CHRONOLOGIE des HOLOCAUST

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02.07.- 11.07.1944

Auschwitz

Auflösung des zweiten "Familienlagers" in Auschwitz, in dem Deportierte aus Theresienstadt zu Täuschungs- und Propagandazwecken unter relativ etwas besseren Bedingungen untergebracht waren. Mehr als 3.000 Menschen werden in den Gaskammern getötet, 3.000 andere werden in verschiedene Arbeitslager geschickt.

Insgesamt lebten zu diesem Zeitpunkt noch etwa 10.000 Menschen in dem Lager - 3.256 aus den Transporten vom Dezember 1943, die übrigen aus Transporten vom Mai 1944. (Czech, S. 811)

08.07.1944

Ungarn

Telegramm Veesenmayers an das Auswärtige Amt.

Horthy habe ihn zu sich gebeten, um ihn über die Putschpläne der Rechtsextremen und seine Gegenmaßnahmen zu informieren.
"In der Judenfrage habe er die Absonderung der christlichen Juden angeordnet (um sie von den allgemeinen antijüdischen Maßnahmen auszunehmen) und er sei bereit - abgesehen von den jüdischen Arbeitskompanien - einem weiteren Abschub der Budapester Juden in Bälde zuzustimmen. Er lege jedoch Wert darauf, daß die bisherige Härte der Behandlung vermieden würde." (Braham, Destruction II, Nr. 190)

Nach Angaben des SD wurden bisher 422.911 ungarische Juden deportiert. (Braham, Destruction II, Nr. 287)

RK Ostland

Angesichts des Näherkommens der sowjetischen Streitkräfte "liquidieren" die Deutschen das Ghetto von Kowno/Kaunas (Litauen). Etwa 4.000 Menschen werden in Konzentrationslager auf Reichsgebiet verlegt. 2.000 andere werden bei der Menschenjagd der SS in Verstecken aufgespürt und ermordet. Als sowjetische Truppen Kowno am 1. August befreien, treffen sie nur noch 90 jüdische Überlebende, von früher 30.000 jüdischen Einwohnern der Stadt, an. (EdH, S. 806)

10.07.1944

Ungarn

Telegramm Ribbentrops an Veesenmayer.

Er soll Horthy und Sztojay mitteilen, daß Hitler entschieden hat, "der ungarischen Regierung in der Frage der ausländischen Angebote für den Abtransport von Juden ins Ausland entgegenzukommen."
Den Angeboten der schwedischen, schweizerischen und US-Regierung könne also entsprochen werden, wobei man davon ausgehe, daß die betreffenden Juden in die jeweiligen Länder - und nicht nach Palästina - übernommen würden.

Veesenmayer soll hinzufügen, daß Deutschland dieses "Entgegenkommen" nur unter der Voraussetzung praktizieren werde, daß der von Horthy gestoppte Abtransport der anderen Juden (nach Auschwitz) sofort und schnellstens zu Ende geführt wird. (ADAP, Serie E, Bd. VIII, Nr. 108)

Auschwitz

3.000 jüdische Frauen und Kinder aus dem Theresienstadt-Familienlager in Birkenau werden in den Gaskammern ermordet. (Czech, S. 820)

11.07.1944

Ungarn/Auschwitz

Die letzten zwei Deportationszüge aus Ungarn kommen in Auschwitz an.

Die noch am Leben gebliebenen etwa 4.000 jüdischen Menschen aus dem Theresienstadt-Familienlager werden in den Gaskammern getötet. (Czech, S. 820)

12.07.1944

Auschwitz

Im KL Auschwitz befinden sich insgesamt, einschließlich der Nebenlager, 92.208 Gefangene. (Czech, S. 821)

Ungarn

Sitzung des Ministerrats.

Sztójay behauptet, die geplanten nächsten Deportationen sollten "humaner" verlaufen; jeder Deportierte solle im Zug einen Sitzplatz erhalten. Er habe Veesenmayer dringend aufgefordert, die Behauptungen zu dementieren, daß die deportierten Juden vergast und verbrannt würden.

13.07.1944

Griechenland

Die deutschen Dienststellen ordnen an, daß alle Juden der Insel Rhodos bis zum 17. Juli in vier Städten zusammengezogen werden sollen. (IMT, NOKW-1802)

14.07.1944

Auschwitz

Ungefähr 2.000 jüdische Frauen aus dem Theresienstadt-Familienlager werden in das KL Stutthof und nach Hamburg überstellt. (Czech, S. 822)

Rumänien

Schreiben des deutschen Gesandten Killinger an das Auswärtige Amt.

Es treffe zu, daß Rumänien ungarische Juden wie politische Flüchtlinge behandele und ihnen die Weiterreise nach Palästina gestatten wolle. Das stehe im Widerspruch zu der Zusage, diese Flüchtlinge den deutschen Polizeistellen auszuliefern. (Braham, Destruction II, Nr. 317)

15.07.1944

RK Ostland

Wegen des Näherkommens der sowjetischen Armee werden die überlebenden Juden aus dem Konzentrationslager Schaulen/Siauliai (Litauen) nach Deutschland verlegt, überwiegend ins Lager Stutthof.

Die meisten von ihnen kamen ums Leben; nur etwa 500 Juden aus Siauliai/Schaulen, weniger als ein Zehntel der Vorkriegsbevölkerung, erlebten die Befreiung. (EdH, S. 1281)

WELTKRIEGSEREIGNISSE

13.07.1944

UdSSR

Befreiung der litauischen Hauptstadt Wilna durch die sowjetische Armee. Von 57.000 Juden zur Zeit des deutschen Einmarsches haben nur 2.-3.000 überlebt, ein Drittel davon in den Wäldern, die übrigen in verschiedenen Lagern, durch falsche Dokumente u.a. (EdH, S. 1603)

14.07.1944

UdSSR

Pinsk (Weißrußland) wird von sowjetischen Truppen befreit. In der Stadt, wo vor dem Krieg 30.000 Juden lebten, gibt es keine jüdischen Überlebenden mehr. (EdH, S. 1114)

Grodno (Weißrußland) wird von sowjetischen Truppen befreit. Etwa 200 Juden, einschließlich zurückkehrender Flüchtlinge, sind noch am Leben. Vor dem Krieg hatte die Stadt rund 25.000 jüdische Einwohner. (EdH, S. 565-567)