CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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16.05.1943

Griechenland/Auschwitz

Aus dem Ghetto in Saloniki werden ungefähr 4.500 Menschen nach Auschwitz eingeliefert. 466 Männer und 211 Frauen werden als Häftlinge übernommen; die anderen mehr als 3.800 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 496)

Generalgouvernement

General Stroop erklärt die "Liquidierung" des Warschauer Ghettos für abgeschlossen. Nach seinen Angaben wurden insgesamt 56.065 Juden "erfaßt", d.h. gefangen genommen oder getötet. 7.000 Juden seien während der Kämpfe getötet worden, etwa ebensoviele in das Vernichtungslager Treblinka deportiert worden. Schätzungsweise 5.-6.000 weitere Juden seien bei Sprengungen und Bränden ums Leben gekommen. (IMT, PS-1061)

Die gefangen genommenen Menschen wurden auf mehrere Konzentrations- und Arbeitslager verteilt. Nur etwa 1. - 2.000 von ihnen überlebten den Krieg. (EdH, S. 1548)

18.05.1943

Niederlande

Ein Zug aus Westerbork mit 2.511 jüdischen Menschen geht zum Vernichtungslager Sobibor ab.

19.05.1943

Auschwitz

Aus Berlin werden ungefähr 1.000 Juden nach Auschwitz eingeliefert. 115 Frauen und 80 Männer werden als Häftlinge registriert; mehr als 800 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 498)

Himmler an RSHA-Chef Kaltenbrunner

"Von dem Buch 'Die jüdischen Ritualmorde' habe ich eine größere Anzahl bestellt und lasse es bis zum Standartenführer verteilen.(...)

Die ganze Ritualmord-Frage ist von Sachverständigen in den Ländern Rumänien, Ungarn und Bulgarien aufzugreifen. Ich denke daran, daß wir diese Ritualmordfälle dann in unserer Presse bringen, um damit die Herausnahme der Juden aus den Ländern zu erleichtern. (...)

Überlegen Sie einmal, ob wir nicht in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt einen rein antisemitischen illegalen Sender für England und Amerika machen können. (...)

Außerdem sind sofort Leute einzusetzen, die in England die Gerichtsnachrichten und die Polizei-Ausschreibungen, daß ein Kind vermißt wird, verfolgen und kontrollieren, sodaß wir dann in unseren Sendern entsprechende Kurznachrichten geben können, daß in dem Ort XY ein Kind vermißt würde und es sich wahrscheinlich um einen jüdischen Ritualmord handelt.

Insgesamt glaube ich, könnten wir mit einer großen antisemitischen Propaganda in englischer, vielleicht auch sogar in russischer Sprache auf einer sehr starken Ritualmord-Propaganda den Antisemitismus in der Welt ungeheuer aktivieren.

Ich bitte Sie, diese Dinge einmal mit Ihren Mitarbeitern zu besprechen und schon gewisse Vorbereitungen zu treffen, um mir dann einen Vorschlag zu machen." (Heiber, Himmler-Briefe, S. 212)

Großbritannien

Das britische Parlament befaßt sich mit dem Mordprogramm der Nazis und mit Rettungsmöglichkeiten. Mehrere Abgeordnete befürworten die Aufnahme jüdischer Flüchtlinge in Großbritannien. Andere warnen vor einer Zunahme des Antisemitismus, die sich ergeben könne, falls Juden "bevorzugt" behandelt würden. Außenminister Eden verweist darauf, daß in Palästina noch 30.000 Plätze für Einwanderer frei seien. Seine Regierung würde dort gern jüdische Kinder aufnehmen, doch werde dies von den Regierungen in Berlin und Sofia blockiert.

21.05.1943

Generalgouvernement

Das Ghetto in Brody (Ukraine) wird "geräumt". Mehr als 3.000 Menschen werden vermutlich nach Majdanek abtransportiert; hunderte werden gleich im Ghetto von den Deutschen ermordet.

Im März und April 1943 hatten die Deutschen zahlreiche "Aktionen" durchgeführt, bei denen mehrere tausend Menschen zusammengetrieben und in den benachbarten Wäldern ermordet wurden. (EdH, S. 244)

Generalgouvernement

Die Auflösung des Ghettos von Drogobytsch (Ukraine) beginnt; sie ist am 10. Juni abgeschlossen. Die letzten im Ghetto gefundenen Juden werden ermordet.

Der "Räumung" des Ghettos folgte die Ermordung der Juden in den benachbarten Arbeitslagern; nur wenige unverzichtbare Arbeiter wurden am Leben gelassen. Nach dem Vorrücken der sowjetischen Armee im April 1944 wurden diese Arbeiter in das Lager Plaszów gebracht. (EdH, S. 371-372)

Ostoberschlesien/Auschwitz

Aus einem Transport aus Sosnowiec werden in Auschwitz nur 65 Frauen als Häftlinge übernommen; die anderen mehr als 900 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 500)

Bulgarien

Die bulgarischen Behörden fordern die Juden von Sofia auf, die Stadt in drei Tagen zu verlassen und sich in die Provinz zu begeben. Die Spitzen der jüdischen Gemeinde nehmen Kontakt zu einflußreichen Personen am Hof und zu Politikern auf, um die Maßnahme abzuwenden.

Ungarn

Memorandum Wagners (Auswärtiges Amt) nach einem Gespräch mit dem ungarischen Botschafter in Berlin, Sztójay.

Sztójay habe erneut auf die "Schwierigkeiten in der Lösung der Judenfrage in Ungarn" hingewiesen. Die Maßnahmen könnten zunächst nur einen Teil der Juden erfassen. "Um die Zurückbleibenden ruhig zu halten, müßte der auszusiedelnde Teil zunächst für kürzere Zeit gewisse Existenzmöglichkeiten haben. Es schwebe ihm der Gedanke vor, den Juden ein gewisses Territorium zuzuweisen, wohin sie gebracht würden." (Braham, Destruction I, Nr. 106)