CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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08.05.1943

Generalgouvernement

Mordechai Anielewicz und andere Leiter des Warschauer Ghettoaufstands werden während der Kämpfe getötet; das Hauptquartier der Jüdischen Kampforganisation wird von den Deutschen eingenommen.

Griechenland/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Saloniki werden 2.500 Juden nach Auschwitz eingeliefert. Nach der "Selektion" werden 568 Männer und 247 Frauen als Häftlinge registriert; 1.685 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 490)

Goebbels Tagebuch

"Die antisemitische Propaganda, die wir neuerdings gestartet haben, bringt nur positive Zuschriften. Man sieht daran, daß der Antisemitismus im deutschen Volke doch tief verwurzelt ist."

Hitler vertrete "den Standpunkt, daß der Antisemitismus, wie wir ihn früher in der Partei gepflegt und propagiert haben, auch jetzt wieder das Kernstück unserer geistigen Auseinandersetzung sein muß. Er hält von der antisemitischen Bewegung in England viel, wenngleich er sich natürlich klar darüber ist, daß sie keine organisatorische Form besitzt und deshalb auch machtpolitisch nicht in Erscheinung treten kann. (...)

Die Judenfrage wird am allerschlechtesten von den Ungarn gelöst. Der ungarische Staat ist ganz jüdisch durchsetzt, und es ist dem Führer bei seiner Unterredung mit Horthy (16.-17.4.43) nicht gelungen, ihn von der Notwendigkeit härterer Maßnahmen zu überzeugen. (...)

Aus alledem aber hat der Führer die Konsequenz gezogen, daß das Kleinstaatengerümpel, das heute noch in Europa vorhanden ist, so schnell wie möglich liquidiert werden muß. Es muß das Ziel unseres Kampfes bleiben, ein einheitliches Europa zu schaffen. Europa kann aber eine klare Organisation nur durch die Deutschen erfahren. Eine andere Führungsmacht ist praktisch nicht vorhanden. (...) Wer Europa besitzt, der wird damit die Führung der Welt an sich reißen. In diesem Zusammenhang können wir natürlich Fragen von Recht und Unrecht überhaupt nicht zur Diskussion akzeptieren." (Fröhlich II, Bd. 8, S. 231 und 235ff)

09.05.1943

In der Zeitschrift "Das Reich" erscheint Goebbels Artikel "Der Krieg und die Juden".

"Gewisse Kreise in Europa" wollen immer noch nicht einsehen, "daß dieser Krieg ein Krieg der jüdischen Rasse und ihrer Hilfsvölker gegen die arische Menschheit sowie gegen die abendländische Kultur und Zivilisation ist, daß deshalb auch in ihm alles, was uns Deutschen und Europäern als Verfechtern eines Prinzips der gesitteten Weltordnung lieb und teuer ist, auf dem Spiele steht. Besagte Kreise sind allzu leicht geneigt, in der Judenfrage eine solche der Humanität zu sehen. Sie beurteilen sie deshalb mehr nach augenblicksbedingten Gefühlsregungen als nach den Erkenntnissen und Einsichten einer klaren und kühlen Vernunft." (...)

Das Judentum habe diesen Krieg gewollt und bilde 'den Kitt, der die feindliche Koalition zusammenhält'.
Es ist deshalb ein Gebot der Staatssicherheit, daß wir im eigenen Lande die Maßnahmen treffen, die irgendwie geeignet erscheinen, die kämpfende deutsche Volksgemeinschaft gegen diese Gefahr abzuschirmen. Das mag hier und da zu schwerwiegenden Entscheidungen führen, aber das ist alles unerheblich dieser Gefahr gegenüber. Denn dieser Krieg ist ein Rassenkrieg."

"Kein prophetisches Wort des Führers bewahrheitet sich mit einer so unheimlichen Sicherheit und Zwangsläufigkeit wie, daß, wenn das Judentum es fertigbringen werde, einen zweiten Weltkrieg zu provozieren, dieser nicht zur Vernichtung der arischen Menschheit, sondern zur Auslöschung der jüdischen Rasse führen werde. Dieser Prozeß ist von einer weltgeschichtlichen Bedeutung, und da er vermutlich unabsehbare Folgen nach sich ziehen wird, hat er auch seine Zeit nötig. Aber aufzuhalten ist er nicht mehr." ("Das Reich", Nr. 19/43)

10.05.1943

Goebbels Tagebuch

"Mein Artikel gegen die Juden ist immer noch ein vielbesprochenes Thema. Er wird allüberall, selbst in London, zitiert. Die Judenfrage ist meiner Ansicht nach nach der Frage des Bolschewismus unser bestes Propagandapferd im Stall. Ich mache deshalb auch unsere gesamten Propagandamittel auf die außerordentlichen Möglichkeiten aufmerksam, die uns hier gegeben sind. Die Presse wird zu einer Sonderkonferenz zusammenberufen, und es wird ihr dabei vor allem klargemacht, daß es nicht darauf ankommt, jeden zweiten Tag einen antijüdischen Artikel  zu schreiben; wesentlich ist, daß unsere Zeitungen insgesamt ein antijüdisches Gesicht bekommen." (...)

