CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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08.06.1943

Niederlande

Transport aus Westerbork mit 3.017 jüdischen Menschen, fast ausnahmslos Kinder und deren Mütter, zum Vernichtungslager Sobibor.

Es handelte sich überwiegend um die Angehörigen jüdischer Rüstungsarbeiter, die zunächst von den Deportationen ausgenommen gewesen waren. Ebenso wie ihre Familien hatte man die Arbeiter im "Judendurchgangslager" des Konzentrationslagers Vught interniert, um sie dort bei der Herstellung kriegswichtiger Produkte einzusetzen. Am 5. Juni ordneten die Deutschen die Deportation aller Kinder bis zum 16. Lebensjahr an, zunächst nach Westerbork und von dort angeblich in ein "besonderes Kinderlager", tatsächlich jedoch nach Sobibor. (Benz, Dimension, S. 154)

Griechenland/Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs mit 880 Menschen aus dem Ghetto von Saloniki in Auschwitz. 220 Männer und 88 Frauen werden in das Lager übernommen; die anderen 572 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 516)

Italien/Kroatien/Griechenland

Nicht unterschriebene Aufzeichnung aus dem Auswärtigen Amt.

Zwischen Himmler und Mussolini sei über folgende Punkte gesprochen worden:

  1. "In der von italienischen Truppen besetzten Zone (Kroatiens) konnten sich Juden und Feindstaatenangehörige bisher im wesentlichen völlig frei bewegen. Hierzu gehören auch zahlreiche Juden, die aus Deutschland emigriert sind oder sonst durch ihre Antiachseneinstellung bekannt geworden sind." - Aufgrund deutschen Drängens wurden von Mussolini "schärfste Sicherheitsmaßnahmen" versprochen, die aber nicht erfolgt seien. Die deutsche Botschaft in Rom sei deshalb im Mai angewiesen worden, noch einmal zu drängen. Daraufhin sei erklärt worden, die Aktion würde jetzt endgültig durchgeführt. Geschehen sei aber wiederum nichts.
  2. "Italienischerseits werden laufend Schwierigkeiten gemacht bei der Auslieferung der zur Abschiebung nach dem Osten bestimmten kroatischen Juden. Es ist wünschenswert, daß die italienische Gesandtschaft schärfere Weisungen für die Regelung dieses Problems erhält."
  3. "Italienischerseits ist die Durchführung bestimmter Judenmaßnahmen (Deportation staatenloser und griechischer Juden auf Ionische Inseln) in dem von italienischen Truppen besetzten griechischen Raum zugesagt worden. Weisungen in dieser Richtung sind den italienischen Besatzungstruppen auch zugegangen, doch ist es zur Durchführung irgendwelcher Maßnahmen bisher nicht gekommen, da angeblich die italienischen Truppen noch mit der listenmäßigen Erfassung der Juden in diesem Raum beschäftigt sind. (...)
    Die Botschaft Rom ist gebeten worden, sofern es dort vertretbar erscheint, den Italienern nahezulegen, wenigstens die Juden unverzüglich in Lagern zusammenzufassen und sie als Arbeitskräfte bei Bauvorhaben in Griechenland einzusetzen.
  4. Die Italiener setzen sich mit besonderem Nachdruck und unter Hinweis auf besondere Verdienste um Italien oder andere Titel der 'Italienität' für bisher etwa 80 Juden aus Saloniki ein, welche die italienische Staatsangehörigkeit nicht besitzen. Aus besonderen politischen Gründen sind die Stellen des Reichsführers-SS gebeten worden, in diesen Zweifelsfällen einer Behandlung der Juden wie italienische Staatsangehörige zuzustimmen. Da ein Teil dieser Juden jedoch bereits in die Ostgebiete evakuiert worden sind, dürfte es zweckmäßig sein, rechtzeitig auf die Schwierigkeiten und die abwehrmäßigen Bedenken hinzuweisen, die einer Rückschaffung dieser Juden nach Italien entgegenstehen." (ADAP, Serie E, Bd. VI, Nr. 89)

10.06.1943

Nachdem bereits fast das gesamte Personal der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, einschließlich deren Leitern Leo Baeck und Paul Eppstein, deportiert wurde, wird die Reichsvereinigung schließlich aufgelöst. Ihre verbleibenden Aufgaben werden von einer neuen Körperschaft gleichen Namens übernommen. Ungefähr um dieselbe Zeit werden auch die Gemeindevertretungen in Wien und Prag (JKG) und an ihrer Stelle "Ältestenräte" eingesetzt. (Adler, S. 20; EdH, S. 1215)

11.06.1943

Wartheland

Himmler ordnet an, das Ghetto in Lodz aufzulösen und als Konzentrationslager möglicherweise in die Provinz Lublin zu verlegen. Der Plan wird aber zunächst nicht umgesetzt.

Frankreich

Die deutschen Besatzungsbehörden legen der Vichy-Regierung einen Gesetzentwurf vor, der die Aufhebung der nach dem 10. August 1927 erteilten Staatsbürgerschaften vorsieht. Ministerpräsident Laval weigert sich zu unterschreiben, stimmt aber zu, eine Überprüfung der Einbürgerungen vorzunehmen.

Im September 1943 lag ein Bericht vor; danach hatten vom August 1927 bis 1940 annähernd 24.000 Juden die französische Staatsbürgerschaft erhalten, und 10.000 Fälle mußten noch überprüft werden. (Benz, Dimension, S. 125)

12.06.1943

Generalgouvernement

Die Deutschen ermorden die letzten Überlebenden im Ghetto und im Arbeitslager von Bereshany (Ukraine).

Ende März und Anfang April 1943 hatten die deutschen und ukrainischen Wachen 200 Männer auf dem jüdischen Friedhof erschossen. Im Mai waren 400 Männer in ein Arbeitslager auf dem Gelände des Ghettos gesperrt worden. (EdH, S. 186-187)