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17.01.1944
Belgien/Auschwitz
Ankunft eines Deportationszugs mit 657 Menschen aus dem belgischen Lager Malines in Auschwitz. 140 Männer und 98 Frauen werden als Häftlinge übernommen, während die anderen 419 Menschen direkt in die Gaskammer geschickt werden.
Mit dem selben Transport kommen aus Malines auch 351 Zigeuner verschiedener Staatsangehörigkeit, darunter 174 Kinder, an. Sie werden in das Lager eingewiesen. (Czech, S. 707-708)
18.01.1944
Niederlande
Ein Zug mit 870 jüdischen Menschen aus dem Lager Westerbork geht nach Theresienstadt ab. Es handelt sich um 385 Personen, die sich nach deutscher Ansicht "um den Aufbau und den Lagerbetrieb von Westerbork verdient gemacht haben, nebst ihren Angehörigen"
(u.a. zahlreiche Mitarbeiter des Judenrats); 140 "Eltern von Personen, die sich um die Entjudung der Niederlande und das Lager Westerbork verdient gemacht haben"
; 13 deutsch-jüdische Veteranen des 1. Weltkriegs mit Angehörigen; 53 "Juden mit Verdiensten um das Reich nebst ihren Angehörigen"
; 58 Kinder, deren Eltern sich schon in Theresienstadt befinden. (Benz, Dimension, S. 157)
19.01.1944
Ungarn
Notiz von Hewel für Außenminister Ribbentrop.
In Ungarn waren die für das Massaker an jüdischen Menschen in Nordjugoslawien (Januar 1942) verantwortlichen ungarischen Offiziere vor Gericht gestellt und verurteilt worden. Sie flüchteten daraufhin nach Deutschland und bekamen dort Asyl.
Hitler hat Anweisung gegeben, den Ungarn, falls sie dieses Thema ansprechen sollten, etwa folgendes zu antworten: "Wir könnten den Behauptungen von der Hinmordung von Tausenden von Frauen und Kindern keinen Glauben schenken, da wir die Honveds (die ungarischen Armeeangehörigen) kennten, die solche Grausamkeiten nicht machen würden. Es handelt sich hier um eine typische Judenmache und jüdische Aufbauschung des Geschehenen.
Im übrigen müsse jeder in Europa zur Kenntnis nehmen, daß Deutschland jedem, der wegen Judenverfolgung beschuldigt Zuflucht sucht, das Asylrecht gewähren wird. Ein jeder, der gegen die jüdische Pest in Europa kämpft, stünde auf unserer Seite. Außerdem hätten wir auch rumänische politische Flüchtlinge (Angehörige der faschistischen Eisernen Garde) bei uns, obgleich wir mit den Rumänen verbündet seien."
(Braham, Destruction I, Nr. 64)
20.01.1944
Auschwitz
In den Lagern von Auschwitz sind insgesamt annähernd 81.000 Gefangene untergebracht, davon 27.000 Frauen. Diese Zahl enthält nur die offiziell registrierten Häftlinge. (Czech, S. 711)
22.01.1944
Frankreich/Auschwitz
Aus Drancy kommt ein Zug mit 1.115 jüdischen Menschen in Auschwitz an. 55 Frauen und 236 Männer werden in das Lager eingewiesen; die anderen 864 Menschen werden in den Gaskammern getötet.
Nach "Selektionen"
werden über 760 kranke Häftlinge in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 712-713)
27.01.1944
Niederlande/Auschwitz
Aus Westerbork werden 948 jüdische Menschen, darunter 122 Kinder, nach Auschwitz eingeliefert. 190 Männer und 69 Frauen werden als Häftlinge übernommen; die anderen 689 Menschen werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 715)
Fernschreiben des RSHA
Alle Juden argentinischer Staatsangehörigkeit sollen umgehend im KL Bergen-Belsen interniert werden; ihr Vermögen soll "sichergestellt"
werden. (Walk, S. 402)
Das Auswärtige Amt an die Dienststelle Athen des Sonderbevollmächtigten des AA für den Südosten.
