert zu, in keinem Fall die Rückkehr der Deportierten zu verlangen. Zunächst sollen bis spätestens Ende Mai 1943 die thrakischen Juden abtransportiert werden.
Die KEV-Vertreter und Distriktgouverneure in Altbulgarien werden am 22./23. Februar aufgefordert, dem Kommissariat innerhalb von 24 Stunden Listen von allen Juden zu übersenden, die "reich, prominent und allgemein gut bekannt"
, als "Repräsentanten jüdischen Geistes"
oder als "Anhänger staatsfeindlicher Ideen"
hervorgetreten seien.
Belev erhielt daraufhin die Namen von ca. 9.000 Juden, von denen er 8.400 auswählte. Am 8. März sandte Belev die Namen dieser Juden an die Regionalpolizei mit der Anweisung zu ihrer Festnahme. Die örtlichen Verhaftungsaktionen wurden zum Teil vorgenommen, doch wurde die Absicht, die Juden Altbulgariens zu deportieren, auf Grund breiten politischen Widerstands nicht ausgeführt. (Benz, Dimension, S. 289-291)
23.02.1943
Auschwitz
Ein Transport aus Breslau (Schlesien) mit etwa 1.000 jüdischen Menschen aus dem Reichsgebiet kommt in Auschwitz an. Nur sechs Männer bleiben als Häftlinge zunächst am Leben, die anderen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 420)