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09.02.1944
Niederlande
Der Vertreter des Auswärtigen Amtes beim Reichskommissar teilt dem AA den Inhalt eines Geheimberichts des Polizei- und SD-Chefs in den Niederlanden mit.
"Abschiebung. Der bis jetzt noch frei im Land lebende Rest von 150 niederländischen Juden portugiesisch-israelitischen Bekenntnisses (ausgenommen Mischehen) wurde nach Westerbork umgesiedelt. Ein Teil von ihnen ist bereits seit einiger Zeit untergetaucht.
Nach Aufhebung der Waggonsperre und der über das Lager Westerbork verhängten Quarantäne (Kinderlähmung) wird das Lager laufend geräumt. Auf Grund nochmaliger Überprüfung jedes Einzelfalles werden die Juden entweder den Zügen nach dem Osten, nach Theresienstadt, nach dem neu errichteten Aufenthaltslager Bergen-Belsen oder nach einem für ihre Staatsangehörigkeit zuständigen Internierungslager zugeteilt. So sind z.B. unter den 1.037 nach Bergen-Belsen verschickten Juden mehrere hundert für allfälligen Palästinaaustausch und deutsch-britischen Austausch vorgemerkt. Nach Theresienstadt wurden wiederum Juden mit Kriegs- und Zivilverdiensten für Deutschland samt Familie überführt. Den nicht nach dem Osten abgehenden Transporten folgen die zugeteilten Juden mit großer Bereitwilligkeit. (...) Im ganzen haben nunmehr 108.000 Juden das Land verlassen. (...)
Der Abtransport der Juden wird von der niederländischen Bevölkerung immer noch nicht gebilligt. Wenn man auch einmütig zugibt, daß man niemals mehr Wert darauf legen würde, das alte Verhältnis herzustellen, so findet man doch den Abtransport der Juden brutal."
Die Suche nach versteckten Juden gehe weiter; ihre Zahl wird auf 11.000 geschätzt. Noch nicht "konzentriert"
seien die 8.610 in "Mischehen"
lebenden Juden. (ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 205)
10.02.1944
Niederland/Auschwitz
Aus Westerbork werden 1.015 jüdische Menschen, darunter 221 Kinder, nach Auschwitz eingeliefert. 142 Männer und 73 Frauen werden als Häftlinge registriert, die anderen 800 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 721)
Verfügung der Parteikanzlei
"Besonders bei der ländlichen Bevölkerung haben sich vielfach infolge der jahrelangen Beschäftigung fremdvölkischer Arbeitskräfte und Kriegsgefangener im gleichen Betrieb Formen des Zusammenlebens entwickelt, die volkspolitisch und rassisch eine schwere Gefahr für unser Volk bedeuten. Das Verhalten der deutschen Bevölkerung gegenüber den Fremdvölkischen läßt in vielen Fällen völkische Würde und Zurückhaltung vermissen und ist oft von falschem Mitleid und Gutmütigkeit bestimmt. (...)
Da wir in Zukunft in erhöhtem Maße fremdvölkische Arbeitskräfte einsetzen müssen, ist ihre strengere Überwachung unerläßlich. (...) Das Gefühl des deutschen Menschen für die Reinerhaltung des Blutes darf nicht verloren gehen und muß immer neu geweckt werden. Die theoretische Schulung allein reicht jedoch nicht aus. Die angeordneten Kontrollgänge geeigneter Parteigenossen müssen laufend und in unregelmäßigen Zeitabständen wiederholt werden." (IMT, D-884)
12.02.1944
Frankreich/Auschwitz
Ankunft eines Zuges mit 1.500 Juden aus Drancy in Auschwitz. Nach der "Selektion"
werden 210 Männer und 61 Frauen in das Lager eingewiesen; die anderen 1.229 Menschen werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 723)
14.02.1944
Wartheland
Himmler führt Gespräche mit dem Gauleiter des Warthelands, Greiser. Dieser teilt dem Chef des SS-Wirtschaftsamts (WVHA), Pohl, als Ergebnis mit:
"Das Getto in Litzmannstadt (Lodz) soll nicht in ein KL umgewandelt werden (...). Der Erlaß des Reichsführers-SS vom 11. Juni 1943 wird insofern nicht mehr zur Ausführung kommen. Ich habe mit dem Reichsführer folgendes vereinbart:
- a) Das Getto wird personell auf ein Mindestmaß verringert und behält nur so viel Juden, wie sie unbedingt im Interesse der Rüstungswirtschaft erhalten werden müssen.
- b) Das Getto bleibt damit ein Gau-Getto des Reichsgaues Wartheland.
- c) Die Verringerung wird durch das im Gau schon früher tätig gewesene Sonderkommando des SS-Hauptsturmführers Bothmann durchgeführt werden. Der Reichsführer wird Befehl erteilen, den SS-Hauptsturmführer Bothmann mit seinem Sonderkommando aus seinem Einsatz in Kroatien herauszuziehen und dem Gau Wartheland wieder zur Verfügung zu stellen. (...)
- e) Nach Entfernung aller Juden aus dem Getto und nach Auflösung desselben soll der gesamte Grundbesitz des Gettos der Stadt Litzmannstadt zufallen." (Lodz, S. 247)
15.02.1944
Niederlande
Transport aus Westerbork mit 773 jüdischen Menschen nach Bergen-Belsen.
WELTKRIEGSEREIGNISSE
12.02.1944
Ungarn
Staatschef Horthy schreibt an Hitler und bittet um seine Zustimmung, die ungarischen Truppen von der Ostfront abzuziehen.