Zur Aufforderung, ihre jüdischen Staatsangehörigen aus dem deutschen Machtbereich zurückzuholen oder sie zur Deportation freizugeben, haben die angesprochenen Länder wie folgt Stellung genommen:
"Die schwedische Regierung hat gebeten, die in Betracht kommenden schwedischen Juden unverzüglich nach Schweden abzuschieben.
Die finnische Regierung hat mitgeteilt, daß Juden finnischer Staatsangehörigkeit in Griechenland oder Italien nicht ermittelt worden seien. Sollte wider Erwarten ein finnischer Jude in diesen Gebieten festgestellt werden, bittet die finnische Regierung um seine sofortige Heimschaffung.
Die rumänische Regierung hat um direkte Abschiebung nach Rumänien gebeten.
Die schweizerische Regierung hat sich zu sofortiger Übernahme von Schweizerbürgern bereit erklärt, jedoch gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß die Betreffenden die Möglichkeit erhalten, ihre gesamte Habe mitzunehmen.
Die portugiesische Regierung hat gebeten, zunächst die Ausweispapiere der in Betracht kommenden angeblich portugiesischen Staatsangehörigen der portugiesischen Gesandtschaft in Berlin vorzulegen, damit diese die für notwendig gehaltenen Maßnahmen treffen kann.
Die ungarische Regierung hat mitgeteilt, daß Juden, deren Pässe nach dem 1. Dezember 1939 ausgestellt seien, ohne weiteres nach Ungarn heimgeschafft werden könnten."
Vor diesem Datum ausgestellte Papiere müßten erst überprüft werden.Eine abschließende Stellungnahme der türkischen Regierung steht noch aus. (...)
Spanien hat sich zur Übernahme der spanischen Juden bereit erklärt und um sofortige Abschiebung gebeten.
Die hiesige argentinische Botschaft hat gebeten, sofern argentinische Juden in Betracht kommen sollten, ihr die Personalien der Betreffenden unverzüglich bekannt zu geben. Sie werde sich dann mit Ihrer Regierung in Buenos Aires in Verbindung setzen, wolle eine solche Fühlungnahme jedoch, bevor nicht feststehe, ob überhaupt Argentinier betroffen würden, zur Vermeidung einer Beunruhigung unterlassen."
(ADAP, Serie E, Bd. VII, Nr. 189)
30.01.1944
Rundfunkrede Hitlers zum Jahrestag der "Machtergreifung"
"Übrigens wird jeder Staat, der sich so wie England dem Judentum erst einmal verschrieben hat, früher oder später dieser Pest erliegen, es sei denn, er rafft sich in letzter Minute noch auf und entfernt mit Gewalt diese Bakterien aus seinem Körper. Die Meinung, zu einem friedlichen Zusammenleben oder gar zu einem Ausgleich der eigenen Interessen mit denen der Fermente dieser Völkerzersetzung kommen zu können, ist nichts anderes, als zu hoffen, daß der menschliche Körper in der Lage sei, auf die Dauer auch Pestbazillen zu assimilieren." (Domarus, S. 2082)
Januar/Februar 1944
Italien
Errichtung des deutschen Konzentrationslagers San Sabba bei Triest.
Von Triest gingen 22 Deportationszüge mit politischen Gefangenen und Juden, die im Gebiet Triest, Gorizia, Friuli, Fiume (Rijeka) und Istrien verhaftet worden waren, ab. Nach der Schließung des Lagers Fossoli Anfang August 1944 wurden auch die in Venedig und Padua festgenommenen Juden nach San Sabba gebracht. (Benz, Dimension, S. 207)
WELTKRIEGSEREIGNISSE
16.01.1944
UdSSR
Tutschin (Ukraine) wird von sowjetischen Truppen befreit. Nur etwa 20 Juden haben in der Gegend überlebt; vor dem deutschen Einmarsch hatten in der Stadt etwa 3.000 jüdische Menschen gelebt. (EdH, S. 1442-1443)
17.01.1944
Beginn der sowjetischen Offensive zur Befreiung Leningrads. Sie führt innerhalb von zehn Tagen zum Erfolg.
22.01.1944
Alliierte Landung in Anzio und Nettuno, 40 km südlich von Rom. Der deutschen Wehrmacht gelingt es, den Brückenkopf abzuriegeln und die Front bis zum Mai zu halten.