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08.01.1943
Etwa 100 Wiener Jüdinnen und Juden werden nach Theresienstadt abtransportiert.
09.01.1943
Rumänien
Unterstaatssekretär Luther an die deutsche Gesandtschaft in Bukarest.
Die rumänische Absicht, mehrere zehntausend Juden nach Palästina ausreisen zu lassen (s.12.12.42), "stellt innerhalb der von der deutschen Regierung verfolgten Grundlinien einer europäischen Lösung der Judenfrage eine untragbare Teillösung dar, deren Durchführung mit allen Mitteln verhindert werden sollte."
Den Rumänen sollen die "allerschwersten Bedenken"
mitgeteilt werden. "Neben den dort bereits vorgebrachten Argumenten, daß eine solche Auswanderung eine schwere Belastung des Vertrauensverhältnisses zu unseren politischen Freunden im Vorderen Orient darstellen müßte, würde die Maßnahme bedeuten, daß wir 80.000 innerlich auf der Seite unserer Kriegsgegner stehende Juden diesen unmittelbar in die Hände spielen würden. (...)
Im übrigen müßte man sich über die grundsätzliche Tragweite einer solchen Maßnahme im klaren sein. Sie könne nicht ohne Rückwirkungen in Europa bleiben, nachdem es längst bekannt ist, daß man auf unserer Seite zum mindesten seit Beginn und während der Dauer des Krieges eine solche Lösung entschieden ablehnt. Auf der anderen Seite wäre es unausbleiblich, daß der Gegner versuchen würde, aus dieser Maßnahme einen Gegensatz zwischen den Achsenmächten zu konstruieren, ohne daß Rumänien deswegen in der Feindpropaganda mit einer milderen Beurteilung seiner Judenpolitik rechnen könne."
(ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 28)
11.01.1943
Etwa 100 jüdische Menschen aus Wien werden nach Theresienstadt abtransportiert.
12.01.1943
Italien/Griechenland
Gesandter Altenburg informiert seinen italienischen Kollegen, daß Deutschland die Abschiebung der Juden aus Griechenland ins Generalgouvernement plant. Juden italienischer und neutraler Staatsangehörigkeit würden davon aber nicht betroffen. (Benz, Dimension, S. 252)
13.01.1943
Auschwitz
Aus Berlin werden 1.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Lediglich 127 Männer werden in das KL eingewiesen; die anderen 873 Menschen werden in den Gaskammern getötet.
Niederlande
750 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem niederländischen Lager Westerbork werden nach Auschwitz eingeliefert. 101 Frauen und 88 Männer werden als Häftlinge registriert; 561 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.
Bezirk Bialystok
Aus dem Ghetto in Zambrów kommt ein Deportationszug mit etwa 2.000 Menschen in Auschwitz an. Nach der "Selektion"
werden 148 Männer und 50 Frauen als Häftlinge registriert, während die anderen 1.802 Menschen direkt in die Gaskammern geschickt werden. (Czech, S. 382-383)
Generalgouvernement
Aus dem Szwarlikowska-Lager in Radom werden 1.500 jüdische Zwangsarbeiter nach Treblinka deportiert und dort ermordet.
Dänemark
Memorandum des Reichsbevollmächtigten Best.
In den vom RSHA "empfohlenen"
antijüdischen Maßnahmen würden die Dänen den Auftakt zu Maßnahmen gegen sich selbst sehen. Deshalb würden sich alle Sektoren der dänischen Gesellschaft Sondermaßnahmen gegen die Juden nach deutschem Vorbild widersetzen. Die dänische Regierung habe für diesen Fall ihren Rücktritt angekündigt. Eine neue verfassungsmäßige Regierung könnte dann nicht wieder gebildet werden, da König und Reichstag die Zustimmung verweigern würden.
Deutschland müßte dann Dänemark direkt als Besatzungsmacht verwalten. Eine solche Entwicklung würde "alle Hemmungen der dänischen Bevölkerung beseitigen und ihren allgemeinen passiven und z.T. aktiven Widerstand gegen die Besatzung auslösen"
. Das würde den Einsatz starker deutscher Polizeikräfte und wahrscheinlich auch militärischer Kräfte erforderlich machen. "Die leichteste und sparsamste Art, Dänemark im deutschen Sinne zu lenken"
, bestehe in der Fortsetzung der bisherigen Methoden.
Ohne politischen Schaden seien hingegen schon folgende Maßnahmen möglich, "die geeignet sind, für eine spätere totale Lösung der Judenfrage in Dänemark den Boden vorzubereiten"
:
- "Systematische Entfernung aller Juden aus dem öffentlichen Leben (...) - indem sie einzeln der dänischen Regierung als für eine Zusammenarbeit untragbar bezeichnet werden;
- systematische Entfernung aller Juden aus dem deutsch-dänischen Wirtschaftsverkehr, indem bei deutschen Aufträgen zur Auflage gemacht wird, daß an der dänischen Firma keine Juden beteiligt sein dürfen;
- einzelne Zugriffe gegen Juden durch die deutsche Exekutive mit der Begründung politischer oder krimineller Vergehen."
In diese drei Richtungen habe er schon Maßnahmen eingeleitet. Außerdem werde von seiner Behörde "zur Vorbereitung einer späteren totalen Lösung der Judenfrage in Dänemark"
eine Übersicht über die dortigen Juden erstellt. Deren Gesamtzahl liege bei etwa 6.000 Menschen. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 39)
Luther (AA) empfiehlt Ribbentrop, Bests Vorschläge als "ersten Schritt zur Lösung der Judenfrage"
zu akzeptieren. Der Außenminister entscheidet daraufhin, den Erfolg von Bests "vorbereitenden Maßnahmen"
abzuwarten.
Italien/besetzte Gebiete
Außenminister Ribbentrop an die deutsche Botschaft in Rom.
Die italienische Einstellung zur Behandlung der "Judenfrage"
weiche von der deutschen erheblich ab.
"Während wir das Judentum als eine Krankheit erkannt haben, die einen Volkskörper zu zersetzen droht und die den Neuaufbau Europas zu verhindern sucht, glaubt die italienische Regierung, die Juden individuell behandeln zu können, indem sie einzelne Juden oder Gruppen von Juden vor anderen bevorzugt. (...)
Bei dieser Unterschiedlichkeit zwischen der deutschen und der italienischen Auffassung erscheint es uns notwendig, eine reinliche Lösung des Problems auch für die von Deutschland besetzten Gebiete zu finden."
Die Botschaft soll Außenminister Ciano mitteilen, daß Deutschland sich nach dem 31. März 1943 "freie Hand" gegenüber allen Juden in seinem Machtbereich, auch den italienischen Staatsbürgern, vorbehalte.
"Ich bitte Sie, in diesem Zusammenhange auf die ungeheure Gefahr hinzuweisen, die die Anwesenheit von Juden überall dort, wo sie leben, bedeutet; diese Gefahr ist in politisch wichtigen Gebieten und allen militärischen Interessengebieten besonders groß. Gerade die wirtschaftlich einflußreichen Juden sind die gefährlichsten." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 32)
15.01.1943
Bezirk Bialystok/Auschwitz
Aus dem Ghetto in Zambrów werden etwa 2.000 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion"
werden 217 Männer und 21 Frauen als Häftlinge registriert; die anderen etwa 1.762 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 384)
Niederlande
Bericht des Vertreters des Auswärtigen Amts beim Reichskommissar, Bene, an das AA.
"Bisher sind ca. 60.000 Juden abtransportiert, und der Rest von ca. 70.000 soll bis April/Mai abtransportiert werden. Die Juden hatten zunächst das Mitleid auf ihrer Seite, und der Klerus meinte auch hier hetzen zu müssen. Inzwischen hat das Volk sich aber an den Abtransport der Juden gewöhnt, und im Grunde genommen ist man auch froh, die Juden los zu werden. Die Juden waren zwar in den Niederlanden nie so stark in Erscheinung getreten wie in Deutschland und deshalb kann man auch nicht das gleiche Verständnis erwarten. Durch die Einführung des Judensternes wurde den Niederländern aber deutlich, wieviele Juden unter ihnen lebten und wer überraschenderweise auf einmal Jude war." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 50)
Frankreich
Bericht des deutschen Gesandten in Paris, Schleier, an das Auswärtige Amt.
- Der SD beabsichtige zunächst, alle Grenz- und Küstendepartements im neubesetzten Gebiet durch Aussiedlung der Juden ins Landesinnere
"judenfrei zu machen"
.
Diese Maßnahme bedürfe noch der Absprache mit dem italienischen Oberkommando, um Flucht der Juden in die italienische Besatzungszone zu verhindern. - Die französische Polizei habe bisher ca. 10.000 Juden aus dem unbesetzten Gebiet an die deutschen Behörden überstellt. Der SD schätze die Zahl der verbliebenen
"staatenlosen"
Juden im neubesetzten Gebiet auf 15.-20.000,"deren Übersiedlung bis zu einem möglichst nahen Termin durchgeführt werden soll, wobei allerdings ihre restlose Erfassung erhebliche Schwierigkeiten machen wird."
"Maßnahmen gegen französische Juden und Juden dritter Staaten werden von der französischen Regierung in neubesetzter Zone nur schrittweise durchgeführt werden können. Vorerst ist nur Verbot des Umherreisens im neubesetzten Gebiet ergangen, sowie Abstempelung der Identitätskarten und Lebensmittelkarten angeordnet."
Interventionen anderer Staaten zugunsten ihrer Staatsangehörigen seien zu erwarten; daher solle die französische Regierung zunächst veranlaßt werden, die betroffenen Regierungen aufzufordern, ihre jüdischen Staatsangehörigen zurückzuholen.- In Tunesien sei der jüdische Arbeitsdienst angelaufen. Italien habe gegen die Einbeziehung seiner jüdischen Staatsangehörigen Einspruch erhoben; das werde berücksichtigt. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 48)
WELTKRIEGSEREIGNISSE
14.01.- 25.01.1943
Casablanca-Konferenz der USA und Großbritanniens
Roosevelt und Churchill vereinbaren die Formel "Unconditional surrender"
: es solle Deutschland nicht gestattet werden, den Krieg anders als durch seine bedingungslose Kapitulation zu beenden.