CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

Funktionen für die Darstellung

Schriftgröße:
Darstellung:

Seitenpfad

08.03.1943

Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs mit Zigeunern aus dem Protektorat und dem Deutschen Reich in Auschwitz. 584 Frauen und Mädchen sowie 590 Männer und Jungen werden als Häftlinge registriert. (Czech, S. 436)

Im Werk der Friedrich Krupp AG, Essen, findet eine Konferenz statt, auf der aufgrund der zunehmenden Luftangriffe beschlossen wird, beschleunigt Fabrikationsanlagen der Krupp AG für Flugzeugteile und Zünder zu verlegen, u.a. in das KL Auschwitz und dessen Umgebung. Bei einem Gespräch am 12.März wird vereinbart, daß das Konzentrationslager etwa 1.500 Häftlinge als Arbeitskräfte zur Verfügung stellen soll. (Czech, S. 435ff)

09.03.1943

Auschwitz

Aus dem Reichsgebiet trifft ein Transport mit 300 Zigeunern in Auschwitz ein. (Czech, S. 436)

Goebbels Tagebuch

(Nach einem Gespräch mit Hitler)

"In der Judenfrage billigt er mein Vorgehen und gibt mir ausdrücklich den Auftrag, Berlin gänzlich judenfrei zu machen. Ich werde schon dafür sorgen, daß zwischen den Berliner Juden und den ausländischen Arbeitern kein Konkubinat eingegangen wird. Spartakistische Ansätze wird es in diesem Kriege in der Reichshauptstadt nicht geben." (Fröhlich II, Bd. 7, S. 515)

Ungarn

Brief des Auswärtigen Amts an den Leiter der Parteikanzlei, Bormann.

Bormann wird gebeten, beim Besuch des ungarischen Ministers Lukacs am 12. März "den deutschen Standpunkt in der Judenfrage darzulegen". Insbesondere wird vorgeschlagen, daß Bormann den Ungarn folgende "Ratschläge" geben soll:

  1. "die Juden durch entsprechende Gesetzgebung sofort unterschiedslos aus dem kulturellen und dem wirtschaftlichen Leben auszuschalten und sofort entschädigungslos zu enteignen;
  2. durch sofortige Kennzeichnung aller Juden die entsprechenden Regierungsmaßnahmen zu erleichtern und dem Volke die Möglichkeit zu klarer Distanzierung zu verschaffen;
  3. dem sofortigen Beginn der Aussiedlung und dem Abtransport nach dem Osten durch die hierfür eingesetzte deutsche Organisation zuzustimmen." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 190)

Frankreich/Italien

Außenminister Ribbentrop an die deutsche Botschaft in Rom.

Der deutsche Botschafter soll Mussolini aufsuchen und ihm folgende Note übergeben:

  1. Auf Anregung der deutschen Regierung sei von der französischen Polizei eine Aktion zur Verhaftung sämtlicher Juden ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit durchgeführt worden. Der italienischen Militärvertreter in Vichy habe am 2. März die Aufhebung der Verhaftungen und Internierungen von Juden verlangt; außerdem habe er gefordert, daß die Präfekten der gesamten italienischen Besatzungszone künftig keine Juden mehr verhaften dürfen. Solche Maßnahmen gehörten ausschließlich in die Zuständigkeit der italienischen Besatzungsbehörden.
  2. Der deutsche Sicherheitsdienst hat durch die französische Polizei alle britischen und amerikanischen Staatsangehörigen in Frankreich festnehmen lassen. Die italienischen Militärbehörden forderten daraufhin für ihre Besatzungszone deren unverzügliche Freilassung.

Der Botschafter soll sich bei Mussolini außerdem darüber beschweren, daß die Juden in Nizza unlängst eine Sammlung für Bombengeschädigte in Italien durchgeführt hätten und daß italienische Regierungsstellen sich für den Geldbetrag bedankt hätten. Zahlreiche Juden, Angehörige der "Feindstaaten" und der Spionage Verdächtige seien in die italienische Besatzungszone geflüchtet.

Während der Besprechung mit Ribbentrop in Rom am 25. Februar habe Mussolini zugestimmt, daß in der "Judenfrage" einheitlich schärfstens vorgegangen werden müsse. Unter Berufung darauf soll Mussolini aufgefordert werden, sofort persönlich einzugreifen und durch "drakonische Befehle" für "Abstellung dieser untragbaren Zustände" zu sorgen.

Es gebe drei Lösungsmöglichkeiten:

  1. Mussolini könnte das italienische Oberkommando anweisen, diese Dinge der französischen Polizei zu überlassen und sie nicht zu behindern.
  2. Er könnte die Behandlung dieser Fragen den italienischen Militärstellen entziehen und sie der italienischen Polizei übertragen. Eine derartige Regelung habe Himmler vorgeschlagen.
  3. Der Reichsführer SS könnte diese Fragen gemeinsam mit der französischen Polizei in die Hand nehmen.

Der deutsche Gesandte soll mit Mussolini möglichst gleich vereinbaren, welche Lösung er für richtig hält.

Der deutsche Gesandte Mackensen meldete mit Telegramm vom 11. März, daß ihm vom italienischen Außenministerium eine Aufzeichnung übergeben worden sei, in der bereits ein großer Teil der angeschnittenen Frage behandelt sei; er bitte daher um neue Weisung. (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 189)

10.03.1943

Auschwitz

Jeweils rund 1.000 polnische Häftlinge werden aus Auschwitz in die Konzentrationslager Buchenwald und Neuengamme überstellt. (Czech, S. 437; s. 3.3.43)

Niederlande

Ein Deportationszug mit 1.105 Menschen fährt aus  Westerbork zum Vernichtungslager Sobibor ab.

Bulgarien

Anweisung des Auswärtigen Amts an die deutschen Gesandten in Budapest und Bukarest.

Die Gesandtschaft in Sofia habe mitgeteilt, daß sich Bulgarien gegenüber der von der Schweiz vermittelten Anfrage betr. Ausreise von 4.000 Juden nach Palästina anscheinend nicht klar ablehnend verhalten habe. Angeblich seien bereits früher Vereinbarungen getroffen worden, um 270 jüdische Kinder aus Rumänien und Ungarn nach Palästina zu schicken.

Die Gesandten in Ungarn und Rumänien sollten feststellen, "ob dort Verhandlungen bezüglich Ausreise von Juden mit fremden Regierungen geführt werden oder wurden. Sollte dies der Fall sein, so ist sofort dortiger Regierung zum Ausdruck zu bringen, daß Ausreise von Juden aus mit Deutschland verbündeten Ländern von Deutscher Regierung nicht gebilligt werden könne; diesbezügliche Verhandlungen seien unerwünscht.

Zur Begründung: Tatsache allein von Verhandlungen über Judenausreise ermöglicht

  1. daß unsere gemeinsame Politik in dieser wichtigen Frage nicht gleichgerichtet sei,
  2. daß Sonderverhandlungen vielleicht auch in anderen Fragen erfolgreich verlaufen könnten,
  3. Verhandlungen liefern den Feindmächten jedenfalls Propagandamaterial,
  4. Vereinbarungen über Ausreise unerwünscht, da Ausreise Gefahr militärischer Nachrichtenübermittlung berge,
  5. Vereinbarungen widersprechen Achsenpolitik gegenüber arabischen Nationen." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 196; Braham, Destruction I, Nr. 99)

11.03.1943

Anordnung des RSHA

a.) "Juden, die aus einer Vollzugsanstalt entlassen werden, sind auf Lebenszeit dem Konzentrationslager Auschwitz bzw. Lublin zuzuführen. Das gleiche gilt für Juden, die zukünftig nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe aus einer Vollzugsanstalt zur Entlassung kommen."
b) Polen sollen entsprechend "auf Kriegsdauer" in ein Konzentrationslager gesperrt werden."Durch diese Regelung erübrigt sich die bisher angeordnete Rückführung sämtlicher in den eingegliederten Ostgebieten abgeurteilter polnischer Strafgefangener, die ihre Strafe im Altreich verbüßen."

Protektorat/Auschwitz

Aus dem Protektorat trifft ein Transport mit Zigeunern - 351 Männern und Jungen, 413 Frauen und Mädchen - in Auschwitz ein. (Czech, S. 438)

Bulgarien

Die bulgarische Polizei in Makedonien (ehem. Jugoslawien) nimmt die Juden in Bitola und Stip fest und transportiert sie per Bahn nach Skopje.

Insgesamt wurden nach Angaben des Judenkommissariat (KEV) 7.215 Juden ins Lager eingeliefert. 2.300 der Internierten waren unter 16 Jahren alt. 77 Ärzte und Apotheker mit ihren Familien wurden wegen des Mangels an Arbeitskräften in diesen Sparten wieder freigelassen; ebenso knapp 100 Juden mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Die Gefangenen wurden mit drei Deportationszügen in das Vernichtungslager Treblinka gebracht: am 22., 25. und 29. März. (Benz, Dimension, S. 296-297)

Goebbels Tagebuch

"Die Evakuierung der Juden aus Berlin hat doch zu manchen Mißhelligkeiten geführt. Leider sind dabei auch die Juden und Jüdinnen aus privilegierten Ehen zuerst mit verhaftet worden, was zu großer Angst und Verwirrung geführt hat. Daß die Juden an einem Tag verhaftet werden sollten, hat sich infolge des kurzsichtigen Verhaltens von Industriellen, die die Juden rechtzeitig warnten, als Schlag ins Wasser herausgestellt. Im ganzen sind wir 4.000 Juden dabei nicht habhaft geworden. Sie treiben sich jetzt wohnungs- und anmeldungslos in Berlin herum und bilden natürlich für die Öffentlichkeit eine große Gefahr. Ich ordne an, daß Polizei, Wehrmacht und Partei alles daransetzen, diese Juden möglichst schnell dingfest zu machen. Die Verhaftung von Juden und Jüdinnen aus privilegierten Ehen hat besonders in Künstlerkreisen stark sensationell gewirkt. Denn gerade unter Schauspielern sind ja diese privilegierten Ehen noch in einer gewissen Anzahl vorhanden. Aber darauf kann ich im Augenblick nicht übermäßig viel Rücksicht nehmen. Wenn ein deutscher Mann es jetzt noch fertigbringt, mit einer Jüdin in einer legalen Ehe zu leben, dann spricht das absolut gegen ihn, und es ist im Kriege nicht mehr an der Zeit, diese Frage allzu sentimental zu beurteilen." (Fröhlich II, Bd. 7, S. 528)

12.03.1943

Auschwitz

Jeweils rund 1.000 polnische Häftlinge werden aus Auschwitz in die Konzentrationslager Flossenbürg und Groß-Rosen überstellt. (s. 3.3.43)
Aus dem Reichsgebiet trifft ein Transport mit Zigeunern in Auschwitz ein. 130 Frauen und Mädchen sowie 113 Männer und Jungenn werden als Häftlinge registriert. (Czech, S. 438-439)

Bulgarien

Festnahme der Juden zur Deportation im Gebiet um Pirot, einem kleinen, von Bulgarien annektierten Distrikt Ostserbiens. Insgesamt werden 188 Menschen interniert, darunter 27 mit bulgarischer Staatsbürgerschaft, die nicht deportiert werden. Die anderen werden am 19. März nach Sofia gebracht und dort den Deportationszügen aus Thrakien angeschlossen. (Benz, Dimension, S. 295)

Griechenland/Italien

Der deutsche Gesandte in Rom, Mackensen,  an das Auswärtige Amt.

Die italienische Regierung hat über die Behandlung der Juden im italienisch besetzten Teil Griechenlands folgendes entschieden:

  1. "Juden italienischer Staatsangehörigkeit werden ebenso behandelt wie in Italien. Gefährliche Elemente werden interniert bzw. nach Italien abgeschoben.
  2. Juden griechischer Staatsangehörigkeit werden interniert und in Lager auf Ionischen Inseln oder nach Italien verbracht.
  3. Juden mit Staatsangehörigkeit befreundeter oder neutraler Länder werden zum Verlassen des Landes aufgefordert. Wenn sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, werden sie zwangsweise in die betreffenden Länder abgeschoben bzw. in Lagern auf Ionischen Inseln oder in Italien interniert." (ADAP, Serie E, Bd. V, Nr. 200)

13.03.1943

Generalgouvernement

Die Bewohner des Krakauer Ghettos A (für "Arbeitsfähige"), etwa 2.000 Menschen, werden in das Arbeitslager Plaszów (in einem Vorort von Krakau) verlegt. Aus dem Ghetto B werden 2.300 Menschen nach Auschwitz abtransportiert; 700 Menschen werden während der "Aktion" von den Deutschen erschossen. Die jüdischen Wohngebiete von Krakau sind damit "geräumt". (EdH, S. 809-810)

Auschwitz

Rund 1.000 polnische Häftlinge werden aus Auschwitz in das KL  Sachsenhausen überstellt. (s. 3.3.43)

Aus Berlin werden 964 jüdische Menschen (344 Männer, 620 Frauen und Kinder) nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 218 Männer und 147 Frauen als Häftlinge übernommen; 599 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Generalgouvernement

Aus dem Ghetto B in Krakau werden etwa 2.000 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 484 Männer und 24 Frauen werden als Häftlinge registriert; die anderen etwa 1.492 Menschen werden in den Gaskammern ermordet.

Aus dem Reichsgebiet trifft ein Transport mit Zigeunern in Auschwitz ein. 713 Frauen und Mädchen sowie 640 Männer und Jungen werden in das Lager eingewiesen. (Czech, S. 439-440)

14.03.1943

Auschwitz

Aus dem Reichsgebiet trifft ein Transport mit Zigeunern in Auschwitz ein. 505 Frauen und Mädchen sowie 461 Männer und Jungen werden als Häftlinge registriert. (Czech, S. 441)

15.03.1943

Auschwitz

Aus dem Reichsgebiet trifft ein Transport mit Zigeunern in Auschwitz ein. 244 Frauen und Mädchen sowie 215 Männer und Jungen werden in das Lager eingewiesen. (Czech, S. 441)

Griechenland

Der erste Deportationszug mit etwa 2.400 Menschen verläßt Saloniki - angeblich nach Brzesko bei Krakau, tatsächlich nach Auschwitz.

Frankreich/Ungarn

Mitteilung der deutschen Botschaft in Paris an das Auswärtige Amt.

Die französische Polizei hat eine Liste mit den Namen von 2.065 ungarischen Juden erstellt. Diese wurde dem ungarischen Konsul in Paris übergeben mit der Bitte, die ungarische Regierung solle für die rasche Rückholung derjenigen sorgen, an denen sie interessiert ist. (Braham, Destruction I, Nr. 33)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

14.03.1943

Deutsche Truppen nehmen erneut Charkow (Ostukraine) ein.