"Sehr großen Wert legt der Führer auf eine schlagkräftige antisemitische Propaganda. Er sieht auch hier den Erfolg in der ewigen Wiederholung gegeben. Er ist außerordentlich zufrieden mit der Verschärfung unserer antisemitischen Propaganda in Presse und Rundfunk. Ich gebe ihm Aufschluß darüber, wie weit diese antisemitische Propaganda in unseren Auslandssendungen betrieben wird. Zum Teil füllt sie 70 bis 80 Prozent unserer gesamten Auslandssendungen aus. Die antisemitischen Bazillen sind natürlich in der ganzen europäischen Öffentlichkeit vorhanden; wir müssen sie nur virulent machen. Der Antisemitismus hat nach Meinung des Führers besondere Chancen in England. Wenn er auch politisch und machtmäßig nicht ausgenutzt werden kann, so ist er doch in der Lage, ungeheuer viel Unruhe und Unzufriedenheit zu stiften und die Kluft zwischen Regierung und Volk zu vertiefen." (Fröhlich II, Bd. 8, S. 255 und 261)

11.05.1943

Niederlande

Ein Zug mit 1.446 jüdischen Menschen geht aus Westerbork zum Vernichtungslager Sobibor ab.

12.05.1943

Bezirk Bialystok/Auschwitz

Ein Transport mit Zigeunern aus Bialystok kommt in Auschwitz an. 503 Frauen und Mädchen sowie 468 Männer und Jungen werden als Häftlinge registriert. Außerdem werden 76 Zigeuner aus Österreich in das Lager eingeliefert. (Czech, S. 492)

Aufzeichnung Albrechts, Auswärtiges Amt

Die britische Regierung versuche durch Vermittlung der Schweiz zu erkunden, ob Deutschland 5.000 Juden, vorwiegend Kinder, aus Polen, Litauen und Lettland nach Palästina ausreisen lassen würde. Die Gruppen sollen zu 85 % aus Kindern und zu 15 % aus erwachsenen Begleitpersonen bestehen. "Ferner würde man britischerseits Wert darauf legen, die Auffassung der deutschen Regierung hinsichtlich einer Abwanderung jüdischer Kinder aus Deutschland, Dänemark und den besetzten holländischen, belgischen, griechischen und serbischen Gebieten kennenzulernen." (ADAP, Serie E, Bd. VI, Nr. 27)

13.05.1943

Kroatien/Auschwitz

Ankunft eines Deportationszugs aus Zagreb mit  ungefähr 1.000 Juden in Auschwitz. Nur 30 Männer und 25 Frauen werden in das Lager übernommen; die anderen etwa 945 Menschen werden ermordet. (Czech, S. 493)

Goebbels Tagebuch

Er habe noch einmal eingehend die "Protokolle der Weisen von Zion" (eine im zaristischen Rußland entstandene antisemitische Fälschung) gelesen. "Bisher war mir immer entgegengehalten worden, sie eigneten sich nicht für die aktuelle Propaganda. Ich stelle bei meiner Lektüre fest, daß wir sie sehr wohl gebrauchen können. Die Zionistischen Protokolle sind heute so modern wie an dem Tage, an dem sie zum ersten Mal publiziert wurden. (...)

Ich komme mittags beim Führer auf dies Thema zu sprechen. Der Führer vertritt den Standpunkt, daß die Zionistischen Protokolle absolute Echtheit beanspruchen könnten. So genial könne kein Mensch das jüdische Weltherrschaftsstreben nachzeichnen, wie die Juden es selbst empfänden. (...)
    Die Judenfrage wird, wie der Führer meint, in England von einer ausschlaggebenden Bedeutung werden. Wir müssen nur unsere Propaganda klug und geschickt auf dieses Ziel einstellen, dürfen nicht allzu dick in unserer Tendenz werden und müssen sie mehr in die Nachrichten legen als in die Vorträge. Die Propaganda hat in diesem Stadium des Krieges wieder eine außerordentliche Aufgabe zu bewältigen. Man darf dabei aber nicht vergessen, daß das englische Publikum der Judenfrage gegenüber natürlich nicht so aufgeschlossen ist wie das deutsche Volk. Deshalb darf man niemals die Absicht merken lassen, um keine Verstimmung zu erwecken."

"Besonderen Wert legt der Führer auf die antisemitische Propaganda bei den englischen und den anderen Gefangenen. Sie werden später die Träger der antisemitischen Überzeugung in ihren Ländern werden. Ich werde für diese Gefangenen eine ganze Reihe von antisemitischen Flugschriften verfertigen und ihnen in unverfänglicher Weise vorlegen lassen. Wir sollen uns, wie der Führer meint, in keiner Weise durch intellektuelle Einwände von der Behandlung der Judenfrage abhalten lassen."

"Das Weltjudentum steht nach der festen Überzeugung des Führers vor einem geschichtlichen Sturz. Dieser Sturz beansprucht natürlich eine gewisse Zeit. Wenn die Juden in vielen Jahrhunderten sich bis zur heutigen Höhe empor'gearbeitet' haben, so wird man schon einige Jahrzehnte daran wenden müssen, sie aus ihrer Macht herauszuwerfen. Das ist unsere geschichtliche Mission, die durch den Krieg nicht aufgehalten, sondern nur beschleunigt werden kann. Das Weltjudentum glaubt vor einem Weltsieg zu stehen. Dieser Weltsieg wird nicht kommen, sondern ein Weltsturz. Die Völker, die den Juden am ehesten erkannt haben und ihn am ehesten bekämpfen, werden an seiner Stelle die Weltherrschaft antreten." (Fröhlich II, Bd. 8, S. 287ff)

15.05.1943

Goebbels Tagebuch

"Berndt legt mir eine Denkschrift zur Ankurbelung der antisemitischen Propaganda vor. Diese Denkschrift hat Hand und Fuß. Ich veranlasse, daß die antisemitische Standardliteratur neu herausgegeben wird. Sie ist zum Teil vollkommen in Vergessenheit geraten. Überhaupt habe ich den Eindruck, daß unsere Propagandaführung dem Antisemitismus gegenüber etwas lax geworden ist. Er galt nicht mehr als fein und vornehm. Ich werde dafür sorgen, daß der Antisemitismus wieder zum Standardartikel unserer gesamten Propaganda wird." (Fröhlich II, Bd. 8, S. 